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Askalon - Heilige Land

Der schöne roten Einband, bedruckt mit einem historischen Bild angreifender Araber, hebt den Band optisch positiv von der üblichen Gestaltung von Rollenspielbüchern ab. Auch sonst überzeugt das Layout: sauber und klar gegliedert, mit einer sehr angenehm zu lesenden Schrift. Die stimmungsvollen Illus stammen von Holzschnitten aus dem 19. Jahrhundert und passen gut zur Thematik.
Getrübt wird die Freude allerdings von einigen Tippfehlern, hier hätte ein abschließender Korrekturdurchgang gut getan.
Der Band gliedert sich in zwei Teile. Das erste Drittel beschreibt die politische, militärische und wirtschaftliche Situation des Heiligen Landes inklusive der Vorgeschichte der gegenwärtigen Lage. Eingestreute Originaltexte aus dem Mittelalter erhöhen die Atmosphäre. Es folgen einige Ideen zu den möglichen Gründen der Helden, in dieses Land zu reisen, und Briefe wichtiger NSCs, die sowohl getrennt als auch zusammen als Abenteueranregung benutzt werden können. Sie zeigen deutlich, daß das Heilige Land nicht nur militärisch, sondern gerade auch für alle möglichen Arten von Intrigen ein weites Betätigungsfeld bietet.
Der größte Teil befaßt sich damit, wie man Reiche bzw. Lehen erschafft und verwaltet, von Ernten, Einkünften und Steuern über den Bau bzw. die Gründung von Städten und Burgen inklusive Bevölkerungsschichten und wichtigem Personal bis hin zu den Beziehungen, die man zu den Nachbarn hat, auch in bezug auf die eigene Stellung im Adelsgefüge. Das ganze ist dem mittelalterlichen Lehnswesen nachempfunden. Die folgenden Kapitel behandeln die Kriegsführung: die Vorbereitung, die Auswirkungen auf das Land, und wie man eine offene Feldschlacht und eine Belagerung durchführt. Alle Ausführungen beziehen sich sowohl auf das Teskorische Reich, eine Art mittelalterliches, abendländisches Reich, als auch auf das Heilige Land und seine Besonderheiten.
Dieser Teil ist die Stärke dieses Bandes. Alle Erklärungen sind trotz ihrer Kürze ausreichend und gut verständlich, auch ohne Kenntnis des Grundregelsystems. Schritt für Schritt wird man durch das entsprechende Kapitel geführt, unterstützt von einigen unkomplizierten Tabellen. Drei Listen im Anhang helfen, übersichtlich die Daten des Lehen oder der Truppen während der Schlacht im Blick zu haben.
Diese Sorgfalt läßt dagegen der erste Teil über das Heilige Land kläglich vermissen. Zwar wird man eingehend über die Ritterorden und die Assassinen informiert, aber ansonsten bleibt alles Stückwerk. Durch fehlende Jahresangaben lassen sich die Ereignisse der Vorgeschichte schlecht einordnen. Überhaupt fehlt jede Art von Zeitrechnung. Kein Wort über Klima, Flora und Fauna des Heiligen Landes. Informationen über das Leben der Bevölkerung muß man sich aus hier und da verstreuten Halbsätzen zusammensuchen, und auch die sind recht dürftig. Die Karte des Heiligen Landes hilft ebenfalls nicht weiter, da die im Text angesprochenen Reiche bzw. Einflußsphären der beteiligten Parteien nicht eingezeichnet sind. Dadurch wird die Nutzung des Bandes unnötig erschwert. So muß sich der geplagte Spielleiter durch ein Dickicht verschiedener Völkerschaften, Parteien und Interessengruppen kämpfen, um am Ende festzustellen, daß die Informationen für einen sinnvollen Einsatz zu dürftig sind.
Die kann er sich in jeder Bibliothek aus Büchern zum Themenkomplex Hohes Mittelalter, Kreuzzüge (v.a. die ersten drei) besorgen. Der Grund: die Welt von Askalon ist derart eng an das historische Mittelalter angelehnt, daß eigentlich kein Unterschied feststellbar ist. In diesem Sinne verdient Askalon seine Bezeichnung als historisches Rollenspiel, wenn auch um den Preis der Verwirrung derjenigen, die sich mittels anderer Lektüre weiter informieren. Denn immer wieder trifft man in “Das Heilige Land” auf Namen aus der realen Geschichte dieser Zeit, auf Jaffa und Akkon, auf Seldschuken, Sarazenen und Templer, und Latein als Kirchensprache. Und um die Verwirrung noch zu steigern, entsprechen einige ihren historischen Vorbildern, andere dagegen nicht, wie z. B. die Stadt Akkon, die an einem anderen Ort liegt als die reale. Wenn also schon eine Parallelwelt, dann bitte durchgängig! Das Argument des Autors, die tatsächlichen Ereignisse nicht vorwegnehmen zu wollen, um ein freies Spiel zu ermöglichen, wird aufgrund dieser Ähnlichkeit, eher Gleichheit, hinfällig. Nur weil die Grundvoraussetzungen gleich sind, müssen die Spieler nicht die Geschichte wiederholen.
Fazit: Die große Sachkenntnis des Autors bringt dem Spieler leider nur im zweiten, theoretischen Teil Gewinn. Als Quellenbuch ist 'Das Heilige Land' nicht anzusehen, dazu sind die Informationen einfach zu dürftig und ohne zusätzlichen Gang in die Bibliothek nicht verwendbar. Ansonsten ist dieser Band nicht nur für Askalon-Spieler, sondern universell für alle einsetzbar, die einen annähernd mittelalterlichen Hintergrund verwenden (was ja für viele Rollenspiele gilt) und ein fundierte Hilfestellung zur Erschaffung von Reichen/Fürstentümern und zur Führung von Kriegen suchen.

Eine Rezension von



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Ulrike Pelchen
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Name: Heilige Land

Art: Quellenmaterial für Askalon; 62 Seiten; Softcover;

Publikationsjahr: 1997

Preis: 16 Euro

Kontakt: Inquisitionspress

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20