
Name:
Babylon Project
Genre: SciFi
Sprache:
Englisch
Hintergrund: Das Setting dieses Spieles basiert auf der Science Fiction Serie Babylon 5 von J. Michael Straczynski. Der ewige Kampf zwischen den grauenhaften Schatten und den geheimnisvollen Vorlonen zieht immer engere Bahnen um die Völker der Galaxie. In diesem Strudel stellt die Raumstation Babylon 5 die Einzige Konstante dar¸ auf der sich die Rassen (Menschen¸ Centauri¸ Menbari¸ Narn¸ usw.) mehr oder weniger friedlich miteinander verständigen. All das kann natürlich nicht verhindern¸ daß es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen kommt - vor allem zwischen den Erzfeinden Centauri und Narn¸ aber auch zwischen Babylon 5 und der Erdregierung. genügend Stoff für viele Abenteuer - in jedem Zeitalter.
Veröffentlichung im Jahr: 1997
Verlag:
Fremdsprachige Ausgabe: Chameleon Eclectic & Wireframe Productions*
Meta-Spielwelt: Babylon5
Dazu verwandte Rollenspiele:
Babylon 5 Call to Arms,
Babylon 5 d20,
Babylon 5 Wars,
Babylon Project,
Beschreibung:
Zunächst fällt einmal positiv auf¸ dass das Regelwerk komplett in Farbe gehalten ist¸ und dass es nicht nach dem ersten Lesedurchgang in Einzelteile zerfällt. Beim Durchlesen fällt sofort der unverkennbare Stil von Chameleon Eclectic Entertainment Inc. auf¸ den man schon bei Millenium"s End kennengelernt hat. Es wurde sehr viel Wert auf die Charaktergenerierung gelegt¸ hier wird auf sehr vielen Seiten in aller Ruhe erklärt¸ was ein Rollenspiel ist¸ was das "Babylon Project" ist¸ was ein Charakter ist und wie man einen erstellt¸ alles anhand von einem Beispielcharakter erläutert. Mir als altem Rollenspieler waren einige der Erläuterungen sogar fast etwas zu ausführlich¸ aber gerade Anfängern dürfte diese Fülle an Informationen doch hilfreich sein. Im Regelbuch ist ebenfalls eine recht große Hintergrundsektion¸ die sich allerdings hauptsächlich auf die Geschichte der menschlichen Zivilisation bezieht und den Aliens nur kleinere Kapitel widmet. Ein Einführungsabenteuer ist ebenfalls enthalten¸ allerdings bedarf dieses noch einiger Ausarbeitung durch den Spielleiter. Wie schon von Millenium"s End bekannt¸ sind die Abenteuer in einer Art Flipchart grafisch aufbereitet¸ um dem Spielleiter die Orientierung im Plot zu erleichtern - Ich konnte damit zwar nicht viel anfangen¸ aber vielleicht hilfts ja anderen... Ein recht umfangreicher Teil des Regelbuchs widmet sich dann auch dem Thema Abenteuerdesign¸ hier wird dem Spielleiter wieder eine sehr umfangreiche Anleitung für das Abenteuerdesign zur Hand gegeben. Diese Anleitung ist durchaus gut¸ allerdings leidet sie an dem selben Manko wie die meisten dieser Anleitungen - ausser einigen Allgemeinposten kann sie einem nichts wirklich neues bieten¸ das Abenteuer muss man sich schon noch selber ausdenken¸ allerdings gibt sie einem etwas Handwerkszeug mit auf die kreative Reise. Die Charaktergenerierung ist¸ wie schon angedeutet¸ sehr ausführlich. Anstatt sich den Charakter einfach hinzubiegen¸ beginnt man hier¸ den Charakter von seiner Kindheit an aufzubauen¸ welche Kindheit¸ welche Schulbildung hat er¸ welche Ausbildung hat der Charakter erhalten¸ und was für einen Beruf hat er ergriffen und welche Erlebnisse in den jeweiligen Abschnitten haben den Charakter des Charkters geprägt. Auch hier gibt es wie bei den meisten neuen Rollenspielen jede Menge Eigenschaften - "Traits" - die sich nicht in Werten ausdrücken¸ sondern den Charakter etwas genauer definieren. Entgegen vielen anderen Systemen braucht man hier diese Traits nicht mit irgendwelchen Punkten zu kaufen¸ man kann sie einfach annehmen¸ solange der Spielleiter nicht interveniert. Die meisten Traits haben sowieso ausgewogene Vor- und Nachteile. Etwas komisch mutet die Fertigkeitenliste an¸ wenn man einen halbwegs normalen Charakter erzeugt¸ dann kommt er nicht ohne Fertigkeiten wie "Arts" oder "History" oder "Music" davon. In dieser Zukunft sind alle Menschen halt verkappte Künstler... Die Fertigkeitenliste ist relativ kurz¸ reicht aber aus um die meisten rollenspielerisch interessanten Gebiete abzudecken. Auch dem Regelwerk merkt man seinen Vorgägner Millenium"s End noch (entfernt) an. Gewürfelt wird mit zwei W6¸ einer erzeugt nur negative Resultate¸ der andere nur positive. Der Würfel mit dem kleineren Betrag wird verwertet¸ d.h. zeigt der negative W6 den kleineren Betrag¸ dann wird dieser Wert von der Fertigkeit abgezogen¸ andersherum wird der Betrag des positiven Würfels zu der Fertigkeit addiert¸ wenn sein Betrag kleiner als der des negativen ist. Tests basieren immer auf einem Attribut und gegebenenfalls einer Fertigkeit. Der Spielleiter legt eine Zielpunktezahl fest¸ die dann durch simple Addition von Attribut¸ Fertigkeit und Würfelergebnis erreicht werden muss. Das Kampfsystem ist sehr einfach und erstaunlich funktional¸ gerade für ein weniger kampflastiges System wie "Babylon Project". Hier bedient sich der Hersteller eines modifizierten "Attack-Overlay-Systems" von Millenium"s End. Die Umrisse eines stehenden Menschen sind auf ein Hexfeldmuster gedruckt¸ jedes Hexfeld stellt einen möglichen Zielpunkt dar. Je nachdem¸ wie gut der Angriff gelingt¸ weicht der Schuss auf in benachbarte Hexfelder ab oder trifft auch genau. Dieses System simuliert ziemlich gut¸ was passiert¸ wenn man in eine Menschenmenge ballert (einfach mehrere Blätter nebeneinander legen)¸ und dann den Geiselnehmer knapp verfehlt... Waffen erzeugen einen festen Schaden¸ der nur leicht durch den Angriffstest modifiziert wird. Das Wundensystem kommt ohne Trefferpunkte aus¸ in einer kleinen und im Gegensatz zu Millenium"s End übersichtlichen Tabelle kann man die Auswirkungen von verschiedenen Schäden für einzelne Körpersektionen nachlesen. Nach dem Kampf gibt es eine etwas umfangreichere Tabelle¸ in der man Langzeiteffekte von Verletzungen nachlesen kann¸ auch hier gelingt es wieder¸ ein realitisch anmutendes Ergebnis mit verhältnismäßig wenig Tabellenkriecherei zu erzielen. Beispielsweise werden auch Faktoren wie Blutverlsut (und dadurch Tod durch Volumenmangelschock) berücksichtigt. Das Problem an diesem System ist nur: Es ist ungeheuer tödlich. Eine normale PPG kann einen ungepanzerten Menschen ziemlich locker umbrigen¸ und eine Minbari PPG tötet praktisch alles ausser den zähen Narn mit dem ersten Treffer. Das Ausrüstungsverzeichnis ist spartanisch¸ es gibt nur wenige Waffen und das nötigste an High-Tech Ausrüstung¸ da sieht es im "Earth Alliance Sourcebook" schon ganz anders aus! So schön und schnell das Regelwerk auch ist¸ es fällt sehr schwer¸ interessante Abenteuer im B-5 Universum zu spielen¸ die sich nicht ständig um Babylon-5 (was gerade erst in der Bauphase ist) und die Schatten (die zu dieser Zeit noch nicht entdeckt wurden) drehen. Anders als Star Wars hat B-5 da noch zu wenig Substanz um ein von der Handlung der Serie losgelöstes Rollenspiel leicht zu ermöglichen. Was am Regelwerk negativ aufgefallen ist¸ ist die niedrige Qualität der gerenderten Bilder¸ die alle wohl aus der Serie übernommen wurden und dementsprechend unscharf wirken. Die handgemalten Bilder sind teilweise sehr gut¸ manche sind aber auch von minderer Qualität. Etwas besser ist das in dem "Earth Alliance" Sourcebook¸ dort findet man auch Regeln über Schnellfeuer¸ mehr Waffen und Kampfausrüstung (für diejenigen¸ die das brauchen) und ein Tabletop - Raumkampfsystem mit¸ man höre und staune¸ einem Vektor- und Trägheitsbewegungssystem. Fazit: Das "Babylon Project" ist ein nettes Rollenspiel mit einem einfachen Regelwerk¸ das sich hervorragend für Story-telling eignet und dabei doch tief genug geht¸ um realistisch anmutende Resultate zu bringen. Allerdings fällt es schwer¸ spannende Abenteuer zu spielen¸ die nicht mit der Handlung der Serie kollidiert. Dank an Soenke Hanses
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