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Buffy-The Vampire Slayer - Buffy the Vampire Slayer Corebook

    Anmerkung zum Rezensenten:
    Ich bin kein wirklicher Buffy-Fraggle. Aber es hat mich eigentlich meistens gut unterhalten, selbst in der deutschen Synchro (nur das Lesen von drtb hat es mir manchmal vergällt). Andererseits bin ich ein bekennender Eden-Studios-Fraggle (Witchcraft, Armageddon, All Flesh Must Be Eaten ...) und C.J. Carella Fanboy.

Zur Gestaltung
Das Buffy-RPG ist ein stabiles Hardcover, vollfarbig, gut gebunden und 256 Seiten dick. Auf dem Cover ist ein farbiges Bild von Buffy vor einem Hintergrund, der in so einer Art Sepia gehalten den Rest des Casts (Spike, Giles, Cordy, Angel, Xander, Willow und Oz) zeigt.
Wenn ein Buffy-Fan das nicht interessant findet weiß ich auch nicht was dann.
Innen ist es hochglanz-vollfarbig, und reichlich mit Bildern aus der Serie illustriert. Mindestens eins pro Seite, meistens eher mehr (ok, ein paar haben keine Bilder, aber nur vereinzelt). Die Standbilder sind passend zum jeweiligen Thema ausgesucht und wirken nie wie billige Platzfüller und sind Qualitativ sehr hochwertig. Außerdem enthält das Buch eine sehr gute Zusammenfassung der ersten fünf Seasons eine Beschreibung und Charakterisierung der meisten handelnden Personen und Organisationen, eine Beschreibung des Settings und der Kosmologie, des Buffyverses halt und einen sehr ausführlichen und extrem unterhaltsamen 'Guide to Buffyspeak' ("Words are where the fun is."), der den Slang, die Popkultur-Anspielungen, die ulkigen Zusammengestzten Worte und Wortspiele, die die Serie so auszeichnen, wunderbar erklärt.
Das alles zusammen macht das Buch auch für nicht rollenspielende Buffy-Fans interessant und macht mindestens ein Drittel des Buchs aus (pi mal Daumen). Hinten dran ist auch noch Werbung für Buffy- und Angel-Bücher, -Comics und den offizielllen Buffy-Fanclub (wäre schön, wenn es andersrum genauso gewesen ist).
Ich finde, daß ein Rollenspiel das Setting verströmen muß und zumindest wenn es aus einem visuellen Medium hervorgeht, dann gehören gute Bilder und Illustrationen einfach dazu. Etwas, wo z.B. das Stargate RPG extrem versagt: schlechte und viel zu wenige Bilder, der Text atmet kaum das Setting und das Regelkonvolut läßt mich an keiner Stelle an das Setting denken ... aber ich greife vor.
Das Layout ist sehr übersichtlich, ohne langweilig zu wirken, unterschiedliche Teile sind farblich abgesetzt oder eingerahmt und die gewählte Schrift ist zwar etwas komisch, aber doch gut zu lesen. Kapitel und Abschnitte werden immer von (passenden) Zitaten oder Dialogteilen (mit Quellenangaben) aus der Serie eingeleitet und der Ton des Textes ist immer sehr buffyesk (nur das Dying-Earth-RPG kriegt das ähnlich gut hin). Einen alten Hasen nervt der Ton zwar ein wenig, aber für Anfänger ist es sicherlich nett und beseitigt die Hemmschwelle sich mit eigentlich drögen Regeln auseinanderzusetzen. Und es nervt überhaupt nicht im Gegensatz zu der grinsenden Hackfresse im Savage-Worlds-RPG, die mich mit ihrem infantilen Geseiere von der ersten Seite an tierisch aufgeregt hat.

Regelsystem:
Das Buffy-RPG bedient sich des Unisystems, Eden Studios Hausregeln. Und hier in der Lite- bzw. Cinematic-Version.
Sechs Attribute (klassische Sachen: Strength, Dexterity, Constitution, Intelligence, Perception, Willpower), ein paar berechnete, sekundäre Werte, Vor- und Nachteile (Qualities und Drawbacks), ein paar Skills und Combat Maneuvers und Drama Points machen den Hauptteil des Characters (hier Cast Member genannt, NPCs werden Guest Stars oder Adversaries genannt und der SL Director) aus.
Durchschnittliche Attribute liegen so bei 2 bis 4 ab 6 wird es übermenschlich. (Buffy, Season 5 hat z.B. Strength 8 und Dexterity 9 und meiner Meinung nach zu hoch: Intelligence 3; Willow und Giles haben Intelligence 5 und Dawn Stength 1)
Die Skills sind sehr breit gehalten, z.B. Knowledge, Kung Fu (jegliche Art von waffenlosem Nahkampf), Driving, Gun Fu, Mr. Fix-it oder Getting Medieval (Nahkampfwaffen).
Der Wertebereich liegt ähnlich wie bei Attributen, wobei 2 und 3 Kompetenz bedeuten, 4 bis 5 hohes Können und alles darüber unglaublich gut ist. (Buffy hat 9 in Acrobatics und Kung-Fu, Willow 7 in Computers, Xander 5 in Mr. Fix-It und Cordy 4 in Influence)
Qualities und Drawbacks beinhalten das Klassische: Attraktivität, schnelle Reflexe, Alpträume, Hard to Kill etc., Buffy-spezifische Sachen wie Occult Library oder Nerd (ein Vorteil!), "Rassen" (Vampire, Robot, Werewolf etc) und archetypische Sachen wie Slayer, Jock, Sorcery oder Watcher.
Combat Maneuver sind die bevorzugten Kampfmanöver wie Dodge, Kick, Punch oder auch Stake (through the heart) oder Kick (groin kick) mit verschiedenen Treffer- und Schadenswerten, die kosten nichts sondern sind eher stilistische Merkmale.
Alle Attribute, Skills, Qualities und Drawbacks werden durch Zitate aus der Serie verdeutlicht.

Drama-Punkte hingegen sind die Seele des Spiels.
Mit Drama-Punkten wird ein großes Problem des Settings gelöst. Buffy ist die Arschtreterin und so ziemlich allen anderen den Scooby-Gang haushoch überlegen. Ok, sie ist strunzdoof und hat nicht sonderlich viel Selbstvertrauen, aber wenn man ständig von Vampiren und Monstren angegriffen wird sind Austeilfähigkeiten überproportional von Nutzen. Also ist die doch so oft gepredigte Gleichwertigkeit und Balance von vornherein nicht gegeben (mal davon abgesehen, daß das eh oft nur ein frommer Wunsch ist und die unmöglichsten Regelverbrechen begangen werden um den Anschein von Balance zu erwecken, oft ist es einfach nur eine Lüge).
Das ist ungerecht werden alle Fans von Zeppos (Xander) oder Giles rufen. Und der Autor hat den Ruf wohl gehört.
Es gibt zwei verschiedene Arten von Charakteren: Heroes und White Hats. Heroes (Slayer wie Buffy, oder Initiative Agents wie Riley) haben mehr Charakter-Punkte zur Verfügung, White Hats hingegen haben mehr Drama Punkte.
So wird das doch recht spürbare Ungleichgewicht kompensiert. Mit Drama-Punkten kann man sich einen +10 Bonus auf eine Aktion erkaufen, Schaden heilen, einen Plot-Twist herbeiführen, sich in eine Art Berserkerrausch versetzen oder sogar von den Toten zurückkehren (verschiedene Möglichkeiten, vom Wunder im OP zur Wiederkehr als Untoter oder dem verlorenen Zwilling).
Drama-Points kann man durch Erfahrungspunkte wiedergewinnen (einige Charaktere in der Serie scheinen das oft genutzt zu haben, denn sie lernen doch sehr wenig dazu, überleben aber trotzdem die haarsträubendsten Situationen) die für White Hats billiger sind oder aber durch gute, buffyeske Zitate, durch heroische Taten und vielleicht am wichtigsten nur für White Hats erhältlich: moralische Unterstützung der Slayerette. Eine sehr schöne Sache, denn ohne die Hilfe und Zuwendung der Scooby-Gang wäre Buffy schon längst ein Wrack geworden. So haben die White Hats eigentlich immer mehr Drama-Punkte als die Heroes und sie brauchen sie auch. Denn seien wir mal ehrlich, die Scoobies hätten ohne Drama-Punkte die erste Staffel nicht überlebt.

Damit können erfahrene Rollenspieler gleich loslegen, wer dennoch Schwierigkeiten hat für den gibt es Eden Studios-typische Archetypen. Vorgefertigte Charaktere, die entweder so benutzt werden können oder leicht angepaßt werden können (New Slayer, Former Initiative Agent, Demon Hunter, Martial Artist, Watcher, Psychic, Scooby Gang Member, Football Player, Hacker, Beginner Witch, Former Vampire Groupie und Amateur Hunter). Alle mit kleiner Geschichte und typischen Zitaten. Wer völlig untalentiert ist kann auch den originalen Cast spielen, die sind mit Werten für Season 5 und Hinweisen wie die für die einzelnen Staffeln zu modifizieren sind.

Die Regeln ... tja, das sind leicht abgespeckte Unisystem-Regeln und der Zentrale Wurf ist: 1D10 + Attribut + (Attribut oder Skill) >= 9 je nachdem wie weit es über 9 ist desto besser ist der Erfolg. Vor-, Nachteile oder situationsbedingte Boni/Mali modifizieren das Ergebnis.
Bei Aktionen gegen eine andere Person gewinnt der höhere Wert. Z.B. Kampf. Kampf läuft in Runden und besteht aus drei Phasen: Ansage, Initiative, Aktion. Jeder kann einmal Angreifen und einmal Parieren, manche Charaktere haben mehrere Aktionen (mit entsprechenden steigenden Abzügen) und Schaden ist recht fest (im Gegensatz zum original Unisystem wo dafür die ganze Latte von Würfeln verwendet wird W4xStrength oä) z.B. Kick: (2x(Strength+1)) oder Knife (2xStrength) plus den jeweiligen Erfolg wobei Schaden zwischen Stumpf, Scharf/Spitz, Kugeln und Feuer unterscheidet (Modifiziert Schaden vor/nach Abzug von Rüstung, Spitz z.B. verdoppelt den Schaden nach Anzug der evtl. vorhandenen Rüstung). Die Combat-Maneuver modifizieren das alles entsprechend.
Bei mir hört sich das dröge und öde an, aber C.J. Carella kriegt das schwungvoll und witzig, zumeist in Buffyspeak rüber, daß es eine Wonne ist das zu lesen. Außerdem ist das alles mit ausführlichen Beispielen unterfüttert.
Was sehr witzig ist, ist die Art und Weise wie man Vampire erledigt (und endlich machen die Kämpfe in der Serie Sinn): wenn der Stoß mit Mr. Pointy ins Herz erfolgreich ist und der resultierende Schaden (x5 nach Anzug von Rüstung) den Vampir auf 0 Hitpoints reduziert ist er Staub. Jetzt verstehe ich, warum Buffy die Typen immer so lange verdrischt, statt sie gleich zu pfählen!
An den Regelteil schließt sich ein zweiseitiger Beispielkampf mit drei Runden zwischen Buffy und Xander und drei kräftigen Vampiren an.
Danach kommt das Kapitel über Magie. Magie im Buffy-RPG ist sehr freeform und baut stark auf Rituale, Research und Vorbereitungen auf. Hexen entwickeln ein paar Fertigkeiten z.B. Telekinese ansonsten lernen sie Spells, die dann so klangvolle Namen wie Tespia's Demon Detection, Bloodstone Vengeance Spell oder Bolt of Apollo haben. Jedoch der Unterschied zu ihren D&D-Namensvettern ist, daß sie nicht leicht im Kampf verwendet werden können.

Sunnydale
Das Kapitel über Sunnydale beschreibt kurz und prägnant die wichtigen Schauplätze und zentralen Charaktere, das Kapitel über Monster die Fähigkeiten und Eigenarten der Gegner, hauptsächlich natürlich Vampire und Dämonen, aber auch Gestaltwandler, Geister, Zombies und Roboter werden geschildert und auch die Big Bosse werden dargestellt (Der Meister, Angelus, Drusilla, der Bürgermeister etc).
Zur Beschreibung der meisten NPCs bedient sich das Buffy-RPG einer Kurznotation. Da werden nur die Attribute, Lifepoints, Special Abilities, Maneuver und Abillity-Scores der Charaktere angeführt.
Das Entscheidende sind die Ability-Scores. Das ist quasi das Kondensat aus den entsprechenden Attributen und Skills und in Brains, Muscle und Combat zusammengedampft. Die Werte sind quasi das Ergebnis über das gewürfelt werden muß. Der Director muß also nicht für jeden kleinen Vampir würfeln, sondern schaut nur ob die Spieler drüber sind oder nicht. Sehr geniale Idee, ähnlich wie die Mooks/Unnamed-Characters beim Feng-Shui-RPG. Spart Platz, übermäßige Würfelei und lenkt nicht ab.

Spielleiter
Das Kapitel für Spielleiter gibt viele Hilfen wie man Buffy-Sessions planen und leiten kann. Dabei gibte es viele Hinweise wie man es anlegt (klassische Scooby-Gang, Initiative-Agenten, Watcher, Sunnydale oder ein anderer Ort oder gar eine Slayer-lose Serie). Es wird einem gezeigt wie man Seasons mit einem roten Faden anlegt und Plots und Sub-Plots werden geschildert. Weiterhin wird über NPCs geredet, wie man ihre Attribute und Abilities passend ermittelt und wie man die effektiv einsetzt.
Das Ganze orientiert sich an der Serie, bzw. einem echten Dreh, komplett mit Seasons, Episoden, Subplots, Climax, Special Episoden (Series Premieres, Season Premieres und Finales).
Alles locker und leicht beschrieben, mit Beispielen und Alternativen durchsetzt und nicht nur für Buffy-Spielleiter interessant.
Daran schließt sich ein 15-seitiges Beispielabenteuer an, das zu 20% aus Director-Tips besteht und eigentlich eine typische over-the-top Buffy-Episode sein könnte. Das habe ich in der Art noch nicht gesehen. In den weiteren Supplements wird der Faden dieses Abenteuers aufgegriffen und weitergeführt, was zusammen eine richtige kleine Season darstellt.

Letztendlich folgt noch der Anhang mit Glossar, Buffy-Speak-Lexikon, einer Zusammenfassung der Charaktererschaffung, der wichtigsten Tabellen und Werte und ein vierseitiger Index.

Das ganze ist so locker und leicht geschrieben, voller (Wort-)Witz und Anspielungen auf die Serie, daß es nicht nur Spaß macht es zu lesen, sondern man den Drang verspürt sich noch mal Buffy-Folgen anzuschauen und sie regelttechnisch zu kommentieren.

Weiterführendes Material:
Als Supplements gibt es:

  • Slayers Handbook ("Buffy: Wait. Handbook? What handbook? How come I don't have a handbook? - Willow: Is there a T-shirt, too? 'Cause that would be cool...") in dem mehr auf Slayer und ihre Fähigkeiten eingegangen wird und auch einige alternative Settings präsentiert werden (ähnlich wie die Deadworlds in All Flesh Must Be Eaten);
  • Monster Smackdown in dem mehr über Vampire, Dämonen und allgemeine Monstererschaffung und den Hellmouth erzählt wird;
  • Directors Screen der neben einem hübschen Spielleiterschirm Tips zum leiten und drei Abenteuer (Episoden) enthält;
  • The Magic Box in dem es neben Magie und Artefakte hauptsächlich um Bilder von Fräulein Rosenberg geht;
  • Welcome to Sunnydale enthält eine erweiterte Zeitlinie, prähistorisch bis Ende Season 7, mehr über Sunnydale, Plothooks und Karten von Sunnydale.
Die letzten beiden (und natürlich der Screen) sind Softcover und kein Hochglanz, aber immer noch in Farbe.

Fazit:
Alles in allem ist es sowohl eines der schönsten, besten und neulingsfreundlichsten Rollenspiele in meiner Sammlung (und das will, ganz unbescheiden, schon was heißen bei fast sieben Regalmetern) und ist eines der leuchtensten Beispiele wie man es machen sollte!

Es gibt eine weitere Rezension von JN zu diesem Produkt! Lesen?


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Martin Schramm
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Name: Buffy the Vampire Slayer Corebook

Art: Grundregeln für Buffy-The Vampire Slayer; 288 Seiten; Hardcover;

Publikationsjahr: 2002

ISBN-10: 1-89115-388-9

ISBN-13: 978-1-89115-388-4

Preis: 39 Euro

Kontakt: Eden Studios
Homepage: www.edenstudios.net

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Letzte Änderung / Last modify: 2008-01-20