Gedelfi und die Drachentöchter
Das Erbe des Huma

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An der Biegung des Flusses lag das Dorf, welches einst den Namen Grünau hatte. Das heißt, es hatte mehrere: Manche hatten es Lowbary genannt, ein Wort aus der Sprache der Hochelfen dieses Teils der Welt, die hiergewesen waren, ehe die Menschen, Gnome und Zwerge kamen - ein Name, dessen Bedeutung niemand mehr kannte.
Der kleine Gedelfi stammte in direkter Verbindung von den Kagonesti, den Ureinwohnern dieses Landes, ab. Sein Vater, ein hochangesehener Mann des Dorfes, lehrte ihn jedoch, keinesfalls hochnäsig oder arrogant zu erscheinen, da sie die letzte und einzige Familie des Clans der Kagonesti in diesem Dorf waren. Er lehrte ihn, Hilfsbereitschaft sei die größte Ehre, die einem Elfen zukommen könne, und er selbst hätte nach dieser Ehre zu streben. Arroganz und Hochnäsigkeit hingegen, seien die verachtungswürdigsten Eigenschaften eines Lebewesens. Doch selbst wenn solch ein Wesen Hilfe benötigt, solle er ihm diese gewähren. Gedelfi übte sich in Zurückhaltung und strebte eben nach dieser Grundehre des Clans, wobei ihn seine noch sehr jungen Geschwister nicht gerade gewähren ließen.

Eines Tages gab sein Vater ihm ein Amulett mit merkwürdigen Zeichen darauf und sprach mit sehr gebrochener Stimme zu ihm:
"Gehe in den Wald, tief in den Wald und kehre nie wieder hierher zurück. Suche nach Tristan dem Waldelfen und sage ihm, er hatte Recht und möge sich Deiner annehmen. Das Amulett wird Dich beschützen und Dir eines Tages bei der Erfüllung helfen."
Gedelfi verstand nicht, warum sein Vater soetwas von ihm verlangte, und erst recht nicht, von was für einer Erfüllung er sprach, aber er verließ das Dorf und machte sich auf die Suche nach Tristan, obwohl er gar nicht wußte, wer das eigentlich war. Am Abend jedoch trieb ihn ein merkwürdiges Gefühl zurück in Richtung Dorf. Die Stadtmauer ragte schwarz gegen den Nachthimmel auf, nicht mehr als ein Schatten, dessen Umrisse die Sterne auslöschten: Sie war verbrannt.
Die Nacht roch nach Hitze. Nach warmen Steinen und glühender Erde und nach anderen, unangenehmen Dingen, die Gedelfi zu erkennen sich verweigerte.

Sie waren alle tot - gestorben in der flammenden Hölle, die die Mauer schwarz gefärbt hatte, das sagte ihm sein Gefühl.
Er wußte nicht, wie lange er schon dastand und die geschwärzte Mauer angestarrt hatte, als er die Schritte vernahm. Zuerst erstarrte er vor Schrecken; aber nur für einen Moment. Dann fuhr Gedelfi herum, stieß einen Freudenschrei aus und lief in Richtung der Gestalt.
Doch schon bald blieb er wieder stehen, denn als er näher kam, sah er, daß es ein Fremder war. Doch irgendwie fühlte er auch etwas Bekanntes von dieser Person kommend. Er sagte sich, daß es die spitzen Ohren seien, doch das unterband sein Gefühl auch nicht.

Sie starrten sich eine Ewigkeit an, bis der fremde Elf endlich das Schweigen brach:
"Du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin Tristan, der Waldelf. Und Du bist Gedelfi, der Sohn des Kiraszot - ich weiß.
Es waren die Drachentöchter. Dein Vater wollte es nie wahrhaben, das es eines Tages passieren würde. Aber scheinbar ist er noch rechtzeitig zur Vernunft gekommen - sonst wärst Du jetzt nicht hier." Gedelfi hatte Angst, und umklammerte das Amulett wie ein Heiligtum. "Sie haben jeden getötet, außer Deinen 2 kleinen Schwestern, die haben sie mitgenommen."
Er erinnerte sich an die Worte seines Vaters "Das Amulett wird ich beschützen und Dir eines Tages bei der Erfüllung helfen", und obwohl er eigentlich nicht wußte was es war, und obwohl es ihm seine Religion verbot, schwor er, den Tod seiner Eltern zu rächen, und seineGeschwister zu befreien. Tristans Worte rissen ihn aus seine Gedanken.
"Ich sah sie nur noch davonfliegen; komm jetzt, wir wollen gehen. Wir haben viel zu tun."
Gedelfi warf noch einen Blick auf die noch schwelenden Ruinen, dann sah er diesen Ort nie wieder.

Gedelfi lernte vieles bei Tristan, und zog Jahre später aus, als die Besten jedes Volkes und jeder Klasse gesucht waren, die schwarze Königin zu vertreiben. Denn die Vorboten der Königin waren die DRACHENTÖCHTER...

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