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Vampire-The Masquerade - Sins of the Blood

Nach dem eher trockenen "The Gilded Cage" beglückt uns White Wolf mit einem neuen Quellenbuch, dem 124 Seiten starken "Sins Of The Blood". Und hier widmet man sich den Facetten von Vampire "abseits des Mainstreams", den verbotenen Praktiken und den Tabuthemen der kainitischen Gesellschaft.

Wie aus der Einleitung "Something Wicked This Way Comes" zu entnehmen, geht es hier so richtig um das "Böses" in Vampire, den großen Sünden und der Entartung. Klar, dass das die Spielerschaft besonders fesselt.

Der Wahre Brujah Nehemiah führt uns mit seinen Weisheiten durch das erste Kapitel, "Sins Of Morality", und sein In-Character-Text über die Erleuchtungspfade beziehungsweise über die Entartung von Vampiren liest sich sehr interessant. Neben der nachlassenden Qualität der Illustrationen schmälern jedoch kleinere Layoutfehler das Lesevergnügen. So schleichen sich an unpassendsten Stellen "ae"-Bugs ein. Mehr Augenmerk widmet man sich in diesem Kapitel den sogenannten "Wights", Kainiten, die von ihrem Tier besiegt wurden, das heißt einen Menschlichkeits- oder Pfadwert auf 0 aufweisen. Ebenso wie die einst Dünnblütigen werden die Wights als mögliche, wenn auch schwierige Spielercharaktere, oder aber als Antagonisten vorgestellt. Auf einer Seite sind alle wichtigen Regeln zu Wights zusammengefasst, und die zahlreichen zusätzlichen Nachteile, zum Beispiel der Verlust von wertvollen Wissen oder böse Einschränkungen beim Erlernen und Steigern von Disziplinen sorgen dafür, dass sich Selbstzerstörungsjunkie mit schmelzenden Moralwert etwas langsam gen Stufe 0 bewegen. Das andere Ende der Fahnenstange , Golconda, wird als mögliche Lösung ebenfalls vorgestellt. Die Beschreibung dreier altbekannten Pfade, dem Pfad des Verdorrten Herzens, dem Pfad der Selbstbesinnung und dem Pfad der Harmonie, in neuer überarbeiteter Form, runden dieses Kapitel ab, dass allein schon dafür sorgt, dass das Buch sein Geld wert ist.

"Sins Of Society", das nächste Kapitel, wirft sein Licht auf die Schatten der beiden großen Sekten, der Camarilla und des Sabbats, sowie den Gruppen dazwischen und Möglichkeiten, von der eigenen Sekte wegzukommen respektive sich einer anderen anzuschließen - nebst den bekannten Risiken. Zum Thema Diablerie erfährt man auch etwas Neues, unter anderen neue Ansichten beider Sekten zu diesem Schwerstverbrechen/Kavaliersdelikt.

Ein Anarch klärt uns im dritten Kapitel, "Sins Of Discretion", über ein gern benutztes Steckenpferd der Vampire auf - sterbliche Sekten und Kulte. Eine Schar sterblicher Anhänger, die einem treu ergeben sind, hat seine Vorteile für einen Vampir, und somit werden Wege vorgestellt, sich so einen Kult aufzubauen. Zudem werden einige real existierende Sekten vorgestellt, und zwar die weniger netten Vertreter, wie die "Branch Davidian Seventh-Day Adventists" oder die Aum-Sekte. Erstere ist noch gut durch ihr Massaker im texanischen Waco bekannt, letztere durch ihr Sarinattentat 1995 in den Tokioter U-Bahnen. Das ganze Thema Blutkulte tauchte schon einmal im alten Toreador-Clanbuch auf, ist aber deutlich gehaltvoller und durchdachter.

Bei "Sins Of Power", dem vierten Kapitel, geht es wieder an altes Eingemachtes. Es werden neue Kräfte vorgestellt, verbotene Pfade und Rituale, derer sich Vampire bedienen. Dunkle Thaumaturgie zum Beispiel. Neben einigen neuen Pfaden wird eine optionale Regel vorgestellt, bei der das Erlernen eines Pfades beim Anwender seinen Tribut fordert. Erreicht der Anwender zum Beispiel beim Pfad des Schmerzes die dritte Stufe, wird er süchtig nach Schmerz, und wird nichts tun, sich dem Schmerz zu entziehen. Bei den drei neuen Ritualen der Dunklen Thaumaturgie finden sich zwei heftige und auch altbekannte Riten - dem "Ritual Of The Bitter Rose", welches mehreren Kainiten gleichzeitig ermöglicht, an nur einem Opfer Diablerie zu begehen und allessamt die Vorzüge (aber auch Nachteile) nutznießen zu können, und das Ritual der 6.Stufe, "Quenching The Lambent Flame", welches einen Kainiten ungeachtet seiner ehemaligen Generation auf die dreizehnte Generation zurückstuft. Selbstredend, dass dies für Diableristen eine härtere Strafe ist als der Endgültige Tod...

Neun neue, koldunistische Rituale werden ebenfalls präsentiert und machen die Koldune noch furchteinflößender und beängstigender, als sie es jetzt schon sind. Für die Assamiten gibt es ebenfalls zwei neue Rituale. Ein paar neue Vorzüge und Schwäche beenden dieses Kapitel, aber hier bin ich unzufrieden. Der Vorzug "Blessed" beschert für seine 7 Punkte dem Nutznießer eine vollständige (!) Immunität gegen Dunkle Thaumaturgie, was ich schon heftig finde - und die Autoren auch, denn die Warnung, dass dieser Vorzug die Spielbalance gefährden könnte, ist fast so lang wie die Beschreibung des Vorzugs selbst.

Der Appendix "A Conspiracy Of Sinners" stellt zum Schluß noch acht kainitische Gesellschaften und Geheimbünde vor, unter anderem den "Thrill Kill Club", einer Gruppe untoter Sensationsjunkies, die sich nichts aus anderen Sekten machen und immer auf den Thrill aus sind. Einfach brillant und mit einigem Unterhaltungswert, denn der Club bietet die Möglichkeit, was gänzlich anderes zu machen.

Fazit:
"Sins Of The Blood" bietet reichlich Neues und Unerforschtes für sein Geld, so dass sich ein Kauf auf jeden Fall lohnt. Mir hat das Buch gefallen, aber der Trend, was die Illustrationen angeht, macht mir Sorgen.

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Name: Sins of the Blood

Art: Quellenmaterial für Vampire-The Masquerade; Buch;

Publikationsjahr: 2001

ISBN-10: 1-58846-217-x

ISBN-13: 978-1-58846-217-6

Preis: 23 Euro

Kontakt: White Wolf
Homepage: www.white-wolf.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20