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Engel - Hiobs Botschaft 1: Brandland

Mein Gesicht - und die sich darauf abzeichnenden Sorgenfalten - mögen beim Lesen des vorliegenden Bandes sicherlich ein witziges Bild abgegeben haben. "Das kann doch nicht..." mag mir des öfteren über die Lippen gegangen sein und insgesamt lege ich diesen ersten Teil der Triologie mit gemischten Gefühlen zur Seite.

Der Grund für diesen inneren Aufruhr ist die Tatsache, daß sich der Roman - in meinen Augen - denkbar schlecht für Spieler des Rollenspiels Chroniken der Engel eignet, weil er auf viel zu viele Dinge offen anspielt, bzw. Zusammenhänge präsentiert, die eigentlich zu DEN elementaren Geheimnissen des Rollenspiels gehören und deren Wissen dem Engel-Spieler quasi die charakterliche "Jungfräulichkeit" nimmt.
Ich kann daher jedem - der in naher Zukunft Engel als Spieler ausprobieren will - nahelegen, den Roman Brandland nicht vorab zu lesen. Man verdirbt sich wirklich einen großen Teil des eigenen Spielspaßes - und ggf. auch den der Mitspieler.

Zum Hintergrund
In den Chroniken der Engel ist Europa schon lange nicht mehr von der Art, wie wir es gegenwärtig kennen. Große Katastrophen haben weite Teile des Festlandes vernichtet oder zumindest ins Chaos gestürzt. In der Stunde der größten Not besinnt sich die christliche Kirche wieder auf ihre wahren Werte und übernimmt dort die Führung, wo die Regierungen scheitern.
Und Gott scheint der christlichen Kirche wohlwollend gegenüber zu stehen, denn er sendet seine Boten, die Engel, um der weltlichen Kirche bei allen Problemen zur Seite zu stehen.

Engel - wunderschöne, wohlgeratene jugendliche Wesen mit gewaltigen Schwingen und unglaublicher Kraft und Ausdauer. Erscheinungen bei der das zusehends verdummende Volk in Ehrfurcht erstarrt. Stimmen von berauschender Fülle und hypnotischer Macht.

Im Laufe der Jahre gelingt es der Kirche nicht nur, das gemeine Volk wieder ins Mittelalter (Recht & Gesetz) zurückzuführen, alle Technologie aus dem Alltag zu verbannen und zum größten Machtfaktor zu werden, sondern auch wahre Heerscharen der Engel in den gewaltigen "Himmeln" (weithin sichtbaren Festungen mit hohen Turmanlagen) zu versammeln.

Doch mit dem Erstarken des christlichen Gottes auf Erden, kehrt auch der "Herr der Fliegen" (Teufel) zurück und versucht mit seiner Traumsaat (insektenartigen, feuerspeienden und unglaublich heimtückischen Monstern) die Menschheit entgültig zu vernichten. Die Kirche und ihre Himmel werden zu den letzten Verteidigern der Menschheit.

Achtung - Weiterlesen sollten
nur Engel-Spielleiter
und Nicht-Rollenspieler!

Der Roman
Calliel ist ein Engel. Dies ist für einen Engel selbst nichts besonderes, jedoch bringt es ihn in eine sehr verzwickte Lage, als er im Kampf mit einigen versprenkelten Kreaturen der Traumsaat seine Flügel verliert und sich plötzlich unter gewöhnlichen Sterblichen wiederfindet. Calliel merkt bald, daß er sich damit abfinden muß, kein richtiger Engel mehr zu sein.
Sein schier unerschütterlicher Glaube an Gott und die immer öfter auftretenden Visionen, lassen ihn jedoch zu dem Schluß kommen, noch eine wichtige Figur auf Gottes Schachbrett zu sein und so zieht er unter dem biblischen Namen "Hiob" aus, um seiner neuen Aufgabe gerecht zu werden.

Der Leser begleitet in abwechselnder Folge den Engel Calliel und sein gefallenes Pendant Hiob, und darf auch einen Blick durch die Augen anderer Hauptcharaktere werfen, wie dem Glücksritter Wittgenstein, einer Engelsschar oder dem kirchlichen Beutereiter Eliphas. Dies bringt dem Leser einen guten Einblick in die Welt, verschiedene Sichten auf die Kirche und ihr Tun und das Wesen der Traumsaat, der Armee des Herrn der Fliegen.

Technisches
Feder & Schwert gibt sich wirklich alle Mühe mit ihrer Engel-Produktreihe. Severin Rast und Oliver Hoffman (als Co-Autor) haben in der Tat sehr gute Arbeit geleistet und bringen die - nicht immer ganz einfache - Materie, in ein sehr gut lesbares Format.
Zu dem ordentlichen Lektorat gesellt sich ein sehr ansehnliches Layout, das normalerweise für einen Fantasy-Roman nicht üblich ist.

Fazit:
Der Roman endet so wie er begonnen hat, mit einer wichtigen Aufgabe für Calliel bzw. Hiob.
Die 226 Seiten des Bandes lesen sich sehr flüssig und sind in meinen Augen auch viel zu schnell vorbei. Was mich an den Texten begeistert hat, ist das "Gedankenkino" das sie in Gang gesetzt haben. Dazu gehören für mich sehr interessante Haupt- und Nebencharaktere und ein abwechslungsreicher aber dennoch nachvollziehbarer Handlungsfaden. Mein Kompliment an die Autoren, die hier eine eigenständige Roman-Serie und irgendwie auch einen "Roman zum Rollenspiel" verfaßt haben, ohne dabei Mist zu bauen.
Hiobs Botschaft 1: Brandland ist nicht nur ein Fantasy-Roman, er packt auch einen Teil der christlichen Vergangenheit an und legt eine dicke Lupe auf die düsteren, rußgeschwärzten Kapitel der weltlichen Kirche. Der erste Teil der Hiobs Botschaft-Triologie erweist sich als gehobener Zeigefinger, der ein allzu realistisches Bild davon malt, wenn eine elitäre und mit High-Tech ausgestattete Minderheit über eine zusehends verdummende Menschheit herrscht, die im Aberglauben zu versinken droht.
Obwohl ich den vorliegenden Roman in Bezug auf das Engel-Rollenspiel eher kritisch betrachte, hat er mir als Fantasy-Roman sehr zugesagt. Engel-Spielleiter sollten ihre "Scharr" jedoch vor dem Genuß dieses Buches warnen - es verdirbt den Charakter...

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    Wie wird gewertet?

    Name: Hiobs Botschaft 1: Brandland

    Art: Roman für Engel; 226 Seiten; Taschenbuch;

    Publikationsjahr: 2001

    ISBN-10: 3-93528-222-2

    ISBN-13: 978-3-93528-222-2

    Preis: 11 Euro

    Kontakt: Feder&Schwert

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    Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20