drosi.de | Rezensionen | Romane Fantasy | Shadowmarch 1: Die Grenze
Romane Fantasy - Shadowmarch 1: Die Grenze

Von der Entstehungsgeschichte dieses Werkes kann man sagen, dass es sich zunächst um einen mittleren (Schatten)Gewaltmarsch gehandelt hat. Die Idee begann Mitte der 1990er Jahre als Filmprojekt, welches nie verwirklicht wurde, und konkretisierte sich als Konzept für eine abendfüllende Fernsehserie. Leider blieb es bei dem Konzept, da die verschiedenen Produktionsfirmen den Wettbewerb mit bereits erfolgreichen (aber durchaus nicht vergleich-baren) Fantasy-Serien wie Xena scheuten und vielerlei Umwälzungen bei den Firmen dazu führten, dass das Projekt zwar optioniert, aber nie durchgeführt wurde.

Mit viel Investition an Zeit und Aufwand wurde dann aus der Schattengrenze ein Internetpro-jekt, von welchem einige vielleicht auch schon gehört haben. Unter www.shadowmarch.com konnte man die Anfänge der Geschichte um die Südmarkfeste lesen und die weiteren Aben-teuer abonnieren. Die Seite existiert heute noch, wenn auch nicht mehr in dieser Funktion, sondern als reine Info-Site zur Entstehung und Konzeption von Shadowmarch. Der man-gelnde Erfolg der Site motivierte Tad Williams schließlich dazu, Shadowmarch doch in Buch-form zu bringen – angereichert mit neuen Handlungssträngen und einigen weiteren Modifi-zierungen. Der erste Band erschien dann bei Tad Williams amerikanischem Hausverlag DAW im Jahre 2004. Das Ende des Gewaltmarsches, könnte man sagen. Natürlich aber auch nur, solange nicht irgendeine Produktionsfirma auf die Idee kommt, den Stoff nun doch zu verfilmen – wo doch Fantasy-Filme beim Publikum gerade so beliebt sind und recht or-dentlich Geld einspielen. Und sich Tad Williams Erzählungen grundsätzlich gut für Leinwand oder TV eignen. Schauen wir aber doch für´s erste nun einmal, was uns zwischen den Buchdeckeln erwartet:

Die politische Lage im Lande Eion ist instabil. Der König des Landes wird gefangen gehalten und muss gegen eine Summe ausgelöst werden, unter deren Beschaffung das ganze Land stöhnt. Kendrick, der älteste Sohn des Königs, übernimmt in Abwesenheit seines Vaters die Regierungsgeschäfte. Jedoch fällt Kendrick einem Attentat zum Opfer, und der Thron fällt an die Teenager-Zwillinge Briony und Barrick. Die beiden merken schnell, dass sie von nun an niemandem mehr über den Weg trauen können. Ein Netz aus Intrigen, Putschgeflüster, un-heilvollen Vorahnungen und komplizierter Verstrickungen bestimmt den Regierungsalltag der beiden unerfahrenen Regenten, die sehr unter dem Verlust ihres Bruders und der Abwesen-heit ihres Vaters leiden.
Natürlich ist dies der ideale Zeitpunkt für eine weitere Bedrohung, die für lange Zeit vergessen war: Die Zwielichter, ein uraltes und gefürchtetes Elbengeschlecht, welches jenseits der Schattengrenze in einem Land lebt, welches seinen eigenen seltsam-verwirrenden Gesetzen zu folgen scheint, fordert zurück, was ihnen vor vielen Menschengenerationen genommen wurde: Ihr Land, sprich, das Königreich Eion mit seiner Südmarksburg.
Inmitten dieses drohenden Chaos nimmt der Funderling Chert seiner Frau Opalia zuliebe ein Findelkind bei sich auf, welches eine kuriose Verbindung zu den alten Mysterien des Landes zu haben scheint. Auch Chaven, der Hofmagier und Leibarzt der königlichen Familie, weiß darüber weit mehr, als er zugeben möchte.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit der jungen Novizin des Bienentempels Quinni-tan. Sie wird von dem Gottkönig des Landes Xand Sulepsis auserwählt, eine seiner Frauen zu werden. Quinnitan fühlt sich alles andere als geehrt, der Autarch selbst flößt ihr große Angst ein, das Leben im Palast gleicht dem Durchwaten einer Schlangengrube, und sie wird seltsamen Ritualen unterzogen, ohne zu wissen, welchem Zweck diese dienen oder warum sie gerade dafür ausgewählt ist. Der liebeskranke Hauptmann Jeddin bringt sie mit der Of-fenbarung seiner Gefühle in Lebensgefahr – auch wenn Quinnitan seine Gefühle nicht erwi-dert. Quinnitan kann vor einem qualvollen Tod nach Hierosol fliehen. Dort ist König Olin ge-fangen, der sie durch Zufall sieht – und dem sie bekannt vorkommt…

Viele haben beim Erscheinen des ersten Bandes gejubelt, dass Tad Williams nun zu seinen Wurzeln zurückkehre, indem er nun endlich wieder ein Buch in der Tradition der "Drachen-beinthron"- Bücher schreibe. Das kann man aber nur zum Teil sagen, denn ein Unterschied ist deutlich spürbar. Sicher, das Setting der alten, geheimnisumwitterten Burg und ihre höfi-schen Bewohner lässt schon die eine oder andere Erinnerung an die Drachenbeithron-Trilogie aufkommen. Doch wo der Drachenbeinthron ein Bildungsroman über den jungen Seoman Schneelocke ist, ist Shadowmarch ein Schachspiel: Das Königreich Eion wird von mehren Seiten bedroht, genauso wie die Hauptakteure verschiedenen Bedrohungen und Machtgefügen ausgesetzt sind, die sie nur schwer oder gar nicht kontrollieren oder überbli-cken können. Das reicht von Quinnitans persönlichem Überleben angesichts der Aufmerk-samkeit des mächtigen Autarchen bis hin zum undurchschaubaren Zusammenhang zwischen dem Angriff der Elben und dem Schlaf der Götter. Auf allen Ebenen in allen Bereichen müssen sich die Protagonisten gegen unbekannte Mächte und deren Gefüge behaupten. Für den Leser ist dabei – wie in einem Krimi – ebenfalls interessant, wie denn nun am Ende alles zusammen hängt, und wer eigentlich welche Interessen verfolgt und welche Rolle spielt. Klar ist dies nur im Falle der Eddon-Familie, die gerne den Thron zurück hätte und ihr Land ge-schützt wissen würde.

Das Augenmerk liegt hier nicht mehr länger auf der Entwicklung eines Charakters oder allein der kunstvollen Erzählung einer guten Geschichte: Seit dem Blumenkrieg (der auch in der Zeit entstand, in der Shadowmarch als Buch konzipiert wurde), eigentlich schon seit Other-land, tritt die Thematik von Macht in den Vordergrund. Die Verstrickungen von Regierungs-interessen, Glaube, und dem Wunsch der Charaktere nach persönlichem Glück (oder viel banaler: dem Überleben), deuten ein anschauliches Drama an, welches von den Begehrlich-keiten in unserer Welt nicht allzu weit entfernt ist. Allerdings bleiben diesmal die Charaktere eigenartig flach, vielleicht auch, um die Thematik mehr in den Vordergrund zu rücken. Da ich aber finde, dass runde Charaktere durchaus mit aussagekräftigen Geschichten kombinierbar sind, gebe ich nur sechs von zehn Geisterpunkten.

Dies ist eine Rezension von



www.DRoSI.de
die beste Adresse,
seit es Rollenspiele gibt
© Copyright by Dogio
Rebecca Hagelmoser
von www.geisterspiegel.de
Mehr zum Thema
Links zum Thema
Diesen Artikel kaufen

Diesen Artikel kaufen

Qualität Text
Qualität Optik
Nutzen/Spaß
Gegenwert
Wie wird gewertet?

Name: Shadowmarch 1: Die Grenze

Art: Roman für Romane Fantasy; 812 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2005

ISBN-10: 3-60893-717-x

ISBN-13: 978-3-60893-717-6

Preis: 26.5 Euro

Kontakt: Klett-Cotta

[Dieses Fenster schließen]

5805 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Rezensionen bei drosi.de
Please note:
The names of all or most of the games and their logos on the subsequent pages are trademarks or registered trademarks of the owning company. Any use on this or subsequent pages should not be misconstrued as a challenge to said trademarks, nor as an attempt to infringe upon any copyrights that may be owned by said companies.
The drosi.de content and database is © 1998-2009 by Uwe 'Dogio' Mundt.
Letzte Änderung / Last modify: 2009-02-23