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LodlanD - Liberty Völkerband

"Liberty" ist der erste Völkerband für LodlanD, der nach dem im Grundregelwerk und den Nachfolgepublikationen beschriebenen Staatenverbund RDL ein weiteres Volk beschreibt. Auf 95 teilweise vollfarbigen Seiten dreht sich in diesem Softcover-Band alles um die Libertys, Nachfahren der Nordamerikaner, die sich unter Wasser zu einem streng hierarchisch ausgerichteten Volk mit fanatischem Glauben entwickelt haben.

Inhalt
Im ersten Teil des Buches (an die für mich etwas chaotisch anmutende Gliederung habe ich mich nun langsam gewöhnt) wird Liberty mitsamt Geschichte, Religion, Wirtschaft und Bewohnern vorgestellt. Die Libertys sind vermutlich Nachfahren der US-Navy, was m.E. sehr gut umgesetzt wurde: Ein großer Teil der Bevölkerung ist dunkelhäutig (da ein Großteil der amerikanischen Soldaten Afroamerikaner waren). Über die Zeit hinweg hat sich eine strenge, militärisch anmutende Hierarchie innerhalb des Staates entwickelt, die sich ausnahmslos auf alle Bürger erstreckt. Jeder Bürger besitzt einen Rang von 1 bis 18, dies beginnt bereits bei kleinen Kindern im Vorschulalter. Der vorgestellte Buchstabe unterteilt in Militär (M), Zivilbevölkerung (M), und "pupil" (P), was für einen Liberty in Ausbildung steht. Leistungstests sind für jeden Bürger in regelmäßigen Abständen Pflicht, wobei bei Versagen eine Degradierung droht (und umgekehrt bei guten Leistungen ein Aufstieg in einen höheren Rang). Der Rang ist nicht nur für die Berufslaufbahn eines Libertys wichtig (je höher der Rang, desto höher die Verantwortung und damit auch das Gehalt), sondern auch für andere Bereiche des Lebens: So muss man bestimmte Ränge innehaben, um in besseren Wohngebieten wohnen, im Zug in einer höheren Klasse reisen oder luxuriöse Freizeit-Etablissements besuchen zu dürfen. Auch außerhalb der Arbeit wird höherrangigen Personen generell mehr Respekt entgegengebracht.
Eine äußerst wichtige Rolle im Leben eines Libertys spielt neben der strikten Hierarchie auch die Staatsreligion. Der angeblich unsterbliche GreatFather ist sowohl politischer als auch spiritueller Führer des Landes, propagiert als der Sohn Gottes, der seine schützende Hand seit nunmehr 300 Jahren über seine Kinder hält.
Nach den ausführlichen und teilweise etwas trocken zu lesenden Beschreibungen der Geschichte, Politik und Wirtschaft Libertys wird die Freizeitgestaltung näher beleuchtet - hier kann man noch viele "uramerikanische" Vorlieben wie Bowling, Truthahnessen zu "ThxGiv", kalorienreduziertes Essen etc. entdecken, was schon ziemlich amüsant ist.
Zum Abschluss des ersten Teils werden VIPs, typische Berufe und Stereotypen über die anderen Staaten vorgestellt.
Insgesamt hat die LodlanD-Crew mit den Libertys ein in sich durchweg schlüssiges Volk mit vielen interessanten Geheimnissen (z.B. der Wahrheit über den GreatFather) entworfen, dessen Entwicklung zumindest mir als Hobby-Soziologin nach dem heutigen Stand der Dinge logisch und nur ein wenig überzogen erscheint - aber schließlich handelt es sich um ein Spiel, das von Stereotypen lebt und nicht eine mögliche Zukunft realistisch abbilden soll. (Mehr Realismus braucht LodlanD definitiv nicht, eher im Gegenteil. Einiges könnte ruhig noch extremer und "fantastischer" beschrieben werden.)
Die mehr oder minder freundlichen Seitenhiebe auf unsere geschätzte Weltpolizei trugen viel zu meinem persönlichen Amüsement bei. Mag sein, dass die kritische Darstellung der fiktiven Entwicklung der USA einigen hartgesottenen Amerika-Fans übel aufstößt. Mir jedenfalls hat gerade das kontroverse Potential der Völkerbeschreibung gefallen.

Nach so viel Ordnung, Rechtschaffenheit und Nationalstolz konnte ich mir nicht mehr vorstellt, einen konventionellen (will heißen nicht rebellischen) Liberty zu spielen. Es traf sich also gut, dass die LodlanD-Crew diese Spielerreaktion vorausgesehen zu haben scheint und im zweiten Teil, der vom Aufbau her in etwa dem ersten Teil entspricht, den Gegenpart der heilen libertianischen Welt darstellt: das Volk der Renegades. Diese ehemaligen Bürger Libertys haben sich vor vielen Jahren gegen die Ordnung in ihrer Heimat gewandt und sich entschlossen, diese aktiv zu bekämpfen und den GreatFather zu stürzen. Letztendliches Ziel ist eine Befreiung aller Libertys. So haben diese Rebellen östlich von Liberty eigene Städte gegründet und führen nun seit vielen Jahren eine Art Guerilla-Krieg gegen die libertianische Obrigkeit. Dementsprechend gibt es auch keine Regierung oder sonstige feste Organisation unter den Renegades. Sie sind in Widerstandszellen organisiert, von denen einige sich in Liberty eingeschlichen haben, um dort zu spionieren und von innen heraus den Aufstand anzuzetteln.
Die freiheitsliebenden Renegades bilden einen guten Gegenpol zu den rechtschaffenen Libertys und bieten dem Spielleiter viel Konfliktpotential, das das Spiel noch interessanter macht.

Nach einigen neuen, nett beschriebenen Archetypen speziell für Liberty, wie der ehemaligen Offizierin oder dem Renegade-Spion, kommen wir zur beliebten Sektion mit Schiffen und Booten. Auf erneut vollfarbigen Seiten werden 10 für Liberty typische Boote und andere Transportmittel mitsamt allen regeltechnischen Details vorgestellt, z.B. die schnelle "Serpent" der Renegades, der libertianische Großtransporter "Bison", die mobile Militärbasis "FathersFist" oder der "Merchtrain", das libertianische Äquivalent zur Straßenbahn. Der Aufbau dieser Seiten entspricht dem im Schiffs-Erweiterungsband "Im Tiefenrausch", so dass die vorgestellten libertianischen Schiffe voll kompatibel zu den RDL-Schiffen sind. Beim Schiffsdesign hat Perry-Rhodan-Zeichner Georg Joergens wieder hervorragende Arbeit geleistet - LodlanD-Spieler können sich also über ein paar neue Prachtexemplare für die stetig wachsende Schiffesammlung freuen.
Im Ausrüstungs-Kapitel werden die verschiedensten Konsumartikel aus den unterschiedlichen Lebensbereichen vorgestellt - z.B. typische Nahrungsmittel, elektronische Geräte, Comics für den jungen (oder jung gebliebenen) Liberty, aber auch Waffen, Rüstung und Schiffsausrüstung. Generell ist der Unterschied zum Leben im RDL nicht allzu groß, weswegen die vorgestellten Gegenstände auch nicht wirklich spektakulär sind.

Das letzte Drittel des Buches wird von zwei Abenteuerszenarien eingenommen:
"Father, o Father" ist ein recht einfaches Szenario für regimetreue Libertys. Für meinen Geschmack etwas zu einfach und zu offensichtlich, wahrscheinlich eignet es sich aber ganz gut als Einsteigerszenario.
"Liberty meets RDL" ist ein anspruchsvolleres Abenteuer, das die Spieler direkt mitten in die Geschehnisse des aktuellen Metaplots wirft. Sie werden nicht nur Zeugen, sondern Mitbeteiligte am Erstkontakt zwischen Liberty und dem RDL und können vielleicht sogar den Verlauf der Geschichte ändern. Das Schöne an diesem Abenteuer ist, dass beide Perspektiven - Liberty und RDL - beschrieben werden und die Spieler also auf jeder der Seiten stehen können.
Insgesamt sind beide Abenteuer wie immer sehr kurz und knapp geraten. Es handelt sich also eher um Szenarioideen, die einer Ausarbeitung durch den Spielleiter bedürfen, als um spielfertige Abenteuer. Letztere würden aber den Rahmen eines Quellenbandes sprengen, von daher ist das schon in Ordnung.
Fast zum Schluss findet sich dann noch eins der Highlights des Bandes: die im Vergleich zu den vorigen Quellenbänden sehr ausführliche Beschreibung des aktuellen Metaplots, in dem Liberty und RDL erstmals aufeinander treffen - oder besser aufeinander prallen. Der Metaplot wird in einer übersichtlichen Tabelle aus beiden Perspektiven recht ausführlich zusammengefasst und ist auch dann gut nachzuvollziehen, wenn man die detaillierteren Online-Publikationen auf www.lodland.de nicht verfolgt hat.
Den Abschluss des Bandes bilden einige Abenteuerideen für den Metaplot sowie eine einseitige Kurzgeschichte. Diese schließt eine Reihe von zusammenhängenden kleinen Szenen ab, die über das ganze Buch verteilt sind und deren Zusammenhang man erst nach einigen Teilen bemerkt. Eine schöne Idee, die immer wieder zur Auflockerung des Textes beiträgt.

Grafik
Wie gewohnt ist Art und Qualität der über das Buch verteilten Zeichnungen und Grafiken recht heterogen. Realistisch wirkende Computergrafiken, Risszeichnungen und hübsche Logos wechseln sich mit Comiczeichnungen ab, für die ich mich nach wie vor nicht wirklich erwärmen kann. Realistische Grafiken passen meiner Meinung nach einfach eher zum "Science"-Flair des Rollenspiels.


Fazit:
Der Liberty-Völkerband stellt eine gute Ergänzung und Weiterentwicklung der LodlanD-Welt dar. Die Völker der Libertys und Renegades sind schlüssig und überzeugend beschrieben und bieten viele interessante neue Ansätze für Plots. Der Text ist gerade im ersten Drittel stellenweise recht trocken. Hieran könnte man noch arbeiten, indem man Beschreibungen generell "größer" anlegt, u.U. zu Ungunsten des "Realismus".
Alles in allem ein gelungenes Quellenbuch, das einen noch tiefer in die Welt unter Wasser eintauchen lässt.


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Name: Liberty Völkerband

Art: Quellenmaterial für LodlanD; 100 Seiten; Softcover;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-93315-305-0

ISBN-13: 978-3-93315-305-0

Kontakt: Image 3033
Homepage: www.lodland.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20