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Romane SciFi - Homanx 1: Die Außenseiter

Hätte ich gewusst, dass ich in kurzer Zeit so viele Bücher von Alan Dean Foster lese, ich hätte mit den Buchbesprechungen aus den letzten Bücherbriefen einen eigenen Autorenbücherbrief gebastelt. So habe ich die fast zwei Jahre alte Trilogie des frühen Homanx-Zyklus vor mir liegen, zur Besprechung bereit. Die Bücher des Vielschreibers Foster wurden von Roggero Leò und Beke Ritgen übersetzt. Das ist für sich allein gesehen kein Beinbruch, direkt hintereinander weg gelesen, fällt der kleine Stilbruch schon auf. Aber das soll vorerst das einzige Manko bleiben. Herr Foster ist nicht nur durch seinen humorvollen Bannsänger bekannt, oder mit seinem sorgfältig entworfenen Homanx-Universum, sondern gerade mit seinen vielen Romanen zu den unterschiedlichsten Filmen. Zwar bleibt er dem Phantastik-Genre weitgehend treu, aber in der Qualität lässt er dann doch zu wünschen übrig. Je nach Schreibphase sind seine Romane ein auf und ab guten wie schlechten Lesestoffs.

Erstkontakt, eine Begegnung der Dritten Art. Menschen und Thranx treffen aufeinander, legen ihre natürliche Scheu voreinander ab und versuchen sich ganz langsam aneinander anzunähern. Während beide Regierungen für sich beschliessen, den Erstkontakt erst einmal geheim zu halten, um eine Panik innerhalb der eigenen Bevölkerung zu vermeiden, treffen zwei Aussenseiter der jeweiligen Spezies aufeinander. Mit diesem Kontakt hatten nun beide Arten nicht gerechnet. Der thranx'sche Poet Desvendapur, ein Insektenwesen, trifft auf den Gauner Cheelo, einen Menschen. Die beiden müssen nun sehen, wie sie miteinander klar kommen. Denn so wie sie sich geben, so wird die Beziehung ihrer beider Völker, miteinander sein. Die diplomatischen vorgaben sind für beide Völker bindend. In ganz bestimmten Bereichen sollen sich Menschen und Thranx treffen, sich kennen lernen und Gedanken, Ideen und Waren austauschen können. Da die Menschen immer noch das Problem haben, sich vor Insekten zu ekeln, wird der erste Kontakt nicht jedem gestattet. Die Menschen gehen des weiteren davon aus, dass auf der Erde keine Thranx leben, was ein Trugschluss darstellt. Unter einem südamerikanischen Reservat lebt eine kleine Kolonie.

Der Poet Desvendapur möchte jedoch unverfälschten Kontakt mit den Menschen aufnehmen, um seiner Poesie den nötigen Kick zu verleihen, und natürlich um berühmt zu werden. Da er sich gegen die Traditionen seines Volkes stellt, sogar den Tod einer Artgenossin in Kauf nimmt, wird er sehr schnell zu einem Aussenseiter. Verbotener Weise verlässt er die Kolonie auf der Erde und stellt damit den Frieden der beiden Völker in Frage. Mitten im Dschungel trifft er auf den Kriminellen Cheelo. Bei einem Banküberfall tötete er unbeabsichtigt einen Touristen und ist nun auf der Flucht vor Behören und Gedächtnislöschung. Der Zufall führte beide Aussenseiter zusammen. Der Poet sieht die Chance zu seiner Berühmtheit, der Kriminelle nur eine Störung in hässlicher Form. Beide möchten nicht entdeckt und zurückgebracht werden, so müssen sie sich arrangieren. In einer fremden Umgebung, die für beide die unterschiedlichsten Gefahren bereit hält, sind sie auf einander angewiesen. An dieser Stelle fühle ich mich dann doch sehr an GELIEBTER FEIND von Orson Scott Card erinnert. Desvendapur versucht sich als Verseschmied, als er das Verhaltensmuster von Cheelo studiert. Der Thrankx versteht die Gefühle der Menschen nicht und so ist Cheelo immer sehr schnell wieder beruhigt, weil es keinen Spass macht sich aufzuregen, wenn der Gegenüber immer ruhig und gelassen bleibt. Und so entsteht mit der Zeit eine freundschaftliche Bande. Innerhalb dieser Beziehung entsteht für den Leser eine Situation, die für, zum Teil unfreiwilligen, Humor sorgt. Alan Dean Foster kann hier seinem Humor freien Lauf lassen, der schon im BANNSÄNGER-ZYKLUS für viel Unterhaltung sorgte. Gegen Ende wirkt diese Erzählung noch einmal stark wie GELIEBTER FEIND von Orson Scott Card. Auch hier findet einer der beiden Handlungsträger den Tod, der andere sorgt mit seinen Veröffentlichungen für eine Würdigung. Beide Völker kommen sich nun schneller näher als geplant, die Politiker müssen handeln. Der Rest des Romans liest sich eher wie ein historischer Roman. Ein Grossteil der Leser findet hier erstmals Zugang zum Homanx-Universum. Die alten Romane wurden leider nicht wieder aufgelegt. Vielleicht zum Glück, denn ein Alt-Fan der Reihe würde sich an den Roman AUCH KEINE TRÄNEN AUS KRISTALL erinnert fühlen (Wilhelm Heyne Verlag 4160, 1985). Im Vergleich der beiden Romane schneidet DIE AUSSENSEITER wesentlich schlechter ab. Das Buch ist an vielen Stellen langatmig und für Kenner des Homanx-Universums (HOManoide und ThrANX) ein eher überflüssiges Werk. Für Neueinsteiger lesenswert.

Aber die Geschichte geht ja weiter. Mit dem zweiten Roman erweitert Herr Foster die Grundlagen seines Universums. Neue Konflikte ergeben sich, als auf dem Planeten Argus V die ganze menschliche Bevölkerung vernichtet wird. Argus V ist einer der wenigen Planeten, des bislang bekannten Universums, der auch für Menschen zur Besiedelung geeignet ist. Das bislang friedliche Zusammenleben der beiden Arten Thranx und Menschen droht wegen dieser Tat in einen Krieg auszuufern. Vorurteile auf beiden Seiten werden wach, bis man auf die Hintermänner trifft. Und welch eine Überraschung, die menschenähnlichen, aber unangenehm feindlich gesinnten Pitar tauchen auf. Herr Foster schreibt mit diesem Roman das Volk der Pitar in sein Universum. Kenner, haben es sehr schnell erraten, wer da sein Unwesen treibt, Neulinge in diesem ganz speziellen Kosmos werden vielleicht ein wenig verblüfft sein. Es fällt einem Schriftsteller sicher nicht leicht, Lücken in einem Universum zu füllen, wenn man erst Jahre Später damit beginnt. Zwischenzeitlich ist das Universum schon viel weiter entwickelt und etwas neues kann nicht kommen. Daher sind alle erzählerischen Elemente vorhersehbar. Mit den menschenähnlichen Pitar hält der Schriftsteller dem Leser aber gleichsam einen Spiegel vor die Augen. Er muss erkennen, wie sehr er noch am Äusserlichen hängt, sich dadurch beeinflussen lässt. Und erst in dem Moment als Herr Foster erklärt, dass die Pitar alle, ausnahmslos alle, fremden Rassen vernichten wollen, auf die sie treffen, wird dem Leser sein Fehlverhalten klar. Die erfahrenere Rasse der Insektoiden verzeiht den Menschen jedoch ihre Fehler und beide zusammen können die Gefahr, die durch die Pitar entstand zumindest vorerst abwenden. In den 90er Jahren schrieb Herr Foster sehr viel für STAR TREK, deren Handlungsablauf er als Grundlage für diese Erzählung übernimmt. Gleichzeitig nahm er mit diesem Roman Anleihen bei Autoren wie William C. Dietz und seiner Military-SF, die auch John Ringo zum Abschreiben veranlasste.

Insgesamt gesehen erzählt der Autor viel, aber zu wenig Hintergrund. Er bleibt in dieser Trilogie oberflächlich, weitschweifig und an vielen Stellen belanglos. Seine Romane wirken als wären sie schnell hintereinander weggeschrieben worden, weil man gerade mal wieder Geld verdienen musste. Für eine frühe Trilogie, einer kurzen Erzählreihe, die die Zusammenkunft und das Zusammenwachsen darstellen soll, bleibt er leider viel zu weit von diesem Ziel entfernt. Unterhaltsam waren die Romane sicherlich. Aber ich stellte mir letztlich etwas anderes darunter vor. Dann doch lieber die anderen Bücher wie DIE EISSEGLER VON TRAN-KY-KY (Wilhelm Heyne Verlag 3591, 1978) oder DAS TAR-AIYM-KRANG (Wilhelm Heyne Verlag 3640, 1979) oder noch besser, DIE DENKENDEN WÄLDER (Wilhelm Heyne Verlag 3660, 1979).

Seit dem ersten Zusammentreffen sind mehrere Jahrzehnte vergangen. Die Politiker träumen immer noch von Verträgen, die nie umgesetzt wurden. Die Menschen können mit angsteinflössenden Rieseninsekten immer noch nichts anfangen und die Thranx haben mit den Weichfleischspezies auch so ihre Probleme. So leben die beiden Rassen mit ihren Vorurteilen, geschürt von einem Autor, der sich diesmal mehr mit den AAn auseinandersetzen will / muss. Eben jene Rasse entdeckt menschliche Archäologen, die auf einem Planeten Fundstücke einer noch älteren und längst ausgestorbenen Rasse gehören. Die AAn suchen nach Gemeinsamkeiten in Gegenwart und Vergangenheit, um so vielleicht doch die verhasste Menschheit aus dem Geschichtsbuch der Milchstrasse zu streichen. Er, Alan Dean Foster, beschreibt seine nichtmenschlichen Rassen anschaulich. Sie leben, aber das kann nicht alles sein. Da fehlt in dieser ganzen Trilogie der KICK. Der interessanteste Punkt des DORN-PROJEKTES ist sicherlich der, als eine menschliche und eine thranx'sche Terroristengruppe zusammenarbeiten, damit eine weitere Zusammenarbeit beider Rassen unterbleibt. Ist in vielen Dingen der Weg das Ziel, so ist hier das Ziel der Weg. Man will also etwas aufhalten, das der Leser schon kennt. Der Roman ist damit wie alles andere dieses frühen Homanx-Zyklus vorausschaubar.

Dies ist eine Rezension aus
Der phantastische Bücherbrief
dem monatlich erscheinenden Newsletter vom Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber.



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Name: Homanx 1: Die Außenseiter

Art: Roman für Romane SciFi; 446 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2004

ISBN-10: 3-40424-327-7

ISBN-13: 978-3-40424-327-3

Preis: 8 Euro

Kontakt: Bastei Lübbe
Homepage: www.bastei-luebbe.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20