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Romane Horror - Bizarre Bibliothek: Haus an der Grenze

In einer abgelegenen Gegend Westirlands bezieht ein einsiedlerischer Mann ein altes, verrufenes Haus, das der Teufel selbst errichtet haben soll. Für diese Theorie der Einheimischen gibt es Gründe, denn der erschrockene Neubürger sieht sich plötzlich von bösartigen, gänzlich unirdischen Schweinewesen belagert. Als er diese knapp zurückgeschlagen hat, verwandelt sich das Haus selbst in ein Portal, durch das unser Pechvogel in eine fantastische Reise durch Zeit und Raum gerissen wird.

Er erlebt eine sich über Jahrmillionen erstreckende Vision vom allmählichen Ende der Erde und des Sonnensystems, bereist als Geistwesen fremde Dimensionen, trifft seine verstorbene Geliebte wieder, entdeckt immer neue Hinweise darauf, dass am Anfang und Ende allen Seins offenbar das verfluchte Haus steht. Nach seiner Rückkehr in die Gegenwart bieten die rätselhaften Mächte der Finsternis einen wahrhaft furchtbaren Gegner gegen ihn auf, dem er sich zum aussichtslosen Kampf auf Leben und Tod stellen muss.

Nur vier längere Novellen bzw. Kurzromane hat William Hope Hodgson in seiner allzu kurzen Schriftstellerkarriere verfasst. Sie gehören ausnahmslos zu den ganz großen Werken der angelsächsischen Phantastik. "Das Haus an der Grenze" ist eine außergewöhnliche Mischung aus Horror, Abenteuer, Fantasy und Science-Fiction, die zum Zeitpunkt der Entstehung noch nicht einmal so genannt wurde.

Man ist erstaunt, wie bekannt uns viele Elemente der Handlung aus späteren Romanen und Erzählungen vorkommen. Aber ähnlich wie H. G. Wells gehört eben auch Hodgson zu den vielen Vätern der SF. Er hat die astronomische Fachliteratur seiner Zeit offensichtlich genau studiert. (Wenn auch womöglich nicht richtig verstanden: Seine Reise durch das gegenwärtige und zukünftige Sonnensystem weist aus wissenschaftlicher Sicht gewisse Alterserscheinungen auf, um es vorsichtig auszudrücken, aber das wird mehr als wettgemacht durch die unglaubliche Wortgewalt, mit der sie der Verfasser in Szene setzt.) Zwar lässt er seine "Außerirdischen" im Ambiente der viktorianischen Gruselliteratur auftreten. Zwanzig Jahre später hätte Hodgson dies vermutlich schon viel vertrauter im Stil der "Pulp"-Magazine gestaltet; er war ein Schriftsteller, dem der Publikumserfolg am Herzen (und an der Geldbörse) lag.

Eine hoch komplexe, intensive und buchstäblich mitreißende Lektüre bietet "Das Haus an der Grenze" auch heute noch. Mit dokumentarischer Präzision und poetischer Eindringlichkeit gleichzeitig entführt uns Hodgson in Raum und Zeit. Er zeigt sich dabei als Visionär, dessen Bilder kraftvoll und einprägsam sind. Dabei verlangt er viel Aufmerksamkeit vom Leser. Besonders, als die Welt in fernster Zukunft buchstäblich untergeht, sich alle bekannten Strukturen auflösen und verändern, gilt es Wort für Wort zu studieren. Dem Anlass ist das aber wohl durchaus angemessen.

Besondere Anziehungskraft gewinnt "Das Haus an der Grenze" auch durch seine eigentümliche Struktur. Die Geschichte des stets namenlos bleibenden Einsiedlers wird uns als Tagebuchaufzeichnung verkauft, die zwei Reisende viele Jahre nach dem Geschehen in den Ruinen des Teufelshauses finden und später an W. H. Hodgson weitergeben, der sie herausgibt (und dabei mit einigen Kommentaren versieht). Sie bleibt Fragment; die Witterung hat Teile der Chronik zerstört. Vor allem aber berichtet der Erzähler nur. Er interpretiert selten oder gar nicht, weil er selbst die Zusammenhänge niemals begreift. Wieso gibt es auf einem fremden Planeten ein exaktes Duplikat des Hauses? Wer hat es aus welchen Gründen gebaut? Woher kommen die Schweinewesen wirklich? Fragen reihen sich an Fragen und bleiben letztlich unbeantwortet.

Erstaunlicherweise stört das ebenso wenig wie die fast gänzliche Abwesenheit von "Action". Gerade Erklärungen sind der Tod so mancher phantastischen Erzählung. Lässt man dem Leser Raum, sich seine eigenen Lösungen auszudenken, bezieht man ihn ein und steigert die Faszination, die immer auch aus der nie gänzlichen Sicherheit, ob man richtig liegt, entstehen kann. (Diese kritische Deutung ist jedenfalls freundlicher als der Hinweis darauf, dass die längeren Arbeiten Hodgsons sämtlich recht episodisch wirken - der Mann wollte oder konnte offensichtlich keine roten Fäden legen ...)

William Hope Hodgson wurde am 15. November 1877 in Blackmore End, Essex, England, als eines von zwölf Kindern geboren. Sein Elternhaus verließ er früh, um zur Handelsmarine zu gehen. Zwischen 1891 und 1904 fuhr er zur See, konnte sich aber nie an die Brutalitäten und Ungerechtigkeiten an Bord, den Schmutz oder die Gefahren gewöhnen. So musterte er ab und eröffnete in Blackburn nahe Liverpool ein Studio für Bodybuilder. Das Geschäft lief schlecht, aber Hodgson schrieb viele Artikel über seine Arbeit und begann über eine Karriere als Schriftsteller nachzudenken. Seine Jahre auf den Weltmeeren lieferten ihm genug Stoff für phantastische Seespukgeschichten. Mit "A Tropical Horror" debütierte Hodgson 1905 in "The Grand Magazine".

1907 folgte der Episodenroman "The Boats of the 'Glen Carrig'" (dt. in "Stimme in der Nacht", Suhrkamp Taschenbuch Nr. 749/64, neu aufgelegt als Nr. 2709/340), ein erstes längeres Werk. 1908 erschien "The House on the Borderland", mit dem Hodgson bewies, dass er auch auf dem trockenen Land Angst und Schrecken zu verbreiten wusste. "Carnacki, the Ghost Finder" betrat die literarische Bühne 1910. Zwei Jahre später erschien Hodgsons episches Hauptwerk: "The Night Land", eine Geschichte aus fernster Zukunft, die viele brillante Stimmungsbilder aus "The House on the Borderland" aufgreift und vertieft.

Hodgson heiratete 1913 und zog mit seiner Gattin nach Südfrankreich. Er schrieb nur noch wenig. Bei Kriegsausbruch 1914 ging er nach England zurück und wurde als Offizier der Royal Field Artillery zugeteilt. Eine schwere Kopfverletzung auf dem Schlachtfeld überlebte er knapp und kehrte an die Front zurück. Hier traf ihn am 17. April 1918 ein deutsches Artilleriegeschoss. Er war sofort tot.

Der recht kritische H. P. Lovecraft (1890-1937) rühmte Hodgsons Idee des "kosmischen Schreckens" und ließ sich für die eigene Cthulhu-Saga inspirieren. Wäre Hodgson ein längeres Leben vergönnt gewesen, hätte er vielleicht wie Lovecraft Bezüge zwischen seinen literarischen Welten hergestellt und einen Kosmos mit eigenen Regeln geschaffen. Ansätze dazu finden wir z. B. in den mysteriösen Schweinewesen, die auch dem "Geisterfinder" Carnacki, den Hodgson in einer ganzen Serie von Kurzgeschichten auftreten ließ, zu schaffen machen.

W. H. Hodgson wird in seiner englischen Heimat als großer Erzähler in Ehren gehalten. Seine Werke wurden fast vollständig ins Netz gestellt und lassen sich auf diese Weise leicht im Originalton lesen. "Das Haus an der Grenze" ist z. B. unter http://eserver.org/fiction/borderland zu finden. Die Lektüre verrät die Herausforderung, vor welche der deutsche Übersetzer gestellt wurde. Er hat seine Arbeit gut gemacht und balanciert behutsam zwischen dem eigentümlich altmodischen Tonfall, den Hodgson seinem ältlichen, im Stil des späten 18. Jahrhunderts schreibenden Protagonisten unterlegt, und dem Duktus der Gegenwart, der vor allem den jüngeren Lesern dieses komplexe und - sprechen wir es offen aus - schwierige Werk näher bringen kann.

Eine ausführliche Beschreibung von Leben und Werk des William Hope Hodgson gibt http://www.creative.net/~alang/lit/horror/hodgson.sht.

Eine Rezension von



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Michael Drewniok
von www.buchwurm.info/
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Name: Bizarre Bibliothek: Haus an der Grenze

Art: Roman für Romane Horror; 174 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-93582-242-1

ISBN-13: 978-3-93582-242-8

Preis: 13 Euro

Kontakt: Festa
Homepage: www.festa-verlag.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20