Amerika: In Städten und Wäldern (1920)

Zuerst wird uns ein allgemeines Bild des Lebens in den 20gern geliefert. Frei nach dem Motto: 'Wie war denn das mit....' bekommen wir alles was man sich nur denken kann angeboten. Das geht los bei einer Beschreibung von Automobilen und endet bei der typischen Hutmode für Männer. Dazu gibt es eine Chronologie der geschichtlichen Ereignisse¸ die mit dem Ende des 1. Weltkriegs beginnt und mit dem Börsenchrash im Oktober 1929 endet.
Der zweite Teil beginnt mit einer Darstellung davon¸ wie man zu dieser Zeit von Europa nach Amerika gelangte. Das Aussehen und die Zustände auf Schiffen werden geschildert. Das ganze wird aus der Sicht von verschiedenen Zeitzeugen kommentiert. Darunter solche bekannten Namen wie Egon Erwin Kish und Majakowski (als gelernter DDR Bürger denke ich noch mit Grausen an das Gedicht 'linker March').
Logischerweise endete eine solche Reise meist in einer der großen Städte. Eine Schilderung einiger mit sehr detailierten Angaben ist die Konsequenz. New York wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Auch hier kommen wieder Zeitzeugen zu Wort¸ und ein historischer Reiseführer wird zitiert.
Dann wird die Reise in die ländlichen Provinzen fortgesetzt¸ wobei auch die Unterschiede in den Ansichten und Denkweisen der Einwohner beleuchtet werden. Zahlreiche Orte werden in 1-2 Absätzen kurz vorgestellt.
Den Orten aus Lovecrafts Erzählungen Arkham und Dunwich werden mehrere Seiten gewidmet. Der Ort wird beschrieben wie er in den 20gern war inklusive solcher Details wie typische Familiennamen. Die Geschichte des Orts¸ seine Örtlichkeiten und seine Einwohner kommen nicht zu kurz. In diesen Beschreibungen vermischen sich historische Realität mit der Fiktion des Mythos.
Der dritte Teil widmet sich den Spielercharakteren. Es geht um typische Charaktere in dieser Zeit¸ angefangen vom Busfahrer bis hin zum Künstler. Eine Beschreibung der sozialen Herkunft und der typischen Eigenschaften geht über in eine Einführung dieser Charaktere in den Mythos. Wie gelangen diese Menschen in Kontakt mit dem Mythos?
Das es dazu auch Beispielcharaktere gibt versteht sich fast von selbst.
Zu der beschriebenen Zeit gab es ja noch kein Internet. Die Informationsbeschaffung war also deutlich schwieriger. So widmet sich der nächste Teil einer Darstellung von Mitteln und Wegen an Informationen zu kommen. Dabei wird eine neue Fertigkeit eingeführt.
Weiterhin geht's um Verkehrsmittel¸ Ausrüstung und Waffen.
Alles wird sehr detailliert beschrieben und mit Tabellen ergänzt. Dazu gibt's solche interessanten Fakten wie das Schußwaffengesetz in den USA oder die Preise für eine Busreise. Dieser Teil ist besonders für den Spielleiter von Interesse¸ er wird hier des öfteren etwas nachschlagen müssen.
Der letzte Teil befaßt sich mit der polizeilichen Ermittlungsarbeit in den 20gern.
Es geht um das Leben in den verschiedenen Berufen rund um die Verbrechensbekämpfung¸ der Stand der Kriminaltechnik wird beleuchtet und letztlich wird die Arbeit des Coroner beschrieben. Dabei wird auch auf das eingegangen¸ was er feststellt¸ wenn der Tote ein Opfer einer Mythoskreatur wurde.
Fazit:
Wenn man sich den Amerika Quellenband ansieht¸ ist man nicht mehr verwundert¸ das die Verkaufszahlen für Chtulhu in Deutschland steigen. Was hier geboten wird ist vom feinsten.
Selten findet man einen Quellenband¸ der sich so angenehm liest. Der Autor versteht es einen Stil anzuschlagen¸ als würde er in gemütlicher Runde Anekdoten erzählen.
Dieser Band ist für alle¸ die in den 20gern spielen wollen¸ egal ob Chtulhu oder nicht¸ ein echtes Bonbon. Auch wer überhaupt keine Rollenspiele mag¸ bekommt ein stimmungsvolles und facettenreiches Bild geboten.
Eine Rezension von: Christoph Böhler