Die Sieben Gezeichneten 4.3 (7): Rausch der Ewigkeit (Mächte des Schicksals) (A085) (3e)

komplexer Geschehnisse waren. Dem Meister oblag es¸ alles im Auge zu behalten und den Spielern tatsächlich das Gefühl zu vermitteln¸ in einer Welt zu agieren¸ die gesamt betroffen ist.
In 'Rausch der Ewigkeit' wird der Bogen noch einmal weiter gespannt - und steht kurz vor dem Bersten¸ wie ich meine. Das Abenteuer ist prinzipiell in zwei Teile geteilt. Anfangs geht es darum¸ die uralten und mächtigen Trollstämme von einem Eingreifen zugunsten der Menschheit zu überzeugen.
Thomas Finn erreicht sein Ziel: Die Trolle verlieren jedweden Anklang der Lächerlichkeit und Graugatschthor¸ die äonenalte Festung der Trolle vermittelt ein archaisches¸ episches Gefühl. Der Meister - endlich einmal losgelöst vom gordischen Knoten der aventurischen politischen und religiösen Beziehungen - kann sich wundervoll auf die stimmungsvolle Zeit bei den Trollen konzentrieren. Rollenspiel¸ Geheimnisvolles und der gelegentliche durchdachte Kampf¸ gewürzt mit der einen oder anderen humorvollen Passage¸ wie die Suche nach dem Graurm bei den Grolmen¸ bieten alles¸ was sich Spieler und Meister wünschen können. Theoretisch kann man die Tage des Thing spielerisch ausdehnen¸ da die Zivilisation der Trolle genug Stoff für Abende bildet.
Dennoch gilt es schließlich - hoffentlich mit dem Wohlwollen der Trolle und der sechsten Zeichnung - gen Trollpforte zu ziehen¸ wo sich die größte Schlacht seit Jahrtausenden anbahnt. Hadmar von Wieser¸ verantwortlich für diesen Teil¸ oblag es¸ den schier unmöglichen Spagat zwischen individuellem Rollenspiel der Gezeichneten und dem Erleben des gesamten Konflikts zu schaffen; ein Konflikt¸ der mit Schlagworten umschrieben werden kann:
zehntausende von Kämpfern¸ tausende Geweihte aller Kirchen und Orden¸ Armeen der Kaiserlichen¸ des Horasreiches¸ der Zwerge¸ Elfen¸ Orks¸ Thorwaler¸ Nostrianer¸ Andergaster¸ Al'Anfaner¸ der Trolle¸ der Zyklopen¸ hunderten von Magiern¸ Druiden¸ Hexen und Geoden sowie natürlich die Gezeichneten¸ alle verbündet gegen die Ontorage des schwarzen Meisters: schwarze Erzmagier¸ paktierende Söldnerheere¸ tausende Dämonen und Untote¸ einen untoten Kaiserdrachen und jegliche Form der bekannten und unbekannten Magie. Wenn sich Sonnenlegionäre und Inquisitionsheere an der Seite von Rondrianern und Adariten geführt vom Donnersturm und flankiert von den Posaunen von Perricum¸ im Lichthagel unitierter Flammenlanzen und Blitzstürme gegen 1000 untote Oger stürzen¸ von Flammendämonen und wandelnden Festungen bedrängt¸ wenn mächtige Boronheere mit göttlichem Gesang Skelette zerbersten lassen um dann von Borbarads Geschütztürmen zermalmt zu werden¸ wenn hundert Elfen mit Magie und singenden Pfeilen durch die Wälder brechen¸ anreiten gegen die unfassbaren Panikstandarten der schwarzen Scharen... dann schwitzt der Meister.
Gelöst wurde die Problematik durch ein exzellentes Strategiespiel des Bernhard Hennen¸ das die gesamte Schlacht erfasst¸ in dem man jederzeit die Perspektive wechseln und sozusagen hautnah in die Seelen der Streitenden herabfährt. Problem dieses Spiels ist jedoch¸ die dutzenden von Truppencountern mit rollenspielerischen Leben zu erfüllen: Wer hat schon eine Vorstellung von der Dramatik¸ die sich auf dem Feld abspielt¸ wenn eine Marke mit der Aufschrift 'Golgariten' gegen eine weitere mit der Aufschrift 'Reiter des Widharcal' verliert und aus dem Spiel genommen wird...
Dennoch wurde die Sache bestmöglich gelöst und verlangt nach deutlich mehr als einem Spielabend. Wenn sich die Gezeichneten endlich zu Borbarad durchgekämpft haben¸ überschlagen sich die Ereignisse. Nichts soll verraten werden¸ nur so viel: jeder Held erhält die Chance¸ seinen Beitrag zur Vernichtung des Dämonenmeisters zu leisten¸ wenn auch vielleicht unter Darbringung eines größten Opfers...
Fazit:
Ein gewaltiger¸ gelungener Abschluss einer leider nicht immer konsequenten¸ aber dennoch höchst spielenswerten Kampagne. Übrigens endlich mal ein Abenteuer¸ das sich mit Hilfe des billanten Strategiespiels wieder und wieder spielen lässt. Mögen die Götter mit den Gezeichneten sein...
Eine Rezension von: Ronny