Namenlose Dämmerung (A098 / A150.1) (3e)
Namenlose Dämmerung
Im Herz des Mittelreichs liegt der düstere und sagenumwobene Reichsforst, der Rest des einst kontinentumspannenden Waldes, der den Elfen der Vorzeit Schutz und Heimat war. Und inmitten dieses Urwalds liegen die Ruinen Simyalas, einer der mythischen Städte der Hochelfen. So zumindest heißt es, aber seit Geron dem Einhändigen hat niemand die Geheimnisse des Reichsforst genauer untersuchen können...
In der Baronie Falkenwind am Rande des Reichsforsts kommt es nun aber zu dramatischen Ereignissen, die das Eingreifen der Helden erfordern - und deren Spur in die undurchdringlichen Wälder führt...
Der erste Teil der Kampagne um die uralte Elfenstadt Simyala.
(aus dem Rückseitentext des Abenteuers)
Es fällt nicht leicht, dieses Abenteuer zu rezensieren, ohne zuviel vom Inhalt zu verraten. Spieler also auf jeden Fall weggelesen! Nun, liebe Meisterinnen und Meister, wo wir nun unter uns sind, kann ich ja ein paar Worte über die Handlung verlieren: Das Abenteuer beginnt bereits extravagant - mit einem großen Wunder! Und in ähnlicher Tragweite geht es weiter. In dem in fünf Kapitel untereilten Abenteuer geht es um Feen, Elfen, verschollene Barone, alte Artefakte und natürlich um den Namenlosen. Dieser hat nämlich einen äußerst raffinierten Plan ausgeheckt, um sein Machtpotential zu erhöhen. Allzuviel davon jedoch in diesem ersten Band der Kampagne Im Schatten Simyalas nicht verraten. Vielmehr wird auf ein anfänglich stark regional gebundenes Problem eingegangen, dessen Tragweiten sich aber im Verlaufe des Abenteuers und, so vom Autor versprochen, während der Kampagne auf ganz Aventurien ausdehnen wird.
Namenlose Dämmerung überrascht mit seiner abwechslungreichen Story, die sowohl detektivische Elemente, als auch das Erkunden fremdartiger Schauplätze und einen kleinen Dungeon bietet. Der größtenteils geradlinige Handlungsstrang bleibt dabei stets überschaubar und sollte auch unerfahrenen Meistern keine Probleme bereiten. Die wahren Hintergründe werden zunächst nur dem Spielleiter offenbart und erst zum Finale hin erhalten die Spieler erste Informationen darüber, in welch große Sache ihre Helden hineingeschlittert sind. Kenner der Phileasson-Saga werden sich atmosphärisch stark an die preisgekrönte Tetralogie von Bernhard Hennen erinnert fühlen, obwohl das Abenteuer an sich überhaupt nichts mit diesen Klassikern zu tun hat. Thomas Finn, den die meisten wohl vom Rausch der Ewigkeit kennen werden, setzt auf High-Fantasy und präsentiert Spielern und Spielleitern zeitlose, wundersame Orte, und eine Geschichte voller uralter Mystik und düsterer Visionen. Eine wirkliche Wohltat nach den vielen Abenteuern um Macht und Intrigen. Diesmal sind die Helden (noch) keine Schachfiguren im Spiel um Macht sondern die wirklichen Protagonisten, die auch in Zukunft noch einiges erleben werden. Im Anhang befinden sich übrigens einige Vorschläge zur Gestaltung von kleinen Abenteuern, um die Zeit bis zum nächsten Teil der Kampagne zu überbrücken.
Das gesamte Abenteuer ist in einer angenehm zu lesenden Sprache verfasst und bietet selbst für den Meister Spannung beim studieren des Handlungsstrangs. Es sind keine großartigen Kenntnisse unzähliger Boxen nötig und auch das kommt besonders Neueinsteigern zugute. Zahlreiche schöne Illustrationen beflügeln die Fantasie und schlüssige Grundrisse erleichtern das meistern zusätzlich.
Fazit: Mit einer interessanten, spannenden und epischen Geschichte kann das Abenteuer Namenlose Dämmerung ebenso überzeugen wie mit einem sauber strukturierten, manchmal sehr linearen, Handlungsaufbau. Ohne große Vorarbeit und zusätzliches Quellenstudium lässt sich ein Abenteuer voller Mystik, Magie und finsterer Bedrohungen leiten, das auf jeden Fall Lust auf die Nachfolgeabenteuer macht. Genau das richtige, wenn ihr mich fragt!
Der Peis beträgt 26,95 DM für 60 Seiten. Naja, die Qualität wiegt es diesmal einigermaßen auf.
Eine Rezension von: Frank Reiss