In Labyrinthen - Dunkle Pfade im Osten
Passend zum jüngst erschienen Amerika-Quellenband ('In Städten und Wäldern') gibt es jetzt 'In Labyrinthen - Dunkle Pfade im Osten'. Dieser gefällig aufgemachte Band liefert fünf Abenteuer¸ die an den im Amerika-Quellenbuch vorgestellten Schauplätzen spielen¸ also im Osten der USA. Dieses Gebiet bietet sich für den Cthulhu-Spielleiter bestens an. Nicht nur¸ daß Lovecraft selbst hier lebte und auch der Großteil seiner Erzählungen hier spielt¸ dieser von den Pilgervätern besiedelte Landstrich hat ja seine ureigene skurrile Tradition; hier ist es auch¸ wo Stephen King seine Romane spielen läßt¸ hier stößt man in der träumerischen Naturkulisse auf uralte Relikte der ersten Siedler oder gar noch aus der Indianerzeit - oder aus viel früheren Zeiten...
Genug der Schwärmerei¸ sehen wir uns die einzelnen Abenteuer nun näher an. Zuvor allerdings gibt es etliche Seiten Einleitung. das Kapitel 'Von echtem Schrecken und schrecklichen Spielleitern' ist zwar für den erfahrenen Cthulhu-Meister nicht unbedingt was Neues¸ aber für den Neueinsteiger unbedingt eine empfehlenswerte Lektüre. Man erfährt¸ wie man Stimmung vermittelt¸ die wirklich unter die Haut geht¸ man erfährt¸ was der Spielleiter alles tun kann und soll¸ um die Dramatik einer Geschichte zu pflegen und zu erhalten. Insbesondere das erste Abenteuer wird hier angeführt¸ um dem Spielleiter durch dieses recht geradlinige¸ etwas archetypische Abenteuer zu führen.
Ein weiteres großes Kapitel im Vorwort widmet sich den indianischen Medizinmännern und Schamanen. Man liest hier so einiges über diese weisen Männer¸ Augenzeugen wissen hier Interessantes zu berichten. Seien es Rituale¸ der Gebrauch des Rauschmittels Peyote oder die Geistertänze¸ es wird ein wenig die geheimnisvolle Kultur dieser Medizinmänner gelüftet. Zwar ist der Artikel kein komplexes anthropologisches Essay¸ doch um einen indianischen Schamanen stimmungsvoll im Abenteuer einzusetzen¸ dazu reicht es allemal.
Das erste Abenteuer¸ 'das Nest'¸ ist wie erwähnt recht geradlinig und hat lediglich die Erforschung eines Anwesens zum Zweck. Es ist ein alter amerikanischer Klassiker¸ mittlerweile etwas überholt¸ doch das soll nicht abschrecken. der Spielleiter wird nämlich wiederholt im Abenteuer auf Unklarheiten und Mißstände hingewiesen und wie er sie ausbügeln kann¸ um der Geschichte mehr Tiefe zu geben. Denn die Grundidee ist nicht schlecht¸ und da sich die 'Labyrinthe' ja auch an den Einsteiger wenden¸ ist dieses Abenteuer ein gutes Beispiel dafür¸ wie man auch aus einer recht geradlinigen Handlung viel Stimmung erzeugen kann.
Das zweite Abenteuer¸ 'Der Fall' ist ebenfalls recht einfach aufgebaut und hat einen recht simplen Plot. Aber hier gibt es schon mehr Möglichkeiten¸ wie die Spieler vorgehen können und wie die Handlung verlaufen wird. Auch alternative Finali werden erwähnt¸ und so kann auch der Fall für Neueinsteiger¸ die nun die nächsten Schritte machen wollen¸ sehr empfohlen werden.
Schließlich folgt 'Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald' von dem deutschen Autor Frank Heller. Es ist sehr gut gelungen und gefällt vor allem durch den Hintergrund¸ der weit in die mystische Vergangenheit Nordamerikas zurückreicht. Zudem wird hier ein klaustrophobes Szenario geboten¸ das sich von einem simplen Kammerspiel zu einem wahren Szenario des Schreckens entwickeln kann (und wird!).
Das nächste Abenteuer¸ 'Autonarren'¸ mutet da wieder etwas seltsamer an. fast ist man an Stephen Kings 'Christine' erinnert¸ die Geschichte mit den belebten Autos¸ und in der Tat kann man den Vergleich nicht ganz beiseite lassen. Dieses Abenteuer - ebenfalls eine Übersetzung aus dem Amerikanischen - ist auch deswegen ungewöhnlich¸ weil es keinen direkten Bezug zum Mythos hat und die Beweggründe der handelnden Personen im Original nicht so recht ausgearbeitet waren. In der Übersetzung hier hat man das aber bereinigt¸ und es wurde auch eine kleine brücke zum Mythos geschaffen. Obwohl die hier geschilderte Verkörperung Nyarlathoteps durchaus ihre Reize hat¸ so recht gefallen hat das Abenteuer nicht - zu sehr fällt es aus dem Rahmen. Und das Gewirr der Autostraßen mit Labyrinthen zu vergleichen¸ mag auch nicht so recht überzeugen.
Aber dies ist auch schon der einzige Durchhänger. Im letzten Abenteuer¸ 'Der Gott im Labyrinth'¸ wird es dafür wieder so richtig cthulhoid. Auch hier gilt es wieder¸ ein seltsames Anwesen unter die Lupe zu nehmen. Und was die Spieler hier erwartet¸ das ist nun etwas für erfahrenere Cthulhu-Veteranen. 'Der Gott im Labyrinth' ist wohl das tödlichste Abenteuer in diesem Band¸ aber erfahrene Spieler wissen ja¸ wann es ratsam ist¸ davon zu laufen oder wenn man keine Chance mehr hat.... Auf jeden Fall ist dieses Abenteuer auch recht stringent¸ doch mit Meisterhinweisen versehen¸ die der Stimmung nur dienlich sind.
Als Abschluß finden sich noch wie üblich die Handouts¸ stilvoll aufgemachte Mythostexte und Buchauszüge für all die fünf Abenteuer¸ die der Spielleiter den Spielern aushändigen kann. Brisantes Material ist hier auf den letzten 28 Seiten zu finden¸ würde man all dies auf einmal durchstudieren¸ bringt das zwar +99% Cthulhu-Mythos¸ aber auch 3W4+6W6+5W8+W10 gS-Verlust....da kann man nur hoffen¸ daß die Spieler nicht alles finden!
Zusammenfassend läßt sich sagen¸ daß mit dem vorliegenden Band der Spielleiter vier solide¸ geradlinige Abenteuer erhält¸ dazu ein etwas skurrileres. Aber durch alle Abenteuer wird der Spielleiter vorbildlich geführt und die schön aufgemachten Handouts sorgen für zusätzliche Stimmung. Das nun schon klassische Layout ist wieder hervorragend gelungen¸ der Preis von DM 32¸- erscheint durchaus angemessen. Eine fundierte Abenteuersammlung somit an den Schauplätzen des amerikanischen Ostens¸ die jedem Cthulhu-Spielleiter wärmstens empfohlen werden kann.
Eine Rezension von: Halle der Helden http://www.halle-der-helden.at
