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Computerspiele - ARCANUM - Von Dampfmaschinen und Magie

Rollenspiel-Kenner dürften sich bei den ersten Schritten in der virtuellen Spielwelt von Arcanum vielleicht an das Pen&Paper-Rollenspiel Castle Falkenstein erinnert fühlen. Beide Spiele kann man in die Ecke "Viktorianisches Fantasy" einordnen, das viele auch als "Steampunk" (Mixwort aus Dampf, engl. Steam und Cyberpunk) bezeichnen.
In diesem Genre kann man damit rechnen neben Menschen auch den typischen Fantasy-Rassen (Elfen, Zwerge, Gnome, Orks...) zu begegnen, die in einer Umgebung mit weit entwickelter Technologie leben. "Weit entwickelt" heißt in diesem Fall, weit weg vom Fantasy-typischen Mittelalter. Man findet z.B. automatische Schwarzpulver-Schußwaffen, Dampfmaschinen und mechanische (Uhr-)Werke - also das typische Spektrum des späten 19. Jahrhunderts.
Darüber hinaus - und das ist ein wesentlicher Faktor - ist die ganze Welt von Magie durchsetzt, die in der Lage ist, alle Naturgesetze auf den Kopf zu stellen - mit durchaus verheerender Wirkung für jede normale Maschinerie...

Doch ich will hier nicht gleich zu weit ausholen, sondern schrittweise vorgehen.

Arcanum ist ein Action-Rollenspiel für den Computer - in meinem Fall für einen modernen Windows-PC, d.h. schneller Pentium III o.ä. mit aktuellem Windoof (z.B. 9x). Außerdem sollte reichlich Plattenplatz vorhanden sein, weil die Installation geradezu unverschämte 1.2 Gigabyte schluckt - also soviel wie nur die Wenigsten noch frei haben. Zumindestens ich mußte erst mal ein wenig auslagern.

Nach der *gähn* unglaublich langen Installation (die Software rät hier sogar zum Lesen der Anleitung ;-) bekommt man einen ersten Eindruck, wofür man Geld, Zeit und Speicherplatz hergegeben hat: das Spiel wartet nicht nur mit einem netten Intro-Video auf, sondern bietet auch während des Spiels reichlich digitalisierte Sprachausgabe. Zumindest die wichtigsten virtuellen Personen sparen nicht mit reichlich gesprochenen Texten. Auch die Grafik der von schräg oben betrachteten Spielwelt kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn der Gesamtstil der Darstellung nicht mehr ganz den Zeichen der Zeit entspricht - Diablo und Baldurs Gate haben in diesem Bereich gewisse Maßstäbe in Sachen flüssiger Spielablauf und Detailreichtum gesetzt.

Aber Arcanum und z.B. Diablo zu vergleichen wäre nicht fair, da es sich zwar bei beiden um Action-Rollenspiele handelt, aber Arcanum das Wort "Rollenspiel" wesentlich ernster nimmt als Diablo. Dies zeigt sich nicht nur bei den Freiheiten im Bereich Interaktion mit der Spielwelt, sondern auch (und vor allem) bei den Gesprächen mit Personen (Multiple-choice-Gespraeche), die weit über ein simples Abklappern von Infotexten hinausgehen. Auch lassen sich allerorts Gegenstände finde, aufheben, ablegen, anwenden und weiterreichen. Wer basteln kann, kann z.B. auch eine Feder und einen Eisenspiess zu einer Falle kombinieren.

Bei Arcanum können Gespräche nicht nur einen überraschenden Umfang haben. Unbedacht geführte Gespräche können sich im Spielablauf durchaus sehr negativ bemerkbar machen. Legt man sich mit den falschen Leuten an oder gibt den falschen Personen unbedachte Hinweise, findet man u.U. später verrammelte Türen oder wehrhafte Wachen vor, wo ursprünglich keine waren...

Start
Man startet das Spiel als einer der Passagiere eines luxoriös ausgestatteten Zeppelins. Dabei kann man sich bei Spielbeginn einen der vorgefertigten Passagiere schnappen oder sich an die Erschaffung eines Neuen wagen. Die Charaktererschaffung ist durchaus komplex - und es kann nicht schaden, wenn man sich vorher einmal die Anleitung durchgelesen hat, um alle Kombinationsmöglichkeiten kurz anzudenken. Da wären zum einen die vielen Rassen, die verschiedene Leistungsschwerpunkte aufweisen und zum anderen die vielseitigen Fertigkeiten, wobei die Unterteilung in die Rubriken Kampf, Diebesfertigkeiten, Technologie und Magie von mir nur unzureichend wäre.
Halboger sind beispielsweise durchaus spielbar - aber nur wenn man einen "Kämpfer" (z.B. Typ Bodyguard) spielen will und keinen Geistesblitz oder allseits beliebten Chameur (Männlein wie Weiblein). In jedem Fall hat die Wahl starken Einfluß auf den Ablauf des Spiels. Den modifizierten Charakter kann man abschließend noch mit einem Hintergrund (stimmungsvolle Vor- und Nachteile) und Gegenständen ausstatten und dann ins Spiel entlassen.

Allzu lange darf man den Luftfahrt nicht geniessen, denn haßliche Humanoide (Halboger?) in ihren maschinenpistolen-bewehrten Doppeldeckern bringen den Zeppelin zum Absturz.
Mit Grausen muß man feststellen, daß man der einzige Überlebende der Katasrophe ist. Zumindest ist man es, sobald man die letzten Worte und Gaben eines Halblings vernommen hat.
Wenig später begegnet man dann auch seinem ersten Begleiter - oder vielmehr Anhänger - der einem reichlich die Ohren zulabert. Zwischendurch, finden sich in seinem Gerede aber auch immer wieder nützliche Informationen, weshalb man sich das Gerede durchaus antun sollte.

Nach der Auseinandersetzung mit einigen Wölfen und einem Ein-Mann-Killerkommando kann man den Weg in die nächste Ortschaft antreten. Dort wird man je nach Art und Erscheinung mehr oder weniger freundlich empfangen. Wie schon oben angesprochen, sollte man sich reiflich überlegen, wem man welche Informationen offenbart, denn schon bald merkt man, daß im Ort (und nicht nur hier) einiges faul ist.

Das schöne bei Arcanum ist: es gibt immer mehrere Wege an sein Ziel zu kommen, bzw. ein Problem zu lösen - und nicht immer ist Gewalt die beste Antwort. In manchen Situationen kann man Konflikte beispielsweise durch eine geschickt geführte Diskussion entschärfen oder durch Bestechung mit Geld. Das setzt sich fast in allen Bereichen des Spiels fort - allein um alle Möglickeiten des Spiels auszukosten wird man schon einige Spielsitzungen benötigen. Wer nicht gerne Anleitungen ließt, darf experimentieren.
Stichwort Anleitung: toll! Quasi ein eigenes Rollenspiel mit Erläuterungen zum Spielsystem, tollen Ausführungen zu den Rassen und interessante Geschichten zu Technologie und Magie der Spielwelt.

Kämpfe
Wenn man es schon zu Kämpfen kommen läßt - dann wenigstens so, wie es einem am besten gefällt! Arcanum bietet nicht nur 250 verschiedenen "Monster", sondern die Option Kämpfe in Echtzeit, rundenbasiert oder automatisch (ohne selbst einzugreifen) ablaufen zu lassen. Ziemlich genial. Auch sind die Monster nicht "auf den Kopf gefallen". Zwischendurch öfter abspeichern kann nicht schaden.
Ein wenig Schade ist in diesem Zusammenhang, daß die Verwaltung der Erfahrungspunkte nicht transparenter gestaltet wurde - und auch die Steigerungsmöglichkeiten pro Level eher begrenzt sind (+1 Punkt auf eine Fertigkeit).

Multiplayer
Einen interessanten Spaß-Schub soll Arcanum im Multiplayermodus bekommen, sofern man über eine gute Internetleitung oder ein LAN verfügt. Zu guter letzt kann man mit einem Editor eigene Szenarien zusammenbasteln. Auch sind die gemeinsam umherziehenden Gruppen voneinander recht unabhängig.

Arcanum wird spielerisch sicherlich nicht jedermanns Sache sein. Wenn man aber auf Computer-*Rollenspiele* steht, wird man hier gut bedient - auch wenn die Grafik sicherlich nicht mehr ganz den Spitzenreitern der PC-Rollenspiele entspricht.

Dumme Technik
Leider, leider - und das muß ich abschließend sagen - ist Arcanum stellenweise schlecht programmiert. Nicht nur, daß mir alle Nase lang die Grafik der Spielwelt abgeschmiert ist und sich erst durch Speichern und einen Neustart des Programms regenerierte.
Der Echtzeitkampf ist ebenfalls nicht ganz fehlerfrei und die Gegner tendieren schon mal zu unmotivierter Flucht oder man führt trotz einer Angriffsanimation keinen Schlag aus.
Die Grafikengine ist insgesamt weniger Leistungsfähig als die vergleichbarer moderner Computer-Rollenspiele.
Man tut in jedem Fall gut daran, nach der Installation der Software, den im Internet abrufbaren Patch einzuspielen. Schon ein wenig traurig... denn das Spiel und die darin verbreitete Atmosphäre ist einfach klasse! Und sicherlich kein Spiel, was man in Kürze durchgespielt haben wird.

Fazit:
Ich weiß nicht, woran es lag, daß die renomierte Softwareschmiede Sierra oder Vivendi Universal Interactive dieses halbfertige Spiel (zumindest vom Status der Fehlerfreiheit) in die Läden geschickt hat.
Und dabei muß ich außer acht lassen, daß man das Spiel durch den Patch reparieren kann. Wenn ich ein Spiel für DM 80 im Laden kaufe, will ich erwarten können, daß es auf anhieb auf meinem Mainstream-Computer läuft. Und gerade von solch renomierten Herstellern erwarte ich Qualität.

Letztendlich muß ich aber zugeben, daß sich die Anschaffung des Spiels unbedingt lohnt, wenn man sich auf die Kombination von Fantasy und Dampftechnik einlassen will. Man bekommt ein Spiel mit Langzeitmotivation, interessanten Geheimnissen und viel Spielspaß!


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Name: ARCANUM - Von Dampfmaschinen und Magie

Art: Computerspiel für Computerspiele; PC-CD;

Publikationsjahr: 2001

Kontakt: Vivendi Universal Interactive
Homepage: de.vu-games.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20