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Degenesis - Justitian: Die Gerechte Faust

Degenesis bekommt seinen ersten Quellenband
Die Freunde des etwas härteren Endzeit-Genres (bzw. Primal Punk) bekommen Nachschub: SighPress veröffentlicht mit Justitian: Die gerechte Faust den ersten Quellenband für Degenesis.
Eines gleich vorab: der Band steht dem Grundregelwerk qualitativ in nichts nach.

Degenesis & Primal Punk
Degenesis - das ist Europa nach einer verheerenden Katastrophe, die mit Kometeneinschlägen, Mutationen und Überflutungen, das Angesicht der westlichen Welt für immer verändert hat. Nach einer Phase des Versteckens in den Ruinen der einstigen Zivilisation, unterirdischen Bunkern und Rückzugsorten fernab der Städte, tobt nun in der überwiegend lebensfeindlichen Umwelt ein Kampf ums nackte Überleben, um die Reste der ehemaligen Zivilisationsgüter, um einen letzten Funken Normalität in einer zerstörten Welt.

Zum Band
Die von den Richtern aufgebaute Großstadt Justitian ist für viele Menschen ein Sinnbild für den Wunsch nach Normalität im Chaos. Unter der Aufsicht der Richter hat sich ein reger Umschlagsplatz für jede Art von Waren entwickelt - leider auch von Drogen, die sich für viele Bewohner der Stadt zum alltäglichen Konsumgut entwickelt haben. Als sich im Sommer 2586 kombinierte Richter-Spitaler-Einheiten etwas zu erfolgreich mit der Bekämpfung der Drogen-Nachschublinien beschäftigen, gerät die Stadt in Unruhe und der Gegner steht für den Mob fest: die ehemals hochgeachteten Wächter über die Stadt, Richter und Spitaler, sind schuld an der Misere. Justitian entwickelt sich zum Pulverfaß.

Der Band teilt sich grob in vier Kapitel: eine allgemeine Einführung in die Geschichte und Außensicht der Stadt (ca. 15 Seiten), eine detaillierte Einführung in die Stadt und ihr Umland (ca. 43 Seiten), ein Überblick über die Präsenz der dreizehn Fraktionen in der Stadt (ca. 100 Seiten) und ein Kapitel mit Interna und Abenteuerideen für den Spielleiter (ca. 14 Seiten).

Wie im Grundregelwerk darf der Leser sich auch im Justitian-Band über viele Kurzgeschichten freuen, die den Beginn jedes Kapitels bilden. In diese Geschichten ist sehr viel Atmosphäre und Zusatzinformation eingebettet, die den Leser angenehm auf die nachfolgenden Informationstexte einstimmen. Auch die Detailinformationen sind in einem Stil geschrieben, der sich angenehm in das Umfeld aus Kurzgeschichten einbettet, ohne sich in Pathos zu verlieren.

Gerade für eine Stadtbeschreibung ist es wichtig, daß der Leser der Eindruck eines gewachsenen oder geplanten Gefüges erhält, das in der Praxis wirklich funktionieren könnte. Dieses Gefühl stellt sich beim Lesen des Justitian-Bands dann auch wirklich ein, denn die Autoren haben sich viele Gedanken zu den grundlegenden Funktionen und Dienstleistungen gemacht, die eine Stadt diesen Ausmasses den darin lebenden Menschen bieten muß: die Versorgung mit Nahrung, Frischluft, Wasser und Energie. Eine Gesundheitsvorsorge, Verwaltung und Rechtssprechung. Orte zum Leben und Arbeitsmöglichkeiten. Orte des Handels, des Vergnügens und des Glaubens.
Nicht zuletzt hängt der Schein der Normalität in Justitian auch von der Abwehr äußerer und innerer Feinde ab.

Obwohl das Wort der Richter in Justitian ein besonderes Gewicht hat, kann die Stadt nur durch das Wohlwollen der anderen Kulte überleben. Seinen es die Spitaler, die für das Aufspüren und Ausmerzen von gesundheitlichen Bedrohungen verantwortlich sind, oder die Schrotter, die den ganzen Laden von der technischen Seite her am Laufen halten, während die Chronisten für die notwendige Transparenz sorgen, die erforderlich ist, um für eine Stadt diesen Ausmasses sinnvolle Pläne zu schmieden. Zur Sicherung der weltlichen Grenzen bedient man sich der Helvetiker und versucht zumindest die geistigen Grenzen, die sich nicht bereits durch Gesetze und Kontrolle im Zaum halten, durch die Drangsalierung bzw. Begrenzung der entsprehenden Kulte zu regulieren. Natürlich gibt es die Umtriebe der Apokaliptiker, wie Freudenhäuser und Glücksspiele - vielleicht gibt es sogar eine afrikanische Präsenz in den Mauern der größten Bastion Borcas, doch über all dies decken die Richter gerne den Mantel des Schweigens.

Technisches
Das Justitian-Hardcover mach schon vor dem Aufschlagen einen sehr guten Eindruck: der Einband ist sehr stabil und das Buch liegt für seine Seitenstärke schwer in der Hand, was an der guten Qualität des Papiers und der Pappe liegt.
Auch das Cover wurde im gewohnt guten Stil gehalten und bereitet den Leser schon einmal optisch auf das vor, was ihn im Inneren erwartet.
Es gibt keine Stelle im Band, die den Charme einer Textwüste hätte - überall lockern exzellente Illustrationen den Textfluß auf und ein scheinbar stets wechselnder, pergamentartiger Hintergrund wertet das Layout auf. Die Liste der Zeichner ließt sich wie das who-is-who der deutschen Vorzeigeillustratoren: Marko Djurdjevic, Klaus Scherwinski, Tobias Mannewitz, Eva Widermann, ...
Leicht zu finden, sind die auf den beiden ersten und letzten Innenseiten plazierten Landkarten der Stadt und des Stadt-Protektorats (Umland der Stadt), wobei letztere zusätzlich mit roter Färbung akzentuiert wurde. Bei meinem Band lag das Kartenmaterial zusätzlich in Form zweier lose beiliegender DIN A3-Karten bei.
Was dem Band definitiv fehlt, ist ein Stichwortregister.

Fazit:
Justitian: Die gerechte Faust setzt auf gelungene Weise das fort, was SighPress mit dem Grundregelwerk begonnen hat: erstklassiges Rollenspielmaterial aus deutschen Landen. Es ist bemerkenswert, wie auch bei diesem Quellenband sehr gute Texte und Illustrationen durch ein geniales Layout verbunden werden. Definitiv ein Vorzeigestück für eine gelungene Seitengestaltung.
Tja, was soll man abschließend noch zu diesem Band sagen? Es freut mich sehr, daß der einzige Kritikpunkt an Justitian im fehlenden Stichwortverzeichnis liegt. Für alle Fans von Degenesis kann man ohnehin eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen - viele werden den Band vermutlich ohnehin schon lange vorm Erscheinen bestellt haben.
Allen Rollenspielern, die Degenesis noch nicht kennen und die nach einem exzellenten Endzeit-Rollenspiel in deutscher Sprache suchen, sei zumindest angeraten, einen Blick auf die Homepage des Verlags zu werfen. Hier finden sich neben dem kompletten Grundregelwerk auch Teile des Justitian-Quellenbands zum Download als PDF.
Bleibt abschließend die Hoffnung, daß SighPress weiterhin in dieser Qualität produziert.


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    Name: Justitian: Die Gerechte Faust

    Art: Quellenmaterial für Degenesis; 160 Seiten; Hardcover;

    Publikationsjahr: 2005

    Preis: 35 Euro

    Kontakt: SighPress
    Homepage: www.DeGenesis.de

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