Shadowrun - Deutschland in den Schatten (2)
Ein Quellenbuch, das genau so teuer ist wie das Grundregelwerk? Von dieser Seite und auch
vom Cover her (Lofwyr gegen Nachtmeister) erwarte ich ausführliche Informationen und
Beschreibungen über Deutschland oder was in der Welt von Shadowrun davon übrig ist. Infos
und Beschreibungen, die einem vor dem geistigen Augen ein nahezu perfektes(?) Bild der ADL
vermitteln. Andererseits drängt sich einem schnell der Verdacht auf, dass der Preis doch
etwas zu hoch gegriffen ist.
Auf den ersten Blick rechtfertigt aber schon die reine Seitenzahl den hohen Preis: Es
sind mehr Seiten als im Grundregelwerk, vollgepackt mit Infos über die Allianz Deutscher
Länder, der hier aktiven Konzerne und - natürlich - des Schattenlebens.
Zunächst einmal beginnt Deutschland in den Schatten mit der Geschichte seit 2001, ein
Rückblick von immerhin etwas mehr als 60 Jahren. Also etwa 10 Jahre pro Seite; hier wird
nur kurz angerissen, was passiert ist, damit sich der Leser ein Bild davon machen kann, wie
es zu dieser ... Situation in Deutschland kommen konnte.
Die nächsten weit über 200 Seiten beschreiben ausführlich zunächst auf einer sachlichen,
offiziellen Ebene die Regionen - oder besser: Länder, die sich aus der Bundesrepublik
gebildet haben. Untermalt wird das ganze immer wieder durch Shadowtalk, der zum Teil die
für die Schatten wichtigen Infos ergänzt oder einfach nur bissige Kommentare abgibt. Zu
jeder einzelnen Region wird von Einheimischen die Geschichte des Landes erzählt und mit
Stimmung gefüllt. Auf besonders wichtige Orte wird in eigenen Kapiteln eingegangen, die
mit (eindeutigen und weniger eindeutigen) Warnungen für die Spieler bzw. Ideen für den
Spielleiter gefüllt sind. Zum Beispiel eine magische Anomaliezone - zusammen mit dem
Halleyschen Kometen, der ja 2062 der Erde besonders nah kommt sicher das eine oder andere
Abenteuer wert. Oder auch Borkum - ein Grossraumgefängnis, Nordsee-Kurort der Extremklasse.
Über die grossen Städte wird genauso ausführlich berichtet wie über die einzelnen Länder.
Besonders hervorzuheben sind hier Berlin (ja, die Mauer steht noch! Oder besser: wieder!),
Münster (erzkatholisch und anti-magisch), Essen (die Heimat von Saeder-Krupp), und Bottrop
(kleiner Scherz, ich zitiere hier mal die Autoren: "..." [vollständiges Zitat!]).
So finden sich immer wieder kurze Beschreibungen von Bars, Nachtclubs und anderen Locations,
wo die Runner ihre Schmidts oder Kontakte treffen können. Gerade diese Beschreibung schaffen
ein Bild der ADL, die es dem Spielleiter ermöglicht, sowohl auf gute, vorgefertigte
Beschreibungen zurückzugreifen als auch diese entsprechend seiner Wünsche auszubauen und
selbstverständlich auch komplett neue Lokalitäten zu erschaffen, die in die Gegend auch
gut hinein passen. Dabei findet sich alles von der heruntergekommenen Kaschemme irgendwo
in dunklen Hafengegenden bis hin zu Nobelrestaurants in München.
Natürlich dürfen auch die Kons nicht fehlen. Für jeden der grossen Zehn gibt es ca. eine
halbe Seite, die Kurzbeschreibungen der Kons beziehungsweise ihrer Vertretungen, ihres
Verhaltens und ihrer Sicherheitseinrichtungen sowie bedeutende deutsche Tochterunternehmen
enthält. Auch hier findet sich wieder reichlich Material für aufregende und gefährliche
Einsätze. Die kleinen bis hinauf zu AA-Rating zieren je nach Größe und Shadowtalk bis zu
einer Seite. Allen voran der Mythos Proteus, über den am meisten geschrieben und am
wenigsten gesagt wird.
Ab hier wird es dann richtig interessant - der geneigte Spielleiter findet auf den nächsten
Seiten Unmengen an Infos und Material über verschiedenste Gegner seiner Spieler wie
Militärs, Polizei, private Sicherheitsdienste und andere staatliche Organisationen und
natürlich auch über andere Mächte, die im Hintergrund - oder besser Untergrund? - agieren,
und damit hervorragende Auftraggeber für die Spieler sein können. Ebenfalls interessant ist
die rechtliche Situation im Polizei- und Bürokratiestaat ADL. So gibt es Kapitel nur über
Recht und Gesetz sowie die altbekannte Bürokratie.
Ebenfalls mit dabei sind, wenn auch nur kurz beschrieben, Informationen über medizinische
Versorgung, Mode, Verkehr und die Dinge des täglichen Lebens.
Den krönenden Abschluss bildet dann ein Duell zwischen Lofwyr und Nachtmeister. Ratet mal,
wer gewinnt. Auch wenn uns Metas noch nicht ganz klar ist, wieso, weshalb und nach welchen
Regeln der Sieger bestimmt wurde.
Fazit:
Für alle Shadowrun-Gruppen, die in nächster Zeit in Deutschland - oder was davon übrig ist -
spielen wollen, ist dieses Buch ein Must-Buy. Für alle anderen Runner unter euch ist es
immer noch sehr empfehlenswert, wenn ihr mal einen Charakter erschaffen wollt, der zur
Abwechslung nicht aus Seattle kommt und stattdessen die interessanteren Gegenden der ADL
zu schätzen gelernt hat.
Es gibt eine weitere Rezension von Christoph Böhler zu diesem Produkt! Lesen?
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