Cthulhu - Wales: Dunkles Land der Kelten und Geister
In derselben Aufmachung wie die wunderschön gestaltete deutsche Cthulhu-Edition von Pegasus kommt dieses erste Abenteuer- und Quellenbuch aus dem Hause des Flügelpferdes daher. Das gelungene Layout zieht sich durch das ganze Heft und macht das Lesen schon zum optischen Vergnügen. Wir werden zunächst in das Land Wales eingeführt, und wir erfahren eine Menge über die Geschichte dieses kargen englischen Landstrichs, von der Besiedlung der Kelten, Römer, Angelsachsen und Normannen bis hin zu den 20er Jahren, wo der Kohlebergbau die beherrschende Industrie ist. Streikende Arbeiter an der untersten sozialen Stelle, Geistergeschichten, staubige Landstraßen und verschlafene Fischerdörfer prägen das Bild. Die ganzen Artikel über Wales, Geister und Kelten sind bewußt nicht zu ausführlich gehalten, erstens aus Platzgründen, und zweitens regt der Autor direkt beim Schreiben die Phantasie des Lesers an - in Richtung auf den Mythos natürlich. Stoff genug für etliche schaurige Abenteuer findet man in der Übersicht zuhauf. Einziges Manko ist die doch recht einfach skizzierte Landkarte von Wales, hier wird man nicht drum herum kommen, selbst den Atlas zu Rate zu ziehen. Eine alte Karte hätte hier sicher noch dem ganzen den letzten Schliff gegeben, schade. Es folgen nun zwei Abenteuer in Wales. Das erste. 'Das Chamäleon', führt die Spieler in das abgelegene Dorf Crug Llanfinghangel an die westlichste Landspitze von Wales. Wie immer folgt hier nichts über den Inhalt, nur soviel: etwas Erfahrung sollten die Charaktere schon gemacht haben, damit sie sich in dem Geflecht von seltsamen Begegnungen und Erscheinungen zurecht finden. Dieses Abenteuer lebt sehr von der Stimmung: mit einem geschickten Spielleiter kann 'Das Chamäleon' den Spielern einen oder zwei faszinierend-gespenstisch-bizarre Spielabende bieten. Das nächste Abenteuer, 'Der Fluch des Siebten Mondschattens', ist etwas geradliniger, gefällt aber ebenfalls sehr gut. Hier geht es um ein Geisterhaus, und wenn der Spielleiter die Fehler des Regisseurs von 'The Haunted' vermeidet, dann wird auch dieses Abenteuer eine wohltuend gruselige Reise in die verfluchten Häuser von Wales. Ein grobes Manko aber ist es, daß man hier vergessen hat, die Pläne für das Danton-Haus beizufügen: da muß der Spielleiter fast selbst sich einen kurzen Plan zeichnen nach den Angaben im Abenteuer. Das sollte zwar nicht allzu schwer sein, ist aber trotzdem ärgerlich. Aber abgesehen von diesen Mängeln kann man Wales allen Cthulhu- und Midgard-1880-Spielern empfehlen. Auch World-of-Darkness-Spieler finden allerlei Brauchbares darin, und wer immer schon mal Spuk und Geistergeschichten im Rollenspiel ausprobieren wollte, der ist mit diesem Band gut bedient.
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