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Romane Horror - John Sinclair: Die Rückkehr des schwarzen Tods

Des Geisterjägers Höllenfahrt
Diesmal kann Geisterjäger John Sinclair der Rückkehr des Bösen in seine Welt keinen Einhalt gebieten. Vielmehr wird er in dessen "Welt der verlorenen Engel" gesaugt und begegnet dort seinem Schicksal. Gibt es noch Hoffnung für ihn?

Der Autor
Der unter dem Pseudonym "Jason Dark" arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 - also vor rund 34 Jahren - eröffnete der Roman "Die Nacht des Hexers" die neue Romanheft-Gruselserie "Gespenster-Krimi" aus dem Hause Bastei.
250 Millionen! So viele Hefte hat Jason Dark von den Geschichten seines "Geisterjägers Jason Dark" in 25 Jahren verkauft (bzw. den Bastei-Lübbe-Verlag verkaufen lassen). Das sind laut Autor 1300 Heftromane plus mehr als 260 Taschenbuchausgaben: 4 Hefte und ein Taschenbuch pro Monat, behauptet der Autor in seinem Vorwort. Es ist schwer, ihn zu widerlegen.

Die Hauptfiguren
John Sinclair: Oberinspektor bei einer kleinen "Spezialabteilung" von Scotland Yard, heimlich aber der reinkarnierte "Sohn des Lichts" alias König Salomo, Richard Löwenherz und Tempelritter Hector de Valois. Trotzdem eine Vollwaise. Sinclair wird von einem Kreuz als Waffe des Guten beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt (ca. 500 v. Chr.). Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Hat einen silbernen Bumerang gegen den Schwarzen Tod eingesetzt.
Suko: Inspektor ebenda, Freund und Partner Sinclairs. Kungfumeister mit zwei tollen Waffen: eine Dämonenpeitsche und ein Zeitstopp-Zauberspruch. Partnerin: Shao.
Sir James Powell: der Chef der beiden. Loyal, hat aber "Magenprobleme".
Glenda Perkins: Powells Sekretärin, kocht den besten Kaffee der Welt und hat eine spitze Zunge.
Jane Collins: Hexe, Privatdetektivin, Ex-Geliebte Johns. Steht auf der Seite Johns.
Lady Sarah Goldwyn: "Horror-Oma" genannt, Mutterersatz für John, Mentorin.
Dracula II: Will Mallmann, Ex-Kommissar beim Bundeskriminalamt, Exfreund von John, jetzt aber Herrscher der Vampire. Böse, leider.
Justine Cavallo: "Blonde Bestie" in schwarzem Leder, will John zum Vampir konvertieren, Partnerin von Dracula II und dem Menschdämon Vincent van Akkeren
Der Spuk: Nr. 2 im Dämonenreich, hat mit John Waffenstillstand geschlossen.
Der Schwarze Tod: Sehr alter Oberdämon, der den Untergang von Atlantis herbeiführte. Gestalt des Sensenmanns. Wurde von John besiegt.

Handlung
Einer von Sinclairs früheren Widersachern namens "Dracula II", bürgerlich Will Mallmann (s. o.), warnt Sinclair vor der nahenden Rückkehr eines finsteren Oberdämonen. Sinclair hatte den Schwarzen Tod vor Jahren besiegt und vernichtet. Doch demnächst werde der Höllenfürst aus dem Zwischenreich zurückkehren, um grausame Rache zu nehmen. Ein Vorläufer werde ihm den Weg bereiten: der Todesdämon Namtar (ein sumerischer Name). Damit Namtar seine Aufgabe erledigen und den Oberdämon herbeirufen kann, muss er zunächst vier Engel töten. Und wie es scheint, müssen sie die Namen der vier Evangelisten Matthäus, Lukas, Markus und Johannes tragen. Diesen sind vier Symbole und Eigenschaften zugeordnet:
Matthäus - Engel - gut
Markus - Löwe - stark
Lukas - Stier - stur
Johannes - Adler - frei

Mit Matthew Wilde, dem "Engel der Straße", der sich der Obdachlosen annimmt, macht Namtar einen vielversprechenden Anfang. Nur Matthews Freundin Rose entkommt seinem erfolgreichen Anschlag und berichtet als Erste Sinclair und seinem Kollegen Suko von der ersten Tat Namtars.
Namtar besitzt in einer Gruft einen magischen Spiegel, in dem nun bereits das erste Viertel des Körpers des Schwarzen Tods sichtbar wird. Nach drei weiteren Morden wird dieser Körper vollständig sichtbar sein und Namtar sagen können: "Der Weg ist frei!"
Schon bald folgen Matthew ein gewisser Marcus Fleming und ein Lucas Taylor in die Ewigen Jagdgründe. Anders als erwartet kann Sinclair mit seinem Freund Suko dem Dämon nicht Einhalt gebieten, und sie können John Preston nicht in erwartetem Maße schützen.
Schließlich ist selbst die Allianz mit Dracula II und dessen Verbündeter, der erotischen Vampirin Justine Cavallo, der Blonden Bestie, nicht stark genug, das Eindringen des Schwarzen Tods aufzuhalten. Allmählich wird es eng für die Guten.
Vielmehr wird John Sinclair selbst in die "Welt der verlorenen Engel" gesaugt und muss in dieser kalten Parallelwelt dem Todesdämon gegenübertreten. Doch Menschen sind bekanntlich schwach und Sinclairs Waffen haben bereits einmal versagt, wie der Schwarze Tod weiß. Gibt es noch Hoffnung für ihn und die Welt der Menschen?

Mein Eindruck
Zunächst folgt die Handlung den bekannten Mustern mystischer Horror-Thriller: Die Ankunft Satans auf Erden muss vorbereitet werden, meist durch Menschenopfer. Sobald er selbst, gerufen von seinem Wegbereiter, eintritt, wird's ernst. Die Entscheidung fällt, ob er seine Herrschaft über die Menschenwelt antreten kann oder nicht.
Auch John Sinclairs neuestes Abenteuer folgt diesem Muster. Es gibt aber einige Überraschungen. So muss sich der Held mit seinen früheren Widersachern in einem zeitweiligen Burgfrieden verbünden, um stark genug sein zu können.
Aber auch dies reicht nicht, um Sinclair selbst davor zu bewahren, in die Welt des Bösen gesaugt zu werden. Dort muss er der Wahrheit über seine eigene Schwäche ins Gesicht sehen. Hilfe erhält er nicht aus sich selbst heraus, sondern von völlig unerwarteter Seite.
Dieser Plot kann es durchaus mit den schockierendsten Hollywood-Mystic-Thriller aufnehmen, geht im Finale sogar noch weiter. Hollywood, vertreten durch Sam Raimi und Clive Barker, werden erst in Jahren dort ankommen. "Hellraiser" kam schon verdächtig nahe in diese Dimension, schuf aber seine eigene Hölle mit den Zönobiten, statt sich auf althergebrachte biblische Vorgaben über Engel und Dämonen zu stützen. Barker ist eben etwas origineller als die Bibel.
Es gibt auch Humor in dieser Story. Dieser ist allerdings mehr von der grimmigen Sorte. Als Sinclair der Vampirin Justine Cavallo begegnet, registriert er zwar deren sexuelle Anziehungskraft, meint aber: "Ich wette, du würdest mich am liebsten ganz aussaugen." Was sie unumwunden sofort bestätigt. Sinclair wäre eine tolle Trophäe in ihrer Sammlung von Opfern.

Unterm Strich
Horrorfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten: Spannung, Mystik, Action. Fans von John Sinclair erwartet ein außergewöhnlich gut konstruiertes Abenteuer, das den Helden über die Grenzen seiner Möglichkeiten hinausführt. Es kombiniert Erotik und Humor, um den Bierernst der Zwangslagen, in die Sinclair gerät, wenigstens etwas zu kompensieren.
Das Einzige, was ich mir noch wünschen könnte, wären mehr Rollen für Frauen. Miss Cavallo als pars pro toto ist doch etwas wenig. Aber das Problem mit Frauenrollen im Horrorgenre war bis zum Aufstieg von Anne Rice zur Vampirkönigin, dass so wenige Rollen davon "politisch korrekt" waren. Bei "Jason Dark" merkt man die alte Haltung immer noch deutlich. Powells Sekretärin Glenda Perkins (s. o.) beispielsweise wird vor allem deshalb so hoch gelobt, weil sie "den besten Kaffee der Welt kocht". Ansonsten muss Mann sich vor ihrer spitzen Zunge in Acht nehmen. Das ist offenbar schon alles, was Mann über sie wissen muss, und das ist nicht allzu viel. Aber so sind viele der Charakterisierungen von Nebenfiguren in den Geisterjäger-Romanen: bloß nicht vom Wesentlichen ablenken!
Das Buch liest sich ähnlich flott und mühelos wie die Hefte, ist aber wesentlich besser aufgebaut. Statt ständig nur die notwendigen kurzen Spannungsbögen aufzubauen, kommt noch ein langer, sorgfältig herbeigeführter Spannungsbogen hinzu, der durch die Versetzung des Helden in die Parallelwelt der Hölle eine unerwartete Wendung erfährt. Mehr darf nicht verraten werden.

Eine Rezension von



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Michael Matzer
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Name: John Sinclair: Die Rückkehr des schwarzen Tods

Art: Roman für Romane Horror; 317 Seiten; Taschenbuch;

Publikationsjahr: 2007

ISBN-10: 3-40415-662-5

ISBN-13: 978-3-40415-662-7

Kontakt: Bastei Lübbe
Homepage: www.bastei-luebbe.de

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20