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Mage-The Ascension - Loom of Fate

Wie einigen von euch bekannt sein dürfte, begann ich meine Rollenspiel-Karriere ja mit DSA und fand dann (nach einem kurzen Abstecher über AD&D) ziemlich schnell meinen Weg hin zu Mage. Diese beiden Systeme sind so unterschiedlich voneinander, dass es wohl mehr Sinn hat, die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede aufzulisten, aber einer der für mich auffallendsten Unterschiede ist der, dass für ersteres eine Unmasse an vorgefertigten Abenteuern existiert...
Bei DSA machte ich seinerzeits regen Gebrauch von diesen Spielhilfen -- schließlich waren sie (zumindest die, die mir so in die Pfoten fielen) äußerst hilfreich, einfach zu benutzen und für den werdenden Spielleiter oft eine willkommene Inspiration.

Mit Beginn meiner Mage-Zeit war das jedoch schon vorbei, und meine Art, an Abenteuer heranzugehen, hatte eine Kehrtwendung gemacht -- mittlerweile ziehe ich es vor, mir meine Chroniken komplett selbst zu basteln und die vorgefertigten Stories und NPCs bestenfalls als Inspirationsmaterial zu verwenden -- und dementsprechend skeptisch ging ich also an 'Loom of Fate' heran...

'Loom of Fate' ist, wie der Untertitel andeutet, 'A Tale of Destiny', also eine vorgefertigte Story für Mage: The Ascension. Das Buch wurde geschrieben von Chris Hind, es handelt sich um Mage-Buch Nr. 4 (WW 4002), somit ist es verständlicherweise bereits seit langem OOP. Ein Reprint ist in den Mage Chronicles 3 (WW 4018) zu finden.

Der erste erwähnenswerte Punkt an 'Loom of Fate' ist das Cover-Artwork. In den meisten Fällen ist mir das Cover eines Mage-Supplements bloß einen kurzen Blick wert, und dann geht es gleich weiter ins Innere des Buches. Auf Anhieb ging es mir mit dem von 'Loom of Fate' genau so, bis das erste vollseitige Kapitel-Einleitungsbild mein Interesse zurück auf das Cover lenkte.
Hier haben wir auch gleich die zweite Eigenart des Artwork (no pun intended) -- jede Kapiteleinleitung zeigt einen vergrößerten Ausschnitt des Titelbilds, jeweils mit Fokus auf ein bestimmtes Element der Collage. Und auch jetzt noch, währendich das Buch zum Review auf meinem Schoß liegen habe, fallen mir immer wieder Einzelheiten auf, die ich vorher noch nicht bemerkt habe. Ein großes Plus also für das Titelbild... und für die Stimmungsfetzen und Inspirationsteilchen, die sich bereits daraus ergeben.

Die 'Introduction: Once And Future Things' ist zuerst einmal absolut nicht das, was ich an dieser Stelle von Mage-Supplements gewohnt bin -- mit 7 Seiten ist sie einerseits ungewöhnlich umfangreich, und andererseits steht der 'How to use this book'-Teil mit der Einzelauflistung der Kapitel in der Mitte statt am Anfang -- umgeben von Erklärungen über Hintergrund, Stimmung und Thema der Story. Ebenfalls hier zu finden sind einige Hinweise zum Storytelling von nichtlinearen Handlungsverläufen, speziell dem von Loom of Fate.

Ja, ganz recht -- Loom of Fate ist eine nichtlineare Story. Das heißt, die einzelnen Szenen sowie ein grober Handlungsverlauf sind jeweils vorgegeben, die Reihenfolge, in der die SCs diese Szenen durchlaufen, ist jedoch vergleichsweise frei -- am Ende jeder Szene werden anhand der in dieser Szene gegebenen losen Enden jeweils mehrere weitere Handlungsverläufe dargestellt ('...wenn die SCs weitere Nachforschungen anstellen wollen, finden Sie die zugehörigen Informationen in Kapitel 4. Sie könnten allerdings auch beschließen, sich zu der Wahrsagerin zu begeben -- Informationen hierzu sind in Kapitel 3 gegeben...' usw). Dies erinnerte mich zwar ein wenig an DSA-Soloabenteuer und Abenteuer-Spielbücher, hat jedoch den Vorteil, dass es eine Menge Freiheit für die SCs bietet, ohne den SL gleich völlig orientierungslos zu lassen.

Zu dem Kapitel als solches gibt es ansonsten nur wenig zu sagen, abgesehen davon, dass die gesamte Storyline in Kürze übersichtlich und komplett präsentiert wird. Ich frage mich bloß, was den Autor dazu verleitet haben könnte, die 'note about searching for someone through Correspondence or Mind magick' ohne spezielle Markierung mitten in den Informationen über das Thema der Story zu plazieren...

In den folgenden vier Kapiteln (von denen das erste, 'All Hollow's Eve', den glücklichen Besitzern einer 1st Edition des Mage-Regelwerks bereits teilweise bekannt sein dürfte) wird in 16 Szenen die Story geschildert. Die Kurzfassung: Der Umbrood Cob, der von den Technokraten eingespannt wird um die erdbebengeplagte Stadt San Francisco zu stabilisieren, liegt im Sterben. Somit sucht man einen Ersatz, und findet ihn in dem frischerwachten Orphan-Mädchen Norna Weaver. Während also nun die Union versucht, Norna im Rahmen von 'Project: Reincarnate' in eine Pattern Spider an Cobs Statt zu verwandeln, wissen die Marauder natürlich von diesen Plänen und versuchen, sie zu vereiteln, indem sie Norna umbringen und Cob den Todesstoß versetzen.

Es folgt 'Appendix One: Supporting Cast', in dem (Überraschung!) die NPCs detailliert dargestellt werden und 'Appendix Two: The Gift Deck', der näher auf das magische Tarotdeck der Madame Cleo eingeht, eine Sammlung von Mini-Talismanen, von denen einige an die SCs verteilt werden.

Nun zur Story selbst -- denn da gibt es einiges zu sagen. Jeder gut informierte Mage-Spieler wird bereits an der obigen Zusammenfassung erkannt haben, dass das 'offizielle' Mage-Paradigma zur Zeit des Erscheinens von 'Loom of Fate' sich noch deutlich von dem der 'brucatischen Metaphysik' unterscheidet, und von 'Loom of Fate' bis zur 2nd Edition von Mage sollten immerhin noch drei ganze Jahre vergehen -- drei Jahre, in denen sich im Mage-Paradigma einiges veränderte.

Dementsprechend 'veraltet' erscheinen dem heutigen Mage-Spieler auch die Voraussetzungen für 'Loom of Fate' -- im gesamten Buch wird beispielsweise noch davon ausgegangen, dass MiB beim Tod zu Asche zerfallen, dass die Union 'Technomantie' benutzt (also lediglich Standard-Magie, die mit Hi-Tech 'verschleiert' wird), und bei der Beschreibung des Symposium in Kapitel 9 sträuben sich allen, die die 'Guide to the Technocracy' bereits gelesen haben, hoffnungslos die Haare. Auch was Kosmologie angeht, ist 'Loom of Fate' noch schwerstens 1st-belastet -- das Werewolf-Paradigma der Trinität Wyld/Weaver/Wyrm durchzieht das ganze Buch in einer solch aufdringlich-direkten Form, dass für andere Interpretationen kaum Spielraum bleibt. Und wie Wissenschaftler der Union ausgerechnet auf die Idee verfallen, einen Orphan-Avatar (!) in eine Pattern Spider (!!) zu verwandeln (!!!), ist mir fast ebenso schleierhaft wie die Frage, was dieser besagte halbe Absatz Regeltext mitten in den Thema-Informationen zu suchen hatte.

Schlechte Karten also, sollte man meinen, nicht wahr? Jein. Ich wäre fast schon glücklich, wenn ich 'Loom of Fate' jetzt wegen dieser hoffnungslosen 1st-Lastigkeit verreißen könnte, aber so einfach ist das leider nicht -- denn obwohl der Plot aus meiner heutigen Sicht eine Menge mit 'meiner' WoD unvereinbare Haken und Kratzer aufweist, ist er doch als solcher äußerst gut ausgeführt. Die Nichtlinearität der Storyline, die Prophezeihungen der Madame Cleo, das Gift Deck -- technisch gesehen ist 'Loom of Fate' wirklich gelungen! Wenn nur das allgemeine Paradigma schon ein wenig offener wäre...

Dementsprechend schwer tue ich mich auch mit der Bewertung... für einen 'modernen' Mage-Storyteller, der nach 2nd-Paradigma spielt, kann ich 'Loom of Fate' trotz guter Gestaltung und interessantem Aufbau lediglich 4 von 10 Punkten geben -- für STs, die noch das 1st-Paradigma verwenden oder die Arbeit einer Konvertierung der Story nicht scheuen (eine wahrscheinlich ebenso fordernde wie lohnende Aufgabe), kann am Ende jedoch gut das Doppelte dabei herausspringen... und den Nutzen für Revised-STs kann ich natürlich nicht beurteilen.

Eine Rezension von



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Name: Loom of Fate

Art: Quellenmaterial für Mage-The Ascension; 72 Seiten; Buch;

Publikationsjahr: 1993/1999

ISBN-10: 1-56504-082-1

ISBN-13: 978-1-56504-082-3

Kontakt: White Wolf
Homepage: www.white-wolf.com

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