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Earthdawn - Blutwald

Für mich völlig überraschend kam die Nachricht, daß Games-In das Quellenbuch über den Blutwald fertig übersetzt hatte. Glauben konnte ich es erst, als ich einige Tage später mein Exemplar in Händen hielt. Cover, Aufmachung und Inhalt sind beinahe 1:1 vom englischen Original übernommen worden.
Also, dann mal los:

Der Inhalt
Der Blutwald ist sicher eine der interessantesten Orte Barsaives. Vor der Plage noch als der Wyrmwald bekannt und Heimat vieler Elfen Barsaives. Diese Elfen lehnten, unter Führung ihrer Königin Alachia, die theranische Schutzmagie vor der kommenden Plage ab und vertrauten auf ihre eigene Magie, um die Dämonen fern zu halten. Das funktionierte nur leider nicht. auf dem Höhepunkt der Plage wurde deutlich, daß die Kaers der Elfen dem Ansturm nicht gewachsen waren. Verzweifelt suchten die Elfen nach einer Lösung und fanden eine, die das Bild des Waldes und seiner Bewohner für immer verändern würde: sie führten ein riesiges blutmagisches Ritual durch und verankerten in der Wahren Magischen Struktur eines jeden Elfen des Wyrmwaldes einen Pflanzenelementar. Das verursachte bei dem Wirt (dem Elf) permanente Schmerzen, wodurch es den Dämonen unmöglich war, selbst Schmerzen bei dem Elf zu verursachen, wovon sie sich ernähren. Durch dieses Ritual wurden die Elfen also für Dämonen "ungenießbar". Als zweiten Teil des Rituals wurde der Name des Waldes in Blutwald geändert und seine Struktur dahingehend verändert, daß er sich vom Blut seiner Bewohner ernährt - auch dieses war nötig, um den Wald vor den Verwüstungen durch die Dämonen zu schützen. So weit funktionierte auch alles; der Wald und seine Bewohner überstanden die Plage. Den Elfen, die sich jetzt Blutelfen nennen, wuchsen durch die Haut auf dem gesamten Körper kleine Dornen, welche die ewigen Schmerzen verursachen und die Blutelfen auch äußerlich von anderen Elfen unterscheiden. Der Wald selbst wurde durch die mächtige Blutmagie verdreht und bösartig, fast schon dämonisch. Die Pflanzen scheinen von einer bösartigen Intelligenz zu sein, Tiere sind aggressiver und wilder als anderswo und die Farben des ganzen Waldes sind greller und übertriebener als sie sein sollten. Dazu kommt, daß der Waldboden auf ihn gefallenen Blut sofort aufsaugt und jeder Schritt auf dem viel zu weichen Boden kleine Pfützen Blutes hinterläßt, die Erde ist feucht wie ein Schwamm, welcher mit Blut getränkt ist.
Der Blutwald beschreibt nun, wie das Leben in einer solchen Umgebung ist, wie die Blutelfen mit ihrer Veränderung und der Verachtung vieler Namensgeber klarkommen und was sich während der Plage im Wald getan hat. Dazu wird die Geschichte der Elfen genauer vorgestellt, was sehr dazu beiträgt, die Entscheidung zu verstehen. Daneben werden die wichtigsten Personen, Adelshäuser und Orte des Blutwaldes beschrieben. Der Wald ist der größte in ganz Barsaive und Heimat von ungefähr 60.000 Elfen, da kommt schon eine Menge zusammen.

Die Aufmachung
Aufgeteilt ist das Buch in neun Kapitel, die zusammen einen sehr genauen Überblick über den Wald und seine Bewohner liefern. Los gehtís mit einen kurzen Überblick über den gesamten Wald und seine wichtigsten Bewohner, worauf im zweiten Kapitel die Geschichte des Waldes und der Elfen Barsaives erzählt wird.
Darauf schließen sich die Kapitel über die einzelnen Gebiete des Waldes an, beginnend mit dem Palast der Königin und Zentrum der politischen Macht, dem Elfenhof. In jedem Kapitel werden ein oder zwei der dort dominierenden Adelshäuser vorgestellt und ihre Politik näher erläutert. Zum Abschluß gibtís wie gewohnt Informationen für den Spielleiter (wo auch Regeln für Blutelfen als Spielercharaktere gegeben werden) und ein Kapitel über die Flora und Fauna des Waldes. Gewohnte, gute alte FASA-Aufteilung also.
An den Illustrationen wurde nicht viel geändert, nur einige neue wurden hinzugefügt. Und die sind leider ziemlich schwach. So wirkt z.B. der Elf auf Seite 99 mit seiner obskuren haarlosen Kopfform eher wie ein Obsidianer als ein Elf. Und warum man, wenn man schon einen Zeichner an der Hand hatte, nicht gleich solche mißlungenen Zeichnungen wie auf Seite 76 oder die des Elfenhofes verändert hat, ist mir ein Rätsel. Dazu kommt, daß sich die Übersetzer nicht sicher waren, ob die Eigennamen nun fett oder kursiv drucken sollen und sich auch nicht einig waren, wann das passiert: wenn sie das erste Mal genannt werden oder doch erst, wenn sie eingehender vorgestellt werden? Das wirkt sehr unschlüssig und macht einen konfusen Eindruck. Einige Male ist der Abstand zwischen Satzzeichen und Buchstaben nicht eingehalten, was sehr komisch aussieht und mit Hilfe eines Rechtschreibprogramms sicher schnell gefunden worden wäre. Insgesamt wirkt das Schriftbild sehr konfus und macht einen überhasteten Eindruck, ganz so, als wenn Games-In unter Zeitdruck gestanden hätte. Nur warum? Kein Mensch hat doch damit gerechnet, daß Der Blutwald übersetzt wird, das Buch kam für jeden überraschend. Da hätten sich die Jungs ruhig ein wenig mehr Zeit und Sorgfalt nehmen können. Naja, solange das bei den "Arkanen Mysterien" anders wird, bin ich zufrieden.

Das Fazit
Der Blutwald hinterläßt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Inhaltlich ist es ganz in Ordnung, nur wird der Wald so isoliert und abgeschottet dargestellt, daß ich nicht weiß, warum ein Blutelf ihn verlassen und als Spielercharakter sein Glück machen sollte. Ok, dafür kann und wird man sicher Gründe finden können. Aber das Betreten des Waldes auf eigene Faust, was für viele Abenteurer ob der Politik der Blutelfen der einzige Weg sein wird, wird so schwer und tödlich gemacht, daß es nicht viele Charaktere wagen werden. Die Vorgänge innerhalb des Waldes werden logisch und nachvollziehbar erklärt, auch wenn mir die einzelnen Adelshäuser viel zu stereotyp sind. Es liest sich so, als sei jeder Angehöriger der Danevar ein großer Künstler, während jeder Talshara der geborene Krieger ist. Das ist in anderen Kulturen, z.B. bei den TíSkrang oder den Zwergen, die auch von Adelshäusern beherrscht werden, anders und hätte mir in diesem Fall auch besser geschmeckt.
Von der Aufmachung wirkt das ganze Buch sehr hastig und konfus, ein wenig mehr Zeit hätte sicher nicht geschadet. Alles in allem ist "Der Blutwald", egal ob als (englisches) FASA-Original oder als deutsche Ausgabe, kein Pflichtkauf für Earthdawn-Fans.


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Lars Heitmann
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    Name: Blutwald

    Art: Quellenmaterial für Earthdawn; 160 Seiten; Softcover;

    Publikationsjahr: 2003

    ISBN-10: 3-92987-527-6

    ISBN-13: 978-3-92987-527-0

    Preis: 26 Euro

    Kontakt: Games-In
    Homepage: www.games-in-vlg.de

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    Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20