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Romane SciFi - Sternenreich von Skolia 2: Jäger des Lichts

Aschenputtel fliegt mit Traumprinz zu den Sternen

Dies ist der zweite Band einer Reihe von jeweils eigenständigen Romanen einer amerikanischen Science-Fiction-Autorin. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro, geboren Ende der 50er Jahre und verheiratet mit einem Astrophysiker, verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die manchmal für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt, manchmal aber auch nicht. Ihre erste Story erschien 1993, und sie hat ein eigenes Fanzine namens "Mindsparks". "Catch the Lightning / Jäger des Lichts" gewann 1997 den Sapphire Award für Best Science Fiction Romance.

Ihre bisher erschienenen Science-Fiction-Romane aus dem Skolia-Sternenreich:

1) Primary Inversion, 1995 ("Der PSI-Faktor", 2003)
2) Catch the Lightning, 1996 ("Jäger des Lichts", 2003)
3) The Last Hawk, 1997 ("Der letzte Falke")
4) The Radiant Seas, 1998 ("Die strahlende See")
5) Ascendant Sun, 1999 ("Das dritte Schloss")
6) The Quantum Rose, 2000 ("Die Quantenrose", 2006)
7) Spherical Harmonic, 2001
8) The Moon's Shadow, 2002

Andere Romane:
The Veiled Web
The Phoenix Code
The Quantum Road

Hintergrund

In ferner Zukunft hat sich das Universum der Menschen in drei Sternenreiche aufgespalten. Die Allianz der alten Erde betrachtet sich als neutrale Partei in dem fortdauernden Konflikt zwischen dem Sternenreich der Skolianer und dem Eubianer-Imperium der so genannten Händler (bzw. Trader). Alle drei Parteien unterhalten Raumschiffflotten und bewaffnete Patrouillen. Psi-gestützte Kommunikationsmittel, die schneller als das Licht arbeiten können, verbreiten Nachrichten in Blitzesschnelle. Die Kommunikationszentralen sind lediglich drei Menschen: Sie werden Rhon genannt, und alle sind Skolianer einer uralten Rasse.

Einer der Jäger des Imperialen Raumfahrt-Kommandos (IRK) gilt als verschollen …

Handlung

Tina ist zwar erst 17 Jahre alt, als ihr diese Sache passiert, aber weil ihr Vater verschwunden und ihre Mutter gestorben ist, wirkt sie durchaus erwachsen. Ihre Familie stammt aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas, der von Mayas bewohnt wird. Als Erbe verfügt sie über ein tief reichendes Wissen über Sitten, Geschichte und Gebräuche ihres Volkes. Das wird ihr in dieser Sache sehr zugute kommen. Ihr wahrer Name ist !Akushtina (mit einem seltsamen Laut am Anfang).

Unheimliche Begegnung der 3. Art

Als Tina nach ihrem Job als Restaurantkellnerin in Los Angeles nach Hause zurückkehrt, läuft ihr ein echt schräger Typ über den Weg. Er hat purpurnes Haar, goldene, mit einer Nickhaut versehene Augen und eine metallen schimmernde Haut. Sie geht ihm lieber erst einmal aus dem Weg, zumal er sich nicht verständlich auszudrücken versteht. Aber er hat wenigstens so ein Dingsbums dabei, das ihm hilft, seine fremde Sprache in Englisch und Spanisch zu übersetzen. (Außerdem ist das Gerät für viele weitere Dinge nützlich, wie Tina herausfinden soll.)

Der Fremde, der sich als Althor vorstellt, weicht aber nicht von Tinas Seite, und das ist gut so, denn plötzlich taucht der lokale Drogendealer dieses Slums auf und verlangt von Tina, dass sie ihm zu Diensten sei. Althor schickt Nug mit einer Demonstration seiner Kraft von dannen. Aber Tina weiß, dass sie noch von Nug hören wird. In den Fernsehnachrichten hören sie und Althor, dass aus der Umlaufbahn ein Versuchsflugzeug geborgen wurde und nun auf dem Luftwaffenstützpunkt Yeager, vormals Edwards, untersucht werde. (Wir merken: Tinas Erde weist einen alternativen Geschichtsverlauf auf.) Althor sagt, dass dies sein eigenes Raumschiff sei. Damit sei er von Skolia weggeflogen, aber aufgrund einer Sabotage hier auf dieser Erde gestrandet – 300 Jahre in seiner Vergangenheit.

Der auf der Yeager Air Base in Gewahrsam genommene Jag – so nennt Althor sein Gefährt – ist mit einer künstlichen, lernfähigen Intelligenz ausgestattet, die schon bald entdeckt werden wird. Mit dieser kommuniziert Althor fortwährend. Ebenso zur Ausrüstung gehört ein Waffenarsenal, das, wenn zur Detonation gebracht, ganz Kalifornien dem Erdboden gleichmachen würde. Es wäre also für alle Beteiligten das Beste, wenn Althor mit seinem Flieger so bald wie möglich verschwinden würde.

Liebesnacht

Doch Tina verliebt sich in dieser Nacht in den Fremden von den Sternen und schläft mit ihm. Sie war noch Jungfrau, und deshalb besteht sie auf Safer Sex (natürlich muss sie ihm diese Sache erst einmal erklären und demonstrieren!). Das Besondere an Tina hat nämlich Althor von Anfang an bemerkt: Sie ist eine Empathin, vielleicht sogar eine Telepathin, eine Rhon. Und weil sie mit Althors Geist ohne Worte kommunizieren kann, ist er für sie wie eine Befreiung aus ihrer Einsamkeit. Ohne ihn würde sie zwischen Armut, Drogen und Hoffnungslosigkeit zermalmt werden, wie ihr Bruder Manuel und viele andere.

Aufgrund ihrer Liebe hilft sie Althor in den nächsten Tagen im Job und in der Bibliothek, doch die Konfrontation mit Nug, dem Dealer, ist unausweichlich. Nug stirbt, einer seiner Helfer wird ebenso verletzt wie einer der Polizisten, die urplötzlich aufkreuzen. Es ist ein ziemliches Desaster, und die aufgeweckte Tina ist die Einzige, die den verletzten Althor in Sicherheit bringen kann – mit einem gestohlenen Auto.

Fluchtstart

Mit Hilfe ihrer Freunde heilt sie nicht nur Althor wieder, sondern sie dringen sogar in die Luftwaffenbasis vor, getarnt als ein anderes Forscherteam, das sich um die Untersuchung des Jag kümmern soll. Leider werden sie auch hier entdeckt, und nur mit größter Mühe gelingt Althor ein Notstart – mit Tina und zwei Freunden an Bord. Sie können den Raketenangriff der paranoiden Erdregierungen nur abwehren, weil sich Tina mit der Intelligenz des Jag-Flugzeugs zusammenschaltet und die entsprechenden Abwehrmaßnahmen ergreift.

Nachdem sie Tinas zwei Freunde abgesetzt haben, düsen Althor und Tina mit Überlichtgeschwindigkeit zurück in Althors Zukunft – ins Skolia-Reich. Doch dort wird ihnen ein Empfang bereitet, der alles andere als freundlich bezeichnet werden muss. Denn die Sabotage, die Althor stranden ließ, war natürlich kein Zufall …

Mein Eindruck

Wie schon der erste Skolia-Roman "Der PSI-Faktor" liest sich auch "Jäger des Lichts" fast von alleine. Erstens besteht der Text fast nur aus Dialogen und zweitens ist die Schrift derart Oma-kompatibel groß, dass sich die Seiten praktisch von selbst umblättern, so wenig Text findet darauf Platz. Hinzukommt, dass die Story ziemlich verständlich erzählt wird, aber dies trifft nicht für alle Passagen zu.

Die Autorin hat nämlich in diesem ihrem zweiten Roman noch nicht die hohe Kunst gemeistert, wie man Handlungsszenen und Hintergrunderklärungen so miteinander verwebt, dass ein organischer Übergang entsteht. Und deshalb wechseln sich die Action- und Liebesszenen mit unglaublich dröge präsentierten Erklärungen von allen möglichen futuristischen Aspekten ab.

Zu diesen gehören vor allem die physischen Eigenschaften von Tinas Dreamlover von den Sternen. Althor ist ein Cyborg à la Terminator, nur dass er außerdem noch Psi-Kräfte besitzt. Das Wissen, das Tina erst später erwirbt, aber schon vorab einflicht, führt dazu, dass dem Super-Mann aus Skolia jedes noch so kleine Geheimnis ausgetrieben wird, und das macht den Text ziemlich schnell langweilig.

Lediglich das Schlusskapitel weist ein paar nette Locations auf, aber auch diese werden schon bald bis zum Überdruss erklärt – mit haltlosen Spekulationen über eine sternenfahrende Rasse, die nicht nur die irdischen Maya beglückte, sondern diese auch noch auf die Welt Raylicon im Skolia-Sternenreich verfrachtete. Infolgedessen schließt sich der Kreis mit Tinas Ankunft: Eine Maya-Nachfahrin feiert mit einem anderen Maya-Nachfahren Hochzeit. Nur dass dessen Vorfahren schon 6000 Jahre zuvor auf die Welt Raylicon kamen.

Eine Romanze, unter anderem

Catherine Asaro steht in nächster Nähe zu der immens erfolgreichen Lois McMaster Bujold. Denn "Jäger des Lichts" ist im Grunde eine schöne altmodische Romanze, die sie in ein hypermodernes Gewand gesteckt hat, statt etwa in ein Mäntelchen aus historischer Fantasy. Die Formeln für die literarische Darstellung sind inzwischen austauschbar. Amerikanische und inzwischen auch viele deutsche Lektoren wachen mit Argusaugen darüber, dass die Formeln benutzt und die Regeln nicht gebrochen werden.

Da viel Sex und Erotik im Spiel sind, eignet sich dieser Roman wohl eher für Jugendliche ab vierzehn Jahren, während der Großteil der Star-Trek- und Star-Wars-Klone bereits ab zwölf Jahren unbedenklich zu konsumieren ist. Warum dieser Roman auch Männer und Erwachsene anspricht, sind jedoch wohl der Science-Fiction-Gehalt an Ideen und die politischen Aspekte. Leider hat die Autorin ihre Ideen, die "Der PSI-Faktor" noch interessant werden ließen, nicht erweitert, sondern erklärt sie wieder und wieder.

Die Science in der romantischen Fiction

Enge Verbindungen zwischen Mensch und Maschine sind wie in "Matrix" gang und gäbe. Befehle werden mittels Gedankenkraft an Maschinen erteilt. Auf einer höheren Ebene als der körperlichen existiert das Skolia-Netz, das rein auf PSI-Kraft basiert und in dem sowohl befähigte Personen wie die Rhon und kompatible Computer miteinander verknüpft sind. Es gibt noch weitere Ideen, so etwa zum Reisen schneller als mit Lichtgeschwindigkeit. Dieser FTL-Flug (FTL = faster than light) ist allerdings auch eine Reise durch die Zeit, und ich wunderte mich gehörig, dass Althor dabei die punktgenaue Rückkehr in sein 24. Jahrhundert gelang.

Schon in "Der PSI-Faktor" war die Rede von "Aristos", die eine Plage für Psi-Begabte darstellen. Die ebenfalls Psi-empfänglichen Aristos entführen Psi-Talente, um sie als Versorger zu missbrauchen. Der Aristo ist nur für Schmerz empfänglich, der sich bekanntlich auch in Lust umwandeln lässt, so etwa im Masochismus. Der Aristo braucht den Psi-Versorger daher nur zu foltern, um jede Menge Lustempfindungen zu "melken".

In der praktischen Anwendung auf unseren Helden Althor bedeutet dies, dass er von einem Verräter an einen Aristo unter den eubianischen Händlern verkauft wird, und Tina mit ihm. Während Althor als Versorger gefoltert wird, haben die Eubianer glücklicherweise Tinas Psi-Potenzial noch nicht in dessen ganzer Kapazität und Tragweite erkannt. Als sie sich unabsichtlich verrät, soll auch sie als Versorgerin herhalten. Nur ein guter Verbündeter hilft den beiden Psi-Begabten aus der Patsche. Dieses Kapitel ist der actionreiche Höhepunkt des Mittelteils. Danach plätschert die Story vor sich hin, bis es zu einem ziemlich lahmen Finale kommt und sich alles in Wohlgefallen auflöst.

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Ulf Ritgen ist ganz ordentlich, aber nicht das Höchste der Gefühle: Stellenweise holprig und gespickt mit den Fachausdrücken, mit denen die Autorin um sich wirft, kommen auch noch zahlreiche Druckfehler hinzu. Da es scheinbar keine Korrektoren mehr gibt, sind solchen Fehlern überall Tür und Tor geöffnet.

Ich will aber doch noch einen kapitalen Fehler nicht unerwähnt lassen, der die Nachlässigkeit heutiger Übersetzer belegt. Auf Seite 379 verwechselt Ulf Ritgen die Hauptfigur Althor mit einer anderen Figur, nämlich Ragnar Bloodmark. Seltsamerweise blieb folgender Satz stehen: "Althor [eigentlich Bloodmark] deutete auf Althor …" Im nächsten Absatz spricht dann wieder der richtige Althor. Den Fehler hätte man also leicht bemerken und korrigieren können. Aber dazu war wohl keine Zeit. Taschenbuchübersetzungen sind notorisch schlecht bezahlt.

Unterm Strich

Catherine Asaro verknüpft eine klassische Romanze um höchst unterschiedliche Liebende mit einem Hightech- und PSI-Hintergrund, der einige neue Ideen in die Cyberspace-verwandte Science-Fiction-Welt Skolia einbringt. Doch in ihrem zweiten Roman versäumt sie, das Erzielte auszubauen und mit frischen Aspekten aufzuladen. Das macht die Lektüre ziemlich langweilig. Weil sie auch nicht gelernt hat, Handlung und Erklärungen organisch miteinander zu verweben, halten die Erklärungspassagen den Leser unnötig auf und langweilen ihn noch mehr – falls er die Erklärungen überhaupt liest.

Ansonsten ist dies jetzt keine Romeo-und-Julia-Story mehr, sondern die modernisierte Variante von "Aschenputtel". Die kleine unscheinbare Kellnerin aus Mexiko wird von ihrem schräg anmutenden Sternenprinzen ins Reich der unbegrenzten Möglichkeiten entführt, um ihm nach bestandener Feuerprobe zu Sieg und Herrschaft zu verhelfen – und selbst Mutter einer ganzen Dynastie von Psi-Begabten zu werden. Dass sie dabei erst nach katholischem Ritus und dann nach Maya-Skolia-Ritus heiratet, verleiht der ganzen Affäre – in doppeltem Sinne – einen Anstrich, wie er legitimer nicht sein könnte. Damit dürften selbst die erzkonservativen "Töchter der Amerikanischen Revolution" kein Problem haben.

Fazit: Muss man nicht kennen. Hoffentlich sind die Folgebände besser.

Eine Rezension von



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Michael Matzer
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Name: Sternenreich von Skolia 2: Jäger des Lichts

Art: Roman für Romane SciFi; 571 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2006

ISBN-10: 3-40424-317-x

ISBN-13: 978-3-40424-317-4

Kontakt: Lübbe
Homepage: www.luebbe.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20