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BattleTech Romane - Clangründer 1: Abkehr

Andrej Kerensky steht auf der Brücke der McKennas Stolz, neben ihm der Große General, der Held, der Visionär, Aleksandr Kerensky: sein Vater. Der Sternenbund ist zusammengebrochen und Kerenskys gigantische Flotte verlässt die Innere Sphäre. Er hat eine Vision: den Sternenbund im Exil neu entstehen zu lassen.

Doch Korruption und Neid, die den Sternenbund zerstört haben, kann man nicht so einfach ausmerzen. Unlösbare Konflikte entstehen zwischen General Kerensky, Andrej und seinem älteren Bruder Nicholas.

Als ein neuer Krieg droht, hat Nicholas eine Vision, um diejenigen zu retten, die loyal zum Traum seines Vaters stehen.

Eine Vision, die sich ohne Andrej nicht verwirklichen läßt.

Nun also endlich der Beginn der Clans. Bevor ich den Roman begann, habe ich mich im Internet nach Meinungen von BattleTech-Fans zu diesem Roman umgeschaut. Zu meinem Erschrecken waren sie durchweg negativ, und zwar wirklich negativ. Größter Kritikpunkt war wohl für alle die Hauptfigur des Romans, Andrej Kerensky, die ihnen zu weich war. Mit bösen Vorahnungen machte ich mich an das Werk.

Doch schon nach den ersten Seiten stutzte ich, und meine Meinung festigte sich nach einem Drittel des Buches: Der Roman ist für einen BattleTech-Roman extrem ungewöhnlich, zugegeben. Nichtsdestotrotz finde ich ihn perfekt gelungen. Ich halte ihn für einen der besten BattleTech-Romane und würde ihn ohne zu zögern zu meinen bisherigen Favoriten der Reihe legen. Warum, möchte ich im Folgenden erklären.

In den meisten BattleTech-Romanen werden die Charaktere leider etwas stiefmütterlich behandelt; auch viele Hauptcharaktere sind Stereotype ohne großartigen Tiefgang. Bills jedoch widmet sich in diesem Roman den drei Kerenskys sehr eingehend, insbesondere dem jüngeren Sohn Aleksandr Kerenskys, nämlich Andrej. Der Roman ist aus seiner Sicht geschrieben und verfolgt seinen Werdegang von dem Zeitpunkt, als die Flotte ins Exil aufbricht und er gerade zum Mann geworden ist, bis hin zur ersten Spaltung der Gemeinschaft 18 Jahre später.

Andrej Kerensky ist eine total atypische Person für BattleTech, ein Anti-Held: schwach, weich, von Selbstmitleid und Selbstzweifeln zerfressen, immer seinem großen Bruder nacheifernd und bemüht, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Für ihn ist es Gewohnheit, sich mit seinem Bruder zu vergleichen. Allerdings betrachtet er Nicholas durchaus kritisch: Wo sein Vater, der perfekte Kommandant und für jeden eine Lichtgestalt, sich um seine Untergebenen aufopferungsvoll sorgt und für jeden ein offenes Ohr zu haben scheint, scheint Nicholas kein Herz zu haben. Trotzdem bleibt es eine Manie für Andrej, sich mit seinem Bruder zu vergleichen und natürlich nach seinem eigenen Urteil in jedem Punkt den Kürzeren zu ziehen.

Als Nicholas Andrej ohne seinen Willen benutzt, um eine erste Splittergruppe unter Kontrolle zu bringen, ist Andrejs Vertrauen in seinen Bruder allerdings zerstört, und er wittert fortan fast hinter jeder von Nicholas Taten Ränkeschmiede gegen ihn. Er versucht seinen eigenen Weg zu gehen. Während Nicholas hochdekoriert die flotteneigene Akademie verläßt und immer mehr wie sein Vater zu werden scheint, schlägt Andrej eine Laufbahn als Professor an der Akademie ein; eine Laufbahn als "Schreibtisch-General". Andrej findet erst allmählich durch eine neue Liebe und Selbstanalysen einen eigenen Weg; er lernt, eigene Entscheidungen zu treffen und sich vor allem gegen seinen Bruder und seinen Vater zu stellen und sich zu behaupten.

Währenddessen zerbricht jedoch das empfindliche Gefüge der Gemeinschaft: Militär und Zivilisten entzweien sich, es kommt zu Revolten. Als der ehemals große General, Aleksandr Kerensky, schließlich alt wird, verbittert er zusehends und man sieht, daß nicht Nicholas seinem Vater immer ähnlicher wird, sondern der Vater dem Sohne. Schlußendlich revoltiert die Hälfte der Gemeinschaft gegen die Kerenskys; Nicholas flieht zusammen mit Andrej und einigen Loyalisten aus dem System. Beide erkennen, daß sie nur zusammen die Idee ihres Vaters am Leben erhalten können.

Bills widmet sich seinen Charakteren, allen voran natürlich Andrej, so eingehend, daß im gesamten Roman vielleicht nur zwei oder drei Gefechte zu finden sind. Damit ist dieser der bisher für mich an Action ärmste BattleTech-Roman, und ich begann noch beim Lesen zu erkennen, warum er vielleicht für sehr viele BattleTech-Fans eine Enttäuschung war. Durch den gesamten Band ziehen sich seitenlange Gedankengänge von Andrej, und er wird damit zu einem wahrhaft umfassenden psychologischen Profil dieses Charakters. Ich selbst fand es sehr spannend, die Entwicklung von Andrej zu verfolgen, und der Dialog zwischen ihm und seinem Bruder Nicholas am Ende ist für mich das Highlight des Bandes. Jedoch ist das Buch damit sicher nicht nach dem Geschmack jedes BattleTech-Fans.

Negativ anzumerken sind allerdings noch die unzähligen Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Roman. Kann man sich bei FanPro keine Lektoren leisten? Alleine deswegen bekommt der Band von mir eine Abwertung von einem Stern, da ich mich viel zu oft aus dem Lesegenuß gerissen fühlte.

Fazit:
Ein unbedingtes Muß für die BattleTech-Fans, die auch mal auf Action verzichten können.

Es gibt eine weitere Rezension von Erik Schreiber vom Bücherbrief zu diesem Produkt! Lesen?


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Markus Pöstinger
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Name: Clangründer 1: Abkehr

Art: Roman für BattleTech Romane; 311 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-89064-596-8

ISBN-13: 978-3-89064-596-4

Preis: 9 Euro

Kontakt: FanPro
Homepage: www.fanpro.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20