drosi.de | Rezensionen | Computerspiele | SWAT 4
Computerspiele - SWAT 4

Special Weapons and Tactics oder kurz SWAT ist das nordamerikanische Pendant des deutschen Sonder-Einsatz-Kommandos, kurz SEK - eine paramilitärische Spezialeinheit der Polizei, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn es richtig zur Sache geht.

Technische Grundlage dieser taktischen Simulation ist die Engine eines Ego-Shooters a la Counter Strike oder Half-Life (v1). Das Besondere an SWAT gegenüber einem typischen "Ego"-Shooter ist jedoch, daß hier das Team und richtige taktische Entscheidungen der Schlüssel zum Erfolg sind. Wer alles im Alleingang bewältigen will, ohne Vorwarnung auf alles schließt, was sich bewegt, wird scheitern oder zumindest keine guten Ergebnisse in der Missionsabrechnung erlangen. Und je nach Schwierigkeitsgrad kann die Abrechnung eine abgeschlossene Mission noch zu einem Fehlschlag machen.
Ziel ist es, eine Situation mit möglichst wenig Gewalt oder gar Toten zu klären. Das ist definitiv kein Job für Rambos!

In der "Ausbildung" kann man sich mit der Steuerung generell, aber auch mit der Handhabung und Wirkung einiger Waffen vertraut machen. Besonders interessant sind dabei die taktischen Einsatzmittel wie Türspion, Türkeil, Einbruchswerkzeug und diverse Handgranatentypen. Zur Auswahl stehen CS-Gas, Blendgranaten und Stinger (Gummigeschoss-Explosion) - jedes Mittel hat übrigens auch ein Abwehrmittel - so kann man dem Gas mit einer Gasmaske begegnen oder der Blendung mit einer Spezialbrille vorbeugen. Last but not least gibt es den Taser, mit dem sich ein Opfer per Elektroschock kampfunfähig machen läßt.
Ein kaltgestellter Gegner, oder jemand der sich freiwillig ergibt, kann mit Einweghandschellen ausgeschaltet werden. Dies wird bei allen unverletzten Personen gemacht - egal ob Freund oder Feind - damit sie einem anschließend nicht mehr gefährlich werden können. Auch eine Geisel kann einem versehentlich in die Schußbahn rennen - und so die ganze Mission ruinieren.

Zur SWAT-Standardausrüstung gehört darüber hinaus ein Helm mit Sprechfunk und Kamera, eine kugelsichere Weste, und zwei Waffen - wobei die Primärwaffe ein Gewehr oder eine Maschinenpistole und die Sekundärwaffe eine Pistole oder ein Taser ist.

SWAT 4 wird mit 14 Einzelspieler-Missionen ausgeliefert, an denen man je nach Schwierigkeitsgrad schon einige Stunden oder gar Tage rumknabbern kann. Während man anfänglich mit der "Normal"-Einstellung, die 50% Erfolgsquote bedeutet, eigentlich recht gut voran kommt, muß man in einigen Missionen schon diverse "Übungseinsätze" durchführen bevor man das richtige Konzept für die Mission gefunden hat.
Im Rahmen einer "Karriere" werden die Missionen nacheinander freigeschaltet, sobald man die aktuelle Mission mit genügend Punkten geschafft hat. Bei der "Einfach"-Einstellung entfällt die Punkte-Hürde, was jedoch meines Erachtens den Spielspaß mindert. Echte "SWAT-Cracks" sollten sogar den "Schwer" (75%) oder "Sehr Schwer" (100%) Modus aktivieren - obwohl ich bezweifle, daß man Letzteren meistern kann - wie schon gesagt: mit Geschick und flinkem Finger am Abzug ist es hier nicht getan.

Einsatzbesprechung
Zu Beginn jeder Mission wird eine Einsatzbesprechung durchgeführt. Diese ist sehr wichtig, da man neben einem Grundrißplan wichtige Informationen über die Ausstattung der Gegner (z.B. Panzerung) und Eigenheiten des Einsatzortes bekommt. Die Besprechung erfolgt wortwörtlich in gesprochener Sprache.

Der nächste Schritt ist die Ausrüstung des Teams. Hier kann man die eigene und auch die Ausrüstung seiner vier Team-Mitglieder einzeln bestimmen: Primär- und Sekundärwaffe und taktische Kampfmittel.
Anfangs kommt man hier mit der Standardausrüstung gut zurecht, da über das Team verteilt jedes Ausrüstungsteil vorhanden ist. Hier reicht es die eigene Ausrüstung an die eigenen Vorlieben anzupassen.
Später wird man jedoch auch die Ausstattung der Teammitglieder ändern wollen, zum Beispiel wenn der Gegner stark gepanzert ist oder eine explosive Umgebung den Einsatz leichter Munition erfordert.

Sniper
Bei manchen Missionen steht zudem ein Scharfschütze zu Verfügung, mit dem sich ein bis zwei Räume überwachen lassen. Im Idealfall kann der Scharfschütze sogar ein oder mehrere Gegner außer Gefecht setzen - ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Den Sniper steuert man dabei selbst. Dazu kann man seine Helmkamera dazuschalten und die Steuerung seiner Waffe übernehmen. Allerdings kommentiert der Sniper was er sieht, also zum Beispiel ob ein potentieller Gegner seine überwachten Räume betritt.
Bleibt zu erwähnen, daß ein Abschuß dieser Art unter Umständen Minuspunkte einbringt, denn der Gegner hätte vielleicht im Nahkampf überwältigt werden und mehr Punkte einbringen können.

Einsatz!
Bei einigen Missionen stehen mehrere Eingänge zur Verfügung von denen man sich via Polaroid einen auswählen kann.
Von nun an heißt es jeden Schritt sorgfältig zu Planen und Raum für Raum vorzugehen. Falls vorhanden, kann man Fenster verwenden um einen Raum vorab zu Sondieren und sogar hineinzuschießen. Unauffälliger ist es jedoch meist mit dem "Opti-Stab" - einer Kombination aus lenkbarer Minikamera und Flachbildschirm. Damit kann man unter der Tür durchzuschauen (das kann man selbst tun oder durch ein Teammitglied durchführen lassen, der dann Meldung erstattet) und um Ecken schauen.
Entdeckt man hinter der Tür einen Gegner, sollte man sich für eine Taktik entscheiden, wie man den Raum einnehmen kann. Man kann selbst Reinschleichen, was jedoch meist entdeckt wird und man findet sich in einer Blutlache am Boden wieder. Statt dessen sollte man das Team instruieren die Tür zu öffnen, eine Granate reinzuwerfen und anschließend den Raum zu sichern.
Wenn man das richtige Kampfmittel einsetzt, sind die Gegner ausgeschaltet und die Aktion verläuft ohne Blutvergießen. Andernfalls hängt es stark vom Zufall ab, welche Seite schneller am Abzug ist.

Im Optimalfall kann man einen Gegner überwältigen und mit Handschellen ausschalten. Ein verletzt am Boden liegender Gegner kann eventuell auch noch Punkte einbringen. Ein toter Gegner ist jedoch höchstens in den Anfängermissionen Punkte in der Abrechnung wert...
Ganz schlecht ist es, wenn man eine Geisel oder anderweitig anwesende Person verletzt. Das gibt zumindest einen Punkteabzug - oft führt es zum sofortigen Abbruch der Mission. Leider muß jede Person, die nicht ohnehin Ausgeschaltet ist, mit Handschellen gefesselt werden - und bei einigen störrischen Leuten schafft an das nur durch den Einsatz von Pfefferspray... na ja, vielleicht mache ich hier auch noch irgend etwas falsch. Solch ein Einsatz "sinnvoller" Gewalt kostet nämlich in jedem Fall kräftig Punkte.

TOC
Jede Besonderheit, sprich jede gefangengenommene, verletzte oder tote Person muß an die Einsatzzentrale "TOC" gemeldet werden. Dazu visiert man die Person an und aktiviert die angezeigte Aktion.
In einigen Situationen meldet sich das TOC auch auf eigene Faust und erweitert die laufende Mission oder reicht Zusatzinformationen nach.

Steuerung
Anfangs war ich etwas skeptisch, was die Steuerung eines Teams angeht, doch im Spielverlauf zeigte sich, daß man hier mit einer recht einfachen Steuerung und einer halbwegs vernünftigen KI (Künstlichen Intelligenz) eine ordentliche Lösung gefunden hat. Während des Spiels befindet sich im oberen linken Eck eine aktuelle Befehls-Übersicht, die sich mittels Tastendruck (Zahlen) Aussprechen lassen.
So kann man das Team zum Stehenbleiben, Deckung geben und Folgen anweisen. An einer Türe oder Ecke kann man den Befehl zum Spionieren mit der Kamera geben, die Tür Aufschließen oder Verkeilen lassen.
Ein unverschlossener Raum kann mit oder ohne vorherigen Einsatz von Kampfmitteln gestürmt und gesichert werden.
All diese Aktionen übernimmt das Team auf eigene Faust, d.h. man kann nach Abgabe des Befehls eine andere Aufgabe übernehmen. "Das Team" ist übrigens hierbei nicht immer "alle Vier", sondern man kann die vorhandenen Leute noch in ein rotes und ein blaues Team einteilen und getrennt einsetzen. Hier helfen wieder die Helmkameras, durch die man weitere Befehle erteilen kann, ohne selbst in der Nähe zu sein.
Hört sich schlicht an, ist aber schlicht genial.

Künstliche Intelligenz
"Zum Glück" für den Spielspaß - "Leider" in so manch brenzliger Situation - verfügen auch die vom Computer gesteuerten Gegner und Zivilisten über eine recht ordentliche KI, so daß man mit sehr unberechenbarem Verhalten konfrontiert wird. Das ist auch ein Garant dafür, daß sich eine Mission bei jedem Neustart etwas anders spielt und - durch eine recht zufällige Startverteilung der Gegner - stets neue Herausforderungen bereithält.
Ein Beispiel: Während einige Gegner "Polizei! Waffen fallen lassen!" als Lockruf verstehen um herbei gerannt zu kommen und auf alles zu Feuern was wie ein Polizist aussieht, zucken andere nicht einmal mit der Wimper, bevor man selbst die Deckung aufgibt - oder machen sich sogar aus dem Staub, quer durch das Gebäude. Gerade Letzteres kann gewaltig nerven, wenn der Flüchtling in Teile des Gebäudes zurückrennt, die man schon gesichert glaubte.
Ansonsten ist so ziemlich alles vorhanden, was man erwarten könnte: die Gegner laufen Streife, verstecken sich, so daß man mit der Türkamera nichts sieht oder töten sogar eine Geisel, wenn sie die Eindringlinge bemerken und genug Zeit haben, die Aussichtslosigkeit der Lage zu erkennen.

Missionen
Es handelt sich bei dieser SWAT-Ausgabe zum den vierten Teil des Spiels, was vor allem neue Missionen bedeutet. Bei den 14 gestellten Aufgaben ist von der "einfachen" Infiltration eines Hauses, in dem ein Serienkiller hausen soll (so charmant wie Schweigen der Lämmer...), über Diamantenraub und Geiselnahme im Autohaus, bis zum Aufmischen eines Waffendeals zwischen Mafia-Bossen oder der Klärung einer Diskoschießerei alles vorhanden.
Einige Fälle würde ich schon als "nahe am Geschmacklosen" einordnen, was vor allem daran liegt wie "realistisch" die Szenarien umgesetzt sind. In dem Spiel steckt neben all der wohlüberlegten Ballerei viel Atmosphäre.

Multiplayer
Online (Internet oder LAN) schließen sich die Spieler auf einem Server (max. 24 pro Server) den Terroristen oder dem SWAT an. Als Missionen stehen die VIP-Eskorte (ein VIP-Spieler mit eingeschränkter Waffenwahl muß den Gebäude-Ausgang erreichen, Terror versucht ihn gefangen zu nehmen und 2 Minuten festzuhalten), Deathmatch (Sieg nach Punkten, durch Kill oder Festnahme) und Bomben entschärfen (SWAT muß vier Bomben in 8 Minuten auffinden und bearbeiten) zur Auswahl.

Technisches
SWAT4 konnte vermutlich eine Menge von der ausgereiften Technik der Half-Life / Counter-Strike-Programmierung profitieren. Das macht sich vor allem auch im Multiplayer-Modus bemerkbar, der zwischen den Missionen und auch nach den 14 Missionen motiviert, daß Spiel immer wieder mal zu starten und eine Runde gegen "echte" Gegenspieler anzutreten. Insgesamt läuft das Spiel sehr stabil - off- und online.
Die Grafik würde ich nicht mehr als State-of-the-Art bezeichnen, aber sie ist meines Erachtens für einen Ego-Shooter, bei dem die taktische Komponente im Vordergrund steht, völlig ausreichend. Gerade auch die Besitzer älterer Hardware werden sich freuen, denn das Spiel stellt keine so extremen Anforderungen wie HL2 oder Doom3, obwohl eine optimierte Hardware natürlich bessere optische Einstellungen ermöglicht.
Die Grafik und vor allem die Szenarien sind sehr Detailverliebt gestaltet - überall leuchtet und blinkt es, rauschen Fernseher oder knacken Kakerlaken beim Darüberlaufen. Dennoch ist vieles nicht so "interaktiv" wie man es zum Beispiel aus Half-Life 2 kennt... es ist zum Beispiel durchaus möglich, daß ein Fernseher beim darauf Schießen zerstört wird - aber weggeschleudert wird er nicht.

Kontaktfreudig...
Ein wenig verdutzt war ich, daß SWAT4 bei jedem Hochstarten, während der typischen Vorab-Videos, einen Kontakt zum Internet herstellen will. Früher war dies höchstens der Fall wenn man Online Spielen wollte. Ich habe leider nicht die Muße herauszufinden, warum SWAT4 Kontakt aufnimmt und welche Daten übermittelt werden.
Eine Firewall die unbekannte Programme blockt, führt bei SWAT4 ggf. zu Verzögerungen beim Programmstart (Startvideos werden nicht oder nur verzögert gestartet). Wird das Programm generell von einer Firewall geblockt oder ist kein Internet verfügbar, startet das Spiel aber normal. Eine Online-Registrierung wird angeboten, aber nicht erzwungen.

Fazit:
SWAT4 ist ein ziemlich guter Ego-Shooter der vor allem wegen seiner taktischen Komponente, den interessanten Gimmicks und dem fordernden Schwierigkeitsgrad einiger Missionen und der Gegner-KI, angenehm aus der Reihe fällt. Auch die Multiplayer-Option verspricht langfristig sehr viel Spaß und lädt dazu ein, sich per Headset (z.B. via Teamspeak) abzusprechen, um so das Vorgehen des Teams besser zu planen.


www.DRoSI.de
die beste Adresse,
seit es Rollenspiele gibt
© Copyright by Dogio

Dogio the Witch

Mehr zum Thema
Links zum Thema
Diesen Artikel kaufen

Dogios Produkt-Tip:
  • Half-Life 2
  • Saga of Ryzom
  • World of WarCraft
  • Diesen Artikel kaufen

    Qualität Text
    Qualität Optik
    Nutzen/Spaß
    Gegenwert
    Wie wird gewertet?

    Name: SWAT 4

    Art: Computerspiel für Computerspiele; PC-CD (Windows 98/Me/2k/XP);

    Publikationsjahr: 2005

    Preis: 45 Euro

    Kontakt: Vivendi Universal Interactive
    Homepage: de.vu-games.com

    Klick für Vollbild

    [Dieses Fenster schließen]

    5155 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
    Rezensionen bei drosi.de
    Please note:
    The names of all or most of the games and their logos on the subsequent pages are trademarks or registered trademarks of the owning company. Any use on this or subsequent pages should not be misconstrued as a challenge to said trademarks, nor as an attempt to infringe upon any copyrights that may be owned by said companies.
    The drosi.de content and database is © 1998-2008 by Uwe 'Dogio' Mundt.
    Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20