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Romane SciFi - AVP - Alien vs. Predator (1)

Der unermessliche reiche, mächtige und undurchsichtige Industriemagnat Charles Bishop Weyland heuert die besten Archäologen, Historiker und Naturwissenschaftler an. Er will mit ihnen eine mysteriöse Pyramide erkunden, die in der Antarktis zum Vorschein gekommen ist und offenbar vor Jahrtausenden von einer völlig unbekannten Kultur errichtet wurde. Die Zeugen dieser Urzeitzivilisation finden die Forscher im Untergrund – als Skelette und Mumien, deren Ende sichtlich nicht friedlich war. Diese Sensation wird weit überboten, als Weyland und seine Begleiter die versteinerten Überreste einer außerirdischen Kreatur entdecken.

Leider stellt sich rasch heraus, dass diese keineswegs tot ist, sondern nur in einer Art Winterstarre auf neue Opfer gewartet hat. Die insektenhafte "Alienkönigin" beginnt sogleich mit dem Legen neuer Eier. Daraus schlüpfen gruselige Winzmonster, die sich in Windeseile in gepanzerte Riesenkiller verwandeln, in deren Adern zudem ätzende Säure kreist. Die Neuankömmlinge werden als willkommene Beute in Empfang genommen.

Während die Aliens das Forscherteam verfolgen, landet ein Raumschiff. An Bord: eine weitere außerirdische Spezies, die "Predatoren", leidenschaftliche Jäger, die seit Äonen immer wieder die Erde anfliegen, um hier Aliens nachzustellen und ihre Schädel als Trophäen zu nehmen. Die Menschen geraten zwischen Hammer und Amboss; alles rennt, rettet, flüchtet sich, denn sobald Aliens und Predatoren es ausgekämpft haben, werden die Sieger sich ihren "Besuchern" widmen, was diese schwerlich überleben werden ...

"Alien vs. Predator" ist das "Buch zum Film", ein "tie-in"-Roman, wie der Fachmann es bezeichnet. Wer es (aus reichlich unerfindlichen Gründen) schätzt, noch einmal nachzulesen, was er (oder sie) gerade auf der großen Leinwand oder auf dem Bildschirm gesehen hat, ist mit dieser Literaturform gut bedient. Der Nicht-Kinogänger oder der Science-Fiction und dem Horror abholde Zeitgenosse macht besser genauso einen großen Bogen um dieses Buch wie der Freund einer "richtigen" Geschichte.

Als Abfallprodukt zum Film von 2004, das zudem aus einem Drehbuch des nicht für cineastische Geistesblitze bekannten Regisseurs Paul W. S. Anderson destilliert wurde, kann sich "Alien vs. Predator" allerdings sehen bzw. lesen lassen, auch wenn "AvP" (wie das Werk von den Marktstrategen geheißen wurde, die damit ein "Markenzeichen" etablieren möchten, zu dem es sogar ein lächerlich pompöses Logo gibt) weder ein Film noch ein Roman ist, für den einem der Begriff "originell" in den Sinn käme. Dies liegt auch gar nicht im Interesse seiner Schöpfer (bzw. Hersteller), die vor allem viel Geld verdienen wollen, ohne dafür allzu großen Aufwand treiben zu müssen. An den Tricks wurde gespart, an den Schauspielern und an der Story. Alles macht sich durchaus unschön bemerkbar, wobei das Buch natürlich vor allem Letzteres offenbart.

Dies ist typische Franchise-Politik – Doppel-Franchise sogar, denn "AvP" versucht das Beste zweier erfolgreicher moderner Mythenwelten auszuschlachten: Vier Filme um die säureblütigen "Aliens" und zwei Abenteuer mit dem "Predator" gibt es. Beide Geschöpfe haben ihre Fans, die gern Neues über ihre Helden erfahren (und dafür zahlen) möchten. Bisher ging das nur per Game oder Comic, aber das reicht dem wahren Anhänger auf Dauer nicht. "Alien" oder "Predator" allein erschien wiederum der Filmindustrie zu riskant. Also wurden die beiden Ungetüme einfach aufeinander losgelassen. Dieser "Aha!"-Effekt ist nach Ansicht der Franchise-Fürsten anscheinend des Guten genug.

Dass diese Rechnung aufgehen könnte, belegen die Monster-Rumbles der jüngeren und älteren Filmgeschichte. Gerade balgte sich Freddy Krueger ("Nightmare on Elm Street", 8 Teile) mit Jason Vorhees ("Freitag der 13te", 10 Teile) in "Freddy vs. Jason" (2003), und Graf Dracula wollte mit Hilfe von Frankensteins Monster und der Unterstützung des Wolfsmenschen Unheil über die Menschheit bringen ("Van Helsing", 2004). Ähnliches ist schon in den 1940er Jahren mehrfach geschehen. ("Frankenstein Meets the Wolfman", 1943; "House of Frankenstein", 1944 – zwar ohne Frankenstein, aber mit Dracula und dem Wolfsmenschen; "House of Dracula", 1945 – mit Dracula, dem Wolfmenschen und Frankenstein). (Hoffentlich enden die Aliens und der Predator nicht genauso kläglich wie einst die großen alten Monster – als Lachsäcke für witzlose Pausenclowns wie Abbott & Costello : "A. & C. Meet Frankenstein", 1948; "... Meet Dr. Jekyll and Mr. Hyde", 1953; "... Meet the Mummy", 1955 usw.)

Aber zurück zu "AvP" literarisch. Verfasser Cerasini hat sich ins Zeug gelegt und die dürre Story, die sich in endlosen Keilereien zwischen Aliens, Predatoren und Menschen erschöpft, durch eigene Kapitel ergänzt und durch informative Einschübe zu den Kulturen der beteiligten Außerirdischen aufgewertet. Dass die Predatoren dabei besser wegkommen, liegt in ihrer Natur – sie sind individueller und nach dem Willen Andersons (der dafür ordentlich Fankritiker-Schelte bezog) auch schlauer als die Aliens – die hier zu reinen Prügelknaben degradiert werden -, was sie einfach interessanter wirken lässt. Einer der Predatoren trägt sogar einen Namen: "Scar" wird er sinnigerweise genannt.

Als Predatoren und Aliens endlich aufeinander treffen, ist die Geschichte eigentlich vorbei. Bis zu diesem Punkt hat Cerasini detailreich und stimmungsvoll die Story entwickelt und vorangetrieben. Jetzt zerfällt sie in eine ständige Hetz- und Metzeljagd. Kein Wunder, dass dieser Strang nicht einmal ein Drittel des Romans einnimmt! Hier gibt es einfach nichts zu erzählen, sondern nur mehr zu sehen, was ja die Primäraufgabe eines Kinofilms ist. Das Lesen fällt folglich schwer bzw. reduziert sich auf ein Überfliegen des (übrigens auch auf Zelluloid wenig mitreißend inszenierten) eindimensionalen Restgeschehens. Ein "offenes" Ende darf selbstverständlich nicht fehlen - klingelt’s ordentlich in der Kasse, ist eine Fortsetzung so gut wie sicher!

Namen benötigt das "AvP"-Personal ansonsten eigentlich nicht, das hier vor allem den Aliens und Predatoren vorgeworfen wird. Anders als im Film müht sich Cerasini redlich, Charles Weyland und seinen Teamkameraden wenigstens ein knappes Profil auf den Leib zu schreiben, um sie unterscheidbar zu machen. Nur um Personen, die uns ans Herz gelegt wurden, können wir Leser (und Zuschauer) bangen, sie hassen oder ihr Ende bedauern.

Nichts konnte Cerasini an Andersons grundsätzlichen Charakterzeichnungen aus zweiter Hand ändern. Zu ihrem Auftritt muss man stets das Lied von den "Zehn kleinen Negerlein" im Hinterkopf erklingen lassen: Sie sollen effektvoll flüchten, kämpfen, sterben. In einer solchen Geschichte vermisst man freilich keine Ellen Ripley mit Ecken und Kanten. Deshalb erfüllen der Finanzmagnat mit Forscherherz (Charles Weyland), die taffe Naturschutz-Aktivistin (Alexa Wood) oder der mit allen Grabkammerwassern gewaschene Archäologe (Sebastian de Rosa) vollauf ihren Zweck.

Marc Cerasini (geb. 1952) ist kein Autor, dessen Namen man sich bisher merken musste oder konnte, obwohl er seit mehr als zwanzig Jahren als Herausgeber, (Drehbuch-)Autor oder Filmberater tätig ist. Daran wird sich zukünftig wenig ändern, denn er gehört zum großen Heer der eher namenlosen Fußarbeiter unserer schönen neuen Multimedia-Welt, die ein "Produkt" mit allerlei massenmarkttauglichem Merchandising-Schnickschnack aufpolstern. "Alien vs. Predator" erlebt nicht nur als Film seine Premiere. Gleichzeitig werden Actionfiguren, Games, Kaffeetassen und eben das "Buch zum Film" feilgeboten.

Cerasini gehört zu denen, die solches Beiwerk rasch und anspruchslos "produzieren". Eigene Ideen sind nur bedingt realisierbar, es gilt nach den Vorgaben der Vorlage sowie der Marktforscher zu arbeiten. So finden wir in Cerasinis mehr als vierzig Titel umfassender "Bibliografie" Werke wie "The Official Godzilla Compendium", "Spongebob Squarepants Movie: A Novelization of the Hit Movie" oder unzählige, auf jugendliche Leser zugeschnittene "Star Wars"-Histörchen. Dazu kommen obskure Non-Film-"Sachbücher" wie "Heroes: U. S. Marine Corps Medal of Honor Winners" oder "The Complete Idiot’s Guide to the U. S. Special Ops Forces".

Allen diesen Werken sind ihr geringer echter Informationswert und ihr frühes Verfallsdatum gemeinsam. Sie sollen den schnellen zusätzlichen Dollar bringen (während sich ihr Käufer später schämt und wundert, wieso er gutes Geld für solchen Plunder heraus geworfen hat). "Alien vs. Predator", das Buch, gehört noch zu den Anschaffungen, über die der Fan nachdenken könnte, weil ihm ein eigenständiger Unterhaltungswert innewohnt. Ein Muss für den Genrefreund ist "AvP" aber nicht – als Buch und als Film.

Eine Rezension von



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Michael Drewniok
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Name: AVP - Alien vs. Predator (1)

Art: Roman für Romane SciFi; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-83321-145-8

ISBN-13: 978-3-83321-145-4

Preis: 10 Euro

Kontakt: Panini Comics
Homepage: www.paninicomics.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20