Anonyme Rollenspielmeister IV

Dieser blasphemische Brief erreichte die Redaktion des "Extrem Mastering Journals" dem Hausmagazin der Anonymen Rollenspielmeister e.V. (Name und Absender der Redaktion bekannt)

Wir bitten um ihre Meinung !

"Die Sache mit den Artefakten, oder woran Meister denken müssen Es gibt Spielgruppen, diese haben ihre Privatdrachen mit denen sie Aventurien oder eine andere Rollenspielwelten bereisen und im Notfall ihren Widersachern mit taktischen Nuklearwaffen zu Leibe rücken. Und es gibt Gruppen, welche den Begriff Artefakt für eine Kunstzeitschrift oder bestenfalls ein Schimpfwort aus dem Novadischen halten.

Warum ? Nun das Sehen oder gar der Besitz eines solchen sagenumwobenen Gegenstandes ist so selten, das er schon fast in die Kategorie: "das ich das vor meinem Tode noch erleben darf" fällt. Nebenbei gesagt, auf unsere Gruppe trifft die letztere Variante zu. Allerdings in einer etwas abgemilderten Form. Aber wie Budda schon sagte, so liegt auch hier wohl die Wahrheit in der Mitte. Nur diese zu treffen fällt den Spielleitern und manchmal den Autoren der Abenteuer nicht ganz leicht. Weshalb ? Lassen wir einmal die Autoren außen vor, insofern sie nicht auch gleichzeitig die Meister sind. Sie können schließlich nicht 100%ig wissen wie jede Heldengruppe ausgerüstet ist und werden auch dies wie immer großzügig in die unschuldigen Hände der Spielleiter legen, wenn es nicht gerade Dinge von großer Wichtigkeit für das jeweilige Abenteuer bzw. der jeweiligen Kampagne betrifft. Da bleiben also noch die Spielleiter. Auf die, die eine Gruppe führen welche der ersten erwähnten Kategorie zuzuordnen sind brache ich wohl nicht nähr einzugehen. (Wer es so mag...). Und denjenigen, die in der besagten goldenen Mitte liegen, kann ich nur gratulieren. (Na, na nicht gleich allgemeines Schulterklopfen, die eine oder andere "Artefaktleiche" haben wir wohl schon vergessen ?)

Nun kommen wir zur dritten "Meistervariante". Jene die wir uns etwas genauer ansehen wollen, den "Artefaktliebhabern". Diese Bezeichnung erklärt sich wohl von selbst, denn solche Spielleiter lieben die Artefakte so sehr, daß sie sich nur schwer und äußerst selten davon trenne können. Die Gründe die angeführt werden sind vielfältig und nicht immer nachvollziehbar. Aber wer kann das schon von so vielbeschäftigten Personen wie den Meistern erwarten. Schließlich müssen sie ganze Welten überschauen und in Waage halten. Womit wir auch bei Punkt 1, der von ihnen angeführten Gründe wären. Sie sind der Meinung das die Gruppen oder der einzelne Held zu "mächtig" werden könnten, wenn man ihnen auch noch Artefakte überlassen würde. Nur das die Gruppen besagter Meister sowieso nur maximal einen Feuerstein plus 1 und einen aufblasbaren Oger, der immer rülpst, wenn man ihn umdreht, ihr eigen nennen, scheint sie nicht weiter zu stören. Nun ja, so ein Oger kann schon eine mächtige Waffe sein. Wenn man ihn z.B. in Mitten einer Gruppe Elfenmagiere plazieren würde, könnte der Gestank wohl einen mehr als durchschlagenden Erfolg bei den sehr geruchsempfindlichen Nasen der besagten Spezies mit sich führen. Da gibt es aber ein paar Probleme die berücksichtigt werden sollten. :

A) Wer ist so lebensmüde und bringt den Oger dorthin ? !
B) Wer zum Namenlosen ist so verrückt und bläst dieses stinkende etwas von einem Fellknäul auf. Denn selbst ein hartgesottener Schwarzmagier, der den einen oder anderen TLALUCS ODEM in seiner Laufbahn schon verschluckt hat und die leichten Unannehmlichkeiten eines nicht mehr ganz taufrischem Atems kennt, dürfte das Privileg der Benutzung eines solchen Artefakts (nach kurzer Bedenkzeit) wohl dankend ablehnen. Von den anderen Charakteren ganz zu schweigen.
C) Warum gerade Elfen ? Ich meine, die liebenswürdigen Spitzohren sind im Normalfall keine Feinde, ganz im Gegenteil. (Nun, wenn man jetzt aber einen aufblasbaren Elf hätte und diesen in ein Lager voller Novadies brächte wäre es durchaus möglich daraus Kapital zu schlagen. Nur das technische Problem mit dem rülpsen müßte noch gelöst werden.

Aber um an solche Hochkarätigen Artefakte zu kommen bedarf es schon eines Wunders oder besser gleich zwei, in Anbetracht des Meisters. Und dann sind da ja auch noch die vielen Dornen die eigenartigerweise beim Einsatz solch zerbrechlicher Artefakte spontan in Scharen auftreten...

Aber man sieht schon, die meisten Artefakte würden eine so verheerende Wirkung auf die Balance der Kräfte der jeweiligen Welt, des umliegenden Universums und der Lieblingsmonster des Meisters ausüben, daß man der Salomonischen Weisheit des Spielleiters, dieses Artefakt (und jedes weitere) der Gruppe kategorisch zu verweigern, mal wieder nur mit großem Erstaunen und offenen Mund beipflichten kann. (Ein Kniefall oder das Abküssen der Schuhe, gegebenenfalls auch beides in Kombination, sollten im Ernstfall ausreichen, um sein tiefes Bedauern darüber auszudrücken, daß man auch nur eine Sekunde an dem allumfassenden, wahrheitsfindenden Genius des Meisters gezweifelt hatte.)

Punkt zwei unserer "Artefaktliebhaber", das Artefakt passe nicht in die jeweilige Party. Hm, laßt uns einmal sehen. Es könnte ja durchaus der Fall eintreten das, sagen wir, ein magisches Methorn gefunden werden könnte. Wobei man allerdings davon ausgehen kann, daß solch ein großartiges Stücke mindestens das Hauptartefakt des Hortes eines Drachens darstellt, der wiederum der Letzte seiner Art ist und deshalb von den Greenguards geschützt wird. Nun ist eigentlich anzunehmen, daß die Spieler nicht die frevlerische Tat begehen und den letzten seiner Art töten und oder sogar es mit den Bodyguards Tsa’s aufnehmen werden. Beides natürlich zurückzuführen auf den Mangel an Artefakten und der Achtung der Helden vor dem Artenschutz.

Die Party könnte aber auch alle Bedenken, Todesängste und eventuelle Verletzungen des einen oder anderen Kodexes über Bord werfen und eben gerade wegen des permanenten Mangels an Artefakten schlußendlich zu der Erkenntnis gelangen, daß es besser ist hier und heute einen glorreichen Tod zu sterben, oder das Unmögliche wahr werden zu lassen, und dieses wahrlich göttliche Artefakt (immerhin Freibier für alle) in ihren Besitz zu bekommen. Dann hätten sie endlich, nach 3.1415927 Jahren intensiven Spiels, dem Verschleiß ungezählter Charaktere, Nerven und Kartoffelchips einen Beweis (neben der Fliegenklatsche plus 3 !) Für ihre ruhmreichen Taten und könnten sich verdientermaßen aufs Altenteil verlegen.

Oder einen anderen Meister suchen, da dieser ja scheinbar zu schwächeln beginnt. Natürlich ist der Genius des "Artefaktliebhabers" auch auf solche Eventualitäten eingestellt. Und überdenkt im selben Augenblick, da die Party das Himmelfahrtskommando startet, die Zusammenstellung der neuen Heldengruppe. Sicher, da sind noch die Gaus’schen Gleichungen betreffs der Mikrowellen bzw. der Wellenpakete und ihrer Bedeutung in Hinblick auf die Möglichkeit doch Überlichtgeschwindigkeit zu erreichen, wenn man den Ergebnissen der Tunnlungsversuche verschiedener Deutscher, Österreichischer und Amerikanischer Wissenschaftler glauben schenken darf. Alles sogar im Einklang mit der Relativitätstheorie und somit ohne Einsteins Werk kippen zu wollen, da der sich ja nicht mit dem Tunneln von Licht- bzw. Mikrowellen beschäftigte. Aber dies und ein paar andere Kleinigkeiten gehen unseren geliebten Spielleitern ja ständig durch den Kopf ohne das sie davon etwas sagen. Schließlich wollen sie ihre Schäfchen nicht noch mehr verschrecken. Eines ist nun sicher, aus dem eben noch altersschwachen, gutmütigen und auf der Felge kauenden Drachen, wird im selben Moment da die abtrünnigen Helden angreifen eine reißende Bestie.

Und die friedvollen, umgänglichen Tsa Jünger, welche ansonsten niemandem Schaden zufügen würden, (als auch könnten !) mutieren vor den ungläubigen Augen der Gruppe zu Dämonischen Wesenheiten, die so schwarz sind, daß sogar die Niederhöllen gegen sie wie ein Hort des Lichts erscheinen. Völlig klar das dies nicht wegen des Verstoßes gegen den Artenschutz oder des Angriffs auf jungfräuliche Tsajünger geschieht. Nein, das Artefakt, SEIN Artefakt gerät womöglich in falsche Hände ! Das bedeutet KRIEG ! Ein erbitterter Kampf entbrennt. Der Zwerg rammt seinen Felsspalter mit ungeheurer Wucht in die Flanke des Drachen während der Magier noch hektisch seinen Unterlagen durchwühlt, um den passenden Spruch zu finden. Im selben Augenblick fallen kreischend die Dämonen über den Thorwaler und den Rondrageweihten her. Der nordländische Hüne reißt das Schild hoch und trifft seinerseits mit der Skraja genau auf den Punkt. Gute Attacke ! Brüllt er voller Inbrunst über den Tisch. Der Meister wird etwas blaß, so hatte er sich das nicht vorgestellt. Nun endlich findet auch der Magus die richtige Formel, mit durchschlagenden Erfolg. Er friert einen der Dämonen ein, der Geweihte wird dabei zwar auch etwas in Mitleidenschaft gezogen, doch man kann ja nicht alles haben. Denkt er und schickt noch schnell einen Blick des Mitfühlens über die Tischplatte. Von dort hallt es nur "Ich hab doch schon immer gesagt wir hätten ihm doch ’n Elf geben sollen, wenn diese Magier über Stufe 6 kommen ticken ‘se ab". Der Ausruf verhallt ungehört, denn das Aufheulen des letzten Dämonen geht gerade jedem durch Mark und Bein. (Der Meister ist heute wieder in Bestform.) Da ist aber noch der große Brocken und so sehr sich der Zwerg auch müht allein schafft er ihn wohl nicht.

Dieses gewahr werdend eilt sein Freund der Rondrageweihte herbei. Die Bitte um ein großes Wunder seiner Göttin für diesem Kampf scheint zwar vergeblich zu sein und der Meister wirft ihm auch nur ein verächtliches "Probe plus 99" entgegen, doch was haben sie schon noch zu verlieren. Nun gibt es Tage, da scheinen sich alle Mächte gegen einen verschworen zu haben. Und als sich der infernalische Lärm um das Würfelergebnis legt und auch der Spielleiter mit seinem zaghaft tastenden Blick zum zehnten mal die bittere Wahrheit der drei Einsen verifiziert, erfolgt der unfaßbare Streich des Zweihänders. Aus dem gespaltenen Schädel strömt das Blut, und der Drache sinkt röchelnd da nieder. Die Party rennt euphorisch jubelnd zum Hort, um endlich ihre Beute, in Augenschein nehmen zu können. Da geschieht etwas, welches den Spielern den Atem stocken läßt.

Borbaradmoskitos ! Erst ist nur ein leises Surren zu vernehmen, welches aber schnell in das laute Schnarren eines großen Schwarms übergeht, um schließlich in einem apokalyptischen Kreschendo aus peitschendem Flügelschlag und gräßlich quietschenden Stacheln zu enden. Denn natürlich sind die Moskitos, jetzt da der Meister in Panik geraten ist, so groß wie ausgewachsene Zwergpudel und können nur noch mühevoll ihren schweren Hinterleib vom Basaltboden der Höhle in die Höhe heben. Prompt erfüllt eisige Stille den Raum. Die entsetzten Blicke der Spieler beobachteten wie sich das weit aufgerissene Augenpaar des Meisters immer mehr verfinstert. Die Augäpfel schwellen zu Tennisball großen, purpur glühenden Dum-Dum-Geschossen an. Das Schwarz der Augenränder und der Geifer welcher ihm von den spitzen Eckzähnen tropft lassen nur einen Schluß zu:

"ICH werde euch abschlachten ! Alle ! Ohne Gnade ! Kein Mitleid ! Nur noch die totale Vernichtung jedes einzelnen von euch ! Denn es sind meine Artefakte ! Hört ihr ! Meine, meine MEINE ! ! ! ! !"

Das haben sie nun doch nicht erwartet. Sicher, man hatte mit vielen gerechnet. Dem Ableben im vorhergehenden Kampf, der jähen Vapurisierung beim ergreifen des Methorns, dem gnadenlosen Zorn der Götter. Vielleicht auch ein plötzliches "Ach ich habe ja gar keine Zeit mehr" oder "immer dieses verrutschen in den Absätzen, eigentlich ist das Horn erst in der Gargylhöhle zu finden". All dies und einiges mehr kannten sie. Aber das ! Sterben ist die eine Sache und die Spieler als auch der Spielleiter hatten schon so manchen Helden verschlissen. Nur hier ging es nicht um den Tod. Diesen hätten sie mit Freuden hingenommen, in der Hoffnung vorher einem solchen Artefakt zumindest nahe gekommen zu sein.

Nein, er wollte sie fertig machen, sie seelisch zerstückeln, ihnen jedes Gramm "Heldenspeck" von den Rippen saugen. Er wollte an das Allerheiligste. Ihre EP ! All ihre geliebten Attribute, die schwer erkämpfte Stufe, das wochenlange Tätscheln, Hegen und Pflegen ihrer Charaktere. Umsonst, vergebens, alles würden sie verlieren. Kein heldenhafter Tod. Kein, für Rondra. Kein Ruhm und keine Ehre. Statt dessen Abstiege auswürfeln, Stufen streichen und elendig Verrecken müssen. Aber es gab etwas, das war in diesem Moment des temporalen Seins noch entsetzlicher. Dieses Gesicht. Es grinste sie diabolisch an, wohl wissend das er es wieder geschafft hatte. Sie konnten ihm nichts mehr anhaben.

Vor allem aber, sie würden ES nicht bekommen. Natürlich hatte er ihnen gesagt daß das Artefakt nicht in die Gruppe passen würde. Aber man glaubte ihm nicht. Wie immer, typisch, diese Tiere. Wollen doch tatsächlich klüger sein als Gott. Nun mußten sie teuer zahlen. Die Gruppe schwieg. Alles wartete auf den Angriff. Die blutleeren Gesichter streiften noch ein letztes mal ihre Charakterbögen. Nur der Magier grinste breit. Es war jenes Grinsen, das man schon des öfteren bei ihm und vielen seiner Leidensgenossen, den Irren, gesehen hatte. Schon wollte ihn der Thorwaler an die Couch fesseln und der Zwerg ein Glas Cola light zur Beruhigung seines Kameraden eingießen. Schließlich bringt es jetzt nichts mehr den Spielleiter auszuweiden, so gerne sie es auch getan hätten. Denn soeben ging die erste Staffel Borbaradmoskitos in den Angriff über.

Alle hoben ein letztes mal die Waffen. Auch wenn der Kampf vergebens war, so würden man sich nicht einfach auslutschen lassen. Wirklich alle ? Nein, der Magier nicht. (Nicht doch, er wurde nicht gefesselt. Rollenspieler sind schließlich humane Totschläger.) Der Magus nestelte in seinem Umhang herum. Die Angst hatte ihm anscheinend den Rest gegeben. Wollte er sich vielleicht vor der Nemesis verstecken ? Ein triumphierendes wiehern drang schon aus dem Mund des Meisters. Niemand konnte ihm seine Schätze nehmen, NIEMAND. Die Moskitos setzten zum Sturzflug oder besser Sturzfall an. Das Gesicht des Meisters glühte vor Erregung, die Spieler schlugen verzweifelt um sich, er lachte nur höhnisch über diese lächerlichen Versuche, um im nächsten Moment in sich zusammenzufallen. Er war Asche, war Staub, nicht wert auch nur den Dreck von der Straße essen zu dürfen. Keiner konnte ihn jetzt noch retten. Und das Artefakt ? Es war verloren. In die Klauen des Abschaums würde es fallen. Und warum ? WARUM ? !

Nur weil er sich einmal hatte hinreißen lassen und Regel Nr.1 nicht gefolgt war.: Keine Artefakte für die Helden, sie werden ansonsten zu mächtig ! (Wir lasen bereits darüber) Ja, dieses eine, es war doch so klein, so ungefährlich und harmlos. In einem Anflug von spontanem Großmut hatte er es ihnen nach ihrem ersten Abenteuer überlassen. Vollkommen sicher das es keinerlei Wirkung auf die Welt und seine geliebten Bestien haben würde. Natürlich, denn was sollten diese Kleinkinder mit einer Fliegenklatsche plus 3 schon anfangen können ? Sie waren doch so unbeholfen. Selbst das Würfeln fiel ihnen schwer. Ursprünglich hatte er dieses ganze Universum nur für sich erschaffen, um in Übung zu bleiben. Schließlich war sein Intellekt denen aller andern weit überlegen, weshalb es klar war, daß die nächste Existenzebene die er nach seinem irdischen Ableben erreichen würde nur Gott selbst sein konnte. Diese, seine Welt wäre sowieso viel zu komplex für Normalsterbliche und bevor er sich von solchen Kleingeistern alles in Unordnung bringen lassen würde, spielte er lieber mit sich selbst. Nur sie waren doch so putzig wenn sie mit ihren Hundeblicken schauten und ihn dann noch Meister nannten. Letztlich haben wir doch alle ein soziales Gewissen. Diese verirrten Seelen. Helden wollten sie sein. Da hatte er sich halt breitschlagen lassen. Und nun das.

Breit grinsend erhob der Magus die magische Klatsche. Seine Kumpanen jubelten wie von sinnen. Was dann folgte hätte sogar das tapfere Schneiderlein vor Neid erblassen lassen. Eine Moskitowelle nach der anderen wurde vernichtet. Zum Schluß trieben sie sogar ihre Spielchen mit ihnen und ergötzten sich zudem an der fassungslosen Miene des Meisters. Endlich war der Weg frei. Der Thorwaler konnte als erster den Hort erreichen. Er hob das Horn und sprach einen Toast auf die Gruppe aus. Setzte es an um seine Kehle mit einem der lieblichsten Getränk aller Welten füllen zu können. Schon spürte er die angenehm erfrischende und durstlöschende Wirkung der, Ziegenmilch. Ziegenmilch ? ! Verdammt was soll das ? ! Man hatte sie betrogen, gelinkt, zum Narren gehalten.

Die Augen richteten sich auf den Meister. Dieser lallte nur noch wirres Zeug. Der Sabber lief ihm am Kinn herunter und er hatte mühe nicht einfach nach vorne überzufallen. Die Schmach saß einfach zu tief. Niemals wieder konnte er sich öffentlich sehen lassen. Ein Ausgestoßener der Gesellschaft, das war er nun. Und jetzt ? Da glotzten sie ihn an. "Ich hatte doch gesagt, das Artefakt paßt nicht in die Partie" konnte er gerade noch stammeln. "Nur in der Hand eines Recken welcher mindestens 3 Schritt mißt wird der Kelch zur nie versiegenden Metquelle !" Stille senkte sich über die eben noch quietschvergnügten Helden. Ein leises "das wäre auch zu schön gewesen" war aus der Ecke des Zwergen zu vernehmen. Doch mit einem Mal blitzten ihre Augen auf. Wie auf Kommando sahen sich alle an (außer der Meister, dieser war nun vollends unter dem Teppich verschwunden) und johlten: "der Oger !". Nachdem ausgewürfelt wurde, wer ihn aufblasen mußte und der Zwerg wenig später damit fertig war, (auch wenn er dabei sein gesamtes Mittagessen verlor aber was tut man nicht alles für so ein Schluck Met) band der Geweihte den Kelch an der Pranke des Riesen fest. Und in der Tat, es funktionierte. Immer wieder füllten die glücklichen Helden ihre Humpen mit Met. Es war ein Gelage das seines gleichen sucht. Voller Überschwang prosteten die Spieler sich zu, es wurde gespeist und natürlich von alten Heldentaten berichtet die man erlebt oder gehört hatte. Nur der Druide war ziemlich still.

Der Druide ? Wo war der Druide eigentlich abgeblieben ? Bei dem Kampf vor der Höhle war er noch zu sehen. "Er wird wohl seine Wunden lecken" meinte der Zwerg. "Ich hohle ihn her, damit er mitfeiern kann." Kurze Zeit später kehrte er zurück. "Der hat wohl keine Lust und macht seine Entspannungsübungen die ihm der Medikus wegen seines Rheumas angeraten hat, ihr kennt ja den Eigenbrötler." Allgemeines Gackern und Kichern war von den Partiemitgliedern zu hören, der Alkoholpegel war schon kurz vor Oberkante Unterlippe. Lachend fragte der Thorwaler "Was tut der alte Zausel denn ?". Der Zwerg noch prustend "Stellt euch vor, er kuckt schnurgerade nach Osten und das mit gespreizten Beinen und ausgestreckten Armen". Der Geweihte: "Vielleicht hat ihn unser Magus auch mit festgefroren, seine Sprüche haben zuweilen eine ziemliche Streuung !". Allgemeines Schenkelklopfen und Gelächter war die Antwort. Nur der Magier war aschfahl geworden. Stotternd fragte er in die Runde "Weiß einer wie lange er da schon so steht ? !". Da meldet sich das dünne Stimmchen des Meisters. "Laßt mich schätzen. Neunundfünfzig Minuten ?"

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C. Böhler

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