Die unsichtbaren Herrscher (A101) (3e)
Die unsichtbaren Herrscher' ist ein Abenteuer für 3 - 5 Spieler der Erfahrungsstufen 7-13¸ das im Reich des Horas spielt¸ also vor allem für Helden geeignet ist¸ die sich mit Intrigen¸ mit höfischer Etikette und mit den adligen Stammbäumen zur genüge auskennen. Auf 80 engbedruckten Seiten geht es dann auch dementsprechend zu¸ die Illustrationen von Caryad sind wieder einmal sehr ansprechend gelungen und fangen auch hervorragend die richtige Stimmung ein.
Über den Inhalt soll wenig gesagt werden¸ lebt ja doch gerade ein Horasreich-Abenteuer davon¸ daß den Spielern unerwartete Wendungen und Geschehnisse präsentiert werden¸ daß sie niemals genau sicher wissen¸ wer Freund oder Feind ist oder daß man Original oder Fälschung nicht genau zu unterscheiden vermag. Um letzteres geht es in dem Abenteuer. Eine Urkunde taucht da auf¸ die¸ fall sie tatsächlich echt gefälscht sein sollte (bewußtes Wortspiel!) sehr leicht das Staatsgefüge ins Wanken bringen könnte. So gehen die Spieler also allerlei Spuren nach¸ recherchieren und forschen¸ und dabei ziehen sie sich verständlicherweise nicht nur Freunde zu. Die Queste nach der Lösung führt die Helden schließlich durch mehrere Schauplätze¸ die allesamt gut geschildert ist¸ und natürlich sind auch sehr geschichtsträchtige Orte darunter.
Soweit zum Abenteuer. Es ist im Grunde genommen ein sehr schönes¸ stimmiges Abenteuer¸ das aber etwas zwiespältig zu sehen ist. Einerseits böte dieses Abenteuer geradezu sich für horasische Spieler an¸ die ja mit dem Intrigengespinst und den Sitten im Horasreich bestens vertraut sind¸ andererseits wird an einigen Stellen die Loyalität (die eigentlich einer der Wesenszüge jedes Horasiers sein sollte) auf die harte Probe gestellt; hier steht der Spielleiter vor dem Problem¸ den richtigen Helden diese Queste zuzutrauen. Weiters wird hier an einer Stelle unter den wichtigen Meisterinformationen von den Autoren ein gutes Stück der aventurischen Mystik arg beschnitten - ob das so alle Spielleiter (die ja globaler denken) so einfach hinnehmen bzw. übernehmen werden darf bezweifelt werden. Das ist einer der Hauptkritikpunkte eigentlich. Schade¸ da kann der gute Haupt-NSC¸ der Sean Connery verdammt ähnelt¸ auch nicht viel entgegensetzen. Weiters stört auch ein Hinweis am Ende des Bandes¸ das die Spieler vermutlich in einem späteren Abenteuer ins Güldenland führen wird. Auch eine zweifelhafte Sache: Myranor¸ das Güldenland¸ würde nach meiner Meinung um so mehr von seiner faszinierenden Exotik verlieren¸ je mehr es zum Tummelplatz aventurischer Helden wird. Warum knüpft man hier schon wieder mit Gewalt einen Faden zu einem Kontinent¸ der ob seiner Lage und ob seiner Gegebenheiten am besten funktioniert¸ je weiter er vom ganz anders strukturierten Aventurien entfernt ist.
Trotzdem aber sind 'Die unsichtbaren Herrscher' ein gutes Abenteuer für höfisch erfahrene Charaktere. Die Handlung ist ungemein komplex und kann sehr viel Eigendynamik entwickeln¸ Interaktion mit NSCs wird großgeschrieben¸ richtiges Verhalten ist obligat. Das verlangt natürlich nach einem sehr erfahrenen Spielleiter und natürlich auch nach erfahrenen Spielern. Ist all dies zusammen¸ kann man mit den 'Unsichtbaren Herrschern' ein sehr schönes Abenteuer erleben¸ unter Vorbehalt der genannten Punkte natürlich..
Eine Rezension von: Halle der Helden http://www.halle-der-helden.at
