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Hoerbuecher Horror - Friedhof der Kuscheltiere

Der pure Horror: Manchmal kommen sie wieder ...

Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an den Film "Friedhof der Kuscheltiere"? Vielleicht sogar an dessen Fortsetzung von 1992? Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) produzierte 1999 ein stimmungsvolles Hörspiel, das dem Film durchaus das Wasser reichen kann - und das es seit einiger Zeit auch auf CD gibt.

Tatsächlich dringt der Horror des Endes noch stärker zum Zuhörer durch, denn keine Bilder bevormunden seine Vorstellungskraft - diese wird vielmehr selbst aktiv, wodurch der Horror umso unmittelbarer wirkt.

Tierliebhaber seien gewarnt: Wiederauferstandene Katzen gehören nicht ins Haus oder in die Nähe von Kindern!

Der Autor

Was kann man noch über Stephen King, einen der erfolgreichsten Autoren der Welt, sagen, was nicht schon jeder weiß? Er hat 1973 seinen ersten Roman, "Carrie", verkauft, den er nachts in einem Wohnwagen schrieb, während er tagsüber als unterbezahlter Englischlehrer arbeitete. Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt. Die wikipedia hält reichlich Informationen zum Autor und seinem Werk für den Interessierten bereit.

Die Sprecher

Zu den Sprechern gehören Lászlo Kish, Christin Marquitan, Manfred Steffen und andere. Lászlo Kish spielte als Kommissar in diversen Tatort-Krimis mit. Manfred Steffen vermittelt den alten, väterlichen Nachbarn Jud hervorragend.

Handlung

Als neuer Universitätsarzt zieht der junge Louis Creeds (ein sprechender Name, denn "creed" bedeutet 'Glaube') mit seiner Frau Rachel, seiner Tochter Ellie und seinem Sohn Gage nach Ludlow, Maine. Ein wunderbares Haus in einer herrlichen Landschaft erwartet die Familie. Einziger Haken: Das Haus liegt direkt an einer viel befahrenen Landstraße, auf der Tanklaster und so weiter vorüberdonnern. Rachel macht sich große Sorgen. Als sie noch klein war, starb ihre Schwester Zelda, und seitdem macht sie sich deswegen Vorwürfe. Sie weigert sich sogar strikt, über die Tatsache des Todes auch nur zu reden.

Ein erstes Opfer der Straße landet auf Lous Operationstisch. Der junge Victor Pascoe scheint aber seltsamerweise schon vor seinem Unfall tot gewesen zu sein. Und er warnt Lou eindringlich vor dem hinteren Teil des Friedhofs der Kuscheltiere ...

Schon bald wird die geliebte Katze der Creeds, Winston Churchill, überfahren. Die Beerdigung des Tierchens im hinteren, abgesperrten Teil des uralten, geheimnisvollen Indianerfriedhofs, den die Dorfkinder auf einem Schild als "Pet Sematary" (Schoßtierfriedhof) bezeichnet haben, bleibt nicht ohne Folgen. "Church" (= Kirche) kehrt lebendig zurück, ein bisschen aggressiv und nicht nur ein bisschen böse. Und da das Tier ganz und gar nicht gut riecht, bittet Ellie, das Viech rauszuschmeißen. Das hindert es aber nicht daran, zurückzukehren.

Der nette Nachbar der Creeds, Jud Crandall (Manfred Steffen), erzählt Lou nach ein paar freundschaftlichen Bieren, dass es nicht immer nur Tiere waren, die im abgesperrten Bereich des Friedhofs beerdigt worden waren. Jud selbst begrub dort im Jahr 1930 seinen geliebten Hund Spot. Aber als der Zweite Weltkrieg Leichen zurück nach Ludlow brachte, konnte der alte Betterman den Tod seines Sohnes Tim nicht verwinden. Jud und seine Freunde wurden eines Tages gerufen, um einen Zwist im Hause Betterman zu schlichten: Da war der alte Betterman, aber auch sein Sohn Tim, und der roch weder gut noch sah er sehr appetlich aus. Zwei Tage später sei das Betterman-Haus niedergebrannt. - Eine deutlichere Warnung könnte Jud eigentlich nicht aussprechen.

Aber dann wird auch Louis' und Rachels innig geliebter Sohn Gage ein Opfer des Straßenverkehrs, und der Horror kann beginnen. Denn weder Lou noch Rachel sind in der Lage, sich mit seinem Tod abzufinden. Sobald er Rachel mit Ellie zu ihren Eltern nach Chicago geschickt hat, denkt Lou darüber nach, wie er die Wiederaufstehung in die Hand zu nehmen hat.

Leider hat er in seinen Plänen nicht berücksichtigt, dass Ellie immer wieder prophetische Träume hat. Sie kann ihre Mutter dazu bewegen, in ihr Haus in Ludlow zurückzukehren. Was sie dort erwartet, soll hier nicht verraten werden.

Mein Eindruck

"Friedhof der Kuscheltiere" ist sozusagen Stephen Kings schaurige Variation der alten Lazarus-Geschichte. Während der Schauplatz, gewissermaßen die Bühne des Geschehens, äußerst realistisch geschildert ist, verbreiten die eigentlichen Ereignisse das Gefühl, es mit etwas Unheiligem zu tun zu bekommen.

Wie sein Name schon sagt, ist Creed der Vertreter des rechten Glaubens, der durch die Liebe zu seinem Sohn vom Glauben abfällt, so dass er einen unheiligen Akt begeht, der fürchterliche Folgen zeitigt. Sein Kater Winston Churchill trägt nicht umsonst den Kosenamen Church. Die Kirche bzw. ihr orthodoxer Glaube sowie ihre Anweisungen für ein gottgefälliges Leben gehen nämlich mit dem Begraben Churchs und seiner Wiederauferstehung als Erstes über Bord. Aber warum sind die Zombies allesamt böse?

Nun wird es knifflig. Victor Pascoe und Jud Crandall warnen Lou Creed eindringlich. Dennoch schlägt er ihre Warnungen in den Wind. Warum? Weil er die spirituelle Instanz nicht anerkennt, die im hinteren Teil des Friedhofs waltet: der boshafte Indianergeist des Wendigo. Hier bestatteten die Micmac-Indianer ihre Toten. Aber es ist gut möglich, so Crandall und Creed, dass diese Stätte schon vor 2000 Jahren oder noch früher benutzt worden war. Und damals herrschten vielleicht noch schlimmere Geister als der Wendigo.

Lou spielt also ganz bewusst mit dem Feuer. Obwohl er als weißer Christ keine Ahnung von den indianischen oder "heidnischen" Totengeistern hat, will er sich ihr Wirken nutzbar machen, indem er ihnen seinen Sohn bewusst opfert, als wäre er Abraham und sein Sohn Isaak. Doch er kennt nicht den Preis, den er für dessen Wiederauferstehung entrichten muss.

Man könnte also die Geschichte als religiöses Gleichnis deuten. Das soll den Zuhörer aber nicht daran hindern, die Geschichte intensiv zu erleben und den Grusel immer wieder von neuem zu genießen.

Die Sprecher, die Musik, der Sound, die Hülle

Alle Sprecher, selbst die ganz jungen, klingen wie professionelle Schauspieler. Lászlo Kish, Christin Marquitan und Manfred Steffen sprechen die Hauptrollen. Bei Marquitan und Steffen hatte ich das Gefühl, eine Filmszene anzuhören, so realistisch spielen sie ihre Rollen. Kish ist ein Sonderfall: Er ist gleichzeitig auch der Ich-Erzähler, und wir verfolgen neunzig Prozent des Geschehens durch seine Wahrnehmung. Nur gegen Ende wechselt der Blickpunkt zu Rachel und zu Jud. Die ausgefuchste Szenengestaltung stammt von Gregory Evans, Regie führte Johann M. Kamps.

Die Musik von Renaud Garcia-Fons erklingt in Stereo und setzt erstens auf den dezent aufspielenden Kontrabass und zweitens auf die ausgetüftelten Soundeffekte, die besonders in den Friedhofszenen einen gruseligen Rundumeindruck liefern. Dies schafft perfekt jene unheilvolle Atmosphäre, aus der dann die grausigen Szenen des Endes hervorbrechen. Ich konnte mich jedenfalls eines nicht ganz wohligen Schauderns erwehren. Zusammen mit der Stimme des völlig durchgeknallten Louis Creed geht das ganz schön an die Nerven. Und selbst die letzte Dialogzeile hält noch einen Schock bereit. Klasse!

Die Hülle für die CDs ist aus Pappe und bedruckt. Die Vorderseite zeigt eine Filmszene aus "Pet Sematary 2": den Eingang zum Friedhof, in dem ein Junge steht. Die Rückseite bietet diverse Infos.

Unterm Strich

Auf nur drei CDs - insgesamt 180 Minuten - entwickelt das Hörspiel eine derartig unheilvolle Stimmung, dass es für so manchen Zuhörer zu viel sein könnte. Dabei treten die echten Horrorszenen erst im letzten Drittel auf. Die Spannung, was nun mit den einzelnen Zombies und mit Lou Creed geschieht, bleibt bis zur letzten Zeile aufrechterhalten.

Eine Rezension von



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Michael Matzer
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Name: Friedhof der Kuscheltiere

Art: Hoerbuch für Hoerbuecher Horror; 3 Audio-CDs;

Publikationsjahr: 1999/2003

ISBN-10: 3-89940-257-x

ISBN-13: 978-3-89940-257-5

Preis: 25 Euro

Kontakt: Dhv - der Hörverlag
Homepage: www.hoerverlag.de/

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20