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Shadowrun - Cyberpiraten

Die deutsche Übersetzung von "Cyberpirates" ist mit 195 Seiten etwas länger als das englische Original ( 184 Seiten ) und enthält einen Anhang, der sich mit den Piraten der Nordsee befaßt und im englischen Original nicht enthalten ist ( dazu aber später mehr ).

Bis zur Seite 183 hat man es zunächst einmal "nur" mit der Übersetzung des englischen Originals zu tun, die das Piraten- und Schmugglerwesen in die Shadowrun Welt einführt. Die Einführung gibt einen generellen Überblick über das Leben eines Piraten, über Planung und Durchführung von Kaperfahrten usw.

Der folgende Teil "Die Freibeuter der Karibischen Liga" beschreibt nicht nur die dort ansässigen Piratenverbände, sondern liefert auch umfangreiches Hintergrundmaterial über die Liga selbst. Selbst wenn man nicht unbedingt vorhat, eine Piratenkampagne zu spielen können sich diese Informationen als nützlich erweisen. " Die Rebellen der Philippinen " gibt zunächst einmal einen Überblick über die derzeitige Lage und den Kampf der antijapanischen Volksarmee " HUK " gegen das japanische Militär und die japanischen Megakonzerne, die momentan auf den Philippinen das Sagen haben. Auch dieser Teil von " Cyberpiraten " ist sehr ausführlich, ohne jedoch den Spielraum einzuengen.

Der dritte große Abschnitt "Schmuggler der Gold- und Elfenbeinküste" befaßt sich mit der afrikanischen Gold- und Elfenbeinküste und das ausschließlich. Der Rest des afrikanischen Kontinents wird nicht erwähnt. Auch hat man den Eindruck, daß die vorhandenen Informationen in Anbetracht der Größe dieses Landes an einigen Stellen etwas zu dünn gestreut sind.

"Hochseepiraterie und die Pirateninsel" beschreibt in vergleichsweise kurzen Abschnitten weitere Plätze, an denen Piraten und Schmuggler Arbeit finden können. Im Grunde geht es hier darum, wo man was verkaufen kann. Eine Beschreibung, die z.B. mit der der Karibik vergleichbar wäre, findet man nicht. Bei der "Pirateninsel" handelt es sich um das erwachte Madagaskar. Hier sind die Beschreibungen so widersprüchlich und dünn, daß der Spielleiter hier eigentlich völlige Freiheit hat.

Nachdem man vorher erfahren hat, wo man was verkaufen kann, findet man unter "Lebenshaltungskosten auf See" eine Preisliste vor, die dem Spielleiter Anhaltspunkte gibt, wo man was mit welchem Profit verkaufen kann. "Informationen zum Spiel" bietet eine Menge Regeln ( u.a. Tauchen und Schwimmen ) und faßt die Spielleiterinformationen zu allen vorherigen Abschnitten sozusagen zusammen, bietet eine Reihe neuer Gaben und Handicaps, Critter, Fahrzeuge, Waffen u.v.m.

Soweit ist nicht nur alles schön und gut, sondern auch brauchbar und als interessante Erweiterung des SR-Universums anzusehen. Was allerdings sehr negativ in Gewicht fällt, ist die beinahe schon mangelhaft zu nennende deutsche Übersetzung, die stellenweise völlig vom Originaltext abweicht und ( ebenfalls stellenweise ) überhaupt keinen Sinn ergibt. Es treten zu viele englische Begriffe auf, für die es eine saubere deutsche Übersetzung gibt.
Andererseits bekommt man für Begriffe, die man aus dem Englischen hätte übernehmen können ( weil es sich z.B. um Namen handelt ), eine mehr als fragwürdige deutsche Übersetzung vorgesetzt.

Mit dem Abschnitt "In eigener Sache" innerhalb der "Informationen zum Spiel" hat man sich auch nicht unbedingt einen Gefallen getan. Zu denen am Anfang des Abschnitts angeführten Gründen für "In eigener Sache" sei nur gesagt : Wer';s glaubt... Die Schiffsgeschwindigkeiten des Originals einfach so herabzusetzen und den deutschen Lesern diese vorzuenthalten ist eine Frechheit. Man bekommt den Eindruck, als wüßten nur die weisen deutschen Bearbeiter allein was gut für die deutschen Spieler ist. Und wie soll man schließlich andere Werte verwenden, wenn man sie nicht kennt ?

Dabei hätte es völlig ausgereicht, die Originaldaten in Klammern hinter die neuen Werte zu schreiben. Dann hätte sich wirklich jeder Spielleiter für einen Wert entscheiden können. So aber...

Im folgenden wird eine 08/15 Brücke von den Regeln des deutschen Rigger Handbuchs zum Rigger 2 geschlagen, wobei einige suspekte Regelvorschläge gemacht und einige Teile des Rigger 2 falsch wiedergegeben werden. So fragt man sich z.B. was die Loral-Vought "Zapper" Static Discharge Rakete ( Rigger 2, S. 94 ) hier zu suchen hat, die man übrigens gegen Drohnen und nicht gegen Raketen einsetzt, wie "In eigener Sache" einem zu erzählen versucht. Davon abgesehen werden im englischen wie im deutschen "Cyberpiraten" keine Drohnen vorgestellt, die man damit beschiessen könnte - also was soll das ? Ohnehin klingen Teile von "In eigener Sache" eher wie ein Werbeblock fürs Rigger 2.

Darüberhinaus stellt der Verfasser von "In eigener Sache" mangelnde Englischkenntnisse unter Beweis, denn nicht genug, daß er Begriffe aus dem Rigger 2 übernimmt ( die es zum Teil gar nicht gibt ), sondern sie auch noch falsch übersetzt. In Anbetracht dessen sollten sich alle deutschen Rigger wohl vorsorglich schon mal die englische Version des Rigger 2 besorgen, denn wenn die Übersetzung dort so haarsträubend ist wie die Übersetzung einzelner Begriffe im Cyberpiraten, wird es wohl mehr als eine Regel geben, deren deutsche Übersetzung keinen Sinn macht oder mit der nicht das erreicht wird, was im englischen Original beabsichtigt wurde.

Der Abschnitt über die "Piraten der Nordsee", der an "Informationen zum Spiel" angehängt wurde, wird dem Rest der Spielerinformation insofern nicht gerecht, als man hier eine reine Zustandsbeschreibung und nicht etwa ein Dokument aus der fiktionalen Welt des Shadowrun erhält.

D.h. das die hier gegebenen Informationen weniger Vorschläge und Hinweise, sondern eher feste Regeln sind. Viele der hier präsentierten Informationen wurden bereits im Artikel über die Nordseepiraten aus WuWe März 1998 gegeben, obwohl der Artikel aus dem "Cyberpiraten" weniger inspiriert geschrieben zu sein scheint als der aus WuWe. Tatsächlich ist er nicht nur unübersichtlicher, sondern auch langweiliger. Ob alles sinnvoll ist, bleibt zweifelhaft. Zu viele Hinweise auf noch nicht übersetzte Quellenbücher. Auch erkennt man gerade im Zusammenhang mit den Drohnen die Tendenz, die amerikanischen Quellenbücher unbedingt übertreffen zu wollen, was allerdings nicht gelingt, sondern allerhöchstens lächerlich wirkt.

Alles in allem ist "Cyberpiraten" grundsätzlich als wertvoll einzustufen, vor allem dann, wenn man sich auf deutschsprachige Publikationen verläßt. Bei den Informationen über die Nordseepiraten sollte der Spielleiter einfach alles das ändern, was ihm nicht sinnvoll erscheint. Es ist immerhin euer Spiel, also habt keine Angst, Quellenbuchinformationen über den Haufen zu werfen, wenn sie euch nicht passen.

Eine Rezension von:



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Christian Boisten
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Name: Cyberpiraten

Art: Quellenmaterial für Shadowrun; 194 Seiten; Softcover;

Publikationsjahr: 1998

ISBN-10: 3-89064-736-7

ISBN-13: 978-3-89064-736-4

Kontakt: FanPro
Homepage: www.fanpro.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20