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Magazine - Argentinum Astrum (3)

Das Fanzine der ArAs-Crew hat mich überrascht. 72 DIN-A5 Seiten (d.h. 36 DIN-A4-Fotokopien) für schlappe 2.- DM, sind nach meinen bisherigen Erfahrungen schon Selbstaufopferung - zumal bei einem kommerziellen Werbeaufkommen von 0% (2 1/2 Seiten an Werbung für andere Fanzines) ! Hier wird noch der alte fanische Grundsatz vom Selbstkostenpreis gepflegt, sehr zur Freude des Lesers.

Mit dem ArAs #3 hält in der Redaktion der Computer Einzug, was sich allerdings erst bei der folgenden Ausgabe richtig bemerkbar macht. Diese Ausgabe erinnert teilweise vom Layout her noch sehr an Schere und Kleber.

Wer den ArAs mit dieser Ausgabe zum ersten Mal in der Hand hält und noch gar nicht weiß, worauf er sich eingelassen hat, wird in jedem Fall überrascht sein. Dieses Fanzine stellt eine Melange zwischen den verschiedensten Artikeln dar, die eine ständige Gradwanderung zwischen gutem und schlechtem Geschmack, Sexismus Stumpfsinn und Gewaltverherrlichung darstellen. Die Artikel sind dabei keinesfalls schlecht (eher genial) - aber in jedem Fall suchen sie ihre Zielgruppe nicht beim Blümchensammler. Kommen wir von langen Vorreden weg, zum Inhalt.

    Das düstere Titelbild mit der verwirrten nackten Frau, die mit heruntergelassenem Höschen in der Gosse sitzt, wird auf der nächsten (halben) Seite von einer Vergewaltigungsgeschichte 'mit Leben erfüllt'. Nicht das der Autor einen schlechten Schreibstil hätte - aber die Thematik und Umsetzung hinbterläßt einen schalen Geschmack. Interessant ist vielleicht, daß der Autor eine Frau ist - und das diese Story nicht einem kranken verpickelten männlichen Teenager entsprungen ist.

    Die Leserbriefe sind beim ArAs vielleicht interessanter als bei den meisten anderen Fanzines - kein Wunder, wenn man bedenkt, daß meist die kranksten Artikel aus der letzten Ausgabe nochmal durchgekaut werden. Damit ist jeder Leserbrief sozusagen ein persönliches Outing vor der ArAs-Gemeinde und übertrifft meist das Niveau der besprochenen Artikel (7. Seiten).

    Das Doppel-Monolog-Interview mit Jesus Christus Scholz & Familie Franke's Sohnemann Dirk bringt ein paar interessante persönliche Meinungen zur Szene. Die Antworten sind bissig, wenn auch nicht immer lesenswert (3 Seiten).

    Nach einer Collage aus Convention-Schnippseln folgt der Artikel Was heißt eigentlich Argentinum Astrum ? Der Artikel stammt von dem mutmaßlich (herrlich) kranken Autor R.Devil (alias Rainer Tiefel), der mit Gedärmen, Ekelgefühlen und Exkrementen nur so rumspritzt. Für Freunde des schlechten Geschmacks und subtilen Humors ein Muß (3 Seiten) !

    Where the wild roses grow ist ein Kurzmonolog, der den Inhalt des phrasengleichen Kultsongs wiedergibt.

    Der Rollenspiel-Report: Übermäßiger Alkoholgenuß im Rollenspiel ist ein (hoffentlich) nicht ganz ernst zu nehmender Bericht von einer Rollenspielrunde. Muß man nicht unbedingt gelesen haben (3 1/2 Seiten), wenn auch stellenweise ganz amüsant.

    Ophalin ist eine (mit 10 Seiten viel zu lange) Kurzgeschichte aus dem Feenreich, die von kleinen Pilzmännchen und Goldregenröcken erzählt.

    Ein Abenteuer für Magna Veritas (die Engel-Variante von In Nomine Satanis) ist Vom Himmel hoch... Das Abenteuer ist spielbar und nimmt vor allem die Norwegische Subkultur auf den Arm. Komplettpaket mit NSC-Werten (16 Seiten).

    Panzertor Alpha - alles ruhig ! ist eine seltsame Kurzgeschichte über einen Aussteiger in einer Dark-Future-Welt (3 Seiten).

    The King of Rock'n Roll ist ein recht universelles Cyberpunk-Szenario, daß die Abenteurer auf die Spuren einer vermeintlichen Elvis-Reinkarnation setzt. Viel Action und ein "Happy-End" sind garantiert (7 Seiten).

    aufgestiegen ist wiederum eine sehr kurze Kurzgeschichte (Fantasy) die sich mit dem Rsp-Thema Töten für Erfahrung auseinandersetzt.

    Hardware Rezensionen stellt YASS und Macho Weiber mit den dicken Kanonen vor.

    Den Abschluß bilden 9 Seiten Fanzine Rezensionen.

Angesicht dieser Mischng kann man den Argentinum Astrum eigentlich nur einem Genre zurodnen: Es ist ein Fanzine.
Die Auswahl der Artikel ist so bunt, daß man vor dem Lesen nicht sagen, kann welche Qualität auf einen zukommt, oder wie kraß, krank oder sozialkritisch der Inhalt sein wird.
Die Texte sind durchwegs gut lesbar (ordentliches Lektorat), wenn auch manchmal schwer zu entziffern (stückweise schlechte Kopierqualität). Die Richtung der Artikel ist meist mit seltsam, bzw. obskur zu bezeichnen, selten sogar mit geschmacklos, sexistisch oder gewaltverherrlichend.

Liebhaber des anderen Geschmacks werden bei dem einen oder anderen Argentinum Astrum-Artikel sicherlich voll auf ihre Kosten kommen. Langeweile oder Unzufriedenheit wird indes wohl bei keinem Leser aufkommen - außer man ist verzweifelter Vertreter der Blümchensex-Generation. Für sanfte Gemüter gilt: Lesen nur im Dunkeln, am besten mit Sonnenbrille !


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Name: Argentinum Astrum (3)

Art: Magazin für Magazine; Heft;

Publikationsjahr: 1999



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