drosi.de | Rezensionen | LodlanD | Im Tiefenrausch - Schiffe und Piraten
LodlanD - Im Tiefenrausch - Schiffe und Piraten

"Im Tiefenrausch" ist nach dem Grundregelwerk die zweite Veröffentlichung für LodlanD. Das Softcover-Buch widmet sich auf 114 Seiten, von denen 32 vollfarbig sind, dem Thema Schiffe und Piraten in den Tiefen des Meeres.

Hält man "Im Tiefenrausch" in der Hand, springt einem zuerst der Umschlag des Buches ins Auge. Hier wurde wohl auf Spielerwunsch ein wesentlich stabileres und kratzfesteres Papier gewählt als noch beim Grundregelwerk. Nach erfolgreichem Eigenversuch kann ich bestätigen, dass es sogar größere Spritzer bei Tauchgängen in der Badewanne abhält - zumindest äußerlich schon einmal die beste Voraussetzung für ein Unterwasser-Rollenspiel...
Auf den Umschlaginnenseiten finden sich sehr dekorative und übersichtliche vollfarbige Quer- und Längsschnitte von vier teilweise im Buch vorgestellten U-Booten.

Doch kommen wir zum Inhalt:
Nach einer kurzen Einführung beginnt das Buch mit einer Zusammenfassung des Metaplots der letzten Monate. Spielleiter, die in ihrer Kampagne näher auf diesen eingehen wollen, sollten sich (sofern sie dies noch nicht getan haben) dringend die genaue Schilderung der Ereignisse unter www.lodland.de zu Gemüte führen. Die hier gebotene Zusammenfassung ist auf einer Seite doch äußerst knapp gehalten.

Danach folgt ein Kernelement des Buches, das Schiffsbausystem. Den Spielern wird hiermit die Möglichkeit geboten, eigene Schiffe zu erstellen und bereits beschriebene zu modifizieren und zu erweitern.
Kurzgefasst funktioniert das System wie folgt: Zuerst wählt man einen Schiffsarchetypen aus, deren Werte man dann nach gewünschter Funktion modifizieren kann. Mögliche Modifikatoren sind z.B. die Größe des Frachtraums, Geschwindigkeit oder das Ortungssystem des Schiffes.
Dabei hat man eine bestimmte Anzahl von Designpunkten zur Verfügung, die je nach Größe des Schiffs variieren - große Schiffe haben hierbei natürlich mehr Designpunkte zur Verfügung als kleinere.
Nach der Ausrüstung mit Waffen und anderem Equipment und dem Festlegen von Aussehen und Namen gilt es noch den Preis des Schiffes zu berechnen. Dieser ist von der Art der Fertigung (Prototyp vs. Massenfertigung) abhängig.
Um den Bau eines eigenen Schiffes noch reizvoller zu gestalten, ist zusätzliche Ausrüstung natürlich immer von Vorteil. Hiervon wird auf den nächsten Seiten auch reichlich geboten: vom 3D-Holoprojektor über KI für Autopiloten bis hin zum Massagesessel oder Harpunengeschütz werden einige neue Goodies vorgestellt, die das gierige Spielerherz höher schlagen lassen.
Insgesamt ist das Schiffsbausystem sehr gut gelungen. Es ist ebenso umfassend wie simpel und lässt sich mit der ein oder anderen Modifikation (je nachdem, wie realistisch oder "high-tech" das Spiel sein soll) und Regelanpassung sogar für andere Rollenspielsysteme verwenden, die in der Gegenwart oder näheren Zukunft spielen (z.B. Cyberpunk).
Im nächsten Abschnitt kommen die Regelliebhaber unter uns auf ihre Kosten. Hier werden nämlich erweiterte Regeln für den Schiffskampf vorgestellt, mit denen man Unterwasser-Schlachten noch taktischer und detailreicher gestalten kann. "Countermeasures" beschreibt Möglichkeiten, die Torpedoabwehr zu erweitern, indem man Torpedos z.B. durch Geschützfeuer zerstört oder durch Täuschkörper vom eigentlichen Ziel ablenkt.
Außerdem werden erweiterte Ortungsregeln, neue Kampfmanöver wie Anschleichen, taktische Formationen und der Kampf im Schiffsverband vorgestellt. Alle Regeln sind natürlich optional, so dass man je nach Vorlieben bei dem im GRW vorgestellten einfachen und schnellen System bleiben oder aber auf ein komplizierteres, aber auch vielseitigeres strategisches Spiel umsteigen kann. Beides hat seine Vor- und Nachteile, der Spielleiter sollte hier im Sinne seiner Gruppe entscheiden.

Nach diesem etwas trockenen Theorieteil folgt ein kurzer Abschnitt über das Militär in den 7 Staaten, ein sicherlich nicht unwichtiges Thema. Zum Leidwesen des Spielleiters verfügt jedes Land über eigene Hierarchie-Ränge. Die Ränge des BFS, Scientias und Lods sind noch recht einfach zu merken, anders ist es da schon bei Stawa - Begriffe wie Potapesch (Kampftaucher) oder Poruznyk (eine Art Unteroffizier) muss man wohl des öfteren mal nachschlagen.

Richtig interessant wird es auf den nächsten Seiten: Mit Portafera wird eine (mehr oder minder) geheime Schmuggler- und Piratenstadt vorgestellt, die unter der Kontrolle eines mafiaähnlichen Syndikats, der schwerreichen Familie, steht. In einer Piratenkampage könnten die Spieler hier untertauchen, Handel treiben und von heißer Ware bis hin zu gefälschten Identitäten fast alles erwerben - solange der Preis stimmt, versteht sich.

Nach einem weiteren Abschnitt mit allerlei nützlicher Ausrüstung wie Schiffsbergungshaken und verschiedenen Tauchanzügen gelangt man schließlich zum "Herz" des Buches: den 32 vollfarbigen Seiten, auf denen die gebräuchlichsten Schiffe aller 7 Staaten des RDL in Wort und Bild vorgestellt werden. Jedem Schiff, von der winzigen Enterkapsel über ein Algen-Erntfahrzeug, eine mobile Forschungsplattform und Frachtschiffe bis hin zum militärischen Zerstörer, ist eine volle Seite gewidmet. Unter der Beschreibung von Funktion und Auftreten des Schiffs befinden sich jeweils ein kleiner Kasten mit den wichtigen regeltechnischen Werten wie Geschwindigkeit, maximale Tiefe und Panzerung und daneben die eigentlichen Schmuckstücke dieses Quellenbandes: Die hervorragend gelungenen Ansichten des Schiffes von allen Seiten, inklusive Emblem der jeweiligen Marke.
Auf dem letzten Drittel der Seite finden sich neben besonderen Regeln und einer kleinen auflockernden Geschichte oder einem ähnlichen Text über das jeweilige Objekt noch weitere regeltechnische Angaben zu Systemausfällen u.ä.
Die 32 Seiten sind eine Freude fürs Auge, LodlanD-Schiffdesigner Georg Joergens hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Aber auch die Autoren haben ihren Job gut gemacht und dafür gesorgt, dass die Informationen angenehm zu lesen sind. Entgegen vorheriger Befürchtungen meinerseits werden sie auch für jemanden, der sich nicht sonderlich für Technik interessiert, nicht langweilig.

Das letzte Highlight des Buches schließt direkt an die Schiffsbeschreibungen an. Mit den Nidalo lernen wir ein neues Volk kennen. Sie leben im Scherbennest, einer von Trümmern umgebenen Kuppelstadt, verborgen vor den Staaten des RDL - was auch sinnvoll ist, schließlich leben diese temperamentvollen und traditionsbewussten Menschen hauptsächlich von Piraterie.
Wie die schon aus dem GRW bekannten Völker haben auch die Nidalo ihre ganz eigene Kultur, Religion und Ansichten vom Leben, was sie von anderen abhebt und es interessant macht, einen Charakter aus diesem Volk zu spielen.

Nach diesem spannenden Teil neigt sich das Buch langsam seinem Ende zu. Auf 3 Seiten werden dem Spielleiter Möglichkeiten aufgezeigt, Piratenkampagnen zu bauen - sei es auf Seiten der Freibeuter selbst oder aber auf Seiten ihrer Jäger.
Schließlich bildet "Neue Freunde, neue Häfen", ein Abenteuerszenario, das in und um Scherbennest spielt, den Abschluss des Buches. Obwohl "Abenteuerszenario" eigentlich das falsche Wort für die 5 Seiten ist - im Grunde handelt es sich um eine eher dürftig ausdefinierte Ansammlung von Ideen, aus denen ein findiger Spielleiter sich unter Beigabe eigener Ideen ein richtiges Abenteuer zusammenbasteln kann.

Layout & Aufmachung:
Hier hat sich im Vergleich zum Grundregelwerk einiges getan. Die etwas sperrige Rohr-Konstruktion am Rand jeder Seite wurde durch ein schlichteres, elegantes Design ersetzt, das die Aufmerksamkeit eher auf den Text lenkt. Zu den äußerst gelungenen Schiffszeichnungen und einigen ebenfalls sehr schicken Computergraphiken gesellt sich noch ein buntes Sammelsurium von comicartigen Zeichnungen im Stil früher Cyberpunk-Publikationen sowie einige vereinzelte Manga-Zeichnungen. Letztere sind für meinen Geschmack einfach zu "niedlich" und wirken in einem Rollenspiel, das viel Wert auf "Realismus" legt, etwas deplatziert. Hier wäre es vielleicht angebracht, sich für einen einheitlicheren Stil zu entscheiden.

Fazit:
"Im Tiefenrausch " ist, obwohl - (oder gerade weil, das ist Geschmackssache) - es sehr "techniklastig" ist, ein gelungenes Quellenbuch. Wegen des Schiffbausystems und der ausgezeichneten U-Boot-Beschreibungen lohnt es sich auch für Spieler anderer Systeme, welche zumindest teilweise unter Wasser spielen, einen Blick in dieses Buch zu werfen.
Im Vergleich zum GRW wurde hier in puncto Aufmachung und Design eine deutliche Qualitätssteigerung erreicht. Das Gleiche gilt für den Text. Immer wieder lockern kleine Geschichtchen, Beispiele und Inplay-Kommentare die trockenen Regelbeschreibungen auf. Ab und zu findet man zwar noch die ein oder andere schiefe Formulierung, doch insgesamt haben die Autoren wirklich sehr ordentliche Arbeit geleistet.
Für weitere Publikationen wünsche ich mir lediglich einen etwas einheitlicheren, gerne realistischeren Zeichenstil und eine übersichtlichere Gliederung. Zwar sind ein Inhaltsverzeichnis und ein Glossar vorhanden, doch es gibt keine Kapitel oder irgendeine andere sinnvolle Art der Gliederung, so dass es bisweilen etwas dauert, bis man das Gewünschte gefunden hat.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich der Kauf von "Im Tiefenrausch" für LodlanD-Spieler und U-Boot-Begeisterte gleichermaßen lohnt. Auch der Preis ist angesichts der 32 vollfarbigen Seiten nicht zu hoch bemessen.


www.DRoSI.de
die beste Adresse,
seit es Rollenspiele gibt
© Copyright by Dogio
Maja
Mehr zum Thema
Links zum Thema
Diesen Artikel kaufen

Diesen Artikel kaufen

Qualität Text
Qualität Optik
Nutzen/Spaß
Gegenwert
Wie wird gewertet?

Name: Im Tiefenrausch - Schiffe und Piraten

Art: Quellenmaterial für LodlanD; 116 Seiten; Softcover;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-93315-303-4

ISBN-13: 978-3-93315-303-6

Preis: 27 Euro

Kontakt: Image 3033
Homepage: www.lodland.de

Klick für Vollbild

[Dieses Fenster schließen]

5155 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Rezensionen bei drosi.de
Please note:
The names of all or most of the games and their logos on the subsequent pages are trademarks or registered trademarks of the owning company. Any use on this or subsequent pages should not be misconstrued as a challenge to said trademarks, nor as an attempt to infringe upon any copyrights that may be owned by said companies.
The drosi.de content and database is © 1998-2008 by Uwe 'Dogio' Mundt.
Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20