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Magazine - Nova (12)

NOVA nennt sich selbst MAGAZIN FÜR SCIENCE FICTION UND SPEKULATION. Seit dieser Ausgabe fehlt allerdings im Untertitel der Begriff DEUTSCHE. Seit einiger Zeit vermisse ich aber gerade die Spekulation. Auch das vorliegende Heft ist lediglich eine illustrierte Kurzgeschichtensammlung mit einem Sonderteil über Science Fiction in Indien. Die Kurzgeschichten stehen jedoch eindeutig im Mittelpunkt. Dabei hilft es nicht, dass die Erzählungen von guten Zeichnungen begleitet werden. Der Ansatz ist da, aber das Ziel nicht erreicht.
Das wichtigste zuerst. Der Beitrag über Indien und die Science Fiction in diesem Land. In den letzten Jahren kamen doch einige indische Titel in Übersetzung in Deutschland an und erweiterten auf diese Weise sehr angenehm den Erfahrungshorizont des Lesers und Schreibers dieser Zeilen. Auf Anhieb fällt mir im Augenblick aber nur Samit Basu ein. Was aber auch wieder zeigt, dass sie keinen grossen bleibenden Eindruck hinterliessen.

Michael K. Iwoleit Ein Science Fiction Kontinent erwacht
Sollen wir ein paar Haare spalten? Wenn man von Indien spricht, dann ganz bestimmt nicht von einem Kontinent. Der Südwestzipfel Asiens wird in der wissenschaftlichen Literatur durchaus als Subkontinent bezeichnet, damit könnte ich leben. Aber sagen sie mal den über eine Millarden Chinesen, die 'paar' hundert Millionen Inder hätten einen eigenen Kontinent. Das Gelächter würde wahrscheinlich ganz Frankfurt zum Einsturz bringen.
Aber mal weg von diesen Selbstdarstellungsgehaben, zu denen jeder neigt, der über andere schreibt und meint es besser zu wissen. In diesem Fall weiss ich es jedoch nicht besser. Ich habe mich nie mit indischer Phantastik im Allgemeinen, noch mit Science Fiction im Besonderen auseinander gesetzt und daher muss ich auf das vertrauen, was Michael K. Iwoleit schreibt. Aus diesem Grund habe ich seine Zeilen mit Interesse gelesen und war gespannt, was denn die indischen Autoren selbst zu sagen haben.

M. H. Srinarahari Indische Science Fiction heute
M. H. Srinarahari hatte mein Interesse sofort, als er über die indischen Epen RAMAYANA und MAHABHARATA schrieb. Dass die Schilderung eines Raumfahrzeuges so weit in die Vergangenheit der menschlichen Geschichte zurückweist, war mir eigentlich nur bei Hesekiel bekannt. Es lohnt sich sicherlich, bei anderen Kulturen einmal nachzusehen, was diese zu bieten haben. Sein Ausflug in die indische Phantastik hat mir gezeigt, dass es mehr gibt als die von mir bemängelte vorherrschende amerikanisierte SF, die Europa, vornehmlich aber Deutschland überfällt. Die Anmerkungen von Michael K. Iwoleit waren durchaus hilfreich, da nicht alles als bekannt vorausgesetzt werden konnte.
Anil Menon Zinnober
Mit der Erzählung entspricht Anil Menon genau dem Klischee, dass ich in meinem Kopf habe, wenn ich an Indien und indische Verhaltensweisen denke. Aber das ist auch alles, was ich aus dieser Erzählung behalten habe, nachdem ich sie gelesen hatte. Den Rest über die Zinnober-Revolution 1995 habe ich wieder vergessen.

Vandan Singha Ein Gespräch mit Anil Menon
Was kann man nicht alles über einen Autor erfahren, wenn man ein Gespräch führt, einem zuhören darf oder einen kleinen Ausschnitt daraus lesen kann. Eine Frage, die ich mir stelle, ist natürlich, kann man einen Autor, der seit zehn Jahren nicht mehr in Indien war und seither in den Vereinigten Staaten lebt, noch indischen Autor nennen? Tausende Kilometer entfernt, auf einem anderen Kontinent mit einer komplett anderen Lebensweise, auch mit Informationen über Indien, ist man doch nicht mehr am Puls des Landes. Jede Information die von anderen weiter gegeben wird ist gefiltert. Wo bleibt also das "indische?" Was macht einen indischen Schriftsteller aus und was einen Schriftsteller indischer Herkunft? Diese Frage wurde weder gestellt noch beantwortet. Aber dafür andere Antworten gegeben.
Alles zusammen betrachtet ist dieser Ausflug auf den Subkontinent lediglich wie ein Blick durch das Astloch im Zaun. Staunend, sehnsüchtig, aber nicht greifbar nah. Möge NOVA noch mehr Astlöcher finden und irgendwann einmal die Tür im Zaun, um uns staunende Leser besser an den Wundern dahinter teilhaben zu lassen.

Karsten Greve Träumer
Seine Geschichte erzählt uns, dass man auch während des Schlafens arbeiten kann, ja muss. Die menschliche Arbeitskraft wird bis zur letzten Minute vollkommen ausgenutzt.

Frank Hebben Das Bild im leeren Rahmen
Im weitesten Sinn kann man diese Geschichte dem Cyberpunk zurechnen. Auf der Suche nach Erklärungen der Schering-Technologien und -Versuche gerät ein Mann, in diesem Fall der Erzähler, in einen ungewollten Strudel von Ereignissen. Schwache Erinnerungen an das Buch DER WELTKRIEGSKONZERN werden wach.

Ingo Weiske Variable Parameter
Ein überzeugendes Beispiel, dass aus einer Erzählung eine positive Grundeinstellung gegenüber der Technik und all ihren Spielarten, bis hin zu digitalen Avataren gefunden werden kann.

Michael Hardegger Welt zum Spielen
Der Präsident der UNO erklärt dem Staat Andorra den Atomkrieg. So etwas unlogisches, erkennt selbst der Erzähler der Geschichte. Die Pointe wird aber durch die Zeichnung vorweg genommen.

Uwe Post Arkana
Die Geschichte von nicht-menschlichen Wesen, die einen neuen Stern entdecken. Durch ihren Eingriff erwacht Arkana zu neuem Leben.

Nadine Boos Strom!
Das Leiden eines Roboters auf der Suche nach Strom, wie ein Verdurstender nach Wasser.
Holger Eckhardt Nordlicht über Venedig
Wenn man erfährt, dass die Nordlicht III ein Raumschiff ist, versteht man schon eher, was es mit dieser Überschrift auf sich hat. Das Ende ist dann doch noch überraschend.

Florian F. Marzin Südseeträume
Eine Homage an H. P. Lovecraft, so steht es bereits am Beginn der Erzählung.

Helmut Hirsch Aliens an Bord
Fremde im Universum versteht man nicht immer aber andererseits, wer ist der Fremde, wenn zwei Unbekannte aufeinander treffen?

Helmuth W. Mommers Körper zu vermieten
Vermietungen haben immer Probleme. Erst recht, wenn man aus dem Körper ein- und ausziehen kann, wie man will. Vielleicht ist man plötzlich selbst betroffen?

Andreas Gruber Bianca Monroe
Ein netter SF-Krimi, der sich dem Leser spannend darstellt.

Viel mehr als ein paar Sätze zu den Geschichten sind es nicht geworden. In vielen Fällen wäre mehr, zuviel. Kurzgeschichten leben von der Kürze, vom Aufbau der Spannung bis hin zu einem, möglichst überraschenden, Ende. In diesem Fall kann ich dies allen Geschichten attestieren. Gelungen, lesenswert, empfehlenswert.

Dies ist eine Rezension aus
Der phantastische Bücherbrief
dem monatlich erscheinenden Newsletter vom Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber.



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Name: Nova (12)

Art: Magazin für Magazine; 191 Seiten; Heft;

Publikationsjahr: 2007

ISBN-10: 4-28290-123-3

ISBN-13: 1864-2829_12

Preis: 13 Euro

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20