Zwerge¸ Gnome & Halblinge (2e)
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Mit der Box 'Zwerge¸ Gnome und Halblinge' hat Amigo im Rahmen der Neuveröffentlichung von AD&D weiteres Hintergrundmaterial und Erweiterungsregeln vorgelegt. Der Band 'Zwerge'¸ auf welchen ich zuerst eingehen möchte¸ beinhaltet zunächst Ausschnitte zwergischer Mythologie¸ beschreibt zwergische Unterarten (Völker¸ wenn man so will) und erläutert die zwergische Weltanschauung und kulturelle Eigenheiten. Spezielle¸ prägende Ausschnitte der zwergischen Kultur wie der Bergbau oder die Beschreibung von Zwergenfestungen werden in eigenen Kapiteln thematisiert. Ein Kapitel über Ausrüstung widmet sich in erster Linie zwergischen Waffen.
Im Anschluß daran wird anhand der beschriebenen Unterarten die Charaktererschaffung thematisiert. Neben der Darstellung der zwergischen Fertigkeiten werden viele 'Berufe' beschrieben¸ welche die typischen Charakterklassen Kämpfer¸ Priester oder Dieb aufschlüsseln in verschiedenste Spezialisten¸ die sich mit so klangvollen Titeln wie Adeliger¸ Axtsöldner¸ Schlachtenwüter¸ Patrizier¸ Ritualpriester¸ Schloßschmied¸ Händler oder Wegfinder schmücken dürfen. Dem wiederum schließt sich die Beschreibung schablonenhafter Persönlichkeitsmuster an¸ die den Charakteren dann zugeordnet werden können (Typen wie: der Ängstliche¸ der Dekadente¸ der Grummelige¸ der Optimist¸ der Pragmatiker usw). Dokumentiert werden können die Einzelheiten der Charaktererschaffung auf ausführlichen Charakterbögen¸ die jedoch nur als Kopiervorlage in dem Buch enthalten sind. Abgeschlossen wird das Werk durch Anregungen¸ wie eine Zwergenkampagne gestaltet werden kann.
Das Layout des Bandes ist übersichtlich und ansprechend. Inhaltlich scheint das Werk sich eher an AnfängerInnen zu richten¸ da eigentlich alle Beschreibungen auf Klischees beruhen¸ die in irgendeiner Form schon einmal dagewesen sind. Dies gilt ebenso für die Beschreibung der zwergischen Weltanschauung wie für die Darstellung zwergischer Kultur. Neue¸ originelle Einfälle hat der Band kaum zu bieten. Dafür werden Bereiche¸ die jeder mit etwas Phantasie ausgestattete Mensch selbst entwerfen kann und in der Regel auch selbst entwerfen möchte (wie etwa die Persönlichkeit eines SC)¸ langatmig beschrieben¸ Unangenehm ist mir ebenfalls die für AD&D eigentlich typische Tendenz aufgefallen¸ durch die überzogen klischeehafte Darstellung einzelner Völker diese Beschreibungen ihres stimmungsvollen Gehalts zu berauben und sie ins Lächerliche abgleiten zu lassen.
Fazit: Wer vorher noch nie Hintergrundmaterial über Zwerge in der Hand hatte¸ erhält mit diesem Band eine solide¸ aber keineswegs erschöpfende Grundlage für den Einstieg. Wer von einem anderen RSP-System 'umgestiegen' ist und grundsätzlich schon wei߸ wie ein 'typischer' zwergischer Charakter zu denken¸ leben und zu agieren pflegt¸ kann auf den Band verzichten.
Der Band 'Gnome und Halblinge' stellt eigentlich zwei Bände in einem dar. In der ersten Hälfte des Bandes werden die Gnome¸ in der zweiten die Halblinge thematisiert¸ und beide große Abschnitte sind von ihrer inhaltlichen Strukturierung her jeweils ähnlich aufgebaut wie der Band 'Zwerge'. Zunächst werden Ausschnitte der Mythologie¸ in erster Linie der Schöpfungsmythologie beschrieben. Dann folgt jeweils die Darstellung der Unterarten (Völker)¸ gefolgt von Ausführungen zum Thema Weltanschauung und kulturelle Eigenheiten.
Wie auch bei den Zwergen¸ so werden auch in diesem Band die Basis-Charakterklassen (bei den Gnomen: Kämpfer¸ Dieb¸ Priester¸ Illusionist; bei den Halblingen: Kämpfer¸ Dieb und Priester) aufgeschlüsselt in Berufe bzw. Spezialisierungen. Abgeschlossen werden die Teile jeweils durch Beschreibungen typischer und damit beispielhafter Gnomen- bzw. Halblingsdörfer. Sehr kurz gehaltene (insgesamt zwei Seiten) Abenteuervorschläge für Gnome und Halblinge beschließen den Band. Kopiervorlagen für spezielle Charakterbögen fehlen allerdings.
Wie der Band Zwerge¸ so leiden auch die Beschreibungen der Gnome und Halblinge grundsätzlich an ihrer überzogenen Klischeehaftigkeit. Die Darstellung der Halblinge etwa trieft förmlich vor Tolkien-Versatzstücken¸ und die Beschreibung der Gnome pendelt - wahrscheinlich¸ weil hier das große literarische Vorbild fehlt - irgendwo zwischen Heinzelmännchen und Gartenzwerg und bleiben insgesamt eher blaß.
Auch zu diesem Band muß das Fazit lauten: Wer als AnfängerIn einen ersten Zugang zu der Materie sucht¸ kann ihn in diesem Band finden¸ aber kaum mehr als das. RollenspielerInnen¸ die diesen Band mit Vorerfahrungen lesen¸ können kaum etwas wirklich Neues oder Interessantes herausholen.