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Glorantha

Glorantha?
Stellt Euch vor, jemand würde auf die Idee kommen Tolkiens in vielen Jahren gewachsene Fantasywelt "Mittelerde" in einen 300 Seiten dicken Band packen. Ganz schön viel Material auf einmal, nicht wahr?
Nein, Glorantha ist nicht Mittelerde, aber diese Spielwelt ist in den letzten 10 Jahren mindestens ebenso detailliert und phantasievoll ausgearbeitet worden.
Die Autoren haben nunmehr in einer Neuauflage versucht, ein möglichst umfangreiches Basiswissen in einem Band zusammenzufassen. Dies kann bei solch umfangreichen Themen stets nur eine Gratwanderung zwischen Übersättigung des Lesers und generellen Ausführungen über die verschiedenen Regionen und Kulturen sein.

Glorantha ist im Allgemeinen eine universell einsetzbare Fantasy-Spielwelt, mit Elfen, Zwergen, Trollen, Riesen, Magie, Göttern und Kriegen ... und allem anderen was dazugehört. Es ist die Heimat von Helden und Monstern, kleinen verrauchten Kaschemmen und großen Imperien.
Glorantha ist aber auch im Besonderen aber auch stets die Spielwelt gewesen, auf der das RuneQuest-System gespielt wurde - und nunmehr das Hero Wars-System gespielt wird, das parallel im Partnerlook neu aufgelegt wurde.

Glorantha ist keine Kugel, sondern, dank magischen oder göttlichen Wirrungen, ein irdener Würfel, der in einem Unendlichen Ozean schwimmt. Zwei große Landmassen, einige große und unzählige kleiner Inseln beherbergen die viele humanoide Kulturen, aber auch allerhand Tiere und mythische Kreaturen, die nur wenig menschliches an sich haben.
Zu den Menschen zählen die Orlanthi, barbarische Hügelbewohner; die Praxier, auf exotischen Tieren reitende Steppennomaden; die Malkioni, eine monotheistische Feudalgesellschaft; die Kralori, ein Drachen bewunderndes Kaiserreich; das Lunare Imperium, ein Reich, daß aus vielen Kulturen besteht und sich mittels militärischer Macht ausweitet; um nur die bekanntesten zu nennen.

Der Band beschreibt jede dieser Kulturen mit ihrer Geschichte, ihren Gebräuchen und militärischen Besonderheiten, auch durch ihre Religion - denn bei denen liegt das Magiemonopol.
So sind die Orlanthi Theisten, Anbeter des Sturmpantheons rund um den Gott Orlanth und seine Frau Ernalda; Praxier sind Animisten, Anbeter von Ahnengeistern, allen voran ihres Begründers Waha; Malkioni sind Monotheisten, welche den Unsichtbaren Gott durch Heiligenverehrung anbeten; Kralori sind Mystiker, die versuchen die Übersinnlichkeit entweder durch Loslösung von der Welt oder der völligen Vereinigung mit ihr zu erreichen; das Lunare Imperium ist ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen und deren Religionen, zusammengehalten durch den alles überschattenden Glauben an die Göttin des Roten Mondes.

Owohl die nichtmenschlichen Völker ähnliche Bezeichnungen tragen, wie aus anderen Spielwelten bekannte Humanoide, so unterscheiden sie sich doch sehr vom Fantasy-Standart.
Beispielsweise sind die Aldryami, die Glorantha-Pendants der Elfen, bewegliche Pflanzen, die ihren Lebensraum Wald verteidigen und nach dessen Musik leben.
Die Zwerge heißen hier Mostali und werden als unindividuelle bewegliche Steine beschrieben, die versuchen die Weltmaschine wieder zu richten.
Trolle (hier Uz) sind rauhe Kreaturen der Dunkelheit, die alles essen können und unter Fehlern der Vergangenheit zu leiden haben.

Das Dritte Zeitalter ist beinahe zu Ende und, wie am Ende eines jeden Zeitalters, braut sich ein Gewaltiger Konflikt zusammen, der die Welt verändern wird: die "Heldenkriege" oder in englisch "Hero Wars".

"Helden" beginnen ihren Weg in der Welt der Sterblichen, nähern sich jedoch durch legendäre Taten und Wachstum ihrer Kräfte immer mehr dem göttlichen Zustand. Jeder Held arbeitet allein - oder zusammen mit Mitstreitern, an seinem eigenen Mythos. Irgendwann wird er einen Zustand erreichen, in dem er nicht mehr nur im Namen der Götter kämpft, sondern an ihrer Seite - oder schließlich sogar gegen sie.

Technisches
Die Seiten des Glorantha-Bandes haben kein DIN A4-Format, sondern ein US-Format, das man auch von den Verpackungen der meisten Computerspiele her kennt. Die farbigen Hardcover machen einen sehr guten Eindruck und verfügen über eine robuste Bindung. Die Schrift ist sowohl in Größe als auch Schrifttyp gut lesbar. Wichtige Informationen wurden zur besseren Übersicht mit grauen Rahmen unterlegt. Immer wieder tauchen die typischen Glorantha-Runen auf, die sowohl eine religiös/spirituelle Bedeutung haben, wie auch Hinweise auf die Art des folgenden Textes liefern können.
Zu Beginn jedes Kapitels findet man meist ansehnliche Graphitzeichnungen - einzelne Regionen werden anhand von ordentlich aufgearbeitetem Kartenmaterial visualisiert. Dabei macht sich positiv bemerkbar, daß jeweils ein und derselbe Künstler alle Illustrationen angefertigt hat.
Die Texte sind gut geschrieben - was aber nichts am ungeheueren Umfang des Materials selbst ändert. Die Geschichte der Welt Glorantha liest sich stellenweise etwas trocken, was auch daran liegt, daß man mit einer Unmenge neuer Namen konfrontiert wird, die leider nicht anhand von irdischen Vergleichen unkompliziert nähergebracht werden. Damit bleibt der Band aber auch homogen und belohnt den, der sich bereits im Vorfeld mit den knapperen Weltbeschreibungen des Hero Wars-Bandes auseinandergesetzt hat.
Es klingt gegenüber anderen deutschen Verlagen schon fast wie Hohn, daß die komplette Übersetzung beider Bände (G&HW) innerhalb von drei Monaten unter entsprechend hohem Zeitdruck abgelaufen ist. Davon bemerkt man nämlich nichts, soll heißen: man hätte es meines Erachtens auch mit mehr Zeit kaum wesentlich besser machen können. Mein Kompliment.

Fazit:
Glorantha hinterläßt einen erfreulichen Eindruck und eignet sich gleichermaßen als Hero Wars-Quellenband wie als eigenständige Spielwelt zu einem anderen System (z.B. Dungeons & Dragons o.ä.). Der Band berichtet ausführlich über die Geschichte der Spielwelt, macht aber bewußte Aussparungen über Kapitel die bereits im Hero Wars-Band zu finden sind. Darunter fallen detailliertere Ausführungen zur Magie, ebenso wie Informationen zu Kreaturen.
Zudem liefert die generelle Beschreibung eines so Komplexen Hintergrundes natürlich nicht jede Detailinformation. Zusätzliche Quellenbänder werden deshalb vermutlich nicht allzu lang auf sich warten lassen.
Eine gute Ideequelle zu Glorantha stellt darüber hinaus das englischsprachige Fanzine Tradetalk #7 dar, das von der RuneQuest Gesellschaft e.V. herausgegeben wird.


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Name: Glorantha

Art: Quellenmaterial für Glorantha; 288 Seiten; Hardcover;

Publikationsjahr: 2000

Preis: 36 Euro

Kontakt: Multisim
Homepage: www.multisim.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20