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Chez Geek

Es ist schon eine Faustregel, daß man unkomplizierte und provokante Spielideen aus dem Ausland, speziell Amerika, importiert, während man sich im Ausland um die Lizenzen der eher komplexen deutschen Spielideen bemüht. Chez Geek ist einer dieser Kartenspiel-Importe und konnte international bereits eine große Fangemeinde gewinnen. Auch hierzulande gab es schon Spieler, die sich seit 1999 mit der englischen Version des Spiels beschäftigt haben, aber durch die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe, ist der Weg für den Massenmarkt geebnet.

Der Titel des Spiels läßt sich nicht leicht übersetzen, obwohl er recht treffend ist. Mit "Unter Besessenen" liegt man wohl nicht ganz falsch, immerhin ist ein Geek jemand der von einer Thematik (z.B. Computer) geradezu besessen ist und am liebsten den ganzen Tag mit Gleichgesinnten schwatzt.
Bei Chez Geek geht es um eine Wohngemeinschaft junger Leute, in der jeder Spieler die Rolle eines Bewohners übernimmt. Ziel des Spiels ist es, seinem Bewohner eine möglichst erholsame Zeit (englisch "Slack") zu verschaffen.
Zum Beispiel indem man für das körperliche Wohl sorgt, den heimischen Computer auf den neuesten Stand bringt oder sich einen netten Videoabend gönnt. Auch Gäste können beim Erholen hilfreich sein, wenn sie die Gastfreundschaft nicht ausnutzen - wie zum Beispiel die "Super-Zecke", die einem alles Konsumierbare abjagt.
Der Spieler, der am schnellsten die erforderlichen Erholungs- bzw. Slack-Punkte beisammen hat, gewinnt das Spiel.

Sinn des Spiels
Bei Spielbeginn bekommt jeder Spieler zufällig eine der neun Jobkarten ausgeteilt. Diese zeigen ein Bild des Bewohners, einen Erklärungstext und drei Spielwerte: Freizeit, Einkommen und Slackziel. Zur Auswahl stehen Web Designer, Zeitarbeiter, Technische Support-Hotline, Arbeitsdrohne, HiWi, Professionelles Versuchskaninchen, Kellner, Drummer und Slacker. Als Faustregel gilt: je stressiger der Job (Slackziel zw. 16 und 20) und je weniger Freizeit (1-3) man hat, desto mehr Geld (1-6) landet regelmäßig auf dem Konto. Es ist halt ein Fluch viel Geld zu verdienen, aber viel zu wenig Zeit zu haben, es auszugeben - umgekehrt genauso.
Neben den Spielwerten hat jeder Job spezielle Vor- und Nachteile. Zum Beispiel den Verzicht auf Drogen (beim Versuchskaninchen) oder zusätzliche Slackpunkte bei besonders passender Art der Erholung (z.B. Schlafen beim Kellner).

Spielkarten
Alles was man so zum Erholen braucht, egal ob es sich um Dinge, Ereignisse oder Personen handelt, liegen ebenfalls in Spielkartenform vor. Auch hier findet man wieder je ein nettes Bildchen, eine Rubrikbezeichnung, einen Beschreibungstext und zwei Spielwerte, nämlich die ggf. vorhandenen Kosten für den Einsatz und die aus der Verwendung resultierende Erholung in Slackpunkten. Während die kleinen, feinen Dinge im Leben, wie Zigaretten, Chips, Musik-CDs oder eine Rückenmassage eher preisgünstige, wenn nicht sogar kostenlose Freizeitfüller sind, die allerdings auch nur einen minderen Erholungsfaktor haben, so stehen am oberen Ende der Preis- und Erholungsskala Dinge wie eine Spielekonsole, halluzinogene Pilze oder Computerliteratur. Interessant ist, daß die selten vorkommende, aber nichts desto trotz erheiternde "Schäferstündchen"-Karte eine vom Zufall bestimmte Erholung zwischen 0(!) und 5 Punkten ergibt, die man mittels Würfelwurf ermittelt - erheiternd vor allem, weil die Szenerie jedesmal anders ist: zum Beispiel im Theater, während der Rollenspielrunde, in der Kneipe oder Uni... es gibt mir zu denken, das neben Sex P&P-Rollenspiel die einzige Beschäftigung ist, deren Erholungswert man ebenfalls mit dem Würfel ermittelt... hier waren echte Nerds am Werk!

Um das "Dinge und Ereignisse anreichern" im Spiel noch interessanter zu machen, kann man sich auch mit "erholsamen" Personen umgeben, die wiederum oft mit den bereits vorhandenen Gegenständen wechselwirken. Im besten Fall harmonieren die Personen mit den vorhandenen Dingen (Kombination erhöht den Slackwert) und schützen den Bewohner sogar vor unliebsamen Ereignissen.
In die Rubrik "unliebsame Ereignisse und Personen" läßt sich dann auch die vorletzte Sorte Spielkarten einsortieren, die nur einen Zweck hat: die Erholung gegnerischer Spieler zu stören oder unwirksam zu machen (sogenannte Konter-Spielkarten). Dazu kann man penetrante Personen auf die Zimmer der Mitbewohner loslassen, die zum Beispiel den Computer dauerhaft blockieren (Internet-Junkie) oder die Essensvorräte wegfressen.
Last but not least gibt es "Jederzeit"-Ereigniskarten, mit denen man den Spielverlauf spontan positiv (für sich) oder negativ (für andere) beeinflussen kann, zum Beispiel durch eine "Gehaltserhöhung" (erhöht Einkommen um 1) oder eine "Auto-Alarmanlage" (kontert "Schlaf").

Spielverlauf
Bei Spielbeginn bekommt jeder Bewohner eine Jobkarte und fünf Spielkarten.
Die Spieler kommen der Reihe nach dran und dürfen in ihrer Runde folgende Phasen absolvieren:

  • Ziehen (auf 6 Handkarten auffüllen)
  • Würfeln (alles was einen Wurf erfordert)
  • Leute anrufen (Personenkarten ausspielen)
  • Freizeit (je nach Freizeitpunkten und Geld darf Eingekauft und/oder Aktivitäten durchgeführt werden) und
  • Ablegen (man darf max. 5 Handkarten in die nächste Spielrunde mitnehmen).
Vor sich abgelegte Spielkarten entsprechen dem Inventar des eigenen Zimmers in der Wohngemeinschaft, d.h. "feindliche Spielkarten" werden in die Zimmer der Mitspieler abgelegt, bzw. dazu verwendet Spielkarten aus den Zimmern der Mitspieler zu entfernen.
Den optimalen Überblick über den Spielstand behält man, wenn jeder Spieler sich bei Spielbeginn eine Menge Marker entsprechend seiner Slackpunkte nimmt und diese auf seine Spielkarten verteilt, die ihm Slackpunkte geben. So ist jeder Spieler über den eigenen Erholungsfortschritt und den der anderen Spieler informiert und kann entsprechende Aktionen besser planen.

Technisches
John Kovalic ist auch hierzulande längst kein Unbekannter mehr, spätestens seitdem Feder&Schwert mit der Übersetzung seiner Dork Tower Comic-Sammelbände begonnen hat, die sich dem Alltag der Spiele-, Computer- und Phantastik-Fans (bzw. "Geeks" oder "Nerds") widmen. Die Zeichnungen auf den Spielkarten sind ebenfalls eher comichaft und obwohl man sie kaum als "technische Meisterwerke" bezeichnen wird, so paßt der simple und meist lustige Stil der Zeichnungen sehr gut zum Konzept des Spiels.
Da die Schrift auf den Spielkarten eher klein ist und weiße Schrift auf schwarzem Grund nicht unbedingt die Lesbarkeit fördert, ist man auf entsprechende Lichtquellen am Spieltisch angewiesen.

Fazit:
Ich habe Chez Geek anfangs zu zweit gespielt, was auch zum Ausprobieren der Spielregeln recht gut funktioniert, aber nicht unbedingt ein Quell ungebremster Spielfreude ist.
Viel besser wird das Spiel mit wenigstens drei und noch optimal mit vier oder fünf Spielern am Tisch. Gut zudem, wenn die Spieler die Anspielungen auf den Spielkarten verstehen oder sogar mit Phasen ihres eigenen Lebens verbinden, weil dann schon bestimmte Kombinationen an Spielkarten für Heiterkeitsausbrüche sorgen können. Man muß kein "Geek" sein, um an Chez Geek viel Spaß zu haben, aber schaden kann es sicherlich nicht.
Daumen hoch! Ein schönes Spiel, was dem Spielehit des letzten Jahres: Munchkin, meines Erachtens nach ernsthaft Konkurrenz machen kann.


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    Name: Chez Geek

    Art: Kartenspiel für Chez Geek; Box;

    Publikationsjahr: 2004

    ISBN-10: 3-93782-613-0

    ISBN-13: 978-3-93782-613-4

    Preis: 13 Euro

    Kontakt: Pegasus Press
    Homepage: www.drosi.de/to_pegasus.htm

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    Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20