Wales - Dunkles Land der Kelten und Geister
Wales - regnerisches¸ hartes¸ karges Land¸ geformt von sich hineinfräsenden Gletschern¸ geformt auch von Kelten¸ Römern¸ Angelsachsen und den Kriegen zwischen ihnen¸ geformt von Kulturen die kamen und gingen¸ deren Namen man nicht kennt. Wales - idealer Hintergrund für Detektive auf Cthulhus Spuren¸ die sie nach Crug Llanfinghangel führen¸ ein ödes Felsennest an der Küste¸ welches unter dem Fluch eines Träumers liegt. Sehr bald verfangen sie sich in seinen geisterhaften Netzen¸ und sie werden nicht mehr wissen¸ ob sie ihnen begegnen oder nicht¸ den dämonischen Geistern aus den Tiefen der Nacht. Und ihr Weg führt sie noch weiter bis in ein verlassenes Geisterhaus in Dyffryn du Cors¸ wo ei kleines Mädchen Spielgefährten sucht und drei gutmeinende Honoratioren ihnen eine heikle Aufgabe hinterließen¸ die wirkliche Lösung aber die Spieler weit zurück in die keltische Geschichte führen wird¸ weit hinaus in das Herz des schwarzen Moores.Wales - Wildes Land der Kelten und Geister - allein der Titel klingt schon verheißungsvoll. Nun¸ ehrlich gesagt¸ für Wales habe ich mich eigentlich nie so besonders interessiert¸ der Name lässt vage Vorstellungen von Schafzucht und unaussprechlichen Namen in mir auftauchen. Egal¸ Kelten und Geister sind immer interessant¸ zumal für ein Ambiente-Horrorspiel wie Cthulhu und der Band soll mir jetzt alles darüber erzählen.vom Backcover von Wales
Zumindest vom Layout her macht er einen sehr schönen Eindruck¸ Pegasus haben das Design ihres neuen Grundregelwerks natürlich auch für den Walesband verwendet¸ der innen mit zahlreichen Schwarzweißphotographien versehen wurde¸ die den Text illustrieren¸ alles in allem sehr atmosphärisch. Der Inhalt besteht im Wesentlichen aus einem fünfzehnseitigen Artikel und zwei Abenteuern¸ die in Wales angesiedelt sind. Der Artikel soll in diesem Zusammenhang eher einen Überblick schaffen¸ der es ermöglicht¸ die Abenteuer besser in den Gesamthintergrund Wales einzupassen¸ weswegen er sich vor allem mit den relevanten Themen wie Druidenkult und walisischer Geschichte befasst und sich auf das Wales der 1920er konzentriert. Man erfährt eigentlich recht wenig¸ aber für die beiden Abenteuer wird es reichen. Die lange Städteliste mit Kurzbeschreibungen soll da wohl eine Ausbaumöglichkeit für weitere Abenteuer in Wales schaffen¸ was aber sehr viel Recherche seitens des Spielleiters erfordert¸ wobei einem nicht gerade der Eindruck vermittelt wird¸ Wales sei besonders interessant.
Das erste Abenteuer stammt von Wolfgang Schiemichen und persönlich halte ich es für ein wunderbares Beispiel dafür¸ wie ein Abenteuer bei Cthulhu nicht sein sollte. Im Prinzip geht es darum¸ dass die Spieler in einem kleinen walisischen Nest stranden¸ wo sie solange von Geistern gepiesackt werden¸ bis sie eine alte Burg untersuchen¸ wo sie nach weiteren Episoden in den Traumlanden endlich den Verursacher des ganzen Übels (nicht den Spielleiter!) niederstrecken dürfen. Zuerst einmal missfällt mir der Abenteuereinstieg¸ es wird von deutschen Charakteren ausgegangen¸ die durch irgendeine hanebüchene Story nach Britannien gezwungen werden¸ wo es ihnen dann so missfällt¸ dass sie nach Wales in besagtes Küstenkaff flüchten. Dort könnte man herrliches Rollenspiel haben¸ denn für den Ort wurden interessante Charaktere und ein netter Plot ausgearbeitet¸ leider wird man aber andauernd von den lästigen Geistererscheinungen heimgesucht (die sich irgendwie nur auf die Charaktere zu konzentrieren scheinen) und alles¸ was einem die Interaktion mit den Dörflern einbringen könnte¸ hat mit dem eigentlichen Abenteuer eigentlich überhaupt nix zu tun. Das beginnt erst¸ wenn sich die Spieler zur Erforschung der Burgruine entschließen¸ wo sie immer wieder in die Traumlande gerissen werden. Sehr schön fand ich den Ansatz¸ wie Plätze um die Burg unmerklich in die Traumlandrealität überwandern¸ aber erstens sind mir die Episoden etwas zu sehr Fantasy für Cthulhu und zweitens weiß ich nicht¸ wie die angenommenen deutschen Akademiker das körperlich und geistig überleben sollen. Und für die Spieler entsteht gewiss ein gewisser Abstumpfungseffekt entsteht¸ weil durch die dauernd wechselnden phantastischen Hintergründe irgendwie keine rechte Atmosphäre entsteht. Und das Ende des Abenteuers ist auch recht enttäuschend¸ wenn man den ganzen Spuk einfach abschaltet. Das Abenteuer ist meiner Meinung nach zu unflexibel und wirft solange mit übertriebenen Spezialeffekten um sich¸ bis die Charaktere höchstwahrscheinlich auf frustrierende Weise ihr Leben verlieren ohne irgendwelche ihrer Fähigkeiten richtig einsetzen zu können¸ wenn es denn irgend realistisch sein soll.
Das zweite Abenteuer von Thomas Finn hingegen ist absoluter Standard. Die klassische Geisterhausgeschichte bei Cthulhu¸ wo ein befreundeter Makler die Spieler bittet¸ seine heimgesuchte Immobilie am Ende der Welt zu untersuchen. Alles spielt in einer kleinen walisischen Stadt. Es gibt im Prinzip zwei miteinander verwobene Grundhandlungen¸ einmal ein finsterer Kultist mit einer monströsen Kreatur¸ der darauf sinnt¸ mit einem Ritual einen uralten bösen Druiden wiederzubeleben und gerade im Ort seine Zutaten zusammensucht und dann noch die Geister (Opfer früherer Wiederbelebungsversuche)¸ die das Haus heimsuchen. Die Spieler müssen erst hinter die Geschichte des Ortes kommen¸ um sowohl den Kultisten aufzuhalten als auch die Geister zu erlösen. Ohne etwas Außergewöhnliches zu sein¸ hat Thomas Finn es trotzdem geschafft¸ drei der Hauptelemente von Cthulhu im Abenteuer miteinander zu verweben: Der stereotype böse Beschwörer¸ der finstere Ziele verfolgt und aufgehalten werden muss¸ Nachforschungen in einem leicht xenophoben Dorf mit abergläubischer Bevölkerung und die mysteriöse Atmosphäre eines Geisterhauses¸ wo am Ende auch die Spieler bei jedem Geräusch zusammenzucken werden. Und für diesen einzigen wirklich guten Beitrag¸ der den Kauf des Bandes rechtfertigt¸ hätte ich eigentlich keinen Walesband gebraucht¸ da die Geisterhaus-/Kultistenstory sich genausogut sonstwo auf der Welt ansiedeln lässt.
Als das Spiel neu herausgekommen ist¸ war Wales als einziges Supplement den Kauf schon wert¸ aber jetzt¸ da Pegasus zahlreiche bessere Cthulhuprodukte im Angebot führt muss ich mich wohl zwischen einer Empfehlung für Wales und einem guten Gewissen entscheiden. Kauft das Buch nur¸ wenn ihr meint¸ etwas davon zu haben¸ ansonsten seht euch eher nach den anderen Produkten um...
Eine Rezension von: Thomas Michalski http://www.thomas-michalski.de/
