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Romane Horror - Ruf des Mondes

Blutrote Raubtieraugen funkeln den Leser vom Cover von "Ruf des Mondes" an, einem Mystery-Thriller von Patricia Briggs. Auch der Titel dürfte auf schwache Nerven eine beängstigende Wirkung haben, was nur gerechtfertigt ist. Immerhin geht es in diesem Roman um Werwölfe, und die sind bekannterweise nicht unbedingt angenehme Zeitgenossen.

Patricia Briggs kreiert in "Ruf des Mondes" ein düsteres Urban-Fantasy-Szenario. Unter den normalen Menschen in Amerika leben verschiedene Werwolfrudel, jeweils vereint unter einem Alphamännchen, das aufpasst, dass sich sein Rudel so verhält, dass es nicht von den Menschen entdeckt wird. Die Werwölfe - sowie im übrigen auch andere mystische Wesen wie Vampire, Kobolde und Ähnliches - gehen ganz normalen Berufen nach und führen ein beinahe normales Leben, wenn ihre Werwolfinstinkte und -eigenschaften nicht wären. Sie sind sehr stark und leicht aus der Ruhe zu bringen. Nur das Alphamännchen kann sie mit seiner Dominanz dazu bringen, zu gehorchen und sich ordentlich zu benehmen, wobei es eine eindeutige Rangordnung innerhalb der Rudel gibt.

Mercedes Thompson wird von dieser Rangordnung nicht wirklich tangiert. Sie ist schließlich kein Werwolf, sondern eine so genannte Walkerin. Das bedeutet, dass sie sich unabhängig von Mondphasen und ohne große Probleme jederzeit in eine Kojotin verwandeln kann. Sie ist unter Werwölfen aufgewachsen und ihr nächster Nachbar Adam ist der Alpha des Rudels der Tri-Cities in Columbia, weshalb sie sich gut mit diesen Werwesen auskennt. Als eines Tages Mac in ihrer Autowerkstatt auftaucht, wittert sie Ärger. Mac ist erst seit kurzem ein Werwolf und er gehört nicht zu Adams Rudel. Das bedeutet, dass er unrechtmäßig in Adams Gebiet eingedrungen und dadurch in Gefahr ist. Zudem ist er noch nicht fähig, den Wolf in sich zu beherrschen. Dazu bedarf es der Anleitung eines Alphas.

Doch bevor Mercy Adam von Mac berichten kann, überschlagen sich die Ereignisse. Weitere Werwölfe dringen in Adams Territorium ein, töten Mac in Adams Haus, verletzen den Alpha schwer und entführen seine Tochter Jesse. Mercy, die an den Schauplatz des Geschehens eilt, beschließt zu handeln. Sie packt den verletzten Adam und Macs Leiche in ihren Bus und fährt zu dem Werwolfrudel, bei dem sie aufgewachsen ist, um um Hilfe zu bitten. Sehr schnell merkt sie, dass dies gar nicht so einfach ist und dass ihre Vergangenheit sie immer noch belastet ...

Die Kulisse, die Briggs in ihrem Buch entwirft, ist wirklich keine schlechte Idee. Zumeist geht es in Mysterybüchern um Vampire, doch sie widmet sich den Werwölfen, starken und gefährlichen Tieren, die nicht unbedingt dazu gebrauchen sind, funkensprühende Erotik zwischen Buchdeckel zu pressen. Darauf legt es die Autorin allerdings auch nicht an. Stattdessen erschafft sie eine sehr interessante Blickweise auf die Werwölfe, indem sie diese in Rudel einteilt und sie einer Rangordnung verpflichtet. Dadurch wirken die Werwölfe selbst in Menschenform mehr wie Tiere, und Briggs schafft es, sie trotzdem verständlich, teilweise sogar sympathisch darzustellen. Es ist zwar negativ anzumerken, dass einige ihrer Überlegungen historisch und/oder organisatorisch noch nicht ganz ausgereift wirken, doch insgesamt kann die Welt, die Briggs erschafft, überzeugen.

Für die Handlung gilt das nicht immer. Gerade das Ende, das eine Art Verschwörung aufdecken muss, wirkt verworren und unrealistisch. An einigen Stellen bleibt unklar, worauf die Autorin hinauswill und wie sich die einzelnen Fragmente in der Geschichte zusammenfügen lassen. Die Auflösung, wieso Jesse entführt und Adam verletzt wurde, wirkt stellenweise geradezu an den Haaren herbeigezogen. Hier wäre es gut gewesen, wenn die Autorin, anstatt sich in wilde Theorien zu verstricken, die ansonsten sehr geradlinige Handlung auch so zu Ende geführt hätte. Denn der Rest des Buchs überzeugt. Es ist ein regelrechter Pageturner. Es ist spannend und mitreißend und wirft am Ende fast jeden Kapitels die Frage auf, wie es denn wohl weitergeht. Das hängt auf der einen Seite mit dem gruseligen, originellen Grundthema des Buches zusammen, das Spekulationen über den Handlungsverlauf erschwert, und mit der Erzählerin, die den Leser in ihren Bann zieht.

Mercy Thompson ist eine junge, zupackende Frau, die sich anfangs angenehm im Hintergrund hält. Dadurch wirkt sie etwas distanziert, ist dem Leser aber trotzdem sympathisch, da sie bodenständig und nicht abgehoben ist. Auch den selbstironischen Ton, den solche Bücher gerne anschlagen, lässt die Autorin beiseite. Dadurch bekommt Mercy die Möglichkeit, in klaren Worten zu erzählen. Sie drückt sich dabei nicht übertrieben gewählt, aber auch nicht sonderlich alltagssprachlich aus. Der Schreibstil sticht nicht wirklich hervor, tut aber seine Dienste. Genau wie Mercy selbst fehlt es auch ihm etwas an Originalität. Trotz ihrer liebenswerten Art fehlt es der Protagonistin nämlich ein wenig an Eigenständigkeit. Sie wirkt häufig zu banal, zu simpel, aber dies stört nicht zu sehr, sondern macht im Gegenteil Hoffnung auf mehr. Immerhin ist die Reihe um Mercy Thompson laut Briggs' Website auf mehrere Bände angelegt.

"Ruf des Mondes" ist jedenfalls schon mal ein gutes Einstiegsbuch. Es besitzt ein interessantes Thema, eine angenehme Hauptperson und ist sehr spannend erzählt. Es macht Lust auf mehr, verlangt aber auch nach einigen Verbesserungen in den Folgebüchern. Mercy würde es nicht schaden, noch ein wenig mehr Konturen zu erhalten, und auch die Handlung könnte ein wenig mehr Durchdachtheit, vor allem bei der Zusammenführung aller loser Fäden, gebrauchen.

Eine Rezension von



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Maren Strauß
von www.buchwurm.info/
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Name: Ruf des Mondes

Art: Roman für Romane Horror; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2007

ISBN-10: 3-45352-373-3

ISBN-13: 978-3-45352-373-9

Kontakt: Heyne

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-03-02