Shadowrun - Feind meines Feindes

Qualität Text: 5 | Qualität Optik: 7 | Nutzen/Spaß: 8 | Gegenwert: 9
(Wertung in Punkten 1=Schlecht bis 10=Exzellent; 0=Ohne Wertung)

Art: Abenteuer für Shadowrun; 164 Seiten; Softcover;
Publikationsjahr: 2005
ISBN10:
ISBN13: 978-3-89064-767-8
Preis: 23 Euro
(ca. Preis, unverbindlich, ggf.gerundet)
Kontakt: FanPro
Homepage: www.fanpro.com


Inhalt
Bei "Feind meines Feindes" handelt es sich um eines der letzten Quellenbücher für SR3 - und im Gegensatz zur englischen Version prankt auf der deutschen Fassung auch der Hinweis, dass das Buch voll kompatibel mit den neuen Regeln von SR4 sein wird. Damit haben die Autoren recht, da "Feind meines Feindes" zum einen auf Regeln verzichtet und zum anderen einen Inhalt hat, der auch durch den fünfjährigen Zeitsprung von SR3 zu SR4 nicht überholt wird, denn es dreht sich alles um Organisationen, Policlubs, Umweltgruppen und ähnliche Vereinigungen gleichgesinnter Metamenschen. Die gibt es sowohl 2065 als auch 2070. Worum geht es also ganz genau? Es geht um die verschiedenen Organisationen, die sich in der 6. Welt neben Regierungen, Konzernen und den großen Verbrechersyndikaten tummeln. Als Beispiele seien nur Tamanous, Terra First! oder die Human Nation genannt. Einige von ihnen wurden schon in früheren Quellenbüchern gestreift, während andere in "Feind meines Feindes" das erste Mal ausführlicher vorgestellt werden.
Unterteilt ist das Buch in fünf große Kapitel, die im einzelnen politisch und/ oder ökologisch orientierte Gruppen, internationale Organisationen (wie die UN), magische Gruppen, religiöse Gruppen und kriminelle Vereinigungen abdecken. Im Detail auf jede Gruppe einzugehen, würde den Rahmen dieses Textes sprengen, daher nur als Anregung ein paar Gruppierungen, die vorgestellt werden: Ghoul Liberation League, Rinelle Ke'Tesrae, Aegis Cognito, Dr. Faustus Gesellschaft, New Islamic Jihad, Assets Inc. und DIVE. Man sieht, der Bogen wird weit geschlagen und es dürfte für jeden Geschmack (und jede SR-Runde) die passende Organisation dabei sein, die sich als Verbündeter oder Gegenspieler einbauen lassen. So bekommt die SR-Welt einen lebendigeren Touch und der SL jede Menge Abenteuerideen in die Hand gedrückt.

Aufmachung
Über das Cover des Buches läßt sich streiten, aber es gibt meiner Meinung nach die Stimmung des Buches gut wieder und stellt mindestens zwei Gruppierungen (Tamanous und Humanis) dar, die auch im Buch behandelt werden. Die Illus im Inneren sind gewohnt hoher Standard, wenn es auch wieder in paar Ausreißer nach ganz tief unten gibt, so auf Seite 63, Seite 142 oder Seite 146. Das sind neue Zeichner, mit deren Stil ich nicht viel anfangen kann (und die etwas über die Stränge schlagen, schaut euch nur die quasi-Cyborgs an). Dafür entschädigen aber die vielen stimmungsvollen Bilder, allen voran die beiden auf den Seiten 103 und 137.

Fazit:
Wie schon "Europa in den Schatten" und vor allem SOTA:2064 hat auch "Feind meines Feindes" unter dem grausam schlechten Lektorat zu leiden. Schon in der Einleitung findet sich der erste Fehler - und der ist beileibe nicht der letzte. Beinahe jede Seite hat entweder eine unglückliche Übersetzung, Rechtschreibfehler oder Wortdreher in einem Satz. Das ist ganz schwache Qualität und für meinen Geschmack FanPro nicht würdig. Da haben die Jungs einen echten Bock geschossen und die, wie ich finde, mieseste Arbeit bisher abgeliefert. Hoffen wir, dass es mit den SR4-Büchern wieder besser wird, ansonsten kann ich nur jedem den Rat geben, auf die englischen Bücher umzusteigen.
Inhaltlich gibt es an "Feind meines Feindes" absolut nichts ausszusetzen. Die Gruppen decken ein sehr breites Spektrum ab und dürfte für jedes Powernivau justierbar sein. Gerade die Low End-Runner bekommen endlich eine Fülle an Gegner und Verbündeten. Auf viele aktuelle Entwicklungen im SR-Kanon wird ein neues Licht geworfen (Tir Taingire, New Islamic Movement), wobei das die Gruppierungen sind, die vom Zeitsprung eher betroffen sind als z.B. TerraFirst! Aber ein kreativer SL wird da schon eine Weg finden. Finden wird er auf jeden Fall eine ungeheure Fülle an Gegnern und Anregungen für Abenteuer und ganze Kampagnen. Von daher lohnt sich das Buch für wirklich jede SR-Gruppe. Man muss nur über die vielen vielen Fehler hinwegsehen können, dann lohnen sich die 23 unbedingt.

Lars Heitmann

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