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Hoerbucher Horror - John Sinclair 39: Schreie in der Horror-Gruft

Techtelmechtel und Keilerei unter Untoten

"Schreie in der Horror-Gruft" ist die zweite Folge der Fariac-Trilogie und entspricht dem Band 140 der Bastei-Romanserie. John Sinclair verschlägt es ins 17. Jahrhundert, wo er sich mit Nachfahren der transsilvanischen Pfähler gegen die Vampirsippe des Grafen Fariac verbündet.

Die Trilogie:

Nr. 38: Im Land des Vampirs
Nr. 39: Schreie in der Horror-Gruft
Nr. 40: Mein Todesurteil

Der Autor

Der unter dem Pseudonym "Jason Dark" arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 eröffnete der Roman "Die Nacht des Hexers" die neue Romanheft-Gruselserie "Gespenster-Krimi" aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

Die Inszenierung

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino, Jeremy Irons, Pierce Brosnan und Kevin Costner.
Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Jack Nicholson, Dennis Hopper und Sir Anthony Hopkins, spricht den Erzähler.
Jane Collins: Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian "Scully" Anderson
Bill Connolly: Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney
Suko: Martin May
Sir James Powell: Karl Heinz Tafel
Graf Fariac: Helmut Gauß (Liam Neeson, Samuel L. Jackson als Mace Windu in "Star Wars")
Gräfin Fariac: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon, Glenn Close)
Jan Ziegler: Hans-Jürgen Wolf
Stephan Marek: Ernst August Schepmann
Ilona Marek: Marie Bierstedt, die deutsche Stimme von Kirsten Dunst und Kate Beckinsale
Karel Marek: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don Cheadle)
Und andere.

Der Produzent

... ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. "Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und 'Breitwandkino für den Kopf' geschaffen", behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel "Der Anfang" hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Kessler
Produktion: Alex Stelkens (WortArt) und Marc Sieper (Lübbe Audio)

Mehr Infos: http://www.sinclair-hoerspiele.de, http://www.wortart.de

Vorgeschichte

Oberinspektor John Sinclair vom Scotland Yard wehrt gerade einen zudringlichen Straßenräuber ab, als der Privatdetektiv Jan Ziegler auftaucht und ihm einen wertvollen Tipp gibt: In den Labors von Fariac Cosmetics soll sich Sinclair doch mal das merkwürdige Mosaik anschauen, mit dem etwas nicht stimmt. Obwohl Sinclair dem Schnüffler nicht ganz vertraut, begleitet er ihn auf einem kleinen Einbruch in das Labor. Und merkt gleich, dass er hier richtig ist: Es riecht nach Blut!

Das Mosaik ist gigantisch: sechs Meter lang und mehrere Meter hoch. Es schimmert leicht rötlich, als sei es ebenfalls mit Blut getränkt. Es zeigt entstellte Wesen, Aderlasse und darüber zwei Blutsauger mit gefletschten Zähnen. Hier ist John an genau der richtigen Adresse ... Ziegler wundert sich: Wohin ist der Oberinspektor verschwunden? Ein seltsamer Ton wie ein Herzschlag erfüllt die Luft. Ziegler versucht abzuhauen, doch er kommt nicht weit. Ein Schrei dringt aus dem Labor.

John gerät in eine albtraumhafte Szene. Ein Planwagen, der von einer jungen Frau gelenkt wird, wird von zwei Reitern immer weiter auf einen Abgrund zu getrieben. Die junge Frau scheint die Kontrolle über die wild gewordenen Pferde verloren zu haben. John greift ein und bringt den Wagen zum Stehen, knapp vor dem Sturz in den Abgrund. Die Reiter verschwinden. Die junge Frau ist sehr schön, nennt sich Ilona und verrät John, dass er im Jahr 1649 in Deutschland gelandet sei, nicht weit von einem Fluss namens Rhein.

Ein alter Mann, Ilonas Vater, entsteigt dem Planwagen und stellt sich als Stefan Marek vor. Sind sie etwa Verwandte von Frantisek Marek, dem Pfähler, der ihm in Transsilvanien gegen die Vampire half? Die wilden Reiter seien Söldner des Grafen Fariac, der oben auf einer großen Burg lebe und von dort mit ihnen das Land terrorisiere. Die Sonne geht unter. Ilona und Stefan bekommen Angst. Fariac sei ein Vampir und ein Herrscher über die Untoten. John fragt sich, ob dieser Fariac ein Urahn des Besitzers von Fariac Cosmetics sein könnte.

Unterdessen in London.

Sir James Powell, Sinclairs Chef, erfährt, dass Sinclair spurlos verschwunden sei. In der letzten Nacht habe die Stadtpolizei einen Mann namens Jan Ziegler aus der Themse gefischt, einen Privatdetektiv. Der hatte einen Hinweis auf Sinclair bei sich. Powell verständigt Sinclairs Freundin Jane Collins, die sich schon Sorgen macht. Bei Ziegler findet sich auch ein Scheck von Fariac Cosmetics, und Powell schickt Jane mit Suko los, um dort nach Sinclair zu suchen.

Im Jahr 1649 entwickeln sich die Dinge für Sinclair nicht sonderlich günstig. Die Söldner Fariacs haben ein Auge auf die schöne Ilona geworfen und fordern sie von Stefan und seinem Sohn Karel, den sie in einem Rheindorf getroffen haben. Als John sich gegen die Söldner stellt, wird auch er niedergeschlagen, Ilona auf die Burg des Grafen verschleppt. Sie soll dort von Gräfin Katharina für die "Vermählung" mit dem Grafen vorbereitet werden, um das "ewige Leben" zu erlangen, wie die Frau behauptet. Ilona hat keine Möglichkeit der Gegenwehr.

Die beiden Mareks haben sich John als Pfähler aus Transsilvanien zu erkennen gegeben und er sich als Erbe des Kreuzes von Hesekiel. Mit im gleichen Geist vereinten Kräften wollen sie Ilona aus den Klauen der Vampire retten. Hoffentlich ist es nicht schon zu spät für das Mädel!

Handlung

O-Ton: "Da sind sie. Schlagt sie tot!" Die Stimme des Mannes überschlug sich. Er war der Anführer einer mehrköpfigen Horde, die uns töten wollte: Karel Marek und mich! Ich packte den jungen Marek an der Schulter und wuchtete ihn herum. Der Anblick seines toten Vaters hatte ihn bis ins Mark getroffen." (O-Ton Ende) Sie wenden sich zur Flucht, landen im Pferdestall und legen dort Feuer, bevor sie auf eine Steintreppe eilen. Sie suchen Ilona, Karels Schwester.

Unterdessen sieht sich die entführte Ilona einem seltsamen Tableau gegenüber. Die Gattin Graf Fariac hat sie in einen Thronsaal vor den Herrn des Hauses geführt, doch ein Fluchtversuch scheitert. Sechs Mädchen, eine schöner als die andere, sind um den Thron gruppiert, auf dem der Obervampir Ilona willkommen heißt. Sie muss sich ausziehen und ihren Hals entblößen ... Als Karel und Sinclair endlich durch die Tür in den Saal brechen, liegt Ilona scheinbar leblos am Boden. Ein Kampf gegen acht teuflische Gegner entbrennt. Oder sind es jetzt neun ...?

Gegenwart

Bill Connolly und Jane Collins haben sich als Journalisten bei Gordon Fariac ausgegeben und eine Einladung nach Deutschland erhalten, um den Stammsitz der Fariacs zu besuchen. Da sie keine Waffen durch die Sicherheitskontrollen am Airport bringen können, kontaktieren sie einen Freund vor Ort: Kommissar Will Mallmann. Am Treffpunkt übergibt er ihnen ein paar dringend benötigte Ballermänner und macht sich dann separat auf den Weg, die Burgmauer zu ersteigen. Er wird Augenzeuge, wie zwei Leichenbestatter einen Sarg in die Gruft des Schlosses tragen.

Mallmann folgt dem Weg der Bestatter, die wieder abziehen, und gerät in ein Gewölbe, das jetzt zehn Särge beherbergt. Er öffnet einen davon und erlebt eine böse Überraschung. Unterdessen bittet Gordon Fariac Jane und Bill zu einem kleinen Umtrunk bei der Party, die er arrangiert hat - zu einem besonderen Anlass ...

Mein Eindruck

Man sollte eine Kultserie, die schon derartig lange läuft, nicht in ihrem Grundkonzept ändern. Meist wird das von den Fans der jeweiligen Serie nicht begrüßt oder toleriert. Und der Autor Helmut Rellergerd hütet sich dementsprechend auch, irgendwelche störenden, womöglich revolutionär gedachten Elemente einzuführen. Was sich lange bewährt, ist schließlich gut! (um mal Goethe abzuwandeln)

Nein, der "Sohn des Lichts" schlägt die Vampire, wo er auf sie stößt. Und sei er noch so verwirrt durch Graf Fariacs listig im Mosaik verborgenen Zeitmaschine, so weiß er doch, was er zu tun hat, wenn er ein Mädel in Not sieht, noch dazu ein so hübsches wie Ilona Marek. Leider schließt sein Pflichtbewusstsein auch ihre Tötung in Folge 40 ein - das Leben ist hart, aber die Pflicht ist härter! Es kommt eben darauf an zu wissen, auf welcher Seite man steht, und Ilona, wenn auch nicht durch ihre eigene Schuld, stand nach ihrer Vampirwerdung eindeutig auf der falschen.

Ein wenig erstaunlich fand ich es schon, dass die Vampire, die die Mareks schon längst ausgespäht haben, nicht sogleich bei Nacht über sie herfallen, sondern vielmehr ihre Söldner aussenden, um nur Ilona zu verschleppen. Offenbar sind Vampire auch und besonders in deutschen Rheinlanden ein wählerisches Völkchen, das sich nur das Beste vom Besten schnappt; also junge Weibchen der menschlichen Spezies! Man kann die Sekunden zählen, bis sich selbiges Weibchen vollständig zu entblößen hat. Diesmal passiert es vor einer anderen Frau. Ein Narr, wer jetzt eine heiße Lesbenszene erwartet. Vielmehr erinnert alles fatal an gewisse Graf-Dracula-Szenen.

Vielleicht ist es aber nicht so fördernd für den Spaß an dieser einfachen Geschichte für etwa sechzehnjährige Jungs und Mädels, wenn man sich den Kopf über die offenen Fragen und die Motivationen der Figuren zerbricht. Ein zerbrochener Kopf hat noch nie viel Spaß gehabt, wenn man den Berichten glauben darf.

Bloß gut für unseren Helden, dass seine Freunde auf der anderen Seite der Zeit (was wir für unsere Gegenwart halten) auf dem qui-vive sind und eins und eins zusammenzuzählen wissen. Suko liefert die Fakten, Jane Collins die Gefühle, Sir Powell die Befehle - dann kann die Rettungsaktion ja losgehen. Die Spur führt, wie könnte es anders sein, direkt zu Fariac Cosmetics, und dessen Besitzer ist aufgrund der Familienähnlichkeit offensichtlich ein schlimmer Finger, dem Scotland Yard schon bald auf denselben hauen wird. Die Frage ist natürlich: Wie tötet man einen Untoten? Vielleicht sollte man doch die guten alten Silberkugeln wieder hervorkramen.

Die Inszenierung

Die Macher der "Geisterjäger"-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück schaffen die Profis dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Musik und Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Die Besonderheit dieser Episode liegt darin, dass die Szenen, die im Jahr 1649 spielen, völlig andere Geräusche aufweisen als jene Szenen, die in der Gegenwart spielen. Das sorgt für einen reizvollen Kontrast.

Und es erinnert den Hörer wiederholt daran, dass er es mit einer Zeitreisegeschichte zu tun hat. (Sich zu fragen, wie die Zeitreise funktioniert, führt nur zu einem zerbrochenen Kopf - davor wird dringend gewarnt. Man nehme an, dass es sich um Magie handelt, denn merke: "Eine Technik, die genügend weit fortgeschritten ist, lässt sich von Magie nicht unterscheiden." Sagte schon Arthur C. Clarke.)

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British Horror Film zu hören. Stets gibt sie sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit einem klassischem Instrumentarium produziert. Mit einer einzigen Ausnahme: Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

... enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren.

Unterm Strich

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis. Dabei kommt aber die Action nie zu kurz, auch nicht die Erotik und Romantik. Wieder mal verliebt sich John Sinclair in eine Schönheit, ohne einen Gedanken an seine Jane zu verschwenden. Offenbar weiß er die Früchte, die der Augenblick bietet, stets rechtzeitig zu pflücken. Oder sein Schöpfer will das Publikum nicht mit solchen Feinheiten langweilen (ein sehr ehrenwerter Grund).

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, sondern steht in diesem Mittelteil der Trilogie sogar im Vordergrund. Um die Story komplett zu verstehen, empfiehlt es sich selbstredend, auch den ersten Teil der Trilogie anzuhören. An Unterhaltung mangelt es jedenfalls in keinem davon, das kann ich versprechen.

Eine Rezension von



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Michael Matzer
von www.buchwurm.info/
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Wie wird gewertet?

Name: John Sinclair 39: Schreie in der Horror-Gruft

Art: Hoerbuch für Hoerbucher Horror; Audio-CD (50 Minuten);

Publikationsjahr: 2007

ISBN-10: 3-78573-336-4

ISBN-13: 978-3-78573-336-3

Kontakt: WortArt / Lübbe Audio / SPV

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20