Compendium Salamandris
Compendium Salamandris
Wie viele Untote kann ein Nekromant kontrollieren? Wie dunkel ist die magische Dunkelheit? Wie lange braucht ein Zauberer, um eine Thesis niederzuschreiben? Gibt es eine Organisationstruktur für die Töchter Satuarias? Welche Zaubersprüche erlernt ein Magier zu Beginn seiner Laufbahn? Dieser Band beantwortet häufig gestellte Fragen zu allen Spezialgebieten, Ausrichtungen und Ursprüngen der aventurischen Zauberei, erläutert Regeln, präsentiert Beispiele und Erweiterungsmöglichkeiten, führt den Alchimisten als Heldentyp ein, erweitert die Magische Bibliothek und die Liste zauberkräftiger Elixiere und stellt einige neue Zauber und magische Wesen vor.
(aus dem Rückseitentext des Abenteuers)
Das Thema Magie hat bei DSA seit jeher einen besonders hohen Stellenwert. Das Magiesystem ist wohl eines der ausgeklügelsten und detailreichsten der Rollenspielszene und zugegeben auch mein ganz persönliches "Spezialgebiet". Seit dem Erscheinen der bisher wohl umfangreichsten DSA-Box aller Zeiten, Götter, Magier und Geweihte ist eine beträchtliche Zeit ins Land gegangen. Damals blieben nach der Lektüre der insgesamt drei Bücher zum Thema Zauberei unzählige Fragen offen. Im Salamander, einer Rubrik im Aventurischen Boten, wurden einige dieser Fragen in regelmäßigen Abständen gesammelt erklärt und auch außerhalb offizieller Produktionen gab es viele Diskussionen und Lösungsvorschläge. Mit dem Compendium Salamandris wurde eine Sammlung all jener Fragen, die sich im Laufe der Jahre ergeben haben, zusammengestellt. Blickt man sich das Inhaltsverzeichnis des satte 120 Seiten umfangreichen Bandes an, findet man eine fein säuberliche Aufteilung der Spielhilfe in sinnvolle Abschnitte: Lehren und Lernen, Artefakte, Druiden und -Rituale, REVERSALIS und so weiter. Schließlich hat auch noch jedes Spezialgebiet der aventurischen Magie ein eigenes Kapitel. Blättert man durch die Seiten, wird man feststellen, dass die Spielhilfe die Form des Salamanders beibehalten hat - eine Frage/Antwort-Liste. Kurz und bündig werden O-Ton-Spielerfragen beantwortet, die teilweise wirklich wichtige Lücken im Regelwerk ansprechen, an vielen Stellen jedoch gnadenlose Haarspaltereien darstellen, die ganz spezielle Spielsituationen einer Spielgruppe zu lösen versuchen. An dieser Stelle sollte man jenen Spielleitern einen Vorwurf machen, die scheinbar nicht in der Lage sind, auch mal ein wenig abseits vom offiziellen Regelwerk Entscheidungen zu treffen. Naja, wem es hilft...
Es ist eigentlich unmölich, alle spielrelevanten Fakten aus den jeweiligen Frage/Antwort-Abschnitten im Kopf zu behalten und im Spiel zu verwenden, da die dargestellten Erweiterungen des Regelsystem wie bereits erwähnt nur auf spezielle Situationen zutreffen, die (zumindest in meiner Spielgruppe) nur selten auftreten. Was mir aber gut gefällt ist die Tatsache, dass man merkt, wie sehr DSA doch ein Produkt der Spieler geworden ist, denn ohne deren Nachfrage wäre dieses Werk nie entstanden.
Das Compendium Salamandris besteht aber nicht nur aus der beschriebenen FAQ-Liste, sondern auch aus einigen wirklich neuen Artikeln zur Aventurischen Zauberei. Man erfährt nun endlich etwas über "Tödliche Träume", "Elementare Golemiden" und Kraftlinien. Es werden neue Regeln vorgestellt und neue Aspekte der Magie eingeführt. Ein besonderes Bonbon ist für viele sicherlich die Einführung des Alchimisten als kompletten Heldentyp. Das bringt eine frische Brise in die verstaubte Heldenauswahl. Auch die Sammlung alchimistischer Gebräue wird erweitert, ebenso wie die "Magische Bibliothek" um einige Exemplare anwächst. Wie man aus letzterer lernt und wie man selbst Thesen niederschreibt, erfährt man in den Kapiteln "Lehren und Lernen" und "Auf Pergament gebannt". Das klärt einige essentielle Fragen. Auch eine interessante Beschreibung des Magierechts und des Gildenwesens sind sicherlich nützlich. Ich hätte mir persönlich mehr Artikel in dieser Form zu unterschiedlichen Themen gewünscht, aber es wird ja wahrscheinlich irgendwann eine Fortsetzung des Compendium Salamandris geben
Die paar negativen Kritikpunkte, die mir zu dieser Spielhilfe einfallen, sind eher persönlich gefärbt. Zum einen wäre da die erwähnte Haarspalterei und die daraus resultierende geringe Nützlichkeit der Spielhilfe in der laufenden Spielrunde. Zum anderen finde ich die FAQ-Aufteilung nicht sehr günstig. Man sucht extrem lang, bis man wirklich die Frage gefunden hat, auf die man gerade eine Antwort benötigt. Ein Verbesserungsvorschlag meinerseits: Die Autoren hätten lieber die Informationen aus den Antworten herausfiltern und in vollständige Artikel umformulieren sollen. Die versprochenen neuen Zauber sind hauptsächlich Modifikationen bekannter Zauber und die gereinigten Borbaradianerzauber, nur zwei Sprüche sind wirklich neu. Es macht mich auch ein wenig ärgerlich, dass die versprochene Liste der Magierakademien inclusive der dort gelehrten Zaubersprüche nicht abgedruckt wurde. Stattdessen wird der Leser auf die Homepage von FanPro geschickt, wo es demnächst diese Liste zu begutachten gibt.
Fazit: Das Compendium Salamandris ist für all jene Spieler, die sich intensiv der Magie des Schwarzen Auges en detail widmen eine sinnvolle Anschaffung, wenn auch viele neue Regeln nur selten im Spiel zum Einsatz kommen werden. Spieler, die sich mit der Magiebox begnügen und das Magiesystem für ausgereift genug halten, können die Finger getrost von der Spielhilfe lassen. Wegen dem Alchimisten als Heldentyp oder den neuen Zaubern lohnt sich der Kauf nicht.
Der Peis beträgt 26,95 DM, was ja schon ungewöhnlich für DSA-Verhältnisse bei einer solchen Textmenge ist.
Eine Rezension von: Frank Reiss