Fates Worse Than Death RPG

Qualität Text: 6 | Qualität Optik: 5 | Nutzen/Spaß: 4 | Gegenwert: 6
(Wertung in Punkten 1=Schlecht bis 10=Exzellent; 0=Ohne Wertung)

Art: Grundregeln für Fates Worse Than Death; 466 Seiten; Softcover;
Publikationsjahr: 2004
ISBN10:
ISBN13: 978-0-97130-951-7
Preis: $ 36
(ca. Preis, unverbindlich, ggf.gerundet)
Kontakt: Vajra Enterprises
Homepage: www.vajraenterprises.com


Fate Worse Than Death ist ein Rollenspiel, das mit dem Vorteil wirbt, nur dieses Grundbuch zu brauchen, um das Spiel spielen zu können. Laut Verlag und Werbung sind keine weiteren Publikationen für das System geplant, man muss also nur einmal Geld ausgeben und danach nie wieder. Abwarten und Tee trinken, sag ich nurů
Thematisch ist Fate Worse Than Death im Cyberpunk-Genre angesiedelt und spielt im Manhattan des Jahres 2080. nach Jahrzehnten voller Krisen und Kriegen ist die Welt ausgelaugt und Manhattan hat sich zu einem Hafen für die gewandelt, die sonst nirgendwo mehr hineinpassen. Also Folge davon herrschen Gewalt und Anarchie, ähnlich wie in "Die Klapperschlange". Allerdings beginnt sich Widerstand zu regen und "gute" Menschen schließen sich zu Gangs zusammen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen.
Aber fangen wir vorne an und erstellen uns einen Charakter. Die Autoren haben sich an einem klassen-basierten System orientiert und nach Verteilen der Attributspunkte und muss man sich entscheiden, zu welcher sozialen Schicht sein Charakter gehört und welcher Profession (die Klasse) er nachgeht. Da gibt es so verschiedene Typen wie Kuriere, Menschliche Taschenrechner (Math Addicts) oder ganz gewöhnliche Arbeiter. Die Auswahl ist groß und teilweise echt skurril. Aus der Wahl der Profession ergeben sich natürlich auch die Skills, bei denen Fate Worse Than Death nicht kleckert, sondern klotzt - mehr Skills gibt es wahrscheinlich bei keinem anderen System. Nachdem dann noch Ausrüstung gekauft und eventuelle Vor- und Nachteile bestimmt wurden, ist der Charakter fertig und kann auf die Strassen Manhattans losgelassen werden.
Im weiteren Verlauf des Buches werden die üblichen Spielmechanismen für Kampf, Fertigkeitsgebrauch u.ä. erläutert, sowie Manhattan 2080 sehr detailliert vorgestellt. Dazu gibt es noch Richtlinien für Spielleiter und zum Schluß noch zwei nette Abenteuer.
Beim Anwenden von Fertigkeiten addiert man den Wert in der Fertigkeit zum Wurf mit dem W20 und muß dann einen Mindestzahl schaffen, normalerweise um die 20. Beim Kampf funktioniert es ähnlich, hier sind für jedes Manöver Werte vorgegeben, die natürlich durch die Umstände modifiziert werden. Ein sehr einfaches und schnelles System, dass eine große Bandbreite abdeckt und so für fast jede Situation geeignet ist, auf die die Charaktere treffen können.

Die Aufmachung
Das Cover sieht auf den ersten Blick nicht nach düsterem Cyberpunk aus, wenn man es sich aber ein wenig genauer anschaut, ist die Ankündigung eines brutalen Überfalls auf offener Strasse darin enthalten, was für meinen Geschmack sehr schön das Feeling einer solchen Welt einfängt. Ansonsten geizt das Regelwerk eher mit Illustrationen, aber die vorhandenen sind sehr stimmungsvoll und haben mir gut gefallen. Aber mit Schriftgröße 10 und mehr als 450 Seiten kommt natürlich oft das Lexikon- und Textwüsten-Gefühl auf, aber das lässt sich in einem so umfangreichen Werk wohl kaum vermeiden.

Fazit:
Fate Worse Than Death wird das Cyberpunk-Genre sicher nicht revolutionieren, dazu hat es einfach einige zu große Schwächen. Das Hauptmanko ist in meinen Augen die Fixierung auf Manhattan: die Insel ist einfach zu klein, um für längerfristige Kampagnen in Frage zu kommen. Wie viele Einwohner man auch immer darauf packt (in schmutzigen, runtergekommenen Mega-Hochäusern), es sind einfach zu wenig, um ein Cyberpunk-Feeling hinzubekommen. Städte müssen in einem solchen Setting die Definition von Moloch sein und keine schmale Insel im Hudson River.
Dazu kommt das angekündigte Einstellen von Support, in Form von Nicht-Erscheinen weiterer Quellenbücher. Es mag löblich sein, Spielern nur einmal Geld aus dem Kreuz zu leiern, aber mal ehrlich: sind wir nicht alle scharf auf neue Quellenbücher für unser Lieblingssystem? Da bietet sich bei Fate Worse Than Death eine ganze Menge an: angefangen bei einem Waffenbuch über eine Erweiterung der Bio- und Cyberware über neue Settings oder Gegenspieler. Das alles wird bei Fate Worse Than Death wegfallen, was ich sehr schade und ein wenig kurzsichtig finde. Für Cyberpunk-Fans ist das klassische Cyberpunk da besser geeignet, da es einfach mehr Auswahl hat. Fate Worse Than Death wird eine Fußnote im Rollenspielmarkt bleiben und nur unter wirklichen Liebhabern seinen Platz finden.

Lars Heitmann

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