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Computerspiele - Leisure Suit Larry - Magna Cum Laude

Die älteren Semester unter der Leserschaft - und darunter besonders die männlichen Vertreter - werden diesen Anti-Helden sicherlich kennen: Leisure Suit Larry, oder auch Larry Laffer, der bereits die Anfänge der Computerspiele-Ära mit seinen anrüchigen, gesellschaftskritischen, aber durch und durch amüsanten Abenteuern beehrte.

Larrys Leben zeichnete sich vor allem durch folgende Merkmale aus: ein unerschütterlicher Drang zum weiblichen Geschlecht, ein niemals verdreckender und bügelfreier Polyester-Vergnügungsanzug (engl. "Leisure Suit") und die Tatsache das jeder Annäherungsversuch unglücklich endete.


Vor dem aktuellen Titel, sind bereits drei reguläre Larry-Spiele erschienen. Das älteste davon, Teil 1 der Serie "Leisure Suit Larry in the Land of Lounge Lizards", kam einst mit sagenhaften 16 Farben und einer Auflösung von nur 320 mal 200 Bildpunkten aus. Bereits in den zwei anderen Teilen paßte man Larry an die steigenden Leistungen der Heimcomputer an, um den doch meist voyeuristischen Fan das maximale Spielvergnügen zu bieten.
Doch Larry war nie eine reine Spielserie für Spanner, nie nur eine stupide Abfolge von Nacktbildchen und Filmen, die man sich Freispielen kann. Ganz im Gegenteil wurden die seltenen Szenen, in denen es wirklich "zur Sache" ging, in der Regel sogar mit schwarzen Balken zensiert, was dem Spielspaß aber nie einen Abbruch tat.
Was Larry bislang wirklich ausmachte, waren teils knifflige Kombinationsrätsel in einer Welt voller Laster, die einen Blick hinter die siffigen Gardinen der amerikanischen Doppelmoral warf.

Die Zeiten haben sich aber in vielerlei Hinsicht geändert. Zum einen haben sich natürlich die technischen Voraussetzungen für ein Computerspiel in den letzten Jahren enorm verbessert und zum anderen läßt eine vielerorts freizügigere Moral ganz andere Spielinhalte zu. Was einst Skandale auslöste, gehört heute zum Inhalt vieler Tageszeitungen und Talkshows zur besten Sendezeit.

Für den neuesten Teil der Larry-Saga hat man sich selbst das Prädikat "Keine Altersfreigabe für Jugendliche" aufgestempelt. Angesichts deutscher sicherlich eine vorsichtige Einstufung, die vielleicht auch einen Kaufanreiz für die Zahlungskräftigere Klientel über 18 Jahren anspornen soll.

Der Inhalt von Leisure Suit Larry 5 - Magna Cum Laude ist im Vergleich zu früheren Titeln vor allem optisch recht deftig ausgefallen. Eine dreidimensionale Darstellung aller im Spiel enthaltenen "Objekte" macht ganz neue Perspektiven möglich.

Technisches
Magna Cum Laude basiert auf der gleichen Grafik- und Physik-Engine, die man vielleicht schon "The Simpsons" kennt, das ebenfalls aus dem Hause Sierra/Vivendi Universal stammt. Die Grafik ist dadurch nicht über die maßen naturalistisch, sondern hat eher einen comicartigen Stil. Jede Figur (ob Mensch, Tier oder Gegenstand) wird im Spiel durch ein ggf. animiertes 3D-Modell dargestellt, auf die man beliebige grafische Hüllen ("Skins") legen und sie beliebige Bewegungen ausführen lassen kann. Komplett "ausgezogene" Figuren zeigen zwar primäre Geschlechtsmerkmale - das ganze bleibt aber doch ausreichend abstrakt und fällt meines Erachtens im Bereich der Soft-Erotik.

"Lebendig" werden die Figuren für den Spieler durch die Interaktion mit ihrer Umgebung, zum Beispiel indem sie einer Tätigkeit nachgehen oder sich mit anderen Spielfiguren unterhalten. Diese Unterhaltungen finden wirklich in "gesprochener Sprache" statt, so daß sich der Spieler einer "Unterhaltung" zuhören kann, indem man sich neben die Spielfiguren stellt.
Ebenso hört man aus angeschalteten Radios tatsächlich Musik, die leiser wird, je weiter man sich vom Radio entfernt.
Ein nettes Gimmick ist auch, daß bewegliche Teile, wie zum Beispiel am Boden liegende Bierdosen oder Fußbälle, sich durch Gegenlaufen beiseite schieben oder sogar wegtreten lassen. Der Physik-Engine sei dank, verhalten sich diese Objekte dann auch recht realistisch und bleiben klirrend oder polternd ein wenig entfernt wieder liegen.
Andere Objekte wie Vögel oder Eichhörnchen komplettieren den guten Gesamteindruck einer "lebendigen" Umwelt.

Spielinhalt
Wie in den vorherigen Larry-Teilen, geht es auch bei Larry 5 vor allem wieder um Frauen. Der Namensgeber Larry ist in diesem Teil allerdings nicht mehr der berühmte Larry Laffer, sondern sein junger Neffe Larry Lovage. Das bedeutet nicht, daß man ganz auf den guten alten Laffer verzichten muß, aber die Abenteuer erlebt diesmal sein Neffe.

Larry träumt gerne, er sei der beliebteste Student auf dem Campus. Doch die Realität entspricht eher dem Gegenteil: keiner der anderen Studenten kann den zu kurz gewachsenen Wasserkopf leiden... Doch Larry ist mit den berühmt-berüchtigten Genen seines Onkels gesegnet (oder verflucht...) und so sucht er unerschütterlich nach einem Weg um seine Träume zu realisieren.
Seine große Chance zum "Ersten Mal" sieht Larry, als das Swingles-Filmteam seine Bühne auf dem Campus aufbaut. In wenigen Tagen soll sich der beliebteste Frauenheld der Schule mit drei Grazien treffen dürfen, um am Ende mit seiner Favoritin ins Bett zu steigen. Endlich!
Doch der Weg bis dahin ist steinig. Zuerst einmal muß Larry beweisen, daß er wirklich der größte Frauenversteher am Campus ist - und dazu soll er der reizenden Swingles-Moderatorin Uma Liebesbeweise für seine Liebesnächte abliefern. Für Larry alles andere als leicht.

Seine Mission startet Larry im Studentenwohnheim, wo er das süße Cowgirl rumkriegen muß. Später folgen noch viele andere Wuchtbrummen, in deren Augen sich Larry durch geschicktes Reden und Handeln vom Fußabtreter zum Objekt der Begierde hocharbeiten muß. Erst wenn er die Mädels bis zum Äußersten motiviert hat, bekommt er seinen Liebesbeweis und ist damit der Swingles Endausscheidung einen wichtigen Schritt entgegen geeilt.

Quasi nebenher, kann er sich bemühen ein Mitglied der Stundentenverbindung zu werden, er kann sich in den wildesten Clubs rumtreiben und das Geheimnis der Homosexualität quer über den Campus ergründen - oder es zumindest versuchen.

Kleine Spielchen
Anders als in früheren Larry-Teilen kann der Spieler die Damenwelt nicht allein durch Besuchen von Orten, Aufsammeln, Kombinieren und Anwenden von Gegenständen und Gesprächen rumkriegen, sondern die Macher von Larry 5 haben etliche Mini-Spielchen eingebaut. Alle Spiele fordern die Geschicklichkeit des Spielers heraus, so muß er zum Beispiel schlange-stehende "Kunden" bedienen, bevor sie ihm die Bude einrennen oder er muß in Senso-Manier bestimmte Tastenfolgen (Hoch!, Runter!, Links!, Rechts!, Knopf!) nachmachen, um Tanzbewegungen, Trampolinsprünge oder komplizierte Begrüßungsformeln nachzuahmen.
Witzig aber nicht ganz leicht ist das Quarter-Spiel, bei dem man mittels Mausbewegung eine Münze in ein Glas Flippen muß. Anfangs geht es nur darum wer als erster Besoffen ist (landet die Münze im Glas muß der andere Trinken), aber später gesellt sich noch die Strip-Variante hinzu.
Eine andere Spielart ist das variierte Herumlaufen, mit ohne Verfolger, zum Verteilen oder Einsammeln.
Es gibt auch eine Pong-Variante, die hier Masturbation simulieren soll, naja.
All diese Spiele können dazu dienen einen Liebesbeweis zu erbringen, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern oder um Geld zu verdienen.

Last but not least gibt es noch das Gesprächsspiel. Dabei steuert man ein kleines Spermium, das von links nach rechts durch einen Kanal fliegt, bzw. dem Spermium, das immer am linken Bildrand bleibt, von rechts Objekte entgegen fliegen.
Diese Objekte muß man aufsammeln (grün) oder am besten die Berührung vermeiden (rot), weil die Larry zum Beispiel besoffen machen (erschwert das Spielen) oder das Gespräch in eine ganz ungünstige Bahn lenken.
Je mehr grüne Objekte Larry aufsammelt, desto besser verläuft das Gespräch und je mehr füllt sich ein Herzsymbol. Beendet Larry das Gespräch mit vollem Herzen, hat er dieses Wortduell gewonnen, daß übrigens parallel zum Spiel gesprochen stattfindet. Diese Zwischenspiele sind auch sehr interessant weil sie viel über die Mädchen bzw. Gesprächspartner verraten und Aufschluß über anstehende Aufgaben geben.

Steuerung
Bei all den Spielchen stellt sich die Frage der besten Steuerung. Die Masse der Spielchen erfordert an der Tastatur schon einiges an Fingerkrümmen, so daß ich statt dessen ein Joypad als ideales Steuerungsgerät empfehlen möchte - neben der Maus zum Quartern. Spiele wie das nachtippen der Tastenfolgen werden sonst leicht zum Frusterlebnis und auch die Spermienralley wird attraktiver.

Nur nicht aufgeben...
Selbst als Bewegungslegastheniker muß man nicht gleich aufgeben. Die Machen haben Mitleid bewiesen, als sie die Option eingebaut haben, daß sich jedes Spiel mit Geheim-Marken umgehen läßt. Leider verpaßt man dadurch auch so manch witzige Gespräch oder Strip. Aber wenn einem eines der Geschicklichkeitsspiele überhaupt nicht gefällt, so kann man dafür eben eine Anzahl Marken einlösen. Diese Geheimmarken findet man fast in allen Objekten die im Spiel einen Namen haben - teilweise regenerieren diese Objekte sich auch im Laufe des Spiels.
Rumlaufen und Objekte "untersuchen", um an Marken und Geld zu gelangen, gehört damit fest zum Spiel.
Neben dem Umgehen von Spielen kann man die Marken auch zum Freikaufen von Extras verwenden, so lassen sich freizügige Ladebilder, Nacktmodelle der Mädchen oder Strip-Varianten der Spiele erwerben.

Übersicht
Die Zentrale Sammelstelle für Larrys Erlebnisse ist sein Notizbuch. Hier findet der Spieler die aktuell anstehenden Aufgaben beschrieben, er kann die gesammelten Infos zu den bislang kennengelernten Mädchen abrufen und es enthält eine Übersicht über seine Gegenstände (Inventar) und aktuellen Outfits.
Der Spruch Kleider machen Leute paßt auch hier und so verweigern einige Personen das Gespräch, bis Larry ihnen in den richtigen Klamotten gegenüber steht... Da es wichtige Kleidung nur an versteckten Orten und für viel Geld zu kaufen gibt, gestaltet sich die Suche danach schon als eines der zentralen Spielelemente. Was ich ein wenig trist fand, war allerdings, daß man alle Teile zu einem Kleiderset bei derselben Person erwerben kann oder muß. Verteilte Fundorte und die Kombinierung als Aufgabe hätten noch mehr Anspruch ins Spiel gebracht.

Fazit:
Anfangs habe ich Larry für ein ziemlich schlechtes Spiel gehalten - und das trotz recht guten Grafik und Sound (inkl. Synchronstimmen wie Oliver Pocher in der Hauptrolle von Larry Lovage).
Doch dann habe ich zwischen all den Stimmen und comicartigen 3D-Grafiken, viel zu realistischen Ladegrafiken (viele Mädchen-Figuren werden auch als Photo eines echten Modells gezeigt) und - in Überdosis genossen - anstrengenden Spielchen doch noch den Geist der uralten Larry Laffer Spiele entdecken können. Und je weiter ich im Spielverlauf kam, je mehr Gespräche und Handlungsfäden ich verfolgte, desto besser wurde dieses Empfinden und damit auch das Spiel selbst.

Leisure Suit Larry 5 - Magna Cum Laude ist genau die Kombination aus Rumlaufen, witzig-plumper Erotik und Hardcore-Anspielungen - und natürlich Komik wegen permanentem Scheitern bei der Suche nach dem ewigen Glück in der Liebe - die ein gutes Larry-Spiel ausmacht.



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Name: Leisure Suit Larry - Magna Cum Laude

Art: Computerspiel für Computerspiele; PC-CD;

Publikationsjahr: 2004

Kontakt: Vivendi Universal Interactive
Homepage: de.vu-games.com

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20