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Romane SciFi - SYNDIC 1: Geheimprojekt Exodus

... so nennt sich die SF-Romanserie, die zuerst testweise als Online-Serie unter der Schirmherrschaft des HJB-Shops von Conrad Shepherd verfaßt wurde. Hinter dem bekannten Pseudonym verbirgt sich der Autor Konrad Schaef, der eben diesem Namen für bekannte Serien wie Perry Rhodan und Atlan schrieb.

Inhaltlich wird einiges versprochen: "... kompromißlose Science Fiction ohne Zeitgeistheuchelei, wie sie heute nur noch selten geschrieben wird." - Große Worte, doch schon auf der Titelseite drängt sich mir eine andere Deutung dieser Ankündigung auf, als die Macher vermutlich im Auge gehabt hatten. "Kompromißlose Science Fiction", nun, das mag sein, ist aber heutzutage sicher kein Ausdruck von Qualität mehr. Das Ergebnis ist dem entsprechend auch ernüchternd: Selbst der schlechteste B-Heuler ist kompromißloser als die altbackene Action-SF, die sich dem Leser beim Weiterlesen auftut.

Was die Formulierung "ohne Zeitgeistheuchelei" angeht, kann man diese getrost als Griff ins WC betrachten, denn Eines ist eindeutig: SYNDIC orientiert sich sehr stark an us-amerikanischen Vorbildern, die zu vertreten sicher nicht unter diese selbstgestellte Anforderung fällt. Außerdem geht der Zeitgeist durchaus in Richtung Endzeit, was die Serie noch weniger innovativ macht. Mich würde sehr interessieren, von was sich die Serie bitteschön abheben soll.

Auch an sonstigen Klischees wird nicht gespart: Der Held der Serie ist Morton Conroy, ein Ex-Sträfling (Das hatten wir ja auch noch gar nicht ...) und auch Ex-Soldat (Natürlich ...). Erwähnte ich schon, daß er ein ganz harter Knochen ist? - Ist er, und damit der richtige Mann für das neue und titelgebende Spezialkommando S.Y.N.D.I.C.. Dieses Kommando hat nun die löbliche Aufgabe, in einer Welt nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft und der Herrschaft von Kriegsherren und Kartellen (Klar, gerade die sind nach Wirtschaftskrisen immer massiv auf Zack ...) das Licht der Zivilisation hochzuhalten. Dieses geht selbstverständlich von den "Free Staates of America" (Die "Staates" sind kein Schreibfehler meinerseits, ich zitiere wörtlich ...) aus, was uns spontan wieder zur angeblich abwesenden Zeitgeistheuchelei bringt.

Auch mit der Logik tut sich die Serie etwas schwer, wie ja bereits die Kartellherrschaft nach der Wirtschaftskrise beweist. Doch nicht nur das, da wird mal eben ein Gefängnis auf dem Mond errichtet, was ja eine überaus ökonomische Lösung ist, bedenkt man die Kosten, die es verursacht, nur einen medizinballgroßen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Andererseits hat der Gedanke etwas durchaus Verführerisches, da auch in mir zeitweise das Bedürfnis wächst, gewisse Leute auf den Mond zu schießen.

Möglicherweise in dem Bewußtsein, thematisch vielleicht doch auf dem falschen Dampfer zu sein, hat ein Profi wie Conrad Shepherd natürlich eine Lösung in Form von Zitaten bereit, von denen jeweils eines den Kopf jedes Kapitels ziert und den inhaltlichen Anspruch ungemein erhöht. Ich kann mir auch vorstellen, daß er das Tao zuerst zitiert, um in geschickter Weise davon abzulenken, daß Rußland und China als Gegenspieler, auch wenn er netterweise und fiktiv-politisch Europa beifügt, ein Überbleibsel des Kalten Krieges sein dürften. Wenn mit Vermeidung von Zeitgeistheuchelei gemeint sein sollte, daß die politischen Veränderungen der letzten Jahre mal eben unter den Tisch gekehrt werden, dann heuchele ich für meinen Teil lieber noch ein bißchen weiter. Damit es allerdings nicht zu kompliziert wird, wird aus dem Nahen Osten und Nordafrika mal eben eine radioaktive Wüste gemacht; der Rest von Afrika scheint ohnehin zu vernachlässigen zu sein.

Der aufmerksame Leser glaubt nun möglicherweise, im stilistischen Bereich Satisfaktion zu erlangen und die ersten Zeilen deuten durchaus darauf hin, man gewinnt sofort den Eindruck, daß hier jemand am Schreiben war, der dieses Handwerk gründlich gelernt hat. Leider endet dieser Eindruck bereits bei den ersten tiefgründigen Dialogen, die sich auf dem Niveau einer schlechteren Vorabendserie bewegen. Auch inhaltlich tun sich Abgründe auf: So wird offenkundig jemand mit großem Aufwand betäubt und entführt, um kurz nach dem Erwachen in mysteriöser Umgebung von einem Söldner getötet zu werden ... Eine überaus durchdachte Handlungsweise, auch wenn der Eine oder Andere sicher überzeugt ist, daß man das auch weniger umständlich hätte haben können. Der Söldner ist übrigens eine genetische Züchtung (Siehe "ohne Zeitgeistheuchelei ...), ein sogenannter Hybrid, wobei offen bleibt: Ein Hybrid aus was? Biologische Aspekte scheinen ohnehin nicht die Stärke der Serie zu sein, gönnt sie sich doch auch Charaktere, die nach einem Tritt in den Solarplexus noch kreuchen können.

Damit der Leser nicht vergißt, daß er sich in einer SF-Serie und nicht in einer Agentenparodie befindet, wird durch dezente Hinweise wie "futuristische Kuppel" und dem exzessiven Gebrauch von SciFi-Schlagwörtern wie z.B. "Shuttleport" daran erinnert. Überhaupt wird technisch gar heftig vom Leder gezogen, so dürfen zum Beispiel die allseits beliebten Kraftfelder nicht fehlen, für deren Entwicklung man in den zehn Jahren nach dem Kollaps sicher unheimlich Zeit, Mittel und Grund hatte und die im Kontext der Serie eher einen Stilbruch darstellen. PR-Autor, bleib' bei Deinen Leisten, sage ich da nur.

Der erste Charakter, der eingeführt wird und nicht sofort darauf stirbt, nennt sich Julee Camara und gleich darauf werden einem auch die höchst wichtigen Informationen zuteil, daß das Mädel über ein "wohlgeformtes Näschen" verfügen darf und sich mit schwingenden Hüften bewegt. Dem aufmerksamen Leser fällt messerscharf auf, daß der Charakterisierung damit niemals Genüge getan worden sein kann, weshalb gleich darauf eine etwas ausführlichere Beschreibung folgt, die jedem Bestandskatalog einer osteuropäischen Frauenschlepperbande zur Ehre gereichen würde. Beruhigenderweise wird der Leser mit so vielen visuellen Reizen nicht allzu lange überflutet, denn auch hier hat die bereits um kontinentale Bevölkerungen reduzierte Menschheit alsbald einen weiteren Todesfall zu beklagen, eingeschlossen noch ein paar hundert Randopfer, die allerdings auch keine größere Rolle als die Trägerin des wohlgeformten Näschens spielen. Langsam glaubt auch der Skeptiker, daß die Bösen wirklich verdammt böse sind.

Wohl wissend, daß diese Rezension durch allzu großen Umfang genauso ermüdend und frustrierend wäre wie ihr Anlaß, möchte ich nun auch zum Ende kommen. Wer die Serie nicht kennt, hat nicht wirklich etwas verpaßt und braucht um keine Zeile betrübt sein. Traurig ist nur, daß ein solches Machwerk einem Profi wie Konrad Schaef unterlaufen muß.

Eine Rezension von



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    Name: SYNDIC 1: Geheimprojekt Exodus

    Art: Roman für Romane SciFi; 176 Seiten; Taschenbuch;

    Publikationsjahr: 2004

    ISBN-10: 3-93051-512-1

    ISBN-13: 978-3-93051-512-7

    Preis: 11 Euro

    Kontakt: HJB
    Homepage: www.hjb-shop.de/

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    Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20