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PokeTHULHU RPG

Ein kleines Spiel hat beim GenCon 2000 einiges Aufsehen erregt: das PokeThulhu Adventure Game. Kinder zwischen 6 und 16 mit dem Wissen des Pokenomicons und im Besitz eines 'Leuchtenden Dodekaeders' lassen Monster im hoffentlich fairen Kampf gegeneinander antreten. Die bösartigen (und ach so niedlichen) Monstren stammen aus den Welten zwischen Raum und Zeit (na ja¸ einige davon)¸ und sie bringen alle besondere Fähigkeiten mit. Sie werden Pokethulhu oder kurz: Thulhu genannt. Der bekannteste und berühmteste aller Pokethulhu ist Pikathulhu¸ das knuddelige Monstrum von Randy Carter¸ dem Helden der PikaThulhu-Zeichentrickserie. Er und sein Team ziehen durch das Land¸ das sich von Ultraborea im Norden bis zum Plateau von Ming erstreckt¸ um Wettkämpfe auszutragen und ihre Thulhus zu trainieren. Und wenn sich die Gelegenheit bietet¸ werden noch einige wilde Thulhus gefangen und trainiert¸ bis auch sie gegen ihre Artgenossen antreten können.

Das PokeThulhu Adventure Game ist ein kleines Heft von knapp 35 Seiten in der Größe der amerikanischen Comics. Es basiert auf ein Konzept von Philip Reed und Russell Godwin und wurde von John Ross und John Kovalic geschrieben. Dork Storm Press machen es jetzt endlich auch dem Publikum außerhalb von GenCon zugänglich. John Ross ist unter anderem bekannt für GURPS Russia und das kleine aber feine Rollenspiel-System Risus (umsonst unter http://www.io.com/~sjohn/risus.htm). Kovalic ist der Zeichner und Erfinder von Dork Tower¸ dem Rollenspielcomic (http://www.dorktower.com). Wie sicher schon im einleitenden Absatz klar wurde¸ handelt es sich bei PokeThulhu um ein Rollenspiel¸ dass eine bekannte Zeichentrickserie parodiert und dabei nicht weniger bekannte Themen eines berühmten Mythos aufgreift.

Die Hauptpersonen des Dork Tower-Comics geben auf den ersten Seiten eine kurze Einführung in das Rollenspiel ('We kill it! Huzzah!'). Darauf folgen die Regeln des Spiels¸ und diese sind denkbar einfach. Jeder Kultist - denn so werden die Jungen und Mädchen genannt¸ die Thulhus trainieren - hat 6 Eigenschaften¸ wie 'Ladendiebstahl' oder 'Müll erzählen'¸ auf die eine bestimmte Anzahl an Punkten verteilt werden. Wenn der Spielleiter eine Probe verlangt¸ würfelt der Spieler je nach Schwierigkeit der Handlung mit ein bis drei Leuchtenden Dodekaedern (zwölfseitige Würfel) und muss mit wenigsten einem davon unter dem Wert der passenden Eigenschaft liegen. Eine der sechs Eigenschaften ist zuständig für Gesundheit und eine weitere für geistige Stabilität. Von diesen Eigenschaften werden Punkte abgezogen¸ wenn ein Kultist Schaden nimmt. Interessant ist übrigens auch¸ dass die geistige Stabilität mit zunehmendem Alter abnimmt¸ denn je 'vernünftiger' man wird¸ um so weniger kann man die Grauen der Thulhus ertragen¸ was fast alle Erwachsene zu sabbernden Idioten degradiert. Die einzige Ausnahme sind Hexen und Zauberer¸ die aber auf andere Weise verrückt sind. Zusätzlich zu den Eigenschaften und einigen anderen Kleinigkeiten¸ wie z. B. Alter¸ muss jeder Kultist noch einen 'Aspekt' auswählen. Beispiele für solche Aspekte wären 'fischig' oder 'nicht-euklidisch'.
Den Pokethulhus werden auch Aspekte zugeordnet: zwei als herausragende Stärken und ein weiterer als Schwäche des Wesens. Damit hat jeder Kultist eine Affinität zu bestimmten Thulhus. Zusätzlich werden für jedes der knuddeligen unnatürlichen Grauen weitere Eigenschaften festgelegt¸ u. a. Trefferpunkte und vier verschiedene Angriffe. Auch den Angriffen werden Aspekte zugeordnet¸ Pikathulhus Hauptangriff zum Beispiel ist eine 'biostatische Entladung' mit dem Aspekt 'Leuchtend'.

Die Aspekte sind es dann auch¸ die die Kämpfe zwischen den Pokethulhus interessant machen. Die Auswahl¸ welche Taschenmonster die Kultisten antreten lassen und welche jeweiligen Angriffe gewählt werden¸ gehen entscheidend in den Kampf ein. Je nach Auswahl kann der Kultist eventuell die Schwäche des Gegners treffen und diesen somit leichter besiegen (Thulhus sterben übrigens nicht¸ sondern werden nur ohnmächtig).

Das nächste Kapitel des Heftes behandelt schon mögliche Abenteuer. Genauer gesagt handelt es sich um die Idee für eine kleine Kampagne von insgesamt fünf Episoden. Jede Episode wird kurz zusammengefasst¸ dem Spielleiter bleiben die Feinheiten überlassen. Die Geschichte trifft den Kern der Serie ziemlich genau¸ sprüht aber nicht gerade über vor Einfallsreichtum. Schlimmstenfalls kann man die Episoden als 'Abarbeiten von Gegnern' verstehen¸ wenn auch der Endgegner durchaus ganz witzig ist. Aber ist es nicht genau das¸ was die japanische Zeichentrickserie für die Kids so interessant macht?

Wesentlich besser ist das Abenteuer im nächsten Kapitel von John Ross mit dem Titel 'Over the Cold Mountain'. Das Team der Spieler trifft hier auf Joey Curwen¸ einen launischen und nervtötenden Jungen¸ der anscheinend über eine unerschöpfliche Menge an Thulhus verfügt¸ die andere Wesen verschwinden lassen können. Während sich die Geschichte weiterspinnt¸ werden die Spieler so manchen Seitenhieb auf bekannte Schemata von Cthulhu-Abenteuern miterleben und in einem actionreichen Ende vielleicht mal wieder die Welt retten.

Bevor das Heft mit ein wenig Werbung¸ Charakterbögen und einigen Papierfiguren von Thulhus und Kultisten beendet wird¸ kann der Leser noch die drei Gewinnerwesen bestaunen¸ die von Teilnehmern an einem Internetwettbewerb entwickelt wurden. Leider gibt es in dem gesamten Heft nur wenige knapp beschriebene Thulhus¸ was vielleicht auch der Hauptkritikpunkt ist. Sicher ist es nicht schwer¸ sich selbst welche auszudenken¸ die Serie gibt ja genug Anregungen (wenn man sich dazu durchringen kann¸ länger als zwei Minuten zu gucken)¸ aber zwei oder drei Monster mehr hätten sicher nicht geschadet.

Das gesamte Heft ist mit Andeutungen auf den Cthulhu-Mythos gespickt. Besonders die Namen von Plätzen und Wesen haben fast alle 'cthulhoiden' Ursprung. Inhaltlich orientiert sich das Spiel aber eher an der Zeichentrickserie als an H. P. Lovecrafts Cthulhu. Nur 'Over the Cold Mountain' enthält genug Eigenschaften eines Cthulhu-Szenarios¸ um als Parodie auf das Rollenspiel angesehen werden zu können.

Um das Heft vollkommen zu genießen¸ sollte man von Rollenspielen schon mal gehört haben (die Einführung wird wenig nützen)¸ wenigstens eine Folge Pokemon gesehen haben und sich ein wenig mit H. P. Lovecrafts Cthulhu auskennen¸ damit man alle Anspielungen versteht.

Die Abschlussfrage muss allerdings lauten: Spielt so etwas denn überhaupt jemand? Das Spiel ist dazu durchaus geeignet¸ und es könnte sogar ganz interessant sein¸ wenn man sich mit der Idee der Monsterkampfwettbewerbe anfreunden kann¸ aber spielt es denn im Endeffekt wirklich jemand? Das muss an dieser Stelle wohl bezweifelt werden¸ aber der Preis von 14.95 DM rechtfertigt einen Kauf trotzdem. Vielleicht will es am Ende ja doch jemand ausprobieren. Wahrscheinlicher ist¸ dass das Heft verschenkt wird. Wenn ihr jemanden kennt¸ der gern Cthulhu spielt¸ dann wird er sich sicher über PokeThulhu freuen. Und wenn ihr jemanden kennt¸ der Cthulhu hasst: derjenige wird sich bestimmt genauso freuen¸ auch wenn ihm der eine oder andere Witz wahrscheinlich erklärt werden muss.

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Name: PokeTHULHU RPG

Art: Grundregeln für Pokethulhu; Softcover;

Publikationsjahr: 2001

Preis: 8 Euro

Kontakt: Dork Storm Press
Homepage: www.dorkstorm.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20