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Romane Fantasy - Das Erbe der Runen 1: Die Nebelsängerin

Da erwarte ich einen Fantasy-Roman, halte jedoch überraschenderweise einen Science Fantasy Roman in den Händen. Die Heldin heisst Ajana Evans und ist ein Mädchen, das gerade sechzehn Jahre alt geworden ist. Doch zuvor spielt die Erzählung im Land Nymath. Zur Zeit von Ajanas Geburtstages erhält ihr Vater Post von einem irischen Anwalt, der das Erbe von Mabh O'Brian in Ordnung bringen soll. Dabei stellt sich heraus, dass Ajana die wahre Erbin ist, obwohl der Vater gesucht wurde. Schon seltsam, aber so steht es geschrieben. Dabei verstehe ich die deutsche Autorin nicht, die die Geschichte in der Jetztzeit nach England verlegt. Anscheinend ist es nicht möglich, Geschichten in Deutschland spielen zu lassen. Das Amulett dass Ajana erhält soll nur an weibliche Nachkommen der Blutlinie O'Brian weitergegeben werden. Sie erfährt, dass andere Mädchen, die als Erbinnen in Frage gekommen wären, kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag zu Tode kamen. Ajana fällt dabei ein, was ihr in den letzten Tagen immer wieder passierte. Nur knapp konnte sie dabei einigen tödlichen Unfällen entgehen. Als sie sich eingehender mit dem Amulett beschäftigt, findet sie ein Notenblatt und beginnt das Lied zu spielen. Der Erfolg, sie landet in einem fremden Land und wird dort als Nebelsängerin erkannt. Sie wird zu einer Grenzgängerin zwischen den Welten, mit einem ganz besonderen Auftrag. Als Erbin eines uralten Runenamuletts von Gaelithil soll sie eine Welt retten und den Zauber der Elfen erneuern.

Die Parallelwelt Nymath wird von den Uzoma beherrscht. Sie eroberten alle nördlichen Länder, doch in den Süden, hinter der Wüste Nuonu, gelangten sie noch nicht. Hier leben die Menschen und Elben noch sicher. Dies ändert sich schlagartig, als die Nebel, die die Welt am Gebirge schützen, aufklaren. Die Uzomo greifen an unter der Führung ihres Whyono, beeinflusst von der Hohenpriesterin des neuen Gottes. Dieser erscheint immer in Form einer Flammensäule und verlang als grausamer Gott Blutopfer und bedingungslosen Gehorsam. So stachelt die Hohepriesterin den Whyono an, den Angriff zu führen, während sie alles daran setzt, Ajana zu töten.

Mehr als einmal scheitert sie und mehr als einmal erhält sie ihre letzte Chance. Das ist natürlich sehr unlogisch. Hier hätte die Autorin, die immerhin mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde, die Möglichkeit gehabt, eine hinterhältige Priesterin ins Spiel zu bringen, die nach dem Titel der Hohenpriesterin strebt. Statt dessen bleibt es bei einem weiteren langweiligen Klischee. Um bei den Klischees zu bleiben, lernen wir auf den ersten fünfzig Seiten neue Personen kennen. Davon sind Abba und Keelin gleich wieder Aussenseiter, die sich gegen feststehende Regeln behaupten müssen. Weitere Handlungsträger folgen, die die Handlung eher dahinschleppen als tragen. Die Erzählung hätte als Einzelbuch den wundervollen Erfolg in meinen Augen, weil sich nicht alles in ein Happy End auflöst. Jetzt sollen zwei weitere Bücher folgen und es ist nicht zu ersehen, warum, denn das Mädchen Ajana sang das Lied der Elfen und konnte so die Nebelwand erneuern. Weitere Angriffe der Uzoma bleiben aus. Als diese merken, dass ihr Rückzug unmöglich ist und niemand nachkommen wird, brechen sie unvermutet den Angriff gegen die Feste am Pandarasgebirge und dem letzen Pass vor den noch freien Landen ab. Und obwohl die finsteren Heere am Pass noch nicht durchgebrochen sind, konnten sie bereits im Landesinneren die Stadt Lemrik den Erdboden gleich machen. Das ist auch die Stadt, wo Ajana zuerst auftaucht und von den Uzoma gefangen genommen wird. Währenddessen meutert ein blinder Seher (auch nicht neu) gegen die Hohepriesterin, weil die Frauen und Kinder nun ohne Männer, Väter und Brüder sind. Der Tod des Mannes war zum Ende der Erzählung auch nicht unbedingt nötig, nur unnötig grausam.

Als unterhaltsames ‚Schmankerl' kann man die beigeheftete CD sehen, die eigens für dieses Buch gestaltet wurde. Die Sängerin Anna Kristina hat drei samtweiche Liedchen beigetragen, die man zur Einstimmung hören kann. Dies birgt aber die Gefahr in sich, das man während des seichten Geträllers in englischer Sprache möglicherweise einschläft. Am Schluss der Romans finden sich die englischen Texte. Allerdings ohne Übersetzung. Die Frage ist, auf wen das Buch abziehlt. Ist die erwachsene Bevölkerung das Ziel, so ist es zu seicht, wechselt zu oft zwischen ‚Heldenhafter Fantasy', ‚Schwert und Magie' und ‚tolkienscher, epischer Fantasy', findet dabei aber keine eigene Linie. Sind es die jugendlichen Leser, so ist das Buch eindeutig zu blutrünstig. Mit Morden und Blutopfern steht es leider sehr nah an ‚Gewaltverherrlichung'.

Angekündigt sind bereits der zweite Band ‚Die Feuerpriesterin' und der Absschlussband für 2006. Zudem soll es einen Kalender für 2005 und Puzzle geben. Die Vermarktung von Monika Felten läuft an. Lassen wir uns überraschen ob es der Autorin gelingt, in den beiden folgenden Teilen der Trilogie ‚Das Erbe der Runen' eine eigene Linie zu finden und weniger Klischees zu verwenden.

Dies ist eine Rezension aus
Der phantastische Bücherbrief
dem monatlich erscheinenden Newsletter vom Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber.



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Name: Das Erbe der Runen 1: Die Nebelsängerin

Art: Roman für Romane Fantasy; 458 Seiten; Hardcover;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-49226-613-4

ISBN-13: 978-3-49226-613-0

Preis: 20 Euro

Kontakt: Piper
Homepage: www.piper-verlag.de/

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20