Engel - Ordensbuch: Urieliten
Einmal davon abgesehen, daß man eigentlich schon jede bislang erschienene Publikation für Chroniken der Engel als Kleinod im Blätterwald der Rollenspiele bezeichnen kann, schaffen es die Autoren auch mit dem Band für den Orden der Urieliten wieder, den Sockel, auf den dieses Rollenspiels gestellt wurde, ein klein wenig anzuheben.
Wenn man als treuer Konsument der Serie schon versucht ist zu glauben, daß der Thematik der Ordens- und Regionalbeschreibungen nichts neues mehr zu entlocken wäre, darf man sich von der mit Urwald überwucherten Halbinsel Iberia (bzw. Spanien oder das, was davon übrig geblieben ist) eines besseren belehren lassen.
Natürlich findet man auch in Iberia einen Himmel, in dem der Orden der Urieliten und die ihm zugeordneten Engel beheimatet sind, aber die ganz eigene Art der Umgebung hat ihre Wirkung gezeigt - auf Menschen und Engel.
Strategisch günstig, wurde der Himmel der Urieliten "Mont Salvage" im Nordosten, in den Pyrenäen, errichtet. Damit ist zum einen die Nähe zu Roma Aeterna gegeben, und zum anderen sitzt die Hochburg der angelitischen Kirche wie ein Pfropfen auf dem Weg ins europäische Festland. Durch den Anstieg des Wassers, hat sich nördöstlich des Himmels der Pyrenäenkanal gebildet, der im Jahr 2565 die iberische Insel vom Festland trennt. Den Urieliten ist es gelungen, entlang der Küste viele wichtige Ansiedlungen zu befrieden.
Doch trotz aller Bemühungen gibt es auch in Iberia wiederstrebende Kräfte und wehrhafte Bastionen der Ketzer, die bislang allen Bemühungen des Ordens trotzen konnten.
Vielleicht die reizvollste Komponente des Quellenbandes sind die Beschreibungen, wie der urielitische Orden sich dem iberischen Urvolk aus eine Weise angenähert hat, die eher auf sanften Anpassungen unerwünschter und Verstärkung gewünschter Eigenarten beruht. Mehr als jeder andere Orden präsentiert sich dieser Arm der Angelitischen Kirche als Teil des Landes und der Natur, und nutzt damit den bereits vorhandenen, tief verwurzelten Glauben der Einwohner.
Natürlich muß man aber auch beim Ordensbuch Urieliten nicht auf die gewohnten Basisinformationen verzichten. Man bekommt einen kurzen Überblick über die größten Ansiedlungen, sowohl der kirchentreuen als auch der abtrünnigen. Das Leben der Menschen wird näher beschrieben - von der einfachen Bevölkerung bis hin zu den Ordensdienern die im Himmel zu Mont Salvage leben.
Auch die Hauptdarsteller, die urielitischen Engel, darf man als Leser von ihrer irdischen Geburt, über ihr Training in den Künsten der Heimlichkeit, des Bogenschießens und Überlebens im Dschungel begleiten, um schließlich mit ihnen in ihrer Rolle als Kundschafter in einer Scharr aufzugehen.
Quasi ans Eingemachte geht es dann mit den Beschreibungen zu den wichtigsten Köpfen von Mont Salvage, den offiziellen und inoffiziellen Plänen der Ordensleitung bzw. der Angelitischen Kirche, sowie dem Wirken einiger Geheimbünde im und um den Himmel herum.
Technisches
Viele Verlage können einen Band mit 100 Buchseiten mit Texten und Bildern füllen, aber Feder&Schwert gelingt es im Rahmen von Chroniken der Engel immer wieder Bücher zu erschaffen, die weit mehr sind als nur 100 Seiten mit Texten und Bildern. Auch wenn man sich langsam daran geöhnt hat, so freut es mich doch jedes mal wieder, mich durch erstklassige Texte zu lesen, die im unterhaltungswert einem guten Roman kaum nachstehen, aber dennoch eine hohe Informationsdichte haben. Gleiches gilt für die Illustrationen, die durch die Bank technisch überzeugen, thematisch zum Text passen und - ebenso wie das Layout - viele liebevolle Details aufweisen.
Fazit:
Einmal mehr ist in der Chroniken der Engel Reihe ein Quellenband erschienen, der dem hohen Niveau des Rollenspiel gerecht wird. Das Ordenbuch Urieliten bietet zum Abschluß der Ordensbücher-Serie noch einmal ein sehr abwechslungsreiches Einsatzgebiet für die Streiter - Engel wie Menschen - im Dienst der Angelitischen Kirche.
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