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Midgard - Bürger¸ Bettler¸ Beutelschneider (Tidford)

Wie mir Harald Popp mailte, könnten eventuell noch einige Exemplare im Handel sein, eine neue Auflage ist allerdings z.Z. nicht in Sicht.

Die Ausgabe umfaßt die zwei Hefte: REGELN FüR STADTABENTEUER und TIDFORD -- STADT AM TUARISC", vor allem Ersteres bietet meiner Meinung nach einige interessante Anregungen für den Spielleiter (wenn auch das spielen nur nach diesem Heft leicht in eine Würfelorgie ausarten kann), TIDFORD bietet eine komplett ausgearbeitete Stadt mit einer Kurzbeschreibung fast aller Bewohner -- für mich schon fast zu ausgiebig beschrieben. Aber erstmal eins nach dem anderen:

REGELN FüR STADTABENTEUER ist die Übersetzung von CITIES von Stephen Abrams und John Everson und wurde ursprünglich für das System Tome of Midkemia geschrieben.

Das Ein und Alles an diesen Regeln ist die Haupttabelle, anhand der, laut Empfehlung der Autoren, alle 10 - 15 Minuten (Realzeit) eine Zufallssituation ausgewürfelt werden sollte. Ich persönlich finde die Häufigkeit des Würfelns übertrieben, der Spielleiter sollte für sich selbst entscheiden, wann eine solche Sequenz das Spiel auflockern kann und wann eine Zufallsbegegnung dem Spielfluß nur schadet.

Die Haupttabelle unterscheidet zwischen Zufallssituationen in Dörfern und Städten, wobei diese in Armen-, Mittelstands- und Reichenviertel unterteilt werden und für die einzelnen Viertel weiterhin in Neben- und Hauptstraßen.

Je nach Tageszeit werden nun mit einem Prozentwurf die Szenen und Begegnungen ausgewürfelt -- wobei aber noch lange nicht sicher ist, wie eine zufällige Person/Gruppe auf die/den Abenteurer reagiert! So ist es zum Beispiel möglich, daß ein Dieb die Figuren entweder bestehlen will, aber auch, daß er Schwierigkeiten mit seiner Gilde hat und die SpF um Hilfe bittet. Dieser Sachverhalt wird mittels spezieller Tabellen für jede Art von Zufallsbegegnung ausgewürfelt.

Hier einige Begegnungsbeispiele aus der Haupttabelle: Alltägliche Szenen, Soldat(en), Regierungsbeamter, Barbar(en), Pilger, Sklavenhändler, Magier, Stadtwachen, Krieger, Dieb/Bettler, Aristokrat, andere Abenteurergruppe, Sklavenzug, Arbeitertrupp, Priester, Spion/Meuchelmörder, Nichtmenschen, Streikende, Gaukler, Gott/Göttin (!) oder auch besondere Vorfälle wie das Entleeren von Nachttöpfen auf die Straße ... .

Die Spielerfiguren können von den Zufallsbegegnungen beleidigt werden, Aufträge erhalten, mit anderen Personen verwechselt werden, Informationen erhalten oder einfach auch nur Zeugen von verschiedenen (mehr oder weniger) alltäglichen Szenen werden.

Meiner Meinung nach eignet sich dieser Teil der Regeln besonders für die Phase, in der einige der Abenteurer noch in ihrer Lernphase sind, andere aber schon fertig sind und sich in der Stadt herumlangweilen. Der erste Eindruck, daß die Zufallsbegegnungen ziemlich heftig ausfallen könnten, hat sich bei mir nach einem "Probelauf" schnell relativiert.

Es folgt eine Tabelle, nach der bestimmt werden kann, welche Missionen die Charaktere bei einer eventuellen Auftragsvergabe erfüllen müssen, hier kann vom Transport von Waren bis zum Mordauftrag alles dabeisein! Weiterhin enthält dieses Kapitel Tabellen zur Verkehrsdichte, zur Qualität von Tavernen und Unterkünften sowie -- sehr praktisch -- eine Umrechnungstabelle zur Konvertierung zwischen verschiedenen Systemen.

Das zweite große Kapitel des Heftes beschreibt den Fall, wenn Abenteurer wirklich einmal längere Zeit in einer Stadt leben und sich - völlig ungewohnt - von "richtiger Arbeit ernähren müssen. Hier wird pro Woche auf der Spielwelt einmal mit einer 50/50-Chance bestimmt, ob ein Ereignis eintritt.

Abenteurer mit hoher Intelligenz dürfen die Chance nach ihrem Gutdünken um -20 bis +5 modifizieren. Was an besonderen Ereignissen eintritt, wird anschließend mit W% ausgewürfelt: Von Krankheiten über Diebstähle, das Schließen von Freundschaften und Heiratsanträge ist alles drin!

Leider berücksichtigt dieser Teil der Regeln im Allgemeinen nur unzureichend die speziellen Charakterzüge der Figuren und ihre speziellen Aktivitäten (ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß eine ansonsten hyperaktive Figur innerhalb weniger Tage zum normalen Bürger werden kann).

Ein besonderer Schwerpunkt in diesem Kapitel ist das Bestreiten des Lebensunterhaltes seitens der Figuren durch Arbeit, Glücksspiel, Investitionen etc.

Ein kleines Bonbon zum Schluß: Heiratet eine männliche Spielerfigur, kann sie ohne Probleme weiter auf Abenteuer ziehen, passiert dasselbe einer weiblichen, wird gewürfelt "ob sie ihrem Mann folgen muß" ...

TIDFORD -- STADT AM TUARISC heißt im Original von Raymond Feist und Stephen Abrams TULAN OF THE ISLES. In dieser Auflage ist die Stadt von der ursprünglichen Welt Midkemia nach Magira, der ehemaligen Midgard-Welt, transferiert worden.

Das Heft beginnt mit einer groben Beschreibung des Umlandes von Tidford, sowohl auf der albischen als auch auf der erainnischen Seite des Tuarisc. Ein erster Zoom zeigt die Lage der Stadt auf den Inseln wie auch auf dem Flußufer, die Handelsstraßen und Wege der Umgebung sowie einige Punkte (z.B. ein Vraidos-Kloster), die eigentlich als zur Stadt gehörend zählen können.

Nach einem kurzen Abriß der Geschichte, der sozialen und politischen Lage sowie der Religion von und in Tidford beginnt die Stadtbeschreibung Bürger und Gebäude, in der wirklich jedes Gebäude und jeder Stadtbewohner bis hin zum Hilfsgärtner eines Genossenschaftsaufsehers beschrieben sind ... ... und als ob das nicht genüge, sind im Anhang einige ungewöhnliche und interessante Charaktere nochmals näher beschrieben -- vom Flußschiffer Eadwain, der gerne falsch singt, über die Klatschbase Gwenifer bis hin zum Fürsten Gardwain MacConuilh. Nun ja, wie gesagt, Tidford ist nach meiner Meinung schon zu perfekt ausgearbeitet ...

Positiv beurteile ich die Liste der verfügbaren Lehrmeister in der Stadt (zu viele Spieler sind der Meinung, sie könnten üeberall alles und zwar beliebig perfekt lernen ...). Hier sind einmal die in dieser Stadt möglichen Höchst-Lernwerte angegeben !

Zwei Karten im A3-Format (Magira und Tidford) sowie ein Spielleiterschirm (allerdings ebenfalls noch von Magira) komplettieren diese Spielleiterhilfen.

Wie bereits gesagt, ich selbst bin nicht unbedingt ein Freund solcher genau ausgearbeiteter Städte, sie lassen dem Spielleiter nur wenig Freiraum beim Erschaffen neuer Szenarien oder auch nur bei der Durchreise durch eine solche Stadt.

Wer allerdings seine Stadt aus irgendwelchen Gründen nicht genau ausarbeiten will oder kann, für den ist Tidford eventuell ein gefundenes Fressen. Einige Geheimnisse sind auch in Tidford noch nicht hinreichend gelöst, so weiß (fast) niemand, was vor 150 Jahren im Alten Schloß der MacRochalls geschehen ist ...

Soviel für heute, das sollte reichen!


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Name: Bürger¸ Bettler¸ Beutelschneider (Tidford)

Art: Quellenmaterial für Midgard; 92 Seiten; Softcover;

Publikationsjahr: 1987

Preis: 11 Euro

Kontakt: VFSF
Homepage: www.midgard-online.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20