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Computerspiele - SpellForce 1.5: Shadow Wars

Viele Jahre lang frönte die fantasy-begeisterte Spielerschaft zwei unabhängigen Spielegenres mit Langzeitmotivation: der Kriegs-Aufbaustrategie a la WarCraft und den rollenspiel-betonen Click&Fight-Rollenspielen a la Diablo.
Obwohl die Logik es aus heutiger Sicht fast schon gebietet: allein die deutsche Softwareschmiede Phenomic aus Ingelheim wagte mit SpellForce den Balanceakt und fügte beide Genres zu einem genialen Spiel zusammen - während sich die Konkurrenz weiterhin auf eines der beiden Genres beschränkte.

SpellForce kam dank guter technischer Realisierung und spannender Missionen sehr gut an und sicherte sich eine breite Fangemeinde. Nun sind zwei Jahre verstrichen und - nicht nur um dem technologischen Fortschritt gerecht zu werden - legt man mit SpellForce 2: Shadow Wars einen würdigen Folgetitel nach.

Handlung & Spielablauf
Wer SpellForce kennt, weiß bereits was er beim Nachfolger bekommt: Man steuert einen Helden - den man sich bei Spielbeginn in wenigen einfachen Schritten erschaffen darf - durch eine dreidimensionale Spielwelt und versucht die Reiche der guten Völker vor einer Invasion durch die Schatten zu bewahren. Die geheimnisvollen Schatten haben sich mit einem abtrünnigen Teil der Dunkelelfen verbündet.

Der Held gehört zum Volk der Shaikan, einer Menschengruppe, die ihr Blut mit dem des Drachenvaters Ur vermischt haben, um an Macht zu gewinnen. Zum Beispiel ist es den Shaikan möglich einander wieder zu beleben oder aus weiter Entfernung heran zu teleportieren.
Wie alle anderen Völker des Lichts sind auch die Shaikan vom herannahenden Untergang bedroht und - alarmiert durch die Nachtelfin Schattenlied - ergreift unser Held die Initiative, die Völker des Lichts zum Kampf zu vereinen.

Im Laufe des Spiels müssen Menschen, Zwerge und Elfen dazu bewegt werden, ihren alten Bund zu erneuern. Im späteren Verlauf des Spiels kommt man sogar in den Genuss über die Truppen der ehemaligen Gegenseite zu Befehligen, sprich Orks, Trolle, Nachtelfen und Schattenwesen.

Bei Shadow Wars hat jede Fraktion eine besonders mächtige Einheit - den Titan (z.B. ein geflügelter Schwertkämpfer in Kettenrüstung mit einem kräftigen Blitzzauber). Diese riesigen Spielfiguren sind die stärksten Einheiten auf dem Schlachtfeld und können die ein oder andere Schlacht entscheiden. Titanen erfordern aufwendige Gebäudeausbauten und verbrauchen enorm viele Ressourcen.

Unserem Helden schließen sich im Verlauf des Spiels mehrere Verbündete an (bis zu fünf), die eventuell vorhandene Fertigkeitslücken ausgleichen können. Die Zeit der Runenkrieger (verzauberte bzw. versklavte Helden, die dem gehorchen müssen, der sie erweckt. Siehe SpellForce 1) ist übrigens vorbei.
Diese Verbündeten können wie der Held einzeln oder als Gruppe gesteuert werden. Man kann sie mit Ausrüstungsgegenständen verbessern. Nur ihre Entwicklung der Fertigkeiten (z.B. Kampf oder Magie) nehmen sie selbst in die Hand. Verbündete steigen parallel zum Helden auf - sind aber stets etwas schwächer als die Hauptfigur.

Begleiter ähneln in ihrer Nützlichkeit und Spielstärke den Verbündeten, agieren jedoch eigenständig und lassen sich auch nicht ausrüsten. Sollten Verbündete oder Begleiter einmal sterben, lassen sie sich am Altar der Helden wieder beleben.

Als letzte Gruppe darf man das Fußvolk nennen. Dieses muss, ähnlich wie bei anderen Aufbau-Strategiespielen erst produziert werden. Dazu gründet man mit einer Gruppe Arbeiter eine Siedlung, baut Rohstoffe (Stein, Silber und Lenya) ab und errichtet Gebäude wie Schmieden oder Werkstätten (mit Stein). Je nach Szenario stehen einem nach dem Bau bestimmter Gebäude Schwertkämpfer, Armbrustschützen, Reiter, Paladine uvm. der verschiedenen "guten Völker" zu Verfügung, die durch den Einsatz von Silber finanziert werden. Einheiten lassen sich durch den Ausbau von Gebäuden zusätzlich aufwerten und mächtiger machen. Alles in allem bleibt das Fußvolk aber was es immer war: Kanonenfutter, das - im Gegensatz zu den Helden - nur in großen Verbänden seine wahre Nützlichkeit zeigt.

Die Karte von Spellforce 2 zeigt viele "Inseln" die den Szenario-Schauplätzen des Spiels entsprechen. Diese Inseln sind durch Wegsteine miteinander verbunden, so dass man im Verlauf des Spiels auch zurückliegende Ortschaften erneut besuchen kann, zum Beispiel um einen bestimmten Händler oder Lehrer noch einmal aufzusuchen.

Vor allem die anfänglichen Szenarien sind eher "linear" aufgebaut, d.h. man folgt einem vorgegebenen Weg, der nur unrelevante Verästelungen hat. In den späteren Szenarien steigt die Flexibilität des Vorgehens und häufig gibt es dann mehrere Möglichkeiten (bzw. Reihenfolgen) die Aufgaben zu lösen. Es gibt Haupt- und Nebenmissionen, wobei nur erstere gelöst werden müssen, um das Spiel zu gewinnen. Nebenmissionen sollten aber dennoch erledigt werden, um zusätzliche Erfahrungspunkte und Gegenstände zu ergattern.

Rollenspiel
Wie üblich ist es möglich seinen Avatar im Laufe des Spiels nach eigenem Geschmack mit herausragenden Fähigkeiten auszustatten und in eine Richtung (Krieger und/oder Magier) zu entwickeln. Nach der enttäuschend simplen Charaktererschaffung - man wählt nur das Geschlecht und ein Portrait - bildet sich der Typus unseres Helden erst im Laufe des Spiels heraus.
Für erlegte Gegner erhält man Erfahrungspunkte, die sich in steigendem Abstand in neue Stufen umwandeln. Mit jeder neuen Stufe erhält der Spieler Charakterpunkte mit denen er Kampf- oder Magierfähigkeiten steigern kann. Indem man sich auf den zwei getrennten Talentbäumen fortbewegt, schaltet man die neuen Fertigkeiten (ca. 100 Fähigkeiten, z.B. Waffen, Rüstungen, Zauberstäbe, Defensivsprüche und Kampfzauber) frei. Insgesamt 19 Talentbaumbereiche können erlernt und insgesamt 3 mal gesteigert werden.
Parallel zum Stufenanstieg des Helden entwickeln sich auch die festen Begleiter mit etwas Abstand weiter und können wie der Avatar mit Fundstücken aus Schatzkisten ausgestattet und aufgewertet werden.

Eingefleischte Rollenspieler werden mit der stark reduzierten Charakterentwicklung kaum befriedigt. Üblicher Standard ist die Wahl eines Volkes, eventuell einer Klasse und das Vorhandensein von Attributen samt Steigerungsmöglichkeit.
Aller Trauer zum Trotz dient aber auch diese Vereinfachung vielen Spielern bei der Konzentration auf den eigentlich Spielfluss - und hier finden sich abseits der Aufbaustrategie viele kleine Missionen, die einfach nur der Atmosphäre und zum Kennenlernen der Spielwelt dienen.

Umfang
Zum Multiplayermodus (Team-Schlachten gegen Mitspieler oder KI), dessen Langzeitmotivation nur vom Geschmack des Spielers abhängt, trumpft das Spiel mit einer sehr umfassenden Hauptkampagne auf. Im Durchschnitt wird das Spellforce 2 den Spieler für 60 Stunden an den Bildschirm fesseln.
SpellForce 2 wartet mit sehr großen und zugleich detailreichen Spielwelt-Arealen auf. Der Spieler darf sich nicht nur an der Erdoberfläche austoben, sondern erkundet im Laufe des Spiels auch unterirdische Höhlen und Tunnelsysteme, die mit beschränktem Platzangebot und geringerer Übersichtlichkeit ganz andere Herausforderungen an den Spieler stellen.
Wie bereits erwähnt gibt es viele Haupt- und noch mehr Nebenmissionen, die man für mehr Erfahrungspunkte und gute Gegenstände machen kann, aber nicht muß. Jedoch bringen einen gerade die Nebenplots an entlegene schön gestaltete Orte, an denen man ansonsten womöglich achtlos vorbeigelaufen wäre und konfrontieren den Spieler teilweise mit witzigen Aufgaben. Manche Mission ist schnell erledigt, manche Aufgabe hält den Spieler in regelmäßigen Abständen auf Trapp.
Wer sich nur von Hauptmission zu Hauptmission durchhangelt, wird das Spiel wesentlich schneller durchspielen, als jemand der jeden Nebenplot mitnimmt und auch sonst wert darauf legt, die Landkarten komplett zu erforschen.

Mehrspielermodus
Jeder Spieler zieht mit der Fraktion seiner Wahl (Bund, Pakt, Clans) in ein Echtzeit-Gefecht. Jede Fraktion hat individuelle Gebäudetypen, Einheiten und besondere Vor- und Nachteile.
Im Rollenspieler-Modus kann man über das Netz zusammen spielen und gemeinsam verschiedene Missionen bewältigen, Avatare steigern und Gegenstände tauschen.

Technisches
Optisch bietet SpellForce 2 das aktuelle Höchstniveau, das in maximaler Qualität auch modernen Rechnern alles abverlangt. Das Spiel lässt sich aber natürlich in den Einstellungen so weit modifizieren, dass es auch mit älteren Rechnern (Minimum P4 mit 2 GHz) spielbar ist. die Krönung der Kampagne sind die kinoreifen Zwischensequenzen (in Spielegrafik), die dem Spieler die Geschichte der Allianz zwischen den verfeindeten Völkern erzählt.
Auch akustisch überzeugt das Spiel durch filmreife Musikstücke (die wohl auch einem Herr der Ringe als Filmmusik gerecht werden würden), Soundeffekte und eine durchgehende Sprachausgabe, die jedoch durch die zeitweilig etwas unmotiviert-routiniert wirkende Vortragsweise der Sprecher getrübt wird.

Von der Steuerung her bietet SpellForce 2 ein sehr gut durchdachtes und extrem spielbares Konzept, dass den Spieler auch im Getümmel einer Großschlacht nicht im Stich lässt. Jedet Strategiefan der bereits Erfahrungen mit den üblichen Toptiteln hatte, sollte keinerlei Schwierigkeiten haben, sich mit der Steuerung zurecht zu finden. Gegenüber dem Vorgänger wurden einige Bereiche, wie z.B. das Sammeln von Rohstoffen vereinfacht und erlauben es so dem Spieler, sich noch mehr auf die Handlung und spannungsgeladenen Schlachten zu konzentrieren.
Auch bei den Schlachten kommen intelligente Änderungen an der Steuerung positiv zum Tragen: wie allgemein üblich lassen sich eigene Truppen in Gruppen zusammenfassen, die als Symbol der jeweils mächtigsten Spielfigur am oberen Spielrand angezeigt werden. Zusätzlich findet man den Avatar des Spielers und alle Helden als Symbol wieder. Bewegt man den Mauszeiger über ein Symbol bekommt man eine sinnvolle Auswahl an Sonderfertigkeiten eingeblendet, die auch in Abhängigkeit zur momentan ausgewählten Einheit stehen. Beispielsweise wird bei vorhandener Verletzung eines Helden, sofern vorhanden, die Möglichkeit zur Heilung eingeblendet oder die Option zum Wiederbeleben, wenn man eine gefallene Einheit aktiviert.
Alternativ kann man natürlich jede Spielfigur separat anklicken, sowie mehrere Einheiten per Rahmen gemeinsam selektieren und steuern.

Die KI kann sich sehen lassen und wird dem Anspruch des Spiels vollkommen gerecht.

Kopierschutz
Die europäische Version des Spiels setzt den umstrittenen StarForce-Kopierschutz ein, der sich als Dienst im Rechner einnistet und bei der Entfernung des Spiels nicht mit deinstalliert wird.
Ich konnte (und wollte) es nicht reproduzieren, war jedoch einen Tag nachdem ich Starforce erstmals mit installiert hatte, Opfer meines ersten Bluescreens nach 12 Monaten (!)... Seitdem habe ich den Kopierschutz jedes mal nach dem Spielen mit dem offiziellen Desinstallations-Tool des Herstellers wieder entfernt, das man sich von deren Homepage herunterladen kann. Beim Spielstart wird der KS auf Anfrage wieder neu installiert.
Der Vertrieb der US-Version hat erreicht, das das Spiel in den USA ohne Kopierschutz ausgeliefert wird. Schade, daß man sich nicht auch hierzulande zu diesem Schritt entscheiden hat. In den USA scheint der Wunsch des Kunden doch noch deutlich mehr Gewicht zu haben.

Fazit:
SpellForce 2: Shadow Wars führt zwei beliebte Genres zum neuen Genre des Rollen-Strategie-Spiels zusammen. Die technische Umsetzung ist hervorragend und das Spiel bietet - trotz einem stellenweise wenig abwechslungsreichen Spielprinzip - eine hohe Langzeitmotivation. Die leichten Modifizierungen im Spielkonzept gegenüber der ersten Version von SpellForce haben den Spielfluss deutlich verbessert.
Wenn man seine Erwartungen in den Rollenspielanteil nicht zu hoch steckt und über ausreichend gute Hardware verfügt, bekommt man ein sehr gutes Computerspiel, das jeden Cent des Kaufpreises wert ist.


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Wie wird gewertet?

Name: SpellForce 1.5: Shadow Wars

Art: Computerspiel für Computerspiele; PC-Spiel;

Publikationsjahr: 2006

Preis: 50 Euro

Kontakt: Koch Media
Homepage: www.kochmedia.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20