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Computerspiele - Guild Wars 2: Factions

GuildWars für nicht GuildWars Spieler
Bevor GuildWars (Prophecies, Teil 1) veröffentlicht wurde, war das Spielen von Online-Rollenspielen entweder mit einer monatlichen Grundgebühr (samt lästiger Anmeldeprozeduren mit Kreditkarte oder Kontovollmacht) verbunden oder stammten aus einer kostenlosen, aber auch semikommerziellen Grauzone, wo man mit nicht immer zuverlässigem Service rechnen durfte oder mit veralteter Technik leben mußte.
Mit einer genialen Idee schaffte ArenaNet den Spagat zwischen Online-Rollenspiel zum handelsüblichen Einmalpreis für Computerspiele und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit. Der im Prinzip simple wie auch geniale Trick bestand in der Übernahme der Technologie, die auch Egoshooter benutzen: kleinere Spielergruppen (z.B. 8 Pesonen) spielen gemeinsam über einen Server der von dem jeweiligen Leiter der Spielgruppe gestellt wird.
ArenaNet erspart sich damit die Netzlast (und die verbundenen Kosten) für einen Großteil des Spielvergnügens und ist nur dann gefordert, wenn die Spieler eine Stadt besuchen, um eine Gruppe zu betreten, mit Anwesenden zu Chatten oder zu Handeln.
Durch sogenannte Nichtspielerfiguren, die man anstelle von Begleitern aus Fleisch und Blut einladen kann, ist es auch möglich GuildWars quasi wie ein Offline-Computerspiel zu spielen, z.B. wenn man nur eine kurze Runde spielen will. Dennoch muß zum Spielen immer eine Internetverbindung hergestellt werden, da das Spiel den eigenen Fortschritt regelmäßig mit dem Hauptrechner synchronisiert, um Spielbetrug zu erschweren.
GuildWars bietet neben umfangreichen Kampagnen und vielen Mission, die sich im Team oder allein spielen lassen auch einen starken PVP (Player vs Player) Anteil, der dem Spiel einen Hauch eSports Atmosphäre verleiht.
Gegner sagen, dass GuildWars weder Fleisch noch Fisch ist, also weder echtes Multiplayer Online Rollenspiel noch Offline-Computerspiel... Befürworter halten das Spiel aber für einen Geniestreich, der professionelles Online-Rollenspiel und Spielspaß mit Langzeitmotivation zum günstigen Einmalpreis bietet.
In der Geschichte der Gildenkriege wurde nach einem Jahr ein neues Kapitel aufgeschlagen: die Fraktionskriege auf dem asiatisch angehauchten Kontinent Cantha.

Ein neues Kapitel bedeutet bei GuildWars bzw. GuildWars Factions ein neues, eigenständiges Spiel, das sich unabhängig vom ersten GuildWars-Teil Installieren und Spielen läßt. Besitzer beider Spiele können jedoch die Teile in beliebiger Reihenfolge kombinieren und damit die Vielfalt der Spielwelt für ihre Charaktere verdoppeln.

Factions-Hintergrund Das Land Cantha ist in Aufruhr: eine unheimliche Seuche verwandelt die einstmals friedlichen Bewohner in blutrünstige Untote. Zudem ist ein vor Jahren getöteter Verräter und Kaisermörder zurückgekehrt und droht mit Rache. Das wunderschöne Land, das sich anfangs mit dem Charme einer unbefleckten Kirschblüte präsentiert, wirkt zunehmend zerstört, verwahrlost und mit einem finsteren Schleier aus Blut und Gewalt überzogen.
Hier sind echte Helden gefragt, die sich dem drohenden Untergang Canthas entgegenstellen möchten!

Bevor Neuankömmlinge sich in den eigentlichen Fraktionskrieg zwischen den auf Cantha herrschenden Völker Kurzick und Luxor einklinken dürfen, steht für frische Charaktere ein Vorspiel auf einer idyllischen Kloster-Insel Shing Jea an, wo erste Stufenaufstiege und ein Verbessern der Ausrüstung möglich ist.
Irgendwann jedoch landen alle Charaktere im Hafen der riesigen Metropole, die sich in nicht enden wollenden Gassen scheinbar endlos erstreckt.
Die Metropole teilt sich in ein paar sichere Zentren, die mit den befestigten Städten aus Teil 1 vergleichbar sind und erforschbare Gebiete, wo sich in Hinterhalten Banditen auf Vorbeireisende stürzen, sich in dunklen Ecken mutierte Stadtbewohner tummeln und wo einst heilige Orte von bösen Mächten pervertiert wurden.

Die sicheren Zentren sind vorrangig Wegpunkte, zu denen sich der Spieler jederzeit teleportieren kann und andererseits die bevorzugten Treffpunkte, an denen man Kaufleute, das eigene Zwischenlager, viele Missionen und last but not least andere Spieler aus Fleisch und Blut antrifft. Hier kann man mit den anwesenden Spielern Chatten um einem Team oder einer Gilde beizutreten oder per Handelchat eigene Waren Feilbieten, Tauschen oder Erwerben.

Wer die ersten Kämpfe auf der (Neulinge-) Insel schon heftiger als die bislang von GW gewohnten Kämpfe findet, bekommt in der Metropole noch mal einen drauf gesetzt. Unvorsichtige Annäherungen an mehrere gegnerische Gruppen und Nachlässigkeiten im Teamspiel werden hier allzu oft mit einem kompletten Wipe (Teamtod) bestraft. Vor allem die gegnerischen Assassinen teilen deutlich härter aus, als man es bislang von den Gegenspielern gewohnt war.

Wenn man nach einigen Tagen auf der Insel und in der Metropole endlich wieder das satte Grün, weiter Graslandschaften sieht, hat man sehr wahrscheinlich die (höchste) 20. Stufe erreicht und darf endlich in den Fraktionskrieg eintauchen. Hierzu schließt man (bzw. die Gilde) sich entweder den Kurzick oder den Luxor an.

Die beiden Völker lebten einst in ihren jeweiligen Lebensräumen fernab und in Frieden miteinander. Als nach dem erfolgreichen Attentat auf den Kaiser der Jadewind über das Land blies und ganze Ländereien in Stein und Kristall verwandelte, wurden die beiden Völker sprichwörtlich aufeinander und in einen blutigen Konflikt um ihren Lebensraum getrieben.

Sobald man sich für eine Seite entschieden hat, ist man fortan Teil dieser nie endenden Fehde, die über Herausforderungs- (haufenweise Gegner) und kompetitive Missionen (Teams im Wettstreit) ausgetragen wird, in denen sich Fraktionspunkte erwerben lassen. Gilden können für sich allein Fraktionspunkte sammeln oder sich zu Bündnissen zusammenschließen und gemeinsam arbeiten.
Welche Seite derzeit die "fleissigeren" Mitstreiter hat, darf sich über einen Landzuwachs freuen, der sich durch eine minimale Verschiebung der farbigen Grenzlinie darstellt. Gilden bzw. Bündnisse, die besonders viele Fraktionspunkte ansammeln, können in den befristeten Besitz einer Stadt gelangen, wodurch sich der Zugang zu "Elite-Missionen", einer besonders lukrativen Sorte von Aufträgen, eröffnet.
Ein Wermutstropfen ist allerdings, daß hiervon vor allem die bestehenden großen Bündnisse profitieren und neue bzw. kleine unabhängige Gilden bzw. recht junge Bündnisse vorerst kaum eine Chance haben, sich zu den Elite-Missionen hinzuarbeiten.

Technisches
Factions spielt sich technisch exakt wie das ursprüngliche GuildWars, trägt jedoch dem Umstand Rechnung, daß man vorrangig mit spielerfahrenen Käufern rechnet, die neue Herausforderungen für Ihre größtenteils hochgradigen (sprich Level 20) Charaktere suchen: die Kämpfe gegen Monster sind schneller und härter geworden.

Von einem erwähnenswerten technologischen Fortschritt kann man eigentlich nicht sprechen - wobei Optik und Sound auch zuvor schon sehr zufriedenstellend waren und die optischen Verbesserungen an DirectX 9 positiv zur Geltung kommen.

Zumindest präsentiert sich Factions in ganz neuem Gewand, vor asiatisch angehauchter Kulisse. Detailreiche, blühende Landschaften in denen Tiere und Insekten herumwuseln und Wasserfälle nebelige Schwaden versprühen, aufwendige optische Magie- und Elementareffekte die das Spielerauge erfreuen, bis hin zur recht detaillierten Optik der eigenen Spielfigur, der mit Ausrüstung und Färbung ein eigener Touch verliehen werden kann. Passend dazu kann man stets mit einer gelungenen Klangkulisse rechnen, die dem Geschehen auf dem Bildschirm die nötige Abrundung verleiht. Da explodieren Geschosse, summt die Magie, hallen Schritte auf Metallbrücken, brüllen Kreaturen und trifft Stahl auf Fleisch und Knochen.

Factions wartet mit einer Vielzahl neuer Örtlichkeiten und passender Missionen auf. Besitzer der ersten Ausgabe können sich auf eine Erweiterung im ähnlichen Umfang einstellen. Zwar hat sich am Spielprinzip nur wenig getan - auch was generell die Art der Missionen angeht - aber der Charme der völlig anderen Umgebung gibt dem Ganzen doch ein sehr spezielles Flair.

Neben den sechs bereits bekannten Klassen (Krieger, Waldläufer, Elementarmagier, Mesmer, Nekromant und Mönch) bietet Factions zwei neue: den Assassinen mit beidhändigem (Messer-) Angriff und hohem Schadenpotential aber wenig Abwehrkraft; und den Ritualisten, der sich und die Gruppe mit hilfreichen Gruppenzaubern und über das Beschwören von hilfreichen Geistern unterstützt. Zu den zwei neuen Klassen gibt es 75 neue Fertigkeiten, plus weitere 150, die sich auf die bereits vorhandenen Klassen verteilen.
Bei der Konstruktion der neuen Klassen wurde sehr darauf geachtet, daß sie sich nicht dominant in das bestehende Gleichgewicht des Spiels einbetten.
Der Assassine teilt zwar kräftig aus (kräftiger als der Krieger), hält es aber in der vordersten Kampfreihe dank leichter Rüstung und weniger Gesundheit nicht lange aus. Da de Assassinen viel Aggro ziehen, dem Gegenangriff aber nur wenig entgegensetzen, sind sie als Tanks kaum zu gebrauchen und bei der Gruppenzusammensetzung auch nur selten favorisierte Mitstreiter.
Auch der Ritualist steht ein wenig im Schatten der bislang bekannten Klassen. Der blinde Geisterbeschwörer ist, wie der Heiler, ein die Gruppe unterstützender Charakter, der über breit gestreute Qualitäten verfügt. Sein besonderer Vorteil ist, dass er durch das Beschwören von Geistern dauerhafte, aber ortsgebundene Mitstreiter erschaffen kann, die für ihn Angreifen, Heilen und Beschützen. Im Gegensatz zum Nekromanten benötigt er dazu keine Basis in Form von Leichen.

Fazit:
Guild Wars Factions ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Teils, in die zufriedene Besitzer von Prophecies ohne viel Überlegen investieren können.
Neue Spieler sollten kurz überlegen, was Guild Wars ist bzw. nicht. Guild Wars ist kein MMORPG, weil es kein Massive Multiplayer ist - man trifft außerhalb der Städte nur auf die Spieler, mit denen man losgezogen ist. Und Guild Wars ist eigentlich auch kein reinrassiges Rollenspiel. Es hat zwar viele Elemente eines Rollenspiels, aber das Schwergewicht und die Langzeitmotivation liegt ganz eindeutig beim PVP (Kampf Spieler gegen Spieler) und damit eignet sich GuildWars zum eSports-Titel.
Trotz der Einschränkungen gibt es für Rollenspieler, die sich gerne online mit menschlichen Mitspielern oder auch alleine im Verbund mit Computer-Mitspielern vergnügen wollen, wochenlangen Spielspaß - ohne Abo oder monatliche Gebühr.


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Wie wird gewertet?

Name: Guild Wars 2: Factions

Art: Computerspiel für Computerspiele; DVD für Windows 98¸ Windows Me¸ Windows 2000¸ Windows XP;

Publikationsjahr: 2006

Preis: 40 Euro

Kontakt: NCsoft Europe
Homepage: de.guildwars.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20