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Cyberpunk - Neuromancer 4: Futurematic

Colin Laney als Datenschnüffler und Datendeuter. In seiner Pappwohnung im Tokioter Untergrund liegt er fieberkrank. Seine Sensibilität für Informationsmuster hat stark zugenommen. Dabei sieht er Verletzungen im Informationsmuster vorraus¸ dass in seiner alten Heimat Amerika¸ in San Francisco sich ein ganz bestimmtes Ereignis abzeichnet¸ ein Wendepunkt in der Geschichte. Der Superknoten¸ der dort entsteht¸ wird die Welt nachhaltig beeinflussen. Dieser bedeutende Moment ist bereits im Datennetz absehbar. Damit Colin Laney sich vor Ort richtig informieren kann¸ schickt er den Sicherheitsmann Rydell nach Frisco auf die Oakland Brücke. Hier trifft er auf die Idoru Rei Toei und die ehemalige Fahrradkurierin Chevette. Ein paar weitere Handlungsträger mischen sich dazu. Laney spürt¸ der Wendepunkt kann dadurch ausgelöst werden¸ indem sich ganz bestimmte Personen zu einer ganz bestimmten Zeit an einem ausgewählten Ort treffen.

William Gibson gilt gemeinhin als der Begründer¸ Urvater und Erfinder des Begriffes 'CYBERPUNK'. Gibson sorgt in seiner neuen Trilogie für reichhaltig Unterhaltung. Mit seinem einfachen Schreibstil nimmt er die Leserinnen und Leser schnell gefangen. Er fährt mal wieder all das auf¸ was man aus der guten alten Zeit des Cyberpunks erwartet. Hacker¸ Konzernpinkel¸ Polizisten und ehemalige. Gute Menschen¸ Böse Menschen und die dazwischen. Seine Schauplätze¸ deren Bilder nur in der Gedankwelt des Lesers entstehen üben eine nahezu magisch-fesselnde Wirkung aus. Ebenso die seltsamen Gesellschaftsformen¸ wie Sekten¸ die Gott in einem Fernseher suchen und andere mehr.

Dafür ist seine Handlung etwas anstrengend. Viele Handlungsstränge laufen lange Zeit gleichmässig nebeneinander her und man kann sich nicht des Eindruckes erwehren¸ sie hätten nichts miteinander zu tun. Irgendwann treffen gerade diese Handlungsstränge aufeinander und ein grosses Bild ergibt sich für die Leserschaft. Im Grossen und Ganzen eine schöne Krimi-SF-Technik-Trilogie¸ die sich gut lesen lässt. Sein Schreibstil ist etwas trocken und erinnert ein wenig in den Beschreibungen an die Noir-Filme Frankreichs. Die Aufteilung in verschiedene Handlungsebenen ist ein charakteristisches Merkmal für ihn. Seine Handlungen bleiben damit immer ein wenig überraschend¸ führen in die verschiedensten gesellschaftlichen Schichten. Das überdeckt aber nicht seine stark geprägte Technik-Freundlichkeit. Seine Vorliebe für Japan findet sich ebenfalls sehr deutlich in Idoru wieder¸ vor allem in vielen japanischen Begriffen¸ die dem Buch einen besonderen Reiz angedeihen lassen.

Die drei Bücher sind guter Erzählstoff. Das Tempo ist schnell¸ das was er vorrausschauend erzählt¸ mag in der Erstveröffentlichung noch als Prophezeihung gegolten haben. In vielerlei Hinsicht trifft er mit seiner Erzählung ins sozialpolitische 'Schwarze'. Für die Leserinnen und Leser ist diese Trilogie absolute Pflicht. Wie bei vielen Werken gehört die Trilogie zu den Werken¸ die man zweimal lesen muss. Denn gerade beim zweiten Mal kommen die Feinheiten der Romane richtig zum Tragen.

Mit seinen Werken hat William Gibson eine unmittelbare Auswirkung auf die Gesellschaft. Waren seine Bücher in der Anfangszeit nur im Subgenre der Science Fiction zu finden¸ sind die Nachdrucke und die neuen Bücher bereits in der Allgemeinen Reihe der Verlage anzutreffen.

Nachteil ist die Übersetzung des Originaltitels 'all tomorrow's parties' in 'futurematic'. Diese Entscheidung ist nicht logisch nachzuvollziehen. Mehr Schwachpunkte finde ich nicht. sehr empfehlenswert

Dies ist eine Rezension aus
Der phantastische Bücherbrief
dem monatlich erscheinenden Newsletter vom Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber.



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Name: Neuromancer 4: Futurematic

Art: Roman für Cyberpunk; 362 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2002

ISBN-10: 3-45386-329-1

ISBN-13: 978-3-45386-329-3

Kontakt: Heyne
Homepage: www.randomhouse.de/heyne/

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20